Enttäuschende Leistungssteigerung

Spielbericht Sturm Graz vs. Austria Wien 2:2 (0:1)

Sonntag Spätnachmittag, Spitzenspiel im Sturm-Stadion Liebenau bei herrlichem Fußballwetter und milden Temperaturen. Sonne und Wolken wechseln sich ab. Damit sind auch schon die beiden Teams beschrieben, hängen über den Veilchen bekanntlich dunkle Gewitterwolken, während man an der Mur den Sommer genießt. Ein Spitzenspiel ist es heute also lediglich auf den Rängen, gastiert in Graz immerhin das Tabellenschlusslicht. Christian Ilzer weiß bereits im Vorfeld zu überraschen und rotiert einmal wild durch. Neben Kiteishvili, Gazibegovic, Ljubic und Dante nimmt sogar der Abwehrchef, Gregory Wüthrich, auf der Bank Platz. Die blutjunge Innenverteidigung mit Niklas Geyrhofer und David Affengruber muss es also richten – durchaus gewagt. Zudem rutschen Alexander Prass, Manprit Sarkaria, Lukas Jäger und Andreas Kuen in die Startelf.

VAR-Spektakel bei schwachen Blackys

Nach dem Ehrenankick durch Hansi Fedl, begleitet von einem Geburtstagsständchen der Nord, starten die Gäste aus Wien giftig in die Partie und stellen die umgekrempelte Abwehr bereits nach wenigen Augenblicken vor kleinere Schwierigkeiten. Bei den Schwarz-Weißen ist es Jakob Jantscher, der früh den Abschluss sucht, aber verzieht. Weniger als vier Minuten zeigt die Stadionuhr an, da klingelt es bereits im Tor der Blackys nach gefälligem Kombinationsspiel der Wiener. Doch die Beruhigung folgt sogleich: Der Assistent an der Seite hebt die Fahne. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann allerdings die Erkenntnis durch den VAR, dass es wohl doch kein Abseits war. Ein mögliches Foul soll es nun gewesen sein, das nochmals überprüft werden muss. Dafür eilt Schiedsrichter Sebastian Gishamer dann doch zum Schirm. Kein Mensch kennt sich aus, zwischen drei und vier Minuten weiß niemand, was passiert. Dann ein Zeichen, die Austria-Bank und der Gästeblock jubeln. Tor? Nein. Wohl auch das wurde falsch interpretiert, es gibt Freistoß für Sturm. Bessere Werbung gegen den VAR geht kaum. Fußball gespielt wird dann allerdings doch auch wieder, wenngleich das Dargebotene in der Anfangsphase weit weniger zu gefallen weiß, als dies zuletzt der Fall war. Sturms Angriffsbemühungen wirken behäbig und wenig konsequent vorgetragen, die Gäste bleiben das gefährlichere Team. In der 17. Minute dann ein Foul von der ganz ungeschickten Sorte durch Kuen, der an der Strafraumgrenze völlig übermotiviert in den Zweikampf geht. Gishamer gibt den Freistoß für die Austria aus ausgezeichneter Position. Doch dann abermals großes Bangen: Der Schiedsrichter läuft zum Bildschirm. Das Foul passiert auf der Linie und die gehört zum Strafraum – Elfmeter. Siebenhandl errät zwar das Eck, doch Ex-Blacky Djuricin verwandelt dennoch.

