„Es war für mich schon eine Ehre“

Michael Sollbauer im Gespräch mit SturmNetz

In Fachkreisen gilt Michael Sollbauer als „Hundertprozentiger“. Das heißt: Er gehört zu jener Gattung Spieler, die immer alles geben und hart an sich arbeiten, um ihr Potential bestmöglichst auszuschöpfen. SturmNetz bat den Wolfsberger Innenverteidiger in Hinblick auf die Begegnung WAC gegen Sturm Graz zum Interview und sprach mit ihm unter anderem über die Chancen der Lavanttaler, seinen Beinahe-Wechsel zu Sturm, David Beckham und noch vieles mehr:

Michael, warum gewinnt, deiner Meinung nach, am Samstag der Tabellenletzte WAC gegen den Tabellenvierten Sturm Graz?
Wir spielen zu Hause und wollen zeigen, dass mit uns nach wie vor zu rechnen ist. Sturm ist eine qualitativ gute Mannschaft, nicht umsonst steht sie in der Tabelle weit vor uns. Sie verfügt über sehr gute Einzelspieler und hat bereits im Herbst mehrmals bewiesen, dass sie sehr gute Spiele abliefern kann. Über die Stärken unserer Mannschaft möchte ich anführen, dass wir beispielsweise im letzten Spiel, der 0:3-Auswärtsniederlage gegen Rapid, gewinnen hätten können – wenn man sich unsere Chancen ansieht, sogar müssen. Ich denke auch, dass wir die Wintervorbereitung gut genutzt haben. Das hat man in Wien gesehen, auch wenn das Ergebnis noch nicht gepasst hat. Diesmal wollen wir unseren Aufwärtstrend aber auch in Punkte ummünzen. Nach dem Spiel zu reden, wie gut wir gespielt haben, hilft uns in unserer jetzigen Situation kein Stück weiter, wir brauchen Punkte. Am Samstag müssen wir damit anfangen.

In den Printmedien wird dieses Spiel oft zum Pack-Derby hochstilisiert. Für Sturmanhänger gibt es nur ein Derby und zwar jenes gegen den GAK. Wie denkt man in Wolfsberg – auch aufgrund fehlender lokaler Konkurrenz – über diesen Terminus?
Durch die geopraphische Nähe ist es für uns Wolfsberger schon noch am ehesten so etwas wie ein Derby. Immerhin liegt kein Auswärtsstadion näher als jenes in Graz. Spiele gegen Sturm sind immer etwas Besonderes, da Sturm in Wolfsberg einerseits immer viele Zuschauer anlockt und andererseits viele Anhänger aus der Steiermark anreisen werden. Für uns Spieler allerdings ist es ein Spiel wie jedes andere. So etwas wie Derbyfieber verspüren meiner Meinung nach sowieso die jeweiligen Fans eher als die Akteure am Platz.

Im Sommer, von einer Euphorie getragen, habt ihr drei sehr gute Halbzeiten im Europacup gegen Borussia Dortmund abgeliefert. Warum ist es in der Meisterschaft danach überhaupt nicht nach Wunsch gelaufen?
Vor allem am Anfang der Saison haben wir aufgrund der Doppelbelastung doch einige Punkte in der Meisterschaft liegen gelassen. Wir sind dann auch aufgrund von einigen Verletzungen von wichtigen Spielern nicht so richtig in die Spur gekommen und haben uns auch oftmals das Leben selbst schwer gemacht. Wir haben als Mannschaft nicht so funktioniert, wie jeder Einzelne von uns sich das vorgestellt hat. Es gab zwar auch im Herbst eine Phase, wo wir recht ansehnlichen Fußball gespielt haben, aber wenn man die Punkte eben nicht macht, ist man ganz schnell hinten drin. Vor der Winterpause haben wir doch noch gezeigt, dass wir da sind und haben in den letzten vier Spielen der Herbstsaison (Anm.: Auch die ersten vier unter Neo-Trainer Heimo Pfeifenberger) sieben sehr wertvolle Punkte geholt. Allerdings hat auch die unmittelbare Konkurrenz gepunktet, deswegen stehen wir nach wie vor am Tabellenende. Das Feld hat sich allerdings dadurch näher zusammen geschoben, und der Abstand ist nicht mehr so groß, dass man uns zu frühzeitig abschreiben sollte. Bei uns hat sich im Winter einiges getan, daher blicke ich positiv in die Zukunft.

