Ein unermüdlicher Turbo

Spielercheck: FK Austria Wien vs. SK Sturm Graz

Die SturmNetz-Leserbewertungen der einzelnen Spieler der letzten Partie FK Austria Wien vs. SK Sturm Graz sind abgeschlossen und alle Einsendungen sind ausgewertet. Wir haben den Durchschnitt aus allen eingegangenen Benotungen zu jedem Spieler berechnet, sowie eine (subjektive) schriftliche Beurteilung hinzugefügt. Nach jedem Match wollen wir nicht nur Noten, sondern auch den ehrenvollen Titel „Man Of The Match“ an den Spieler mit der besten durchschnittlichen Gesamtbenotung vergeben.

Man of the Match:

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Thorsten Röcher – Note: 1,48

Äußerst engagierte Partie des Niederösterreichers. Konnte mit dem Querpass auf Huspek auch ein Assist verzeichen, nachdem er sich zuvor stark durchgetankt hatte. Genauso wichtig wie das Assist war sein Auftritt auf der eigenen Torlinie, als er einen starken Kopfball eines Austrianers für den bereits geschlagenen Siebenhandl noch von der Linie kratzte. Röcher war sich der limitierten Fähigkeiten der Austria-Außenverteidiger bewusst und suchte ein ums andre Mal das Einsgegeneins, meistens konnte er sich hier auch durchsetzen. Teilweise agierte Röcher etwas zu ballverliebt, David De Paula wird dennoch eine recht unruhige Nacht verbracht haben beim Gedanken an Röcher.

Dario Maresic – Note: 1,69

Es ist einfach unglaublich. Dieser Teenager spielt ein derart abgeklärtes Spiel, dass man seinen eigenen Augen kaum trauen kann. Immer wieder rettete der Youngster, nahm seinen Gegenspielern wie ein Weltmeister die Bälle von den Füßen, trieb damit so manchen Austrianer zur Verzweiflung, und schwang sich in dieser Partie sogar zum Wortführer in der Abwehr auf, der Puchegger das eine oder andere mal anschrie. Auch in der Spieleröffnung wirkt Maresic sehr abgeklärt, weiß wann es besser ist, einen sicheren Rückpass zu spielen und sieht die Möglichkeiten, wann sich ein riskanterer Pass in die Spitze lohnen könnte. Leichtsinnige Situationen sucht man in seinem Spiel vergeblich. Mit solchen Leistungen hat der Youngstar seine Ambitionen, den derzeitigen Stammplatz auch nach Wiedergenesung seiner Innenverteidiger-Kollegen weiter inne zu haben, bereits mehr als unterstrichen. Seit Sebastian Prödl hat es kein Verteidiger aus dem eigenen Nachwuchs mehr geschafft, sich derartig schnell in die schwarz-weißen Herzen zu spielen. Auch von den Leistungen her kann man durchaus Vergleiche zum Watford-Legionär ziehen. Chapeau!
(Dieser Text ist zu 90% mit der Bewertung vom St. Pölten – Spiel identisch. Dass euch dies nicht aufgefallen ist, zeigt wie konstant die Leitungen Maresics sind)

Philipp Huspek – Note: 1,84

Der zweitschnellste Mann am Platz (gegen Felipe Pires hat kaum jemand ein Leiberl) nutzte sein Tempo regelmäßig, um hinter die Abwehr zu kommen. Mit einem Querpass nach einer solchen Situation leitete er das 2:0 ein, dazu stand er in der ersten Hälfte im Sechzehner plötzlich ziemlich frei und schoss mit seinem ersten Saisontreffer auch das Führungstor für die Grazer. Nach dem 2:0 spielte Huspek dann relativ unauffällig, mit zwei Scorerpunkten darf man sich das aber wohl auch erlauben, obwohl ein paar mehr Entlastungsangriffe gegen Ende hin durchaus angebracht und nervenschonend gewesen wären.

Patrick Puchegger – Note: 2,08

In seinem ersten Ligaspiel für eine Nicht-Amateure-Mannschaft machte sich der Niederösterreicher nicht schlecht. Die eine oder andere Unsicherheit war zwar noch spürbar, und die Abstimmung mit seinen neuen Kollegen war auch nicht immer perfekt, aber das kann man wohl auch noch nicht erwarten. Puchegger scheint ein Spieler zu sein, den man ohne Bedenken einsetzen kann, wenn die Innenverteidiger 1-3 mal wieder verletzt sind. Er steht in der internen Ordnung momentan scheinbar noch vor Luan.

