Ein Doppelliter Raki auf dem Weg nach Castrop-Rauxel

Spielercheck: FK Austria Wien vs. SK Sturm Graz

Die SturmNetz-Leserbewertungen der einzelnen Spieler der Bundesliga-Begegnung FK Austria Wien vs. SK Sturm Graz sind abgeschlossen und alle Einsendungen sind ausgewertet. Wir haben den Durchschnitt aus allen eingegangenen Benotungen zu jedem Spieler berechnet, sowie eine (subjektive) schriftliche Beurteilung hinzugefügt. Nach jedem Match wollen wir nicht nur Noten, sondern auch den ehrenvollen Titel „Man of the Match“ an den Spieler mit der besten durchschnittlichen Gesamtbenotung vergeben.

Man Of The Match:

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Michael Esser – Note 1,44
Sechsmal musste der Torhüter an diesem Nachmittag den Ball aus seinem Kasten holen, drei Treffer waren regulär, dreimal fanden die Gegentreffer aufgrund einer vorherigen Abseitsstellung eines Austrianers völlig zurecht keine Anerkennung. Und trotzdem wurde der Deutsche von den SturmNetz-Lesern verdientermaßen zum Man-of-the-Match gewählt. Esser strahlt stets eine unbändige Bärenruhe aus, wirkt hochkonzentriert und hielt alles was in diesem Spiel zu halten war. Höhepunkt seiner Vorstellung war selbstredend der Save des von Gorgon an sich platziert geschossenen Elfmeters: Bruno wehrte nicht nur ab, nein er fing diesen Ball sogar. Es ließ sich wieder einmal ungefähr erahnen, auf welcher Position der Endtabelle Sturm ohne den deutschen Schlussmann – vor allem in Anbetracht des Torhüterproblems in der jüngeren Prä-Esser-Ära – stünde.

Donis Avdijaj – Note 2,81
Bei seinem letzten Spiel für Sturm rieb sich der Deutsch-Albaner förmlich auf, suchte und ging in beinahe jeden Zweikampf, doch außer ein paar, in Summe zu wenige, Extra-Zuspiele auf Edomwonyi sprang in den 90 Minuten in der Generali-Arena einfach zu wenig heraus. Trotzdem bildete er unbestritten das Herzstück in den Angriffsbemühungen der Blackies: Sechs Torschussversuche und fünf Torschussvorlagen sind dafür eindeutiger Indiz, nichtsdestotrotz darf man maximal von einer durchschnittlichen Leistung von Donis sprechen. In Summe konnte er zudem nur 35% seiner Zweikämpfe gewinnen, auch seine Passquote von lediglich 55% im Angriffsdrittel ist suboptimal. Obwohl sich der Mittelfeldspieler seiner Zukunft bereits sicher sein kann, war er einer der wenigen Sturm-Akteure, der sich diese Niederlage offenkundig sehr zu Herzen nahm und nach Schlusspfiff einen geknickten Eindruck machte. Schade, dass seine alles andere als inhaltslose, wenn auch relativ kurze Zeit als Sturmspieler so enden musste. Will Avdijaj sich in einer stärkeren Liga, als es die österreichische ist, in Zukunft einen echten Namen machen, muss er sich in sehr vielen Teilbereichen auf alle Fälle noch verbessern. Zuzutrauen ist es ihm nach wie vor.

Anastasios Avlonitis – Note 2,94
Der Grieche spielte eine solide erste Halbzeit, nur bei einem Missverständnis mit seinem Tormann hatte Sturm Glück, dass Kayode daraus keinen Profit ziehen konnte und man somit nach 45 Minuten noch ohne Gegentreffer blieb. Selbiges hatte er auch bei einem beherzten, aber etwas falsch getimeten Tackling gegen Kayode, als die Pfeife von Schiedsrichter Schörgenhofer stumm blieb. In der zweiten Halbzeit wurde er zunehmend unsicherer, gegen Ende der Partie ging dem Griechen – wohl auch wegen der numerischen Unterzahl – etwas die Luft aus: Daher ist wohl auch seine, für ihn untypische, negative Zweikampfstatistik zu erklären. Avlonitis war es auch, der sich beim 0:3 von Holzhauser relativ einfach austanzen ließ und zeichnete somit für den Gegentreffer zum Endstand hauptverantwortlich. Obwohl dies nicht seine beste Leistung im Sturmdress war, bleibt zu hoffen, dass es sich sein Stammverein Olympiakos Piräus weiterhin leisten kann, auf die Dienste von Tasos zu verzichten und man sich mit Sturm bezüglich eines Kaufes möglichst rasch einigen kann.