Bitte warten – niemand kennt sich aus © Martin Hirtenfellner Fotografie

Die Umstellungen, obwohl in Hinblick auf das bevorstehende Play-Off-Spiel verständlich, erweisen sich zu diesem Zeitpunkt deutlich als kontraproduktiv, die gesamte Sturm-Elf wirkt über allen Maßen verunsichert. Die Führung für die Gäste hat sich abgezeichnet. Sturm benötigt bis zur 28. Minute, um endlich gefährlich zu werden, dafür gleich so richtig: Nach einer abermals perfekt getretenen Ecke von Jakob Jantscher kommt David Affengruber zum Abschluss, ein Veilchen rettet für die Wiener gerade noch auf der Linie. Viel mehr als eine marginale Leistungssteigerung bewirkte diese Szene jedoch nicht. Weiterhin nutzt Sturm den sich bietenden Raum schlecht und agiert insgesamt zu fehleranfällig. Die in die Startelf gerutschten Akteure geben keine Empfehlung für sich ab. Allen voran die linke Seite mit Andreas Kuen und Alexander Prass wirkt in der ersten Halbzeit völlig von der Rolle. Erst in der 42. Minute wird Sturm neuerlich gefährlich, wieder braucht es dafür eine Standard-Situation. Affengruber kommt zum Kopfball, doch ging diesem eine Abseitsstellung voraus. Wenige Augenblicke später bricht Kelvin Yeboah plötzlich durch, Johannes Handl kann sich nur mit einem Foul helfen und zieht die Notbremse, Gishammer zückt zur Entrüstung des schwarz-weißen Anhanges nur die Gelbe. Zwar läuft Yeboah etwas zur Seite, dennoch ist dies eine strittige Szene – der VAR greift diesmal nicht ein. Mit Fortdauer der ersten Halbzeit konnten sich die Blackys zwar steigern, bleiben allerdings noch vieles schuldig. Die Wiener hingegen mussten für ihre Pausenführung sehr wenig tun, individuelle Fehler machten es den Gästen zu Beginn nur allzu leicht.

Völlige Ekstase und doch Enttäuschung

Beide Teams gehen unverändert in die zweite Halbzeit. Insbesondere bei den Blackys sorgte dieser Umstand durchaus für Verwunderung. Doch Sturm kommt tatsächlich mit viel Schwung aus der Kabine und weiß dies auch gleich in Zählbares umzumünzen. Ausgerechnet Ex-Veilchen Manprit Sarkaria zieht aus 20 Meter ab und lässt einen unfassbaren Strahl ins Kreuzeck los – Traumtor! Für einen kurzen Schock sorgte einmal mehr der VAR, der ein mögliches Handspiel vor dem Tor überprüfte, doch der Treffer zählt. Wie es sich gehört, verzichtet Sarkaria gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber im Übrigen brav auf jedweden Jubel. Endlich explodiert dafür das gesamte Stadion, das bis zu diesem Zeitpunkt verhältnismäßig ruhig war. Gänsehaut-Stimmung hält nun allerdings Einzug im mit 12.529 Zusehern gut gefüllten Sturm-Stadion. Die Blackys spielen sich in wenigen Minuten in einen schier unglaublichen Flow und wissen abermals, wie man daraus Kapital schlägt. Der sich in Topform befindliche Yeboah bekommt das Leder im Strafraum serviert und verwertet nicht allzu scharf, dafür jedoch perfekt platziert ins lange Eck. Die Schwoazen drehen schon wieder eine Partie, ganze drei Minuten haben sie diesmal dafür benötigt. Jetzt steht Liebenau selbstredend Kopf. Die nächste Top-Chance gehört ebenfalls Sturm, Kuens starker Abschluss wird aber noch abgefälscht und dreht sich knapp über das Gehäuse von Patrick Pentz. Die Gäste aus Wien können sich in dieser Phase kaum noch befreien. In weiterer Folge plätschert die Partie vor sich hin.

Ein gewohnter Anblick – Sturm jubelt © Martin Hirtenfellner Fotografie

Dann die 69. Minute: Marco Djuricin bekommt an der Strafraumgrenze den Ball, nimmt sich ein Herz und trifft aus dem Nichts sehenswert zum völlig überraschenden Ausgleich. Sturm agierte in den Minuten zuvor etwas zu lethargisch und wird dafür umgehend bestraft. Das Tempo flacht in weiterer Folge etwas ab, nennenswerte Szenen sind absolute Mangelware. In der 80. Minute ist es der eingewechselte Kiteishvili, der die Führung am Fuß hat. Sein Abschluss wird jedoch abgefälscht und geht denkbar knapp über das Tor. Sturm gibt sich jetzt mit dem sich anbahnenden Remis keineswegs zufrieden und erhöht neuerlich das Tempo – die Führung liegt in der Luft, will in dieser Phase allerdings nicht fallen. Gegen Ende passiert dann nicht mehr allzu viel. So trennen sich die beiden Teams mit einem Unentschieden. Es ist dies ein Ergebnis, das durchaus in Ordnung geht, aus Sicht der Blackys freilich trotzdem enttäuschend ist.

