Es lebe der Zentralfriedhof

Spielvorschau: SK Sturm Graz vs. SV Mattersburg

Jeder kennt es. Man(n) steht seelenruhig am linken von drei Pissoirs der verwaisten Restauranttoilette, da überkommt einen zweiten Gentleman das Gefühl, sein eben erst in den Körper injiziertes Bier wieder loswerden zu wollen. Doch anstatt – wie es sich nunmal gehört – sich an das rechte Pinkulatorium zu stellen und somit einen Platz frei zu lassen, gesellt sich der Geselle schmiegsam unmittelbar neben bereits zuvor erwähnten Man(n) an das mittlere Pinkelbecken. Macht man nicht, so will es das ungeschriebene und nun für die Leserschaft protokollierte Gesetz. Ein solches ist auch der traditionelle Frühjahrsauftakt des SK Sturm gegen den SV Mattersburg. Seit 2017 eröffnen die Grazer das neue Bundesliga-Jahr gegen die Burgenländer, seit 2017 ohne Erfolg. Seit dem 1:0-Heimerfolg der Schwarz-Weißen im Jahr 2012 ist das frühnachmittägliche Sonntagsspiel gar der sechste gemeinsame erste Tanz der beiden Mannschaften.

Während der SK Sturm mit der ÖFB-Cup-Niederlage beim LASK bereits das erste Bewerbsspiel des Jahres in den Beinen hat, steigt der SV Mattersburg, der bereits in der zweiten Runde gegen St. Pölten die Pappeln sägen musste, erst mit der Partie in Graz in das Pflichtspieljahr ein. Die Burgenländer erlebten den nicht gerade rosigen Umständen entsprechend eine ruhige Winter-Transferperiode und gaben nur den im Herbst keine Rolle spielenden Verteidiger Raffael Behounek an Wacker Innsbruck ab. Die Kontinuität im Kader schien sich zumindest in der Vorbereitung ausgezahlt zu haben, in denen die Grün-Weißen mit sechs Siegen Selbstvertrauen tanken konnten – Selbstvertrauen, welches der Vorletzte der Bundesliga gebrauchen kann. Mit bisher nur 14 Zählern stehen die Burgenländer bereits fix in der Qualifikationsgruppe, 47 Gegentreffer stellen zudem ex-aequo mit der zwei Punkten schlechter platzierten WSG Tirol die schlechteste Defensive der Liga dar. Das Restprogramm des Grunddurchgangs liest sich für die Mattersburger zudem alles andere als einfach: Es warten Altach (H), Rapid (A) und der LASK (H). Trainer Franz Ponweiser wird wohl in den verbleibenden zehn Spielen der Qualifikationsgruppe beweisen müssen, dass er das in ihn gesteckte Vertrauen zurückzahlen und die Mattersburger vom Abstieg bewahren kann.

„Das ist natürlich ein Brett“

Bei Sturm hingegen darf in Sachen Meistergruppe – obwohl rechnerisch natürlich noch durchaus möglich – schlichtweg nichts mehr anbrennen. Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf den Siebten Austria Wien, zudem haben die Grazer die klar bessere Tordifferenz vorzuweisen. Auf die Steirer warten noch die Admira (A), die Austria (H) und Salzburg (A), spätestens nach dem direkten Duell mit den Veilchen muss aus Sicht der Blackys der Einzug in die Meistergruppe fixiert sein. Am besten natürlich schon früher – und sollte Sturm Mattersburg mit null Punkten heim schicken, wäre, ob der Tatsache, dass sich die Austria und der Tabellenachte Altach bereits gegenseitig Punkte weggenommen haben, der Sack so gut wie zu.

Stefan Hierländer liegt am Boden des Mattersburger Pappelstadions.

Wenn alles nach Plan läuft, muss Stefan Hierländer in dieser Spielzeit nicht mehr gegen den SV Mattersburg auflaufen. © Martin Hirtenfellner Fotografie

Die größte Frage, die sich bei den Grazern in Hinblick auf den Auftakt stellt, ist jene der Aufstellung. Die Sperren von Stefan Hierländer, Juan Dominguez, Ivan Ljubic und Otar Kiteishvili machen Sturms Zentrum noch lebloser als zuletzt. Zudem fehlen der verletzte Isaac Donkor und zu hoher Wahrscheinlichkeit auch Kiril Despodov. „Es ist so, dass mit den Sperren und Verletzungen mehr als die Hälfte der Startelf eine andere sein wird als beim letzten Ligaspiel vor Weihnachten“, sagte Trainer Nestor El Maestro bei der Pressekonferenz am Freitag. „Das ist natürlich ein Brett, aber ich bin guter Dinge, dass sowohl unser Kader als auch unsere Jugendarbeit gut genug ist, das zu verkraften. Das werden wir am Sonntag herausfinden. Aber es werden nicht allzu viele unbekannte Gesichter in der Startaufstellung stehen. Ich werde aber nicht verraten, wer spielen wird oder im Kader sein wird. Ich möchte nicht, dass meine Spieler die Spannung verlieren.“

Wer feiert Premiere?