Wilson Kamavuaka – Note 2,98
Wilson als Solo-Sechs: Und was sollen wir sagen, die Balleroberungen im defensiven Mittelfeld funktionierten um keinen Deut schlechter als in all den Spielen zuvor mit der Doppel-Sechs. „Willy“ lief sich in diesem Spiel die Seele aus dem Leib und es war ihm anzumerken, dass er noch einmal alles dafür gab, den neuen Sportchef doch noch von seinen Qualitäten zu überzeugen. Sogar die größte Torchance in Halbzeit eins bereitete Kamavuaka vor, als er Bright Edomwonyi mit einem unorthodoxen, langen Kopfball in den Lauf schickte. Gegen Ende der zweiten Halbzeit baute Kamavuaka – wie der Großteil der Mannschaft – ab. Insgesamt war seine Zweikampfstatistik ausgeglichen, bei hohen Bällen verlor er das ein- und andere Mal das Duell mit seinem Gegenspieler und seine Passquote war nur durchschnittlich. Allerdings hatte kein anderer Sturmspieler in dieser Partie mehr Ballkontakte als der Deutsch-Kongolese.

Lukas Spendlhofer – Note 3,11
Erneut ein guter Auftritt des Innenverteidigers, dem diesmal auch einige gute spielöffnende Passes gelangen. Insgesamt gesehen war seine Passquote mit über 80% erfolgreichen Zuspielen überragend und der Niederösterreicher kam über die ganze Spieldauer mit nur einem Foul aus. In der Schlussphase – und nach bereits über einer halben Stunde in numerischer Unterlegenheit – merkte man Spendlhofer den Kräfteverschleiß an, als er beispielsweise Kayode vor dem 0:2 zu zaghaft attackierte. Seine zahlreichen Tackles waren ansonsten jedoch zumeist von gewohnter Qualität.

Sascha Horvath – Note 3,33
Durch seine hervorragende Technik konnte er zwar einige Male in einer 1:1-Situation als Sieger hervorgehen, defensiv ließ er sich allerdings noch öfter vom jeweiligen Gegenspieler düpieren. Im Großen und Ganzen blieb er jedoch glücklos und verschwand mit Fortdauer des Spieles immer mehr von der Bildfläche. Kaum Ballgewinne in der Defensivbewegung, ein Torschuss und eine Torschussvorlage sind unter dem Strich zu wenig. Sein Austausch in der 65. Minute ist anhand dieser Fakten nachvollziehbar, auch wenn sein Ersatzmann dem Spiel eindeutig noch weniger seinen Stempel aufdrücken konnte als Horvath selbst.

Bright Edomwonyi – Note 3,43
Edi schuftete in der Generali-Arena wie ein Berserker. Insgesamt konnte der Nigerianer fünf Torschüsse verzeichnen und wäre fast dafür belohnt worden: Nachdem er Lukas Rotpuller quasi am Kanaldeckel nass machte, fehlten beim anschließenden Schuss nur Zentimenter, als der Ball via Innenstange zurück auf das Feld sprang. So wurde er nicht zum Hero (zu diesem Zeitpunkt stand es noch 0:0), aber auch keinesfalls ein Zero. Auch wenn Edi in einer vielversprechenden Situation vor einer möglichen Großchance im gegnerischen Strafraum ohne jegliche Fremdeinwirkung ins Stolpern geriet. Ansätze, dass er mit Donis Avdijaj so etwas wie ein magisches Duo bilden könnte, sind – wenn auch zu selten – zu sehen. Ob es jemals so weit kommen könnte, werden wir allerdings wohl nie erfahren.

Kristijan Dobras – Note 3,53
Kam in der 64. Minute für Sascha Horvath auf das Feld, um für frischen Wind zu sorgen, nicht einmal ein Lüfterl ist es geworden. Den einzigen Zweikampf in 32 Minuten (!) auf dem Platz konnte er allerdings für sich entscheiden.

Andreas Gruber – Note 3,76
Eine Schwalbe macht zwar lang noch keinen Sommer, die x-te Schwalbe in dieser Saison jedoch sehr wohl tiefsten Winter. Man kann davon ausgehen, dass die Zukunft es mit sich bringen wird, dass Gruber im Strafraum einmal wirklich regelwidrig gelegt wird, sein Ruf aber schon dermaßen ruiniert ist, dass auch in diesem Fall die Pfeife des Schiedsrichters inaktiv bleibt. Der Rest ist Schweigen: Ein verlorener Zweikampf und ein Fehlschuss in 17 Minuten stehen eher auch auf der Soll- als auf der Habenseite des Steirers.