Peter Zulj – Note: 2,14

Jeder Rieder muss sich inzwischen etwas ver…naja, jeder Rieder Fan wird inzwischen wohl an seinem Fußballverstand zweifeln. War Zulj der Abstiegssaison ein ziemlicher Durchschnittskicker, so gibt er bei Sturm den Mittelfeldantreiber, ist hinten und vorne zu finden, schießt sogar hinten und vorne Tore. Dazu ist er immer anspielbar, wenngleich er nicht immer die richtige Entscheidung trifft. Alles in allem eine sehr starke Leistung von Zulj, die „Einzuljung“ des Mittelfeldes tut dem Grazer Spiel sichtlich gut.

Jörg Siebenhandl – Note: 2,19

Zache Partie für einen Goalie. Eigentlich kaum geprüft, einige wenige Chancen großteils solide abgewehrt (Shoutout an die Parade beim Schuss von De Paula), und trotzdem steht man am Ende mit zwei Gegentoren da. Für diese kann man Siebenhandl jedoch sicher keinen Vorwurf machen. Auszeichnen konnte er sich beim Distanzschuss von Holzhauser in der Anfangsphase, bei dem der Keeper seine Sprinterqualitäten bewies und den Ball im Zurücklaufen gerade noch über die Latte lenkte.

Marvin Potzmann – Note: 2,23

Marvin Potzmann tut, was Marvin Potzmann tun muss. Er ist verglichen mit Koch sicherlich der „modernere“ Außenverteidiger, schaltet sich häufiger in die Offensive ein und ist auch immer wieder für ein technisches Gustostückerl zu haben. Das alles geht kaum auf Kosten seiner defensiven Leistung, wenngleich die Austria in der Schlussphase doch zu recht vielen Flanken kam. Sobald in der Abwehr personell wieder einigermaßen Normalzustand herrscht, wird der Burgenländer wohl wieder auf die Bank wandern, aber es ist schön und beruhigend zu wissen, dass mit Potzmann ein fähiger Ersatzmann bereitsteht. Drei starke Außenverteidiger, ich erkenne meinen SK Sturm nicht mehr wieder.

Fabian Koch – Note: 2,35

Die 42. Spielminute hatte alles, was man über Fabian Koch wissen muss. Ein schneller Gegenstoß der Veilchen über links, Felipe Pires treibt den Ball an der Außenlinie nach vorne. Koch rückt aus dem mittleren Bereich des Feldes nach Außen. Naja, eigentlich war es ein Vollsprint, wie auch bei Pires. Koch weiß, dass er langsamer als Pires ist, ein Laufduell hätte keinen Sinn und würde nur in einer garantierten gelben Karte wegen taktischem Foulspiel enden. Es gibt aber eine Chance, Pires hat sich den Ball nämlich sehr weit vorgelegt. Koch setzt also zur Grätsche an. Erwischt er den Ball? Nein, natürlich nicht. Ist das ein Grund, zurückzuziehen? Nein, natürlich nicht. Koch setzt die Grätsche an und spendiert Pires aus vollem Lauf einen Freiflug bis über die Outlinie hinaus. 6000 Austrianer schimpfen und fordern den Platzverweis, die mitgereisten Auswärtsfans jubeln, der Schiri zeigt Gelb. Genau für solche Aktionen liebe ich Fabian Koch, und auch wenn er nach dieser Grätsche noch vier Eigentore erzielt hätte, so hätte ich ihm trotzdem die Note 1,00 gegeben. Wer braucht schon Torgefahr, wenn er Vollsprintgrätschen haben kann.

Sandi Lovric – Note: 2,38

Sandi Lovric stand die Partie über etwas im Schatten von Peter Zulj, war aber dennoch ein wichtiger Bestandteil des Sieges. Ein ums andere Mal war er da, um im Mittelfeld den nächsten schlampigen Holzhauserpass abzufangen, immer bemüht, einen schnellen Gegenangriff einzuleiten. Gegen Ende stand er wie das ganze Team vielleicht etwas zu tief hinten drinnen, alles in allem war das aber eine souveräne, kämpferische Leistung, die seine momentane Startelffixierung absolut rechtfertigt.

