Ein Foda für ein Halleluja

Das war sie also, die Saison 14/15. Eine Saison, die dann mit Platz 4 doch nicht so positiv zu Ende ging, wie es eigentlich möglich gewesen wäre. 

© Steindy (Wikimedia Commons)

CC-BY-SA Steindy (Wikimedia Commons)

Nach einem mehr als durchschnittlichen Start unter Darko Milanic kam der "verlorene Sohn" zurück, drehte an ein paar Schrauben und schiffte den stotternden Kahn auf den soliden 4. Tabellenplatz; ob das unter dem gelernten Schiffsmechaniker auch erreicht worden wäre, darf bezweifelt werden. Die „Schwoazen“ spielen nächste Saison also wieder international. Dass dafür auch ein Kader her muss, der einer Dreifachbelastung standhält, ist hoffentlich allen bewusst. Am Ende dieser Saison, in der der Verletzungsteufel nochmal richtig umrührte, kommt die erlösende Sommerpause genau richtig. Zu wenige Alternativen hatte Foda in den letzten Wochen zur Verfügung, keine Ausrede, aber sicher ein Hauptgrund warum der Kampf um Platz 2, und am Ende auch Platz 3, kläglich verloren ging. 

Ab Runde 11, einem 0:1 Auswärtssieg gegen Grödig, liefen die Sturmkicker wieder unter den Anweisungen Fodas aufs Feld. Am Ende liest sich seine Statistik durchaus positiv: Nach 26 Bundesliga Spielen unter Foda gab es 13 Siege, 7 Unentschieden und 6 Niederlagen, macht zusammen 46 Punkte in der Meisterschaft und einen Punkteschnitt von 1,77 Punkten pro Spiel. In der Saison 2010/11 schaffte man mit einem Punkteschnitt von 1,83 und holte damit die dritte Meisterschaft. Zusätzlich gab es noch die schmerzliche 1:0 Niederlage gegen Rapid im Achtelfinale des ÖFB Cups.

In der gesamten Saison holte Sturm 16 Siege, 10 Remis und 10 Niederlagen, schoss 57 Tore (Ø 1,58 Tore pro Spiel) und kassierte unglaubliche 109 Karten – damit ist man unangefochten Ligaspitze im Kartensammeln. Am Ende steht Platz 4 zu Buche, was dank dem Pokalsieg von Meister Salzburg eine Qualifikation in der 3. Runde bedeutet. Hier wird man wahrscheinlich ungesetzt sein und schwere Gegner bekommen, erspart sich aber wenigstens eine Runde mit unattraktiven Gegnern.

Foda impfte dem Team wieder Selbstvertrauen ein, gab eine klare Marschrichtung vor und schaffte es, Individualisten zu Teamplayern zu formen. Dennoch muss man festhalten: Schwer hatte es Foda nicht. Die Mannschaft war durchaus intakt, Milanic hatte nach Hyballa und dem kurzen Intermezzo von Schopp eine deutlich schwierigere Aufgabe vor sich, die er zu lösen nicht im Stande war. Oft hatte man das Gefühl, dass es an einer besseren Kommunikation zwischen ihm und der Mannschaft fehlte. Am Ende war es wohl doch die fehlende deutsche Mentalität, als der Mangel an einem verständlichem Deutsch. Hier muss man Goldbrich noch einmal gratulieren, man wurde einen Trainer los, der am Ende völlig hilflos wirkte, lukrierte Ablöse und holte mit Foda einen Mann, der genau weiß wie die Uhren in Graz zu ticken haben. 

Nach überstandenen Männergesprächen war die unglückliche Trennung samt Abschiedspressekonferenz am Parkplatz vergessen, Foda konnte sich nach seiner Rückkehr voll und ganz auf das Sportliche konzentrieren. 

Die Medien scheuten jegliche Konfrontation mit ihm und auch das Präsidium stand zu 100% hinter dem gebürtigen Mainzer. Nach zuletzt sechs sieglosen Spielen im Meisterschafts Finish oder nach der Doppelpleite inklusive Cup-Aus gegen Rapid blieb es ruhig, das wäre unter Hyballa unmöglich gewesen. Auch die Zuschauer kamen zahlreicher ins Stadion: „Foda schauen“, hieß es am Anfang, nach und nach kamen die Fans auch wegen dem sportlichen Erfolg.

Taktisch hat sich Foda ein wenig verändert, weg vom flachen 4-4-2 mit Doppel Sechs, die kam diese Saison nur drei mal zum Einsatz, sein neues präferiertes System ist ein 4-2-3-1.

Der Grundgedanke in Fodas Spiel bleibt derselbe: Aus einer kompakten und gesicherten Defensive herausspielen, das Flügelspiel forcieren, ein schnelles Umschalten nach Ballgewinn – alles ist ein wenig moderner und variabler geworden. 

Am Anfang setzte Foda personell auf Altbewährtes und hatte damit prompt Erfolg. Christian Gratzei wurde wieder als Stammtorhüter montiert, Martin Ehrenreich von der Ersatzbank befreit und im Winter mit Roman Kienast ein Schlüsselspieler der Meistersaison wieder an die Mur gelotst. Nach und nach fand Foda seinen Stamm. Spieler wie Piesinger oder zahlreiche Verletzungen trugen aber auch einiges dazu bei, dass sich die Mannschaft oft von alleine aufgestellt hat und so blieben große Überraschungen aus. 

Am Ende hat Foda sicher mehr richtig als falsch gemacht, das angepeilte Ziel, nächste Saison international zu spielen, wurde erreicht, wofür diese Saison aber auch Platz 5 genügt hätte. Mit Foda kam keine große Veränderung nach Graz, aber jemand der weiß, wie man mit einer solchen Mannschaft Erfolge feiern kann. Man spielte sich schnell ein, phasenweise schaffte man einen richtigen Lauf. Spannend wird es zu beobachten sein, wenn alles mal nicht mehr so rund laufen wird und der Wind etwas rauher über die Trainingsplätze in Messendorf pfeifen wird. Jetzt hat Foda erst mal eine gesamte Saisonvorbereitung vor sich und so wie es aussieht, bleibt ihm dafür sein Stamm der letzten Wochen erhalten. Lediglich mit Marko Stankovic, der wegen eines Kreuzbandrisses wohl bis Ende Herbst ausfallen wird, würde aktuell nur ein Stammspieler die Vorbereitung verpassen. Mit Esser und Potzmann konnte man sich schon gezielt verstärken oder zumindest die Konkurrenz innerhalb der Mannschaft erhöhen. Es folgt eine spannende und nicht minder intensive Zeit für Franco Foda und es spricht nicht viel dagegen, um sich auf eine weitere Saison unter Franco Foda zu freuen.

5 Kommentare

  1. sturm1909 sturm1909 sagt:

    Das spiegelt die gesamte Sasion sehr gut wieder toller Rückblick auf die Zeit als Foda Sturm Graz überhnam es ist alles auf den Punkt gebracht was der Trainer bis jetzt geleistet hat und ich freue mich schon wie es weiter gehen wird. Vorllem Potzmann und Esser werden unser Team mit der Zeit bestimmt verstärken.

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  2. geisi sagt:

    Also ganz versteh ich das Lob für Goldbrich nicht. Das Foda geholt wurde war eine reine Jauk Geschichte und das ein Verrückter Milanic aus seinem Vertrag holt kurz bevor er mit nassen Fetzen aus der Stadt gejagt worden wäre war wohl das größte Wunder seit Wasser in Wein verwandelt wurde. Wo das mit Foda hinführen wird, weiss wohl keiner, ich fürchte, dass auch die zweite Ehe mit einem Rosenkrieg enden wird.

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    • Moritz Lösch Moritz Lö sagt:

      Man kann GG in diesem Fall einfach stellvertretend für den ganzen Verein sehen: Leeds hat zuerst sicher versucht ihn ablösefrei zu bekommen; jeder Euro, der hier eingenommen wurde, ist eigentlich ein Wahnsinn; gut gemacht also. Foda wurde definitiv vom Vorstand geholt, aber den Trainertausch hat Goldbrich sehr geschickt nach außen hin verkauft. Lob ist vermutlich wirklich ein wenig zu viel … Diese heikle Situation wurde von allen im Verein einfach gut gelöst.

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  3. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Man muss sagen den leichtesten Job hat der Herr Goldbrich auch nicht. Hätte Piesinger nicht so eingeschlagen in der zweiten Saisonhälfte hätte ihn jeder kritisiert. Nach dem Trainer ist sein Posten der zweite Schleudersitz. Die Lager sind in vielen Dingen gespalten (z.B. in Sachen Gratzei), so gibt es Befürworter und Gegner von Goldbrich. Aber die positiven Dinge überwiegen am Ende der Saison schon klar.

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  4. zuggi68 sagt:

    Ich möchte mal eine Lanze für Goldbrich brechen. Finde die Neuverpflichtungen gut, die Vertragsverlängerungen passen auch (wäre zwar Gratzei ganz losgeworden, aber leistungsbezogen gehts auch – Ehrenreich als Backup ok). Barbaric/Akiyoshi (wahrscheinlich falsch geschrieben) waren ein Flop, bei Tadic hab ich noch das Gefühl, dass er evtl. noch eine ähnliche Entwicklung wie Klemen Lavric hinlegen kann. Zur gelungenen Saison kann man eigentlich ein zwei gute steirische Weine nach Leeds schicken – verrückte Führung, dass die sich Milanic geholt haben..

    @Sturmnetz: Schön dass ihr die 3fachbelastung überall erwähnt, aber man sollte am Boden bleiben. Ein Einzug in die Gruppenphase wäre eine Sensation, und die zwei bzw. vier Qualispiele sollte man auch mit einem „normalen“ Bundesligakader durchstehen können. Dafür braucht man keinen aufgeblähten Kader. Zu den Artikeln – macht weiter so – freu mich, dass ich jetzt während den Vorlesungen regelmäßig was über Sturm lesen kann 🙂

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