„Ein Spiel gegen Sturm ist für mich noch immer etwas Besonderes“

Roman Wallner im SturmNetz-Interview

Vor der Bundesliga-Begegnung gegen Grödig (Samstag, 16:00 Uhr) haben wir Roman Wallner zum Interview gebeten. Der Sturm-Eigenbauspieler verrät uns unter anderem, warum Grödig doch noch die Klasse halten wird können, warum er nicht unglücklich darüber ist, wenn er in Liebenau ausgepfiffen wird und welche Stationen er sich in seiner Profi-Laufbahn hätte schenken können.

 

Roman, 2014 bist du mit Wacker Innsbruck in die Erste Liga abgestiegen. Warum wird dir das mit Grödig nicht passieren?
In Innsbruck war das eine ganz andere Situation. Wir bleiben zurzeit zwar unter unseren Erwartungen, haben Spiele verloren, die wir eigentlich gewinnen hätten müssen. Aber wir arbeiten hier gut und ich bin mir sicher, dass wir dafür endlich auch wieder belohnt werden und sich alles wieder ins Positive dreht. Das Gefühl war in Innsbruck gegen Ende der Saison nicht da.

Acht Runden vor Schluss fehlen dem SV sechs Punkte auf den Tabellenneunten SV Ried, in der Rückrunde habt ihr bislang aus zehn Runden nur zwei Punkte geholt. Das in dieser Hinsicht zweitschlechteste Team – der SK Sturm – hat in diesem Zeitraum elf Punkte geholt. Ist ein Sieg gegen deinen ehemaligen Verein am Samstag schon Pflicht?
Wir müssen auf alle Fälle punkten. Wir haben im Frühjahr viel zu wenig Punkte geholt. Sturm geht es da ja nicht viel anders. Die Ergebnisse passen dort auch nicht. Was man so aus der Ferne mitbekommt, scheint es dort eine gewisse Unruhe zu geben, trotzdem dürfen wir Sturm nicht unterschätzen, denn prinzipiell ist das eine Top-Mannschaft in Österreich, auch wenn es im Moment nicht besonders gut läuft. Ich glaube, dass beide Teams mit dem Rücken zur Wand stehen, wir wahrscheinlich noch mehr, da wir vom letzten Platz wegkommen müssen. Aber auch Sturm steht unter Druck, daher erwarte ich mir ein interessantes Spiel, da beide Mannschaften punkten, eigentlich sogar siegen müssen.

Die Hinrunde hat der SV Grödig noch auf Platz 6 beendet. Wie kannst du dir diesen Leistungsabfall in der zweiten Saisonhälfte erklären
Im Frühjahr fehlen uns einfach die Erfolgserlebnisse. Ich denke da an das Auswärtsspiel gegen Rapid: Wir hatten bis zur 85. Minute geführt und dann sind wir wegen eines irregulären Treffers als Verlierer vom Platz gegangen. Gewinnen wir solche Spiele, dann hebt das die Moral und das Selbstvertrauen. Wir haben aber geführt und sind dann erst mit leeren Händen heimgefahren. Wir waren – wie auch so manches Mal im Herbst – einfach zu wenig abgebrüht, um diese Partie locker heimzuspielen. Generell haben wir im Frühjahr einige Male in den letzten zehn Minuten einen Gegentreffer erhalten und das hat uns doch einiges an Punkten gekostet.

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(c) Wikimeda Commons/Werner100359

Für dich persönlich läuft es besser als beispielsweise in der letzten Saison. Du hast in diesem Spieljahr bereits 23 Partien absolviert und dabei vier Treffer erzielt. Kommt Sturm für dich gerade zur rechten Zeit, um deine unwahrscheinliche Torquote (18 Treffer gegen Sturm) weiter aufzustocken?
Das stimmt, ja. Ich fühle mich heuer wesentlich besser als noch in der letzten Saison. Aber generell wäre es mir lieber, wir hätten auch als Team eine bessere Bilanz. Gegen Sturm sind mir immer wieder Treffer gelungen, das ist aber noch lange keine Garantie, dass das jedes Mal funktioniert. Ich muss es mir erarbeiten und zu Chancen kommen. Wichtig ist das Endergebnis. Ob ich einen Treffer erziele oder nicht, ist letztendlich völlig egal. Wir müssen einfach wieder Erfolgserlebnisse haben. Gerade im Das.Goldberg-Stadion ist es für viele Teams nicht immer ganz leicht zu bestehen, in der Heimtabelle sind wir ja auch vorne dabei, nur auswärts ist unsere Bilanz wenig erfreulich.

