Ein Nuller ohne Plan

Spielbericht: Wolfsberger AC vs. SK Sturm Graz 2:1 (1:1)

Christian Schoissengeyr patzt, Majeed Ashimeru ist auf und davon und erzielt das Goldtor zum 1:0 gegen den SK Sturm Graz. Am 10. Februar 2018 sollte der WAC bis zum heutigen Tag zum letzten Mal in einem Pflichtspiel punkten. Mehr als zwei Monate später treffen die beiden Mannschaften wieder aufeinander, bei den Kärntnern hat sich in der Zwischenzeit einiges getan. Trainer ist mittlerweile Robert Ibertsberger, Heimo Pfeiffenberger musste ob der andauernden Erfolgslosigkeit gehen – geändert hat sich nicht viel, noch immer stehen die Lavanttaler wie nach dem Sieg damals mit 20 Punkten da. Die Grazer dagegen konnten in der selben Zeit 13 Punkte mehr einfahren als der Neuntplatzierte und auch überragend ins ÖFB-Cup-Finale einziehen. Nichtsdestotrotz rechnen sich die Kärntner in der 31. Runde der Österreichischen Bundesliga gegen die Steirer, welche unglaublich intensive 120 Cup-Minuten in den Beinen haben, Chancen aus.

Heiko Vogel rotiert im sonnigen Wolfsberg ordentlich durch, gönnt Stefan Hierländer, Dario Maresic, James Jeggo und Cup-Held Bright Edomwonyi eine Pause. Im zentralen Mittelfeld darf Sandi Lovric neben Peter Zulj ran, den Doppelsturm bildet mit Deni Alar der Goldtorschütze von Mittwoch, Emeka Friday Eze. Eines seiner wohl letzten Spiele im Profifußball dürfte Kapitän Christian Schulz bestreiten, Thomas Schrammel komplettiert die 65 Jahre alte linke Abwehrseite. Für die Blackys geht es darum, den Abstand zu den Bullen aus Salzburg vorerst zu verringern und jenen gegen die, seit mittlerweile 10 Jahre ohne Titel gebliebenen, Hütteldorfer auszubauen. Der WAC will sich mit einem Sieg endgültig jeder Relegationssorgen entledigen und 13 Punkte zwischen sich und die blau-gelben Wölfe aus Niederösterreich bringen.

Euphorisch – © Martin Hirtenfellner Fotografie

The Good

Komplett gegensätzlich zu dem Cup-Fight unter der Woche präsentiert sich die Anfangsphase in Kärnten, die beste Chance hat nach 17 Minuten noch Emeka Eze, sein Schuss innerhalb des Strafraums wird jedoch über das Tor abgefälscht. Eine halbe Stunde ist gespielt, der Freistoß in die Mauer von Deni Alar ist dabei nicht das Nennenswerteste zu berichten. Vielmehr sollte erwähnt werden, dass die knusprigen Semmeln, welche zum 4 € teuren WAC-Grillwürsterl beigelegt werden, im Stile eines Fußballs gehalten werden. Richtig knusprig am Platz wird es erst kurz später, als Sasa Jovanovic einen richtigen gefährlichen Schuss aus der Distanz abgibt. Jörg Siebenhandl wäre chancenlos gewesen, die Kugel verfehlt ihr Ziel jedoch knapp. 

Dann klingelt es aber – und zwar auf der richtigen Seite. Die Wolfsberger verlieren den Ball unnötig im Angriffsdrittel, Sturm schaltet blitzschnell um und über mehrere Stationen findet der Ball zu Thorsten Röcher, der abgebrüht zum 0:1 einschiebt. Die Torhymne unseres SturmNetz-Liveticker spielt auf drei verschiedenen Laptops, das Bier schmeckt gut, das Leben ist schön. Urplötzlich aber nicht mehr. Die Grazer sehen sich schon in der Halbzeitpause, da spielen die in weiß auflaufenden Wolfsberger einen halbhohen Ball in die Spitze, dieser wird irgendwie weitergeleitet und Issiaka Ouédraogo versenkt den Ball mit Glück über Siebenhandl im Kasten. Sofort rennt der Mann aus Burkina Faso – mit seinen Händen ein Herz bildend – zur Tribüne und bedankt sich bei seiner anwesenden Familie. Schöne Szenen, für uns und die mitgereisten Sturm-Fans eher weniger. Dann geht es in die Pause. Mit einem Unentschieden. Einem unnötigen Treffer sei Dank.