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15 Kommentare

  1. fuchsrob sagt:

    Man sieht dass die Erwartungshaltung momentan enorm ist. Ich bin gar nicht enttäuscht nach Hause gegangen!! Das war das Ergebnis das zu erwarten war. Der Umbau in der Mannschaft zum Start war nötig, aber zu gross. Es haben (noch) nicht alle das gleich hohe Level um den Stamm adequat zu ersetzen. Der Beginn von Hälfte 2 war ein Traum. Das Spiel hat mir generell auch getaugt und die Austria hat auch net so schlecht gespielt. Ein gerechtes X unter dem Strich und keine Enttäuschung.

    • jorge72 sagt:

      kann da nur zustimmen. diese überzogene erwartungshaltung einiger, anscheinend auch des redakteurs dieses artikels der überschrift nach zu urteilen, ist kontraproduktiv. austria hat sicher keine so schlechte mannschaft wie der tabellenplatz zu vermitteln mag. hat man auch schon gegen den konzern gesehen, wo ein unentschieden auch mehr als gerecht gewesen wäre. ruhig weiter arbeiten – von woche zu woche schauen – den teamspirit aufrecht erhalten – rückschläge wegstecken – hungrig bleiben und nicht selbstzufrieden werden… „realistische fans“ , können bei dieser schmalen gratwanderung sicher sehr hilfreich sein.

    • Gernot Hofer sagt:

      Die Enttäuschung bezog sich in erster Linie auf den Spielverlauf bzw. den Umstand, dass man nach Führung „nur“ ein X holte – das ist immer ein bisserl enttäuschend, nicht mehr und nicht weniger. Und der Bericht ging wenige Augenblicke nach Schlusspfiff noch im Stadion sitzend bereits online, da überwog einfach noch dieses Gefühl, wenngleich ich zustimme, dass die Überschrift von mir insgesamt nicht sonderlich glücklich gewählt wurde und gar nicht so sehr das wiedergibt, worauf ich eigentlich hinauswollte.

    • jorge72 sagt:

      @gernot hofer – danke für deine reflektierenden zeilen. dich persönlich anzugreifen war auch nicht von mir beabsichtigt und kann natürlich auch deinen frust verstehen und dass ihr sicher auch noch ein stückweit emotionaler darin verhaftet seid, als der „normale fan“

  2. Tobias sagt:

    Was an dieser Stelle auch mal gesagt werden muss, ist der Fakt, dass es ein verlorener Punkt ist und keine zwei. Wenn die Jungs so weiterspielen und das zeigen was sie können, dann ist das Abschneiden über dem Strich sowieso kein Thema. Danach zählts. Also so lange wir über dem Strich bleiben und uns auf die EL konzentrieren, sind mir solche Punkteverluste und auch Rotationen recht egal. Klar ärgert man sich kurzfristig, wichtiger wirds dann aber nach der Punkteteilung und da ist die Doppelbelastung dann höchstwahrscheinlich ohnehin weg 😉

  3. Schworza99 sagt:

    Also Ilzer sollte mehr rotieren und weniger experimentieren. Prass und Jäger wirkten sehr negativ auffällig auf ihren Positionen. Kuen schwer außer Form. Remis passt schon. Insgesamt sehr guter Saisonstart.

    Natürlich liegt noch viel Arbeit vor uns aber die Saison ist auch noch jung.