Ist ein Spiel gegen Sturm für dich noch immer besonders?
Auf alle Fälle. Ich habe bei Sturm meine komplette fußballerische Ausbildung absolviert. Zwar bin ich nicht viel zum Spielen gekommen, trotzdem ist es meine Heimat. Meine Familie ist in Graz zuhause, daher ist es immer etwas Besonderes.

Etwas Besonderes ist auch immer die Reaktion der Grazer Fans, wenn du in Liebenau aufläufst. Wann machst du dir eigentlich mehr Sorgen: Kurz vor dem Spiel, im Wissen, dass du von einigen Sturmfans ausgepfiffen wirst oder dann, wenn du nicht mehr ausgepfiffen wirst?
Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann wäre es mir lieber, ich werde ausgepfiffen. Das gehört einfach zum Fußball dazu. Es beweist einem, dass man noch nicht in Vergessenheit geraten ist. Mich erstaunt es trotzdem immer wieder, denn ich denke, in der Kurve stehen sicher sehr viele Fans zwischen 18 und 25 Jahren, die meinen Wechsel von Sturm zu Rapid gar nicht bewusst miterlebt haben und die die damaligen Hintergründe gar nicht kennen können.

Für Sturm hast du ja nur einen Einsatz in der Champions-League gegen Inter Mailand absolviert. Allerdings hättest du schon zwei Wochen vorher die Chance erhalten, wäre deine Schuhpflege nicht mangelhaft gewesen. Kannst du uns über diese Szene in der Kabine erzählen
(lacht) Ich hab am Sonntag zuvor mit LUV Graz noch auf matschigen Boden ein Spiel absolviert und die Schuhe einfach in die Tasche geschmissen. Als ich dann überraschend in den Kader für das Champions-League-Spiel gegen Real Madrid berufen worden bin, habe ich mir die Tasche geschnappt und bin nach Liebenau gefahren. Während der Spielerbesprechung habe ich meine Schuhe ausgepackt. Osim hat das natürlich mitbekommen, hat getobt und mich zum Schuheputzen geschickt. Ich glaube aber nicht, dass ich mit sauberen Schuhen zum Einsatz gekommen wäre. Beim nächsten Spiel – gegen Inter Mailand – bin ich dann auch eingewechselt geworden.

Wie hast du Ivica Osim in Erinnerung und was konntest du von ihm lernen?
Osim hatte immer einen Masterplan im Kopf. Durch kleine Übungen, die er im Training immer wieder durchführen ließ, setzte sich dann was Großes zusammen. Er hat keinen Co-Trainer gebraucht, keine Unterlagen. Osim hatte alles im Kopf. Er hat jeden Spieler verbessert und hatte ein gutes Gefühl für junge Spieler. Gute Kicker haben sein System schnell verstanden, aber auch die Arbeiter innerhalb der Mannschaft hat er durch ständiges Automatisieren dazu gebracht, guten Fußball zu spielen. Ich habe irrsinnig viel von ihm lernen dürfen, aber auch Mischa Petrovic, als er bei den Amateuren als Trainer tätig war, habe ich sehr viel zu verdanken.

Legendär ist ja der Auszucker von Hannes Kartnig, als Rapid dich als damals 17-Jährigen unter Vertrag nahm. Kannst du uns von diesem Wechsel etwas erzählen? War wirklich die Perspektivenlosigkeit bei Sturm der entscheidende Grund für deinen Wechsel?
Prinzipiell hat es sich damals zwar aufgeschaukelt, da sich Hannes Kartnig furchtbar aufgeregt hat. Es wurde auf alle Fälle mehr Wind darum gemacht, als überhaupt notwendig war. Für mich war der Wechsel wichtig, denn bei Sturm wäre ich kaum zum Spielen gekommen. Das war wohl die mit Abstand beste Sturm-Mannschaft aller Zeiten und somit war es irrsinnig schwer, sich als Junger einen Platz zu erkämpfen. Zudem ist in Graz ein Kreuzbandriss übersehen worden, der dann nach meinem Wechsel bei Rapid entdeckt wurde. Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich in Graz geblieben wäre. Prinzipiell war aber der Hauptgrund schon, dass ich bei Rapid – unter Trainer Heribert Weber – die Chance bekommen habe, regelmäßig zu spielen.