Ratlos – © Martin Hirtenfellner Fotografie

The Bad

Sturm bestritt diese erste Halbzeit extrem gemächlich und auf einem komplett anderen Niveau als noch vor wenigen Tagen gegen Rapid Wien. Trotzdem schien das lange Zeit gut zu gehen, man hatte die Kontrolle über das Spiel, welches sich zu einem Großteil in des Gegners Hälfte abspielte. Ein glücklicher Treffer kurz vor dem Halbzeitpfiff brachte die schwach auftretenden Kärntner jedoch zurück ins Spiel. Es würde den Grazern gut tun, zumindest einen Gang nach Seitenwechsel hoch zu schalten, um nach 90 Minuten als Sieger vom Platz zu gehen.

Als hätte man es hier verschrien. Während das Spiel bereits wieder läuft, macht Sturm noch Pause. Nach Seitenwechsel übernimmt der WAC zunächst das Kommando und kommt zu einigen Halbchancen. Richtig gefährlich wird es nach einem Distanzschuss von Ex-Blacky Daniel Offenbacher, den Siebenhandl nur mit ganz viel Mühe über die Latte lenken kann. Wenig später fährt Sturm einen Entlastungsangriff über Eze, der setzt sich robust und mit Glück gegen Igor durch, sein Schuss findet aber nicht den Weg aufs Tor. Nach 58 Minuten ist der Arbeitstag für Emeka Eze auch schon beendet, sein Landsmann ersetzt ihn. Wenige Minuten später ist nicht nur eine Stunde gespielt sondern es auch zum Haare raufen. Die Kärntner befreien sich mit einem hohen Ball, den Schulz versucht, runterzustoppen. Das misslingt aber gründlich und Dever Orgill spritzt dazwischen. Dann läuft er, der Jamaikaner, läuft und läuft, umkurvt Jörg Siebenhandl und schießt zur Führung ein.

Schmerzhaft – © Martin Hirtenfellner Fotografie

And the Ugly

Thorsten Röcher geht, Stefan Hierländer kommt, Jakob Jantscher geht, Marc-André Schmerböck kommt. Sturm muss hier etwas unternehmen, um den Wolfsbergern hier nicht die absolute Party zu ermöglichen. Schulz selbst ist es dann nach über 70 Minuten, der nach einem Eckball auf das Tor köpft, aber mit zu wenig Druck dahinter. Die Zeit vergeht, Sturm müsste liefern, es fehlt aber schlichtweg an Ideen und vor allem an PS. Der WAC hingegen hätte mit einem Kracher aus der Ferne von Florian Flecker die Möglichkeit gehabt, alles klar zu machen, sein Schuss streicht aber über die Latte. Wir schreiben bereits die 90. Minute, da hat Sturm in Person von Bright Edomwonyi plötzlich die Riesenchance auf den Ausgleich. Nach der so ziemlich einzigen wunderschönen Aktion in Halbzeit 2 mit einer Kombination über mehrere Stationen spielt Hierländer den Ball flach in den Rückraum. Edi nimmt den Ball direkt, trifft aber nur das Außennetz. 

Dann gibt es vier Minuten Nachspielzeit! Und in denen passiert das Unglaubliche! Nämlich genau nix. Der SK Sturm verliert – verdient – mit 1:2 in Wolfsberg und kann nach einer unglaublich schwachen Leistung damit wohl alle Titelträume in der Liga begraben. Wenn nämlich Salzburg trotz eines so intensiven Spielplans, wie sie es haben, Woche für Woche seine Leistung bringt, darf man ein Cup-Halbfinale nicht als Ausrede zählen lassen, will man ein Wörtchen mitreden. Und nicht nur das, durch diese unnötige Niederlage muss man nun auch aufpassen, nicht auch noch Platz 2 an Rapid zu verlieren. Denn: Gewinnen die Wiener am Sonntag gegen die Admira, könnten die Grün-Weißen mit einem Sieg im direkten Duell nächste Woche bis auf zwei Punkte an die Grazer heranrücken. Der WAC hingegen feiert hier, als hätte man die Champions League gewonnen. In Realität waren es nur die ersten Punkte nach acht Niederlagen in Folge, trotzdem ist das Wort „Abstieg“ für die Kärntner nun erstmal ein Fremdwort. Das einzig Positive an diesem Nachmittag: Die Grillwürstel und die Fußball-Semmerl.

