Fehlstart ins Pflichtspieljahr 2024

Bittere Heimniederlage besiegelt Cup-Aus bei den Frauen des SK Sturm

Updates aus dem Winterschlaf

Vor dem Start in den Frauenfußball-Frühling musste der SK Sturm noch Transfer-Veränderungen bekanntgeben. Tija Šoštarić-Karić wurde aufgrund von zu geringer Spielzeit und in beidseitigem Einvernehmen zurück an den NK Mura abgegeben und Merle Kirschstein, die sich ebenfalls nicht nachhaltig durchsetzen konnte, bekam die Freigabe für einen Wechsel in ihre deutsche Heimat zum Hamburger SV. Die offenen Kaderplätze besetzen nun zwei Neuzugänge, die beide vergangene Engagements beim befreundeten Verein von Werder Bremen aufweisen können: Rachel Avant und Laura Riesenbeck gehören ab sofort dem Kader des ersten Teams an.

Während sich Laura Riesenbeck von Deutschland über die USA nach Graz kommend mit 23 Jahren der sehr jungen Grazer Altersstruktur anpasst, holt der SK Sturm mit der Frankfurterin Rachel Avant eine routinierte Verteidigerin, die mit 30 Jahren und deutscher Bundesliga-Erfahrung trotz starkem rechten Fuß als linke Verteidigerin eingesetzt werden kann. Leistbare Linksfüße für die Defensive gab der Wintertransfermarkt leider nicht her – doch besonders die dreißigjährige Rachel Avant soll sofort helfen und stand auch beim ÖFB Cup-Viertelfinale bereits in der Startelf.

Winter-Neuzugang mit Werder-Vergangenheit beim SK Sturm: Rachel Avant! | (c) Sturmtifo – Neugebauer

Die Zusammenfassung des Frühjahrsauftakts

Von Einlaufmädchen des ASK Voitsberg auf das Feld begleitet, ging der SK Sturm mit hohen Ambitionen in das Spiel gegen Gegnerinnen auf Augenhöhe. Sowohl Michael Erlitz als auch Ersatz-Torfrau Vanessa Gritzner sprachen vor dem K.o.-Duell mit der Wiener Austria vom Traum eines Titelerfolgs, der im Cup realistischer anmutet als in der Liga mit Krösus SKN St. Pölten. Dass der Spielverlauf dann den spielerisch überlegenen, aber selten zwingenden Schwoazn so dermaßen in die Parade fahren würde, war da noch nicht abzusehen.

Mittelfeldmotor Maierhofer führte die schwoaze Elf auf das Feld. | (c) Sturmtifo – Neugebauer

Schon beim Aufwärmen war viel Biss beim SK Sturm zu spüren und die Frauen starteten auch besser ins Spiel. Doch nach einer guten Kopfballchance – Modesta Uka hatte eine scharfe Ecke auf die kurze Stange gezirkelt und die Verlängerung von Kapitänin Sophie Maierhofer striff knapp am langen Eck vorbei – fiel das Team etwas zurück und die Wiener Austria nahm den Kampf um die Bälle im Mittelfeld auf.

Besonders Laura Krumböck und Elena Kössler waren zwischen der 15. und der 35. Minute größtenteils abgemeldet und wurden zu ungenau oder gar nicht angespielt. Das lag einerseits daran, dass mit Katharina Schiechtl die wohl abgeklärteste und routinierteste Verteidigern der Liga bei den Veilchen die Defensivarbeit koordiniert und andererseits, dass mit jedem misslungenen Versuch, das Spiel schnell zu machen, auch das Selbstvertrauen im Ballbesitz schwand. Die Austria presste immer wieder an und konnte sich so Standardsituationen in Form von Eckbällen erarbeiten, wurde aus dem Spiel heraus aber eigentlich nie gefährlich. Bloß war die Matchqualität dadurch von vielen Ballbesitzwechseln geprägt. Die sehr gut gefüllte Tribüne bekam bis auf Modesta Ukas Dribblings wenig Unterhaltung geboten.

Elena Kössler probierte viel. Gegen die Wiener Abwehr half ihr Tempo nur wenig. | (c) Sturmtifo – Neugebauer

Als die Austria dann aus ihrer ersten Chance gleich das erste Tor erzielte, war es endgültig um die schwoaze Selbstsicherheit geschehen. Ein Eckball konnte in einer slapstick-artigen Kettenreaktion nicht aus dem Fünfer geklärt werden und wurde schließlich von Laura Petersen unglücklich über die Linie gedrückt. Die etwa 50 mitgereisten Fans aus Favoriten, die zwar nominell in der Unterzahl waren, aber mehr Stimmung als die etwa 300 Grazer ZuschauerInnen machten, feierten die Führung wie einen Aufstieg.