Zurzeit läuft es bei Sturm allerdings überhaupt nicht. Auch jetzt verfügt man in Graz über einen Rohdiamanten, dem allerdings auch nur sehr spärliche Einsatzzeiten gegönnt werden. Was würdest du – mit deiner Erfahrung – Sandi Lovric raten? Wie soll er sich verhalten?
Das ist für mich schwer zu sagen. Da muss jeder Spieler selbst ein Gefühl entwickeln: Bekomme ich die Möglichkeit zu spielen? Werde ich mich hier durchsetzen? Wie geht der Trainer mit mir um? Das ist ganz, ganz schwer als Außenstehender zu beurteilen. Ich glaube, Lovric muss da auf Leute in seinem unmittelbaren Umfeld hören. Die werden das ganz objektiv beurteilen, ob er jetzt auf die Chance warten soll oder es besser wäre, den Klub zu verlassen, um woanders Stammspieler zu werden.

Für dich hat sich der Wechsel auf alle Fälle bezahlt gemacht. In fünf Jahren in Hütteldorf gelangen dir 49 Pflichtspieltore. Kann man sagen, das war deine erfolgreichste Zeit?
Ja, das kann man schon sagen. Vor allem war es mein Durchbruch. Es ist bei Rapid für mich immer gut gelaufen. Ich habe viel Spaß gehabt und ich habe mich über Rapid in das Nationalteam gespielt.

Im Inland bist du ja einer der Wenigen, die bei allen einstmals sogenannten Großen Vier gespielt haben, deine Auslandsengagements (Anm: Hannover, Falkirk, Hamilton, Apollon Kalamarias, Xanthi, Leipzig) waren jedoch weniger von Erfolg gekrönt. War das Zufall oder hast du dich einfach nur in Österreich wohl gefühlt?
Wenn man es jetzt im Nachhinein betrachtet, kann man wirklich sagen, dass es im Ausland nie so richtig geklappt hat. Obwohl ich mich eigentlich – abseits des Rasens – überall sehr wohl gefühlt habe. Ich war in gewissen Situationen einfach zu ungeduldig, wollte gleich von Anfang an Stammspieler sein. Da würde ich mich heute anders verhalten. Persönlich haben mich diese Auslandserfahrungen allerdings schon weitergebracht. Ich habe dadurch andere Länder gesehen, Freunde kennengelernt, Sprachen gelernt. Das nimmt einem keiner mehr weg. Als Mensch bin ich dadurch sicher gereift. Aber natürlich hätte ich mich auch sportlich im Ausland durchsetzen müssen.

Du hast eigentlich jede Facette des österreichischen Profifußballs kennengelernt. Du hast im Hanappi vor über 17.000 Zuschauern gespielt hat, aber auch in Grödig vor knapp 1500: Entwickelt sich der rot-weiß-rote Klubfußball – mit seinen vielen kleinen Vereinen in der Bundesliga – zurzeit in eine gute oder schlechte Richtung?
Man muss sagen, wenn ein kleiner Verein wie Grödig in der Bundesliga spielt, dann hat er es sich auch verdient. Viele Traditionsvereine schaffen das nicht. Hier wird ganz einfach gut gewirtschaftet. Ich kann mich an keinen Monat erinnern, wo mein Geld nicht pünktlich am Konto gewesen wäre. Zudem verfügt der Verein über perfekte Trainingsbedingungen und jeder Fußballer, der hier ist, fühlt sich auch wohl. Grödig ist ein sehr familiärer Klub, ideal beispielsweise für junge Spieler, um sich in der Bundesliga zu etablieren und dann zu einem größeren Klub zu wechseln. Dass das Zuschauerinteresse hier sehr zu wünschen lässt, da ist man beinahe machtlos. Aber während dem Spiel, ist man ohnehin fokussiert. Generell befinden wir uns mit dem österreichischen Klubfußball in einer schwierigen Phase. Die Glanzjahre sind vorbei. Vielleicht sind es aber auch nur Umbruchjahre, die einfach sein müssen.