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(c) Wikimedia Commons/Steindy

Bis Mitte September warst du in der Innenverteidigung der Wolfsberger gesetzt, du bist Mannschaftskapitän und auch in der Saison 2014/2015 hast du, abgesehen von Rotsperren, jedes Spiel von Beginn an absolviert. Den Rest der Herbstsaison allerdings bist du nur noch zu drei Einsätzen gekommen. Woran lag das?
Ich denke, dass ich zwar immer mein Bestens gegeben habe, allerdings war das für unseren damaligen Trainer nicht immer zufriedenstellend. Didi Kühbauer hat sich danach entschieden, andere spielen zu lassen. Meine Ersatzleute haben ihre Sache durch die Bank gut gemacht und daher sah Kühbauer keine Veranlassung dazu, seine Entscheidung zu revidieren. Das war keine einfache Situation für mich, trotzdem traue ich mich zu behaupten, dass ich mich jederzeit voll und ganz in den Dienst der Mannschaft gestellt habe. Ich war allzeit bereit, falls mich die Mannschaft gebraucht hätte. Zudem habe ich andererseits auch die Zeit genutzt, um an mir zu arbeiten und mich zu verbessern. In diesem Geschäft geht alles ganz schnell. So etwas wie eine Stammplatzgarantie hat man eben nicht. Meine Leistung hat eben nicht gepasst. Punkt.

Dein Bundesliga-Debüt hast du 2009 noch im Dress von Austria Kärnten gegeben. In einer Zeit, in der dieser Klub von argen finanziellen Problemen gebeutelt wurde. Für die Austria damals ein Fiasko, für dich aber ein echter Glücksfall. Glaubst du, wäre deine Karriere auch ohne dieses Finanzdebakel ähnlich verlaufen?
Das ist eine Frage, die ich mir ehrlich gesagt selbst des Öfteren gestellt habe. Im Nachhinein bin ich froh, dass die Situation damals so war wie sie war. Nicht nur ich, auch einige andere junge Spieler wie Stefan Hierländer oder Markus Pink haben sehr schnell die Chance bekommen, sich ganz oben zu beweisen. Das hat uns sicher gut getan, denn wir haben in jungen Jahren schon viel an Erfahrung sammeln können. Mit diesen Bundesliga-Einsätzen in meiner Vita war auch später der Schritt nach Wolfsberg wechseln zu können definitiv leichter.

Dieses Phänomen hat es ja auch in Graz nach dem Konkurs gegeben: Junge Spieler sind nur zum Einsatz gekommen, da nach dem Konkurs kein Geld für teure Kicker da war. Ein Sebastian Prödl wäre ja ansonsten nie so rasant die Karriereleiter hinaufgeklettert. Ist dies gar typisch für heimische Bundesligavereine, immer nur dann auf Talente zu setzen, wenn es keine anderen Optionen mehr gibt?
Anscheinend ja. Anscheinend läuft das Spiel so. Für uns Junge jedenfalls war es definitiv ein Glücksfall. Ich war einer jener, die davon profitieren durften.

Apropos Kärnten: 46 Jahre Fußball-Europapokal haben vergehen müssen, bis es 2001 mit dem FC Kärnten den ersten Vertreter aus dem südlichsten Bundesland gegeben hat. Auf einen Meistertitel wartet ihr noch immer. Warum hat man das Gefühl Kärnten und Fußball, das ist eine heikle Konstellation?
In Kärnten ist das das Thema Fußball aufgrund der Ereignisse der letzten Jahre ein sehr prekäres. Das muss man verstehen. Ständig sind irgendwo finanzielle Probleme aufgetreten. Für viele Klubs ist es nicht so leicht. Ich denke aber auch, dass Wolfsberg nun schon einige Jahre hindurch bewiesen hat, sich auf ehrliche Art und Weise im Profifußball zu etablieren. Der WAC hat dahingehend doch einiges bewegt, ein Umdenken eingeleitet und dafür gesorgt, dass es wieder Bundesliga-Fußball in Kärnten gibt. Für Akadamiespieler in unserem Bundesland ist ein Verein in der höchsten Liga einfach ein Muss, eine Motivation für den Nachwuchs. Und mit unseren Europacupauftritten haben wir, so denke ich, schon so etwas wie eine echte Euphorie entfachen können. Unser Anspruch muss es sein, dass es in Kärnten einfach möglich sein muss, langfristig und ohne finanzielle Turbulenzen, in der höchsten Liga vertreten zu sein. Wir haben doch einiges bewegt und dem heimischen Fußballsport wieder Leben eingehaucht. Von einem möglichen Meistertitel sind wir aber noch weit entfernt.

