Eine Legende geht. Eine Legende bleibt.

Einwurf zum Abschied Roman Mählichs

Nun ist es also passiert: Günter Kreissl zieht nach einer katastrophalen Saison die Reißleine – zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres. Es ist dies nun freilich eine vertretbare Entscheidung. Zu desolat präsentierten sich die Schwarz-Weißen, zu wenig – nämlich gar kein – Aufwärtstrend war auszumachen und zu viel Glas wurde zerbrochen, um weiterzumachen, als wäre nichts passiert. Dass es also als erstes den Trainer erwischt, der ohnehin längst in Ungnade gefallen ist, überrascht nicht. Ihn als alleinigen Sündenbock für die derzeitige Situation auszumachen, wäre allerdings falsch und würde viel zu kurz greifen.

Dennoch werden unmittelbar nach medialer Verlautbarung der bevorstehenden Entlassung zwei Dinge klar: Einerseits ist dies der mehr als fragwürdige Umstand, dass Informationen – offensichtlich entgegen des Willens des Vereins – einmal mehr nach außen getragen werden und zumindest ein Vorstandsmitglied wohl nicht zu widerstehen vermag, zum Journalisten seines Vertrauens zu eilen, sobald es etwas Brisantes zu vermelden gibt. Andererseits fällt die sofort einsetzende, schier grenzenlose Freude oder zumindest Erleichterung auf, die mit der Trainerentlassung einhergeht. Denn in Zeiten sportlicher Talfahrten, in denen Verantwortliche rasch in Misskredit fallen und teils sogar auf wüste und mehr als entbehrliche Art und Weise verunglimpft werden, kommt eines stets zu kurz: das Menschliche.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Stets beruft man sich auf den Sturmgeist, vor allem dann, wenn es einmal nicht so rundläuft. Immer wieder ist von der tollen Sturm-Familie, dem starken Zusammenhalt innerhalb dieses Klubs die Rede. Das wurde zuletzt nach dem tragischen Todesfall eines Brigata-Mitglieds einmal mehr auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch unzählige Wortmeldungen – sei es nun in den Social-Media-Kanälen, im Stadion selbst oder gar dann, wenn man dem vermeintlichen Bösewicht gerade zufällig gegenübersteht – konterkarieren dieses eigentlich schöne, Identität stiftende und den Verein ausmachende Bild – bei aller absolut berechtigter Kritik, versteht sich. Daher sei an dieser Stelle der Versuch unternommen, hervorzuheben, den lieben Roman anders in Erinnerung zu halten.

Roman Mählich hat sich auf menschlicher Ebene nichts zu Schulden kommen lassen – im Gegenteil. Roman Mählich ist ein überaus sympathischer Kerl. Roman Mählich verkörpert all das, wofür Sturm seit nun bereits mehr als 110 Jahren steht wie kaum ein anderer. Roman Mählich, das ist der personifizierte Sturm-Geist. Roman Mählich, das ist eine Ikone, dessen unbändigen Willen sich alle derzeitigen und künftigen Akteure zum Vorbild nehmen sollten. Roman Mählich, das ist nicht mehr der Trainer seines Herzensvereins, weil das eben gerade einfach nicht sein hat wollen. Nicht mehr und nicht weniger. Roman Mählich, das ist nach wie vor eine Legende. Eine Legende, die in der langen Vereinshistorie einen prominenten Platz einnimmt. Eine Legende, die unvergessen bleibt.

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12 Kommentare

  1. mario no sagt:

    Dieser Artikel spricht mir aber sowas aus meinem Sturm-Herzen.
    Vielen Dank Gernot Hofer für diesen Beitrag.

    Roman Mählich war vielleicht der falsche Trainer zur falschen Zeit, aber er hat es mit Sicherheit nicht verdient, dass man ihm jegliche Qualitäten abspricht und schon gar nicht, dass man ihn persönlich diffamiert.
    Er hat letztlich das Minimalziel erreicht, wenn auch knapp, wenig ansehnlich und vor allem dank des Unvermögens der Konkurrenz. Aber ich bin mir sicher, dass es genügend Trainer gibt, die hier weitaus gravierender gescheitert wären, wie Roman.
    Nicht auszudenken, wenn Sturm nicht die Qualifikation für die Meisterrunde geschafft hätte, es hätte sogar richtig eng werden können.

    Ich wünsche dem Roman nur das Beste, dass ihn seine neue Aufgabe rasch über die Zeit bei Sturm hinweghilft und er seine unbestrittne fachliche Kompetenz unter Beweis stellen kann.
    Roman Mählich bleibt rückstandslos immer einer von uns.

