Festung Liebenau

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. SCR Altach

Fehlstart par excellence

Das Spiel ist keine zwei Minuten alt. Beide Teams starten ambitioniert. Ein weiter, eigentlich völlig harmloser Ball der Vorarlberger besiegelte jedoch den Fehlstart der Schwarz-Weißen. Charalampos Lykogiannis und Christian Schulz im Verbund mit dem Klärungsversuch, die sich gegenseitig behindern. Ersterer verlängert dann unfreiwillig ideal für Nikola Dovedan, der alleine vor Christian Gratzei keine Nerven zeigt und kaltschnäuzig verwertet. Sturm daher mit Ausnahme der Niederlage bei der SV Ried erstmals in Rückstand. Die Grazer präsentierten sich davon allerdings völlig unbeirrt. Die Riesenchance zum Ausgleich folgt rasch: Deni Alar verfehlt nur knapp nach schöner Hereingabe von Stefan Hierländer. Es entwickelt sich eine rassige, emotionsgeladene Partie. Rudelbildung inklusive. Tolle Atmosphäre im Stadion, die Nord mit Bestnoten. Ein echtes Spitzenspiel eben, wenn auch in dieser Form etwas ungewohnt.

Sturm im Rage-Mode

Die Blackies sind fortan, nicht nur auf den Rängen, klar tonangebend. Mehr als die eine oder andere Halbchance wollte sich dabei aber zunächst nicht ergeben. Bis zur 19. Minute. Ein wunderbar getretener Freistoß von Sascha Horvath wird länger und länger, bis er den Kopf des Neo-Kapitäns Schulz erreicht. Dieser verwandelt ideal ins lange Eck und macht das anfängliche Missgeschick wieder wett. Für Aufregung sorgt in der 31. Minuten Bright Edomwonyi. Dieser geht im Strafraum nach einem Laufduell zu Boden, Schiedsrichter Andreas Heiß ließ aber weiterspielen. Das Stadion kocht. Dabei sollte der Unparteiische Recht behalten – klare Schwalbe des Nigerianers. Was allerdings nicht geahndet wurde: Philipp Netzer steigt dem am Boden liegenden Edi im Anschluss absichtlich auf den Fuß. Hier hätte es einer roten Karte bedurft. Vier Minuten später holt Horvath nach schöner Einzelleistung den nächsten aussichtsreichen Freistoß heraus. Lukas Spendlhofer darf nach seinem Traumtor zuletzt wieder ran und setzt den gut getretenen Ball knapp am Kreuzeck vorbei. Sturm kann also auch mit einem Rückstand gut umgehen, soviel war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, ein Tor liegt förmlich in der Luft. Und das fällt wenig später in Minute 37 auch. Alar scheitert nach genialem Zuspiel von Edomwonyi zunächst noch an SCR Altachs Torwart Andreas Lukse, trifft aber im Nachsetzen mit seinem bereits fünften Saisontreffer zur verdienten Führung der Hausherren. Mit jener geht es dann auch in die Pause, weil Dimitri Oberlin, der Goalgetter schlechthin in der noch so jungen Saison, wie Bright Edomwonyi und Boris Prokopic ihre Chancen vergaben, wobei es sich bei jenen der Vorarlberger um Hochkaräter handelte. Durch ist man hier zur Pause noch lange nicht, alles scheint noch möglich zu sein.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Altach im Rage-Mode

Nach Wiederanpfiff machten sich die Blackies das Leben fast wieder selbst schwer. Nach katastrophalem Rückpass kann der gut mitspielende Gratzei in letzter Sekunde retten. Altach bleibt in den ersten 15 Minuten der zweiten Hälfte am Drücker, hat die besseren Strafraumszenen und wirkt gefährlicher. So auch in Minute 53: Nach toller Flanke von Lucas Galvão kommt Dovedan völlig freistehend zum Kopfball, setzt diesen aber glücklicherweise neben das Gehäuse. Die Blackies offenbaren nun – ungewohnt in dieser Spielzeit – vermehrt Schwächen im Spielaufbau und einige Unsicherheiten in der Defensive. Sturm will sich auch mit Fortdauer nicht so recht aus der Altacher Umklammerung lösen, die den Druck aufrecht erhalten. Andreas Lienhart hat in Minute 64 die nächste gute Möglichkeit am Fuß, doch Gratzei steht richtig und pariert souverän. Der Ausgleich scheint jetzt nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch die Festung Liebenau hält weiterhin stand. So auch, als Louis Ngwat-Mahop einen Kopfball in Minute 69 wenige Zentimeter am Tor vorbei setzt. Der fuchsteufelswilde Foda reagiert und bringt Philipp Huspek anstelle von Alar ins Spiel. Zunächst war es Hierländer, der für den Wechsel angezeigt und bereits durchgesagt wurde. Wir schreiben die 73. Spielminute.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Sturm schlägt zurück

Sturm versucht nun zaghaft das Heft wieder etwas mehr in die Hand zu nehmen. Der eingewechselte Philipp Huspek vermag es, die Offensive wieder zumindest etwas zu beleben. Dann kommt’s für die Gäste richtig dick: Stefan Hierländer, doch noch nicht ausgewechselt, schlenzt einen zweiten Ball sehenswert mit dem Außenrist unhaltbar ins lange Eck, bevor er dann tatsächlich das Feld verlassen muss. Die Vorentscheidung ist damit gefallen. Das ganze Stadion ist verrückt und springt. Altach versucht dennoch, sich nicht hängen zu lassen und wirft alles nach vorne. Ein aussichtsreicher Konter wird dann vom zur Pause eingewechselten Patrick Salomon regelwidrig gestoppt, nachdem der pfeilschnelle Huspek durchgebrochen wäre. Rot! Spätestens jetzt ist alles klar. Danach hätte der ebenfalls ins Spiel gekommene Kristijan Dobras via Seitfallzieher fast noch einen draufgelegt.

Eine in Halbzeit eins in allen Belangen stärkere Sturm-Elf setzt sich am Ende glücklich, aber nicht unverdient, gegen in Halbzeit zwei in allen Belangen stärkere Altacher durch. Eine oftmals zitierte, alte Fußballweisheit, derer der Autor sich nun nicht bedienen möchte, kommt einmal mehr zum Tragen. Altach hatte unzählige Chancen, das Spiel noch in eine andere Richtung zu lenken. Doch Sturm machte den Deckel drauf. Die Blackies bleiben somit weiterhin Spitzenreiter. Eine volle Hütte, ähm Festung, gegen Rapid ist damit Pflicht.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Stimmen zum Spiel:

Deni Alar über sein Tor und die gezeigte Moral…

Lukas Spendlhofer über den Spielverlauf…

Philipp Netzer über die intensiv geführte Partie…

Andreas Lienhart ist mit der Leistung seiner Mannschaft nicht zufrieden…

Spieldaten:

 Galerie:

2 Kommentare

  1. letschi sagt:

    Super Edo, super Deni, super Sturm. Supergeil.

    2
  2. django sagt:

    ja eine Festung , gegen Rapid werden in der Kurve 1600 Leute mehr stehen , das heist . WC gang fast unmöglich , Bier und Wurstsemmeln werden ausgehen , wenn man das Gewicht rechnet zusätzlich ca 112000 Kg . ub das die Statik aushält ? werden solche Sachen überhaupt überprüft ? dazu auf jede stufe einer 2er Reihe , ob da alle vor Spielbeginn schon auf ihren Plätze sind bezweifle ich mal , ich finde das ganze sehr Gefährlich

    0

Schreibe einen Kommentar