Du hast vor Jahren einmal gesagt, für einen Kärntner Fußballer gibt es nichts Schöneres, als im eigenen Bundesland in der Bundesliga zu spielen. Haben sich deine Prioritäten mittlerweile verschoben?
Ich denke generell für jeden Sportler, vor allem vom emotionalen Aspekt her, ist es in deinem eigenen Umfeld, deiner Heimat, am schönsten, Spitzenleistungen zu zeigen. Natürlich gibt es immer interessante Alternativen, auch innerhalb von Österreich, auch andere interessante Vereine. Aber prinzipiell meine ich doch, dass es für mich eine tolle Möglichkeit ist, meinen Sport in meinem Bundesland ausüben zu können.

Du bist ja gebürtiger St.Veiter. Hast du gewusst, dass in der Geschichte von Sturm Graz die Herzogstädter einst so etwas wie ein Angstgegner von Sturm waren? (Anm.: Niederlage in der Bundesligasaison 1983/84, zwei Cup-Pleiten Ende der 70er)
Das ist mir ehrlich gesagt neu. Diese Statistik ist erstaunlich und überrascht mich doch sehr.

 

Es war für mich schon eine Ehre, dass sich Sturm gemeldet hatte und das Ding durchziehen wollte.
– Michael Sollbauer

 

Im Wintertransferfenster schien dein Wechsel zu Sturm Graz schon fast fix. Doch Präsident Riegler hat diesem Transfer einen Riegel vorgeschoben, da er meinte, dass es aufgrund der gegenwärtigen Situation nicht möglich wäre, dich gehen zu lassen. Überwog das Gefühl des Stolzes, beim WAC nicht ersetzbar zu sein, oder der Ärger, dass es aus der, wie du selbst gesagt hast, Riesenchance vorerst noch nichts geworden ist?
Für mich war in dieser Situation schon klar, dass es in dieser Situation für den Verein ein sehr schwieriger Zeitpunkt gewesen wäre. Es war aber bestimmt nicht so – wie es in einigen Kärntner Medien dargestellt wurde – dass ich das sinkende Schiff fluchtartig verlassen wollte. Es war für mich schon eine Ehre, dass sich Sturm gemeldet hat und das Ding durchziehen wollte. Aber als Spieler musst du diese Entscheidung deines Präsidenten akzeptieren. Riegler wollte einfach nicht, dass es im Winter zu einer Schwächung der Mannschaft in einer ohnehin schon prekären Situation kommt. Ich habe versucht, mich wie ein Sportsmann zu verhalten. Natürlich war es auch eine gewisse Auszeichnung für mich, dass der Verein mich in dieser ohnehin angespannten Situation einfach braucht. Wenn sie gesagt hätten, es sei kein Problem, dass ich gehe, wäre es auch irgendwie komisch gewesen. Ich bin daher weiter Spieler in Wolfsberg und werde alles dafür tun, dass wir da unten raus kommen und der WAC auch in der nächsten Saison weiterhin in der Bundesliga spielt.

Nichtsdestotrotz hat dein Berater Markus Klimesch öffentlich verlautbart, dass die Verhandlungen für einen Wechsel nach Graz im Sommer schon „sehr weit“ wären. Wie weit sind sie tatsächlich?
Ich bin natürlich laufend in Kontakt mit meinem Berater, was da dann genau rauskommt beziehungsweise ob überhaupt was daraus wird, kann ich nicht sagen. Genaue Details sind mir gegenwärtig nicht bekannt. Ich kann und will darüber derzeit auch nicht allzu viel sagen. Ich spiele für den WAC, für den Rest ist mein Berater hauptverantwortlich.

Hast du dich eigentlich im Winter bei einem der vielen Spieler des WAC mit schwarz-weißer Vergangenheit genauer über Sturm erkundigt?
Eigentlich nicht explizit wegen des möglichen Transfers. Aber natürlich redet man mit den verschiedensten Spielern immer wieder auch über andere Vereine. Standfest, Weber und Schmerböck haben mich schon über Sturm informiert. Wenn ein Wechsel wirklich konkret wird, werde ich mich sicher noch genauer damit befassen.

Mit Marc Andre Schmerböck könnte ja ein weiterer aktueller WAC-Spieler im Sommer den Sturm-Dress tragen. Siehst du in ihm einen Spieler mit Potential?
Das ist für mich sehr schwer zu beantworten. Marc ist doch jetzt einige Monate bei uns, hat sich auch gut in die Mannschaft eingefunden. Gespielt hat er zwar relativ wenig, aber im Training ist er immer einer, der Gas gibt. Marc ist gerade beim Bundesheer, das ist sicher keine einfache Situation für ihn. Umso wichtiger ist es, dass er nichts unversucht lässt, dran zu bleiben. Ich hoffe, dass er im Frühjahr seine Qualitäten – die er ohne Zweifel hat – auch  zeigen kann. Wir brauchen jetzt jeden Spieler.