Spieldaten

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13 Kommentare

  1. blackfoxx sagt:

    Katastrophal…war noch selten so enttäuscht, wütend und desillusioniert…wir marschieren mit stolzgeschwellter brust ins cupfinale, niemand kann uns stoppen…und dann lassen wir uns von einer mannschaft herrichten, die 8 mal am stück verloren hat, mit tordifferenz 3:20. Die mannschaft schaft es wirklich jegliche euphorie sofort zu töten. Und bitte kein wort über müdigkeit oder so einen dreck, salzburg zeigt wie das geht…man muss halt mit dem kopf bei der sache sein, sonst geht nix…ich zweifle daran, ob hier was entstehen kann, wenn die mannschaft nur leistung bringen kann, wenn es um viel geht und der “alltag“ vernachlässigt wird…in zwei runden sind wir platz zwei los, sturm wird nicht in der lage sein, rapid nocheinmal zu erwischen, in salzburg ist ohnehin nix zu holen…achja: und schulz sofort suspendieren und ihm eine “verabschiedung“ von den fans ersparen…

    4+
  2. Siro sagt:

    Sehr geehrter Herr Schulz!
    Sie waren jahrelang ein gestandener Bundesliga-Profi in Deutschland, haben es sogar in das Nationalteam geschafft. Das wird Ihnen keiner mehr nehmen können.
    Vermutlich sind Sie nach Österreich gekommen, um noch einmal abzukassieren bzw. sich noch einmal zwei gemütliche Jahre in der „Operettenliga“ zu machen. Die Katastrophe hat eigentlich schon damit begonnen, dass Sie unser Meistertrainer gleich einmal zum Kapitän befördert hat, obwohl von sofort abzusehen war, dass ihre Konstitution für die dann doch nicht ganz so schlechte öst. Liga reicht. Da hätten Sie Größe zeigen sollen und sich das eingestehen.
    Aber nein, ganz im Gegenteil, in diversen Interviews gabs noch zynisches Lächeln und keine Spur von Verantwortung für Fehler übernehmen. Der Fixplatz war unter Foda garantiert, hat kommen können was wollen.
    Nicht nur Ihre Fehler haben Sturm einiges gekostet, ich erinnere nur an die Patzer in der EL-Quali, zudem waren Sie 2 Jahre lang mit Abstand der Topverdiener innerhalb des Teams.
    In Deutschland wird man davon wohl nichts mitbekommen, aber zumindest im kleinen Ösi-Land haben Sie Ihren Ruf für alle Ewigkeit ruiniert.
    Vielleicht haben Sie die Größe und sagen nach diesem Katastrophenspiel vorzeitig Lebewohl und haben den Anstand, zumindest ihre letzten beiden Monatslöhne an die Sturm-Jugend oder an Schwoaze Helfen zu spenden. Das wäre eine schöne Art der Entschuldigung und ein bisschen Wiedergutmachung. Sie würden auch ohne diese beiden letzten Gehaltszahlungen nicht zum Sozialfall werden.
    Hab aber daran Zweifel, doch ich lass mich überraschen.
    Liebe Grüsse!

    32+
  3. SKPSG sagt:

    Jetzt muss ich meinen Frust mal kurz raus lassen!

    Wir haben wegen Schulz verloren!!! Und zwar zu 90% wegen ihm. Alle beiden tor verschuldet. Bei ersten zu langsam, wie immer, um auf seine Position zu kommen,  bzw dem wac hinterherzulaufen. Beim zweiten Gegentor zu unfähig den Ball anzunehmen.  Und in min 86 wärs fast nochmal schiefgegangen weil er denn ball wieder mal nicht annehmen kann.

    Alar, Edi waren heute auch nicht vorhanden,  glatte 5 von mir, aber das war nicht ausschlaggebend. Wir hätten das 1:0 über die Zeit spielen können und 3 punkte einfahren. Aber nein. Schulz.. Ich seh das als die letzten Nachwehen der Goldlocke Ära an.. brrrr..

     

    11+
  4. glockgame sagt:

    Trauerspiel….

    Anstatt Platz 2 abzusichern, lässt man Rapid und Lask näher kommen. Ich trau unseren sogar zu, nach 36 Runden nur 4. zu sein!

    Weil um ehrlich zu sein, 2x gegen WAC zu verlieren, gegen Mattersburg, Salzburg, Austria, viel Punkte haben wir in den bisherigen 11 Frühjahrsrunden nicht gemacht…5 Niederlagen in 11 Spielen ist nicht unbedingt berauschend, der 2. Platz wäre da ja fast ein Wunder, würde man den halten können, was ich aber eh nicht glaube.

     

    7+
  5. HW sagt:

    Ihr seid so tolle Fans, ja das war ein furchtbares Spiel und ich möcht auch Schulz nicht mehr sehen . Was hier aber abgeht ist unter jeder Kritik , sofort ist alles schlecht und wir werden noch 4 und überhaupt. Ihr sollt euch einmal selbst hinterfragen.