Nur wenige Minuten später erneut eine Ecke, die per Kopf zentral an die Sechzehnerlinie geklärt wurde. Doch die kleinste Austria-Spielerin kam angelaufen und köpfelte die Kugel in hohem Bogen zurück Richtung Tor, wo sie sich unter der Latte über Torfrau und zwei Verteidigerinnen ebenfalls ins Netz senkte. Aus einer Chance zwei Tore erhalten und ein großer Schock für alle Frühjahrsvorhaben des Heimteams. Die Stimmung auf der Tribüne bei den Violetten wurde immer ausgelassener und nichts ist nerviger als selbstbewusste Auswärtsfans, wie jedeR weiß – eine Erlösung daher der Halbzeitpfiff.

Nicht nur das Spiel war für Sturm ein Negativerlebnis – auch die Schiedsrichterin war in strittigen Momenten oft auf der anderen Seite. | (c) Sturmtifo – Neugebauer

Drei Tore aus einer Chance…

In der zweiten Hälfte änderte sich wenig am Spielgeschehen. Der SK Sturm versuchte viel und drückte auch heftiger an. Besonders Modesta Uka, die quirlige Kössler und Linda Mittermair waren darum bemüht, Bälle in gefährliche Zonen zu bekommen. Die Wiener Austria beschränkte sich auf das harte Verteidigen, Ballwegdreschen und fröhliche Modesta-Uka-Treten. Der Schiedsrichterin war das größtenteils egal. Foulpfiffe gab es, allerdings blieben viele Ermahnungen aus und auch die Gelben Karten hätten zahlreicher gezeigt werden können. All diesen Beschwerden zum Trotz muss auch ehrlich gesagt werden, dass in der zweiten Hälfte nur zwei gute Torchancen raussprangen, wobei bei einer die getroffene Elena Kössler mit Schmerzen am Fünfer lag, während Laura Krumböck den abgeprallten Ball anstatt ins leere Tor auf den Kössler-Rücken drosch – eine bezeichnende Szene für das Spiel.

Wenige Minuten danach rollte das Leder nach einem Zweikampf die Mittellinie entlang und eine Wiener Spielerin drosch den Ball blind nach vorne, ehe eine Schwoaze das Leder erobern konnte. Wieder keine Torchance und dennoch segelte der Klärversuch über das halbe Spielfeld und die vor dem Tor postierte Mariella El Sherif ins Tor. 0:3 nach einer einzigen Torchance für das Auswärtsteam – es war nicht zu fassen. Es folgten weitere Versuche der Grazerinnen, das Ruder irgendwie herumzureißen und zumindest einen Ehrentreffer zu erzielen, doch es sollte an diesem Sonntag nicht sein. Ein bitteres Cup-Aus war die Folge und der Fehlstart ins Frühjahr damit besiegelt.

Gleich nach dem Schlusspfiff wurde der Blick nach vorne gerichtet. | (c) Sturmtifo – Neugebauer

Frauen-Heimspiel-Highlights in März, April und Mai

Und dennoch hieß es gleich nach dem Spiel, den Blick nach vorne zu richten. Der Kampf um Platz zwei in der Bundesliga dürfte dennoch einer sein, den das Team gewinnen kann, denn die Wiener Austria machte keinen unschlagbaren Eindruck. Auch der SCR Altach, der zwar gegen Kleinmünchen im Cup weiterkam, aber im Winter mit Eileen Campbell eine Teamspielerin und seine Top-Torschützin abgeben musste, konnte den personellen Verlust nicht ersetzen. Wenn das Team sich mit Trainer Sargon Duran zusammenrauft, die defensive Standard-Schwäche in den Griff bekommt und seine Chancen nützt, dann kann auch am Ende dieser Saison der Vize-Titel winken.

Besondere Highlights darf sich der Sturm-Anhang bereits notieren: Am 28. April gegen Wacker Innsbruck und am 12. Mai gegen Neulengbach sind zwei weitere Heimspiele in der Gruabn geplant. Doch auch die anderen Spiele der Frauen sind schwer zu empfehlen. Das Team spielt jedes Jahr ansehnlicher und besser und arbeitet hart für den Erfolg – die Schwoazen-Tugenden Kampf und Leidenschaft werden immer auf den Platz gebracht. Deshalb ist schon das nächste Heimspiel am 24. März in Messendorf gegen Altach ein sehr Wichtiges, das Sturm-Fans nicht verpassen sollten.

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