Marko Stankovic – Note 3,90
Bekam gegen seinen Ex-Klub wieder einmal die Chance, von Beginn an ran zu dürfen. In den Plänen von Foda sollte er wohl das eigentliche offensive Nervenzentrum darstellen. Allerdings: Dieser Rolle wurde er keineswegs gerecht. Sein Auftreten am Verteilerkreis war zwar alles andere als unauffällig, doch unter dem Strich zu ungefährlich und ineffizient. Seine Passquote war in Ordnung, jedoch war zu selten etwas richtig Brauchbares, Raumöffnendes dabei. Auch eine einzige Torschussvorlage ist für einen zentralen Mittelfeldspieler unter dem Stich einfach zu wenig. Bedenklich stimmt auch, dass es ausländische Profis wie Kamavuaka, Esser oder Edomwonyi sind, denen die Niederlage rein äußerlich zusetzt, während ein beinahe „waschechter Steirer“ wie Stankovic (geboren in Krems, aufgewachsen allerdings in der Obersteiermark) mit freudestrahlendem Gesichtsausdruck nach 90 Minuten das Feld verlässt, um Kicker seines Ex-Klubs zu Platz 3 zu gratulieren. Genau jene Wohlfühloase, bedingt durch die Vertragsverlängerung von Zauberhand im April, sind Dinge, die dem neuen Sportchef eigenen Vernehmens nach so überhaupt nicht schmecken.

Thorsten Schick – Note 4,22
Der Grazer war an keiner der wirklich spielentscheidenden Szenen Hauptakteur, trotzdem schlug kein Blacky in dieser Partie mehr Flanken als Schick: Allerdings verfehlten zwei dieser Bälle sowohl Feind, als auch, vor allem, Freund. Drei zumeist wichtige Steals, stehen einer leicht negativen Zweikampfbilanz gegenüber. Schicks berüchtigter Zug zum Tor ist ihm in diesem Frühjahr abhanden gekommen. Man darf nur mutmaßen, dass er mit seiner gegenwärtigen Position am Feld unzufrieden ist. Gerade auf der quantitativ gut, aber qualitativ katastrophal, besetzten Rechtsverteidiger-Position könnte Schick seiner Mannschaft sicher viel nützlicher sein. Die 43. Minute sollte dafür Beleg genug sein. Selbst in Unform würde man Schick ein ähnliches Zweikampfverhalten, wie es sein burgenländischer Mitspieler an den Tag legte, niemals zutrauen.

Tanju Kayhan – Note 4,38
Der Wiener versprühte bei seinem Auftritt im Dress von Sturm in etwa die selbe Freude an der Arbeit, wie einst Tim Wiese, als der Goalie mit der sogenannten „Trainingsgruppe 3“ Laufrunden auf der Aschenbahn des Sportplatzes der Hoffenheimer Grundschule drehen musste: Nach seinem Foul an Grünwald im Strafraum hatte Kayhan Glück, dass Schörgenhofer großzügigerweise wegsah, bei der Attacke an de Paula hatte er abermals Fortune, da Esser den fälligen Strafstoß parieren konnte. Auch bei allen drei Gegentreffern war Kayhan unmittelbar oder mittelbar beteiligt. Wieder einmal ein völlig geschenkter Tag des Wieners? Lässt man die ersten Emotionen sacken und blickt nüchtern auf seine Werte, folgt die Überraschung auf den Fuß: Eine Passquote von 80%, 72% gewonnene Zweikämpfe, neun erfolgreiche Interceptions, zudem konnte er fünf Mal von einem Gegenspieler nur mit einem Foul gestoppt werden. Kayhan selbst beging nur einen Regelverstoß dieser Art (offiziell), welcher jedoch zum Strafstoß führte. Gerüchten zufolge hat Tanju dem Bruno danach einen Doppelliter Raki für die Heimfahrt in den Urlaub nach Castrop-Rauxel im Kofferraum gebunkert. Alles in allem, trotz einiger unglücklicher Szenen, eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Mattersburg-Spiel.

Marvin Potzmann – Note 4,73
Im 22. Bundesliga-Spiel für Sturm mit dem bereits dritten Ausschluss. Und beide gelbe Karten waren absolut vertretbar: Vor allem die zweite Gelbe war ausgesprochen dumm, zumal Kamavuaka beim Zweikampf des Burgenländers gegen Lucas Venuto zur Absicherung parat stand. Bis zu jener sicherlich mit spielentscheidenden Szene „glänzte“ der Rechtsverteidiger durch eine Quote von 33% gewonnener Zweikämpfe, immerhin gelangen Potzmann in nicht einmal einer Halbzeit zwei Torschussvorlagen. In Summe jedoch eine bundesligauntaugliche Leistung des Burgenländers.

Zu kurz eingesetzt:

Benjamin Rosenberger
Kam erst in der Schlussminute auf das Feld.

 

Das SturmNetz.at – Team bedankt sich für 312 eingegangene Bewertungen und widmet Michael Esser zum letzten Mal in dieser Spielzeit einen Song:

 

2 Kommentare

  1. Mat sagt:

    Tanju Kayhan ist Geschichte!!

    0

  2. Jocole sagt:

    Ja der Stankovic, der immer lacht, der immer lacht.. Unglaublich mit welcher Arroganz der sich beim ORF dem Interview stellt nach dem Spiel!!  Null Leistung seit Monaten, auch vor seