Ein zypriotischer Alptraum

SturmNetz-Advent 2018 – #5

Auch in diesem Jahr möchten wir euch die Zeit bis zum heiligen Abend etwas versüßen. Im heurigen Advent blicken wir zurück auf einige denkwürdige Ereignisse aus 3,5 Jahren SturmNetz. Im fünften Türchen widmen wir uns dem denkwürdigen Auswärtsspiel beim AEK Larnaka, das uns in negativem Sinne noch sehr lange Zeit in Erinnerung bleiben wird.

Europapokal, Europapokal,….

Dass man in der Champions-League-Qualifikation gegen Ajax den Kürzeren ziehen würde, haben wohl die Meisten schon im Vorhinein geahnt, weshalb das Ausscheiden gegen die Niederländer einigermaßen verschmerzbar war. Denn man spielte ja auch, wenn auch eine Stufe weiter unten, weiterhin international. AEK Larnaka, ein Klub aus dem südöstlichen Zypern sollte eine machbare Hürde auf dem Weg in das Europa-League-Play-off sein. Doch bereits beim Hinspiel in Graz lief absolut gar nichts nach Plan. Null zu zwei Tore, eine rote Karte und ein verletzter Linienrichter, der von einem Bierbecher getroffen wurde, waren das Resultat eines desaströsen Abends in Liebenau. Die Chance auf den Aufstieg war durch diese Niederlage zwar deutlich geschrumpft, dennoch aber lebte die Hoffnung. 

(c) SturmNetz.at

Am frühen Morgen des 15. August machte sich das zweiköpfige SturmNetz-Team auf in Richtung Larnaka. Über Graz ging es nach München, wo man sich die Zeit des Stopovers mit Bayrischen Hopfenspezialitäten vertrieb. Irgendwann ließ dort ein Blick auf die Uhr die Alarmglocken schrillen, weil das Boarding kurz bevor stand und so hetzte man durch den zweitgrößten deutschen Flughafen, um das gefühlt kilometerweit entfernte Gate zu erreichen. Vergebens! Aber nicht etwa weil der Flug verpasst wurde, sondern aufgrund einer Verspätung, welche die Hetzerei gerade eigentlich obsolet gemacht hat. Gemeinsam in einem Flugzeug voller Touristen (spätestens durch das Klatschen beim Aufsetzen erkennbar) auf der einen, und ein paar schwarz-weißen Schlachtenbummlern auf der anderen Seite erreichte man wohlauf die Hafenstadt Larnaka. Aufgrund der Verspätung war die Teilnahme an der Pressekonferenz jedoch ernsthaft in Gefahr, ebenfalls mussten wir auch noch unser Leihauto abholen, was die ganze Angelegenheit zusätzlich etwas verzögern sollte. Schlussendlich schafften wir es aber pünktlich – wenn auch aufgrund der drückenden Hitze und des ungewohnten Linksverkehrs etwas durchgeschwitzt – zum Stadion. Nachdem wir noch dem Abschlusstraining beigewohnt hatten, suchten wir unsere Unterkunft auf und ließen den Abend bei einem reichhaltigen Mahl sowie einer ebenso reichhaltigen Menge an Kaltgetränken gemütlich ausklingen. 

Das Unheil nahm seinen Lauf

Am nächsten Tag genossen wir einige Stunden an einem Strand etwas außerhalb der Stadt und machten uns am frühen Nachmittag langsam auf den Weg in Richtung Stadion. Die Nervosität stieg, zwei Tore mussten mindestens her und das unter dieser zypriotischen Sonne. Und dann begann das Spiel. Und somit ein wahrer Alptraum. Die achte Spielminute: Ivan Trickovski ließ Sturms Defensive alt aussehen und verwertete zum 1:0 aus Sicht der Gäste. Kopfschütteln auf unserer Seite. Jetzt mussten also drei Treffer von Sturm her. Aber wie? Ecke Zulj und danach plötzlich jubelt Obermair! Hoffnung! Aber nein, der Schiedsrichter entschied auf Abseits. Das wäre so wichtig gewesen. Es war nur ein kurzer Hoffnungsschimmer, denn Sturm tat sich, ähnlich wie schon im Hinspiel, extrem schwer und konnte von Glück reden, dass nicht bereits zur Pause schon alle Möglichkeiten begraben wurden. Nach dem Wiederanpfiff verpufften die Stoßgebete der Grazer recht schnell, die Gastgeber wurden noch selbstbewusster und Sturm zeigte gravierende Schwächen auf allen Ebenen. Nachdem Sandi Lovric in der 59. Minute durch eine sehr dumme Aktion vom Platz gestellt wurde, verursachte Tobias Schützenauer nur gut fünf Minuten später einen Strafstoß, den Jorge Larena zum 0:2 verwertete. Nun ging es Schlag auf Schlag und ein wahrer Albtraum begann: 67. Minute, Trickovski ohne Gegenwehr zum 0:3; 80. Minute, Trickovski bejubelte unbedrängt seinen Hattrick… Das war aber noch nicht alles, denn Florian Taulemesse setzte kurz vor Spielende mit seinem Treffer zum 0:5 den Schlusspunkt einer desaströsen Leistung von Sturm. Mit einem Gesamtscore von 0:7 (!) schied Sturm also aus dem Europacup aus. Nicht nur uns fehlten die Worte, auch die Spieler wussten danach nicht so recht, wie sie sich zu diesem Ereignis äußern sollten. Es war zweifelsohne eine, wenn nicht DIE historisch schlechteste Leistung, die eine Sturm-Elf international jemals aufs Feld brachte. Ohne Kampf, ohne Emotionen, ohne Leidenschaft, aber auch ohne Idee und unterlegen auf allen Ebenen.

Was uns von diesem Ausflug neben dem schalen Beigeschmack einer abzusehenden holprigen Saison, die uns scheinbar bevorstand, übrig blieb, war aber auch die Erfahrung südländischer Gastfreundschaft, herrlicher Strände, schmackhaftes Essen und zum Drüberstreuen ein vorübergehend verlorener Koffer bei unserer Rückkehr nach Graz. 

(c) SturmNetz.at

 

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