  4. Unterton sagt:

    In der ersten Hälfte lief nicht viel zusammen, was bei der Rotation in der Startelf auch zu erwarten war. Kann passieren! Was mich allerdings doch beeindruckt hat, war der Druck, den diese Mannschaft nach der Pause auf die Austria ausüben konnte. Plötzlich begann das Werkl zu laufen! Vielleicht kamen dann die Wechsel etwas zu spät, mit denen man die Hintermanschaft stabilisieren hätte können (Wüthrich, Gazibegovic).

    Ein Remis ist kein Beinbruch!

  5. Nock-74 sagt:

    Vercoacht. Mehr gibt´s dazu nicht zu sagen, außer vielleicht, dass man gesehen hat, dass der Jäger höchstens regionalligatauglich ist!

    • Goe sagt:

      Aus meiner Sicht eben GENAU NICHT VERCOACHT!
      Jeder von uns will gegen die Wiener gewinnen, immer! Eh klar! Aber wenn Du kurz davor bist den 2. Fuß in die Europa League Gruppenphase zu stellen, muss Dir der Gegner einfach egal sein…die Bedeutung für den Verein ist einfach enorm!

      Und nach so einer 1. Halbzeit musst Du mal so auf den Platz zurück kommen und so antworten…sensationell! Ilzer und Hölzl scheinen die Jungs zu erreichen, ich war beeindruckt! So eine Rotation ist auch für die Spieler nicht einfach, auch wenn die Abstimmung in HZ 1 ein großes Manko war…gekämpft haben sie!

      DIE SCHWOAZN IN EUROPA!!!

  6. fid82 sagt:

    Wir mussten rotieren! Hätte zwar Ljubic statt JGS gebracht und einen in der Verteidigung nicht getauscht, aber okay. Ilzer und die medizinische Abteilung wissen schon, wS zu tun ist.

    Man sieht halt auch dass beide AV BUs verletzt sind.

    Gegen Mura würde ich JGS und Hierli zu Beginn draußen lassen. Ljubic auf der 6 und Prass in der Raute.

    • Maldini sagt:

      Warum bitte willst du gegen Mura die beiden wichtigen Defensivakteure „schonen“ und den formschwachen Ljubic sowie Prass auf der falschen Seite aufstellen!?

    • Maldini sagt:

      „Defensivakteure im Mittelfeld“

  7. fid82 sagt:

    Weil sie eine Pause brauchen. Für JGS kommen ann auch noch die Länderspiele.
    Und Prass ist zwar Linksfuss, in der Raute ist es aber kein so großer Nachteil, da er ja mehr halbrechte Seite und nicht den Flügel über hätte.

    Ljubic ist mMn in Form.

    Außerdem, und ich weiß, niemand im Verein darf das sagen, aber gegen Mura mit 3:1 Vorsprung musst du auch mit mehreren reinrotiertendrüber kommen.
    Es geht aber um zu viel.

    • Pata_Negra sagt:

      Das mit dem „müssen“ ist so eine Sache, die uns ganz bestimmt nicht weiterhelfen wird in der Partie. Soll definitiv kein Kleinreden der eigenen Leistungsfähigkeit sein, aber man hat gesehen, zu was Mura im Stande ist, wenn man sie (ab Minute 63) nur lässt.

      Finde „können“ passender, da wir, sofern wirklich jeder wieder an sein Leistungsmaximum geht und auch für das Team läuft, es in der Hand haben diesen Schritt zu machen.

  8. weizenheizer sagt:

    Bitte mit der Erwartungshaltung am Boden bleiben!! Wir haben eine extrem junge Mannschaft, sind super in die Saison gestartet mit 2 Siegen gegen Top6-Mannschaften (LASK, WAC) und stehen kurz vor dem Einzug in die Europa League. Wir werden nicht jedes Spiel gewinnen können, Rotation ist neu für die Truppe, Doppelbelastung für einige, die nicht rausrotiert wurden – auch. Bodenständig bleiben.

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