(c) Wikimeda Commons/Werner100359

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Du bist in deiner Karriere zweimal österreichischer Meister geworden, zweimal Cupsieger, hast 29x im Team gespielt. Trotzdem hängt dir immer das Image nach, bei weitem nicht alles aus deinen Möglichkeiten gemacht zu haben. Wie würdest du dieses Argument entkräften?
Wie schon vorher gesagt, wäre bei meinen Auslandsjahren sicherlich mehr drinnen gewesen. Wie es in Österreich gelaufen ist, darüber kann ich mich nicht beschweren. Das schaut von der Statistik her nicht so schlecht aus.

Eigentlich gehörst du ja einer aussterbenden Gattung von Fußballern an, nämlich jenen, die das eine oder andere Mal  gerne über die Stränge geschlagen haben. Mitte der 90er gab es noch einige dieser Kicker, in den letzten Jahren hat man es eigentlich nur noch mit wohlerzogenen, mediengeschulten Charakteren zu tun. Lässt sich die heutige Generation von Fußballern nur nicht erwischen oder sind sie wirklich so brav geworden?
Ich glaube, dass sich auch die heutige Generation an Kickern nicht zuhause einsperrt. Dadurch, dass man heutzutage quasi überwacht wird, sind sie bestimmt vorsichtiger geworden. Ich glaube, ich habe damals nicht mehr aber auch nicht weniger gemacht als andere Spieler. Ich wurde halt erwischt, habe daraus aber auch gelernt. Irgendwann sollte man diese alten Geschichten nicht mehr aufrollen und es dabei belassen. Es sind doch seitdem schon sehr viele Jahre verstrichen.

Insgesamt hast du bislang in deiner Karriere elfmal den Verein gewechselt. Gab es eine Station, zu der du im Nachhinein sagst, die hätte ich mir ersparen können?
Ja, die gab es schon. Allen voran Admira. Dort haben damals chaotische Zustände geherrscht. Ich habe dort über ein halbes Jahr kein Geld gesehen. Auch in Griechenland war es vom Sportlichen her ganz schön turbulent: Die FIFA hat mich damals für sechs Monate gesperrt, da ich innerhalb einer Saison für drei verschiedene Vereine gespielt habe. Das war auch alles andere als angenehm. Zudem habe ich auch dort fast ein Jahr lang kein Geld bekommen.

Gab es eigentlich in all den Jahren irgendwann Anfragen von Sturm?
Ja, die gab es schon. Vor allem in der Zeit unter Mischa Petrovic, der mich unbedingt zurückholen wollte. Aber alle Gespräche haben sich irgendwann im Sand verlaufen.

Ist Grödig deine letzte Station als Fußballprofi?
Prinzipiell fühle ich mich zurzeit körperlich sehr gut. Der Fußball macht mir auch nach wie vor sehr viel Spaß, daher möchte ich es so lange wie möglich auskosten.

Anstatt der obligatorischen Frage nach einem Tipp zum Ausgang des Spiels möchten wir zum Abschluss wissen, in welcher Minute du in guter alter Tradition gegen deinen Stammverein am Samstag ein Tor erzielen wirst?
Das lasse ich bleiben. So etwas wäre überheblich. Unsere momentane Situation lässt so etwas nicht zu. Wir müssen einfach gewinnen! Wie bereits erwähnt, ist es dann völlig egal, wer und wann trifft.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

1 Kommentar

  1. Arch Stanton sagt:

    War nicht immer der vernünftigste, was ihn aber eher sympathisch macht. Das ganze Gespräch zeigt in Wirklichkeit einen überlegten Roman Wallner, ganz im Gegenteil zu meiner Erinnerung an ihn. Legendär der Ausschluß in der Pause, legendär aber auch die Geschichte mit den dreckigen Packeln.

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