Michael, wie sehr nervt dich eigentlich der Begriff „Karawanken-Beckham“?
Naja, so oft höre ich diesen Begriff ja gar nicht. Angesprochen werde ich damit so gut wie nie. Nerven tut es mich jedenfalls nicht.

Eine gewisse optische Ähnlichkeit ist ja nicht ganz zu verleugnen. In welchen Punkten, würdest du sagen, unterscheidest du dich in deiner Persönlichkeit vom ehemaligen englischen Nationalteamspieler?
Da ich ihn persönlich nicht kenne, weiß ich natürlich auch nicht, wie er tickt. Was allerdings ähnlich sein könnte, ist, dass wir beide ganz augenscheinlich Familienmenschen sind. Sonst sehe ich nicht viele andere Gemeinsamkeiten. Keinesfalls bin ich aber einer, der sich gerne in die Öffentlichkeit beziehungsweise in die Medien drängt. Ich denke, das ist ein Punkt der uns mit Sicherheit unterscheidet. Sein Wesen, seinen Charakter und so weiter, denke ich, können ohnehin nur jene Menschen beurteilen, die ihm ganz nahe stehen.

(c) Wikimedia Commons/Steindy

(c) Wikimedia Commons/Steindy

Zum Abschluss baten wir Michael Sollbauer noch folgende Sätze fertigzustellen:

Der WAC belegt im Endklassement der Bundesliga-Saison 2015/2016…
… nicht den 10. Platz.

Sturm Graz wird nach der letzten Runde…
… dort stehen, wo sie einfach hingehören.

Die Fußball-Europameisterschaft 2016 verfolge ich…
… zu Hause mit Freunden.

Meine Freundin würde ich niemals gegen Victoria Beckham eintauschen, weil…
… mir das ehemalige Spice Girl zu mager ist.

Wenn ich nicht Fußballer geworden wäre…
… würde ich wahrscheinlich noch studieren.

Von Didi Kühbauer habe ich gelernt, dass…
… es wichtig ist, alles zu geben.

Meine letzte gekaufte LP/CD war von…
… Bruno Mars.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

5 Kommentare

  1. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Ihr führts schon jetzt as Interview, weils ab Sommer nicht mehr dürfts…

    🙂

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  2. Rene90 sagt:

    derzeit stehen die Chancen für Sollbauer eher schlecht, wenn unser Grieche in der IV so weiter spielt wie die beiden letzten Spiele

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    • Ranger sagt:

      Die Verhandlungen gabs aber auch NACH der Avlonitis Verpflichtung, wo man laut Berater „sei weit“ gewesen ist. Deswegen wäre es ja sinnlos mit ihm schon vorher zu verhandeln wenn man eh schon einen Leihspieler mit Kaufoption verpflichtet hat. Ich glaube, dass Avlonitis sowieso nur bis Sommer bei Sturm ist, um Spielpraxis zu sammeln. Die „Kaufoption“ wird man nur der Formhalber dazugegeben haben, er wird wohl unleistbar sein! Das ist meine Vermutung! Seine Fans auf FB schreiben auch immer „Komme bald wieder“, „Freuen uns auf dich“, …). Wir werden sehen!

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  3. Blacky575 sagt:

    Scheint ein netter, bodenständiger Typ zu sein. Die schlechteste Lösung für nächstes Jahr wäre er wohl nicht. Für Österr.Verhältnisse solide wenn auch nicht überragend. Und in der heimischen Liga muß man Spieler die gerne zu uns kommen und sich geehrt fühlen wenn wir Interesse bekunden auch schon mit der Lupe suchen.

    Avlonitis muss seine guten Leistungen noch über einen längeren Zeitraum bestätigen. Vielleicht gibt man ja im Sommer auch Schoissengeyr ab. Der hat sich bis jetzt nicht gerade gut präsentiert. Aber den wird man wohl eher behalten weil sonst 17+8 in Gefahr wäre auch wenn er kaum Chancen auf Einsätze hat und das mMn zurecht.

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    • Rene90 sagt:

      @Blacky575
      17+8 wird nicht in Gefahr sein, man braucht nur Maresic hoch ziehen, dann kann man diese unnötige Verpflichtung Schoissengeyr wieder abgeben

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