Fix ist, dass abzüglich der ausfallenden Spieler die gesamte Kadertiefe bis auf den vorvorletzten Mann ausgeschöpft werden wird. Einzig Torhüter Christopher Giuliani sowie ein weiterer Spieler werden wohl nicht im Kader stehen, die Bank jedoch mit vielen jungen Spielern gespickt sein. Christoph Leitgeb soll Sturms Mittelfeld-Zentralfriedhof beleben. Interessant wird die Rolle von Neuzugang Lukas Jäger, der höchstwahrscheinlich ebenfalls sein Startelfdebüt geben wird. „Ich habe beide Positionen trainiert. Sowohl als 6er als auch als Innenverteidiger“, sagte der 25-Jährige. „Ich bin sehr flexibel. Ob ich jetzt im Zentrum oder in der Innenverteidigung spiele, ist mir egal.“ Mit welcher Formation wird El Maestro also spielen lassen? Mit der zuletzt gewohnten defensiven Fünferkette? Oder doch mit einer Viererkette? Gut möglich ist auch eine Hybrid-Variante aus Vierer- und Fünferkette, in der Jäger als abkippende Sechs zum Einsatz kommt. Oder sehen wir vielleicht tatsächlich eine Doppel-Spitze im Sturm? 

Abseits von dieser bis eine Stunde vor Spielbeginn wohl ungelöst bleibenden Fragestellung geht der Sturm-Coach von einem ganz anderen Spiel aus, als es noch jenes gegen den LASK war. „Es ist ein anderer Wettbewerb“, sagte El Maestro, wohlwissend, dass es sich auch beim Spiel im ÖFB-Cup nicht – wie von Google suggeriert – um Basketball gehandelt hat.

Quelle: Google.

„Wir spielen zuhause und es ist ein anderer Gegner. Gut war die Einsatzbereitschaft, der Wille, die Laufintensität und die Zweikampfstärke“, hat El Maestro durchaus positive Aspekte aus der Viertelfinalpleite mitgenommen. „Und im ersten Spiel nach einer Vorbereitung hat das einen großen Wert. Was das betrifft, sind wir gut drauf. Zu einem guten Fußballspiel gehört aber auch viel mehr als diese physischen Parameter.“ Man darf durchaus gespannt sein, wie der SK Sturm das erste Spiel des Jahres gegen einen von der Papierform her schwächeren Gegner bestreiten wird. Ebenso spannend wird sein, mit welchem Brustsponsor die Amateure der Blackys den Aufstieg in die 2. Liga in Angriff nehmen werden. Wie der Verein am Freitag bekannt gegeben hat, wird der Platz am Trikot nämlich verlost. 300 Euro kostet eines der 200 Lose und mit etwas Glück findet man sich für die verbleibenden 14 Spiele auf der Brust des Regionalliga-Mitte-Herbstmeisters wieder.

Spieldaten

Österreichische Bundesliga 2019/20, 19. Runde
Sonntag, 16. Februar 2020, 14:30 Uhr, Sturm-Stadion Graz-Liebenau

Schiedsrichter: Stefan Ebner

Mögliche Aufstellung:

Siebenhandl; Sakic, Jäger, Avlonitis, Spendlhofer, Schrammel; Leitgeb; Huspek, Röcher, Jantscher; Balaj

Ersatz: Schützenauer, Trummer, Ferk, Koch, Shabanhaxhaj, Amoah, Friesenbichler

Gesperrt: Hierländer, Dominguez, Ljubic, Kiteishvili

Verletzt: Donkor

Fraglich: Despodov

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7 Kommentare

  1. black_aficionado sagt:

    Spielerisch wird das heute wohl kein Leckerbissen, aber ich glaub wir sehen am Nachmittag eine Mannschaft die brennt und richtig marschiert!
    Ich finde es zwar bedenklich, dass in der gestrigen PK nach wie vor von einer guten Leistung gegen den ASK schwadroniert wurde, aber das soll der Partie heute keinen Abbruch tun.

    Auf gehts schwoaze! Liebenau wird heute beben!

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    • realistic sagt:

      Leider wird es vor Enttäuschung brennen. Ich befürchte das man wiedermal gegen unterdurchschnittliche Mattersburger verliert

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    • black_aficionado sagt:

      Leider war die Wahrheit am Platz, so wie du es prophezeit hast :/

      Ich bin zwar wie in letzter viel zu oft komplett unterwältigt, aber ehrlich gesagt nichtmal mehr sonderlich überrascht 🙁

      Einfach nicht mehr feierlich das ganze. Leb- und hilflos wie zum Ende Foda II oder Milanic die Truppe

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  2. Ne NeNe sagt:

    Na heut seh ma mal die Jungen spielen
    bin gespannt

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  3. Ennstaler sagt:

    Und so geht es wieder einmal um „big points“; wenn sie Sturm holt, kann ein flow folgen, der den Euroleague-Startplatz einspült. – Wenn nicht – dann wird es wieder ein Gemurkse bis zum Schluss.

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  4. realistic sagt:

    Nach den letzten Desastern im Europacup ist es vielleicht besser wenn wird eine vernünftige zukunkunftsträchtige Mannschaft aufbauen, und nicht wieder solche desaströse Auftritte im EC zu sehen bekommen.

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  5. realistic sagt:

    5 Verteidiger Plus Leitgeb.. Das ist mal eine mutige Aufstellung einer Sturmmannschaft die unbedingt siegen will Ha. Jämmerlich

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