    3+
  6. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Ist halt extrem bitter wennst dir so die Euphorie wieder zusammenhaust…es kommen noch Salzburg und Rapid, also muss man höllisch auf den 2. Platz aufpassen.

    Und ich hoffe Schulz steht beim Cupfinale nicht im Kader und im Fall der Fälle sollte Alar oder Spendi die Trophäe entgegen nehmen. Man kann über alles reden aber als Topverdiener und Kapitän darfst nicht so extrem und eklatant schwach spielen. Schoissi und Hierli spielen wahrscheinlich nicht wegen der Verträge (jaja Spieler ist angeschlagen…wer setzt einen Spieler auf die Bank der nicht fit ist?). Diese Niederlage hat sich die Mannschaft selbst eingebrockt. Ist Vogel Schuld weil er Schulz aufstellt? Naja wennst den Kapitän nicht aufstellst ist die Hierachie kaputt. Aber eines kann man sagen: Der Schulz Transfer war ein teurer Flop. Ich hoffe die Jungs zeigen gegen Rapid wieder Kampfgeist, ansonsten könnte das Undenkbare wirklich noch eintreten…

    5+
  7. Arch Stanton sagt:

    Geh bitte. Wir haben verloren und schlecht gespielt. Ja, passiert. Aber auch das muss es geben und wird es immer wieder. Schweinskick folgt auf bestes Spiel der Saison. Wenn wir konstant Spitzenspiele abgeliefert bekommen, würden wir es irgendwann nicht mehr bemerken.
    Wer vorher wissen will, wie es ausgeht, soll Titanic schau’n. Sonst bitte ich hier um Contenance.
    Wir sind Sturm Graz und spielen eine gute Saison, sind Zweiter und im Finale.
    Gute Kapitelüberschriften übrigens.

    2+
  8. RAM6I sagt:

    Bei den doch sehr guten Eindrücken der Mannschaft, wenn Sie mal bei der Sache sind. Hätte ich  nicht drauf gewettet, das wir uns um Platz zwei Sorgen machen müssten. Eher vermutete ich doch den Kampf um Platz 1

    Aber leider kann man sich auf zwei Konstante bei Sturm verlassen, sich selbst das Leben schwer machen (einsame Spitze) und in Koma liegende Klubs wieder zum Leben zu erwecken.

    Zu Schulz habe ich schon x Runden zuvor gewarnt, doch leider wird er immer wieder aufgestellt. (Stammplatzgarantie im Vertrag?? )

    Am Ende vll. Dritter/Vierter zu werden wäre eine Enttäuschung, selbst wenn man das Cup-Finale gewinnen sollte.

    3+
    • graz4ever sagt:

      Also i wurde den Cup-Titel (für die Ewigkeit!!!), wenn i mi entscheiden müsst, einer einzigen Quali-Runde CL vorziehen+als 3. halt EL spielen, wo unsere Möglichkeiten auch realer wären..

      Aber hey, i würd das eine Spiel, wo halt a extrem unglücklicher Spielverlauf+Pech no dazukommen is, net überbewerten!

      Habt etwas Selbstvertrauen und vor allem auch Vertrauen in unsere Mannschaft!

      Wir sind (no immer) Zweiter und können Rapid jederzeit wieder schlagen!!!

      10+
  9. Ennstaler sagt:

    Spätestens seit dem 0:3 des FC Barcelona gegen die AS Roma muss jedem klar sein, dass ein noch so großes Übergewicht an Ballbesitz sich nicht auch in entsprechend mehr Toren niederschlägt. Mit jeder Minute mehr, in der kein Tor fällt, wächst das Seblstvertrauen der Defensivmannschaft und zugleich der Frust bei den Angreifern. Wenn Vogel hier eine Lösung findet, sind das pro Saison mindestens 15 Punkte mehr. Es ist sicher kein Zufall, dass Sturm dann am besten ist, wenn der Gegner nicht mauert, sondern selbst versucht, das Spiel zu gestalten.

    2+
  10. Ennstaler sagt:

    Jetzt merkt man, dass der Abgang von Lyko Sturm vor allem in der Verteidigung geschwächt hat. Wozu hat man schon im Sommer Puchegger geholt, wenn man dann den bei Rapid ausgemusterten Schrammel aufstellt?

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  11. glockgame sagt:

    Laut heutiger Kleine-Printausgabe wird Puchegger abgegeben

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