    7+
  2. schwoaza Peter sagt:

    Danke Sturmnetz,
    es ist immer noch der Mensch Mählich, hat sicher nicht bewusst die Talfahrt herbeigeführt.
    Es hat halt nicht sein sollen, seine Philosophie ist nicht aufgegangen.

    Es würde mich auch freuen wenn bezüglich Sportdirektor wieder konstruktive Kritik kommt und ihn nicht nur Unwissenheit und teilweise komplettes Versagen vorgeworfen wird.

    Es ist eigentlich immer persönliches Empfinden ob etwas richtig oder falsch ist, die Hintergründe kennt wahrscheinlich keiner von uns.

    Beispiele:
    Für manche ist Hosiner der Antikicker in Person, andere wundern sich das er bei Mählich keine Chance mehr hatte.
    Welcher Hype war als Jakupovic kam, für mich persönlich war oder ist er keine Verstärkung.
    Paradebeispiel Avdijaj, einige glorifizieren ihn als den Heilsbringer, andere bezeichnen ihn als Badkicker.

    In diesem Sinne, bitte wieder mehr Sachlichkeit und gebt dem neuen Trainer eine Chance, egal wer er ist und woher er kommt.

    ois für die schwoazn

    swg

    4+
  3. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Mählich trifft keine Schuld dass das er geholt wurde. Der Vorstand sollte mal aufgeräumt werden. Da spürt man quasi die fehlende Kompetenz. Auch Jauk sollte man mal hinterfragen. Wirtschaftliche Stagnation at best und sportlich Achterbahn. Den Grüß-Gott August mach ich euch auch.

    1+
    • schwoaza Peter sagt:

      Mach dir keine Sorgen, das mit`n August kannst eh schon wunderbar.

      Wie bereits oben geschrieben, nichts wissen aber Mund auf.

      swg

      1+
    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Schau dir nur die Stadion-Frage an. Der LASK ist drittklassig geworden, wieder aufgestiegen, Vize geworden, verkauft Spieler um mehrere Millionen und plant ein eigenes Stadion…währenddessen dürfen wir uns kommende Saison mit dem WAC und den Roten eine hinige Arena teilen.

      Tja, da hab ich doch was gewusst…

      1+
  4. dawuede dawuede sagt:

    Wunderbar. Leider ist Mählich halt schon mindestens (!) der zweite dessen absolut verdienter Legenden-Status durch ein missglücktes Intermezzo als Trainer merkbare Schrammen davonträgt. Dies traf bereits bei Darko Milanic zu. Spieler die für und mit Sturm Graz viel erreicht haben und ruhmreich in die Geschichte des Vereins eingingen. Später als Trainer zurück gekommen, und dadurch einiges an Kredit verloren was natürlich schade ist. Selbst Foda, der auch als Trainer Erfolge mit Sturm feiern konnte und Schopp der lediglich für 6 (hundsmiserable) Spiele Interimstrainer war, haben an Ansehen bei den Fans verspielt.

    Einerseits stimmt es natürlich dass man sie nicht negativ in Erinnerung behalten sollte. All diese Personen haben wie gesagt wahnsinnig viel für Sturm geleistet und was als Trainer passiert ist ändert nichts an dem was sie zuvor erreicht haben. Andererseits sollte man vielleicht auch einfach aufhören, Vereinslegenden für derart wichtige Positionen zu holen, denn im Gegensatz zu den anderen war gerade bei Roman Mählich sicher nicht die entsprechende Referenz im Lebenslauf, die für einen Cheftrainerposten bei Sturm Graz befähigt.

    Und dann, kann es auch theoretisch nicht mehr passieren dass jemand den wir alle positiv in Erinnerung haben, in seiner Beliebtheit Schaden nimmt.

    2+
  5. RAM6I sagt:

    Top Artikel, Top Beiträge!!

    1+
  6. Sturmmani sagt:

    Das ist ein super Artikel! Danke dafür!!!
    Roman Mählich – für immer einer von uns!!!

    SWG.

    6+
  7. flo1909 sagt:

    Seits mir net boese aber, im letzten Piefecorner wurde sehr hart mit RM ins Gericht gegangen “ schlechtester Trainer seit Gress“ etc. Also da tragt ihr vll schon ein bisschen Mitschuld, dass RM sehr angegangen wird. Denn man weiss wenn man was in einem offiziellen medium sagt wirds von den anonymen leuten noch verschaerft

    1+

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