Stefan Hierländer – Note: 2,40

Brave Partie von Stefan Hierländer. Diesmal konnte er zwar kein Glanzlicht setzen, aber Führungstore gegen Fenerbahce kann man ja auch nicht jede Woche schießen. Er war vorne unermüdlich unterwegs um die Bälle zu verteilen, ließ sich in der zweiten Hälfte allerdings das eine oder andere Mal zu weit nach hinten ziehen. Dies war aber kein exklusives Hierländerproblem, sondern betraf die gesamte Mannschaft. Nur das Elferfoul gegen Ende des Spiels war dann doch relativ unnötig.

Deni Alar – Note: 3,41

Vicente del Bosque sagte einst: „Wenn du das Spiel ansiehst, siehst du Busquets nicht. Wenn du Busquets beobachtest, siehst du das ganze Spiel.“ Zumindest ein Teil dieser Aussage kann im Spiel gegen die Austria berechtigt auf Deni Alar übertragen werden. Sinnbildlich dafür ist das 2:0, der Alar der letzten Saison hätte den Ball ohne mit der Wimper zu zucken selber versenkt, heuer schlug er am Ball vorbei. War in dem Fall egal, weil Zulj hinter ihm stand, dennoch eine etwas unglückliche Situation. Natürlich ist Alar in der Startelf gesetzt und er ist auch immer für einen Treffer gut, doch ist er auch sicherlich der Spieler, der nach wie vor am meisten unter den Abgängen von Uros Matic und Bright Edomwonyi leidet.

Zu kurz eingesetzt:

Romano Schmid – Note: 1,45

In der 80. Minute für Thorsten Röcher eingewechselt, reichten dem jungen Bursch weniger als 15 Spielminuten, um jeden Sturmfan in orgasmische Sphären zu versetzen. Und ihn danach mit einer simplen Tatsache wieder auf den kalten, harten Boden der Tatsachen zurückzuholen: Romano Schmid ist der erste Bundesligatorschütze, der im Jahr 2000 geboren ist. Jep, wir sind alle alt. Um hier nicht völlig in messias-ähnliche Jubelbeschreibungen auszuufern, endet diese Beurteilung hier, wer noch mehr Interesse an der Leistung Schmids hat, der möge hier klicken: https://www.youtube.com/watch?v=bFbC6kUOuTo

Fabian Schubert – Note: 2,38

Fabian Schubert kam in der 92. Spielminute für Deni Alar. Eigentlich hätte er nur Zeit von der Uhr nehmen sollen, stattdessen erzielte Schubert sogar noch einen Treffer, der leider wegen Abseits nicht anerkannt wurde. Mit seiner körperlichen Präsenz ist er ein idealer Joker, als müder Innenverteidiger möchte ich auch nicht gegen einen 1,90m Prügel spielen.

Das SturmNetz-Team bedankt sich bei 393 eingegangenen Bewertungen und widmet unserem Man Of The Match aus Niederösterreich, Thorsten Röcher, folgenden Song:

 

4 Kommentare

  1. Zu Puchegger: er steht momentan in der Ordnung vor Luan, da dieser noch keine Arbeitserlaubnis hat soweit ich weiß. Stand jedoch noch von Donnerstag.

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  2. rektor sagt:

    Fabian Koch zu lieben, weil er eine Verletzung in Kauf nehmend einen anderen Spieler brutalst umschneidet, zeugt schon von einem seltsamen Verständnis des Fußballspieles und von Fairplay.

    Da kann ich nur hoffen, dass diese Bewertung zynisch gemeint war….

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    • Jimmy sagt:

      Geh bitte – keine offene Sohle, er kommt von der Seite, rutscht vor ihm rein, zieht nicht voll durch und hat den Ball im Kopf. Kommt zu spät, schaut wegen des hohen Tempos schirch aus – mehr aber auch nicht. Pires is ja nicht mal behandelt worden oder war angeschlagen – gar nix. Solche Aktionen hats auch schon gegen uns gegeben, da is nicht einmal eine Sekunde diskutiert worden.

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  3. graz4ever sagt:

    Ja Schubert wär wirklich a gefährlicher Joker..Betonung auf wäre, weil find a Joker sollt vor der 92.min kommen..

    Er wär mmg a vielleicht mal, solange Zulechner no ausfällt, was für die Startaufstellung als „Frontstürmer“ um Alar wieder auf seiner besten Position einzusetzen..

    Aber hey, das is Jammern auf astronomisch hohem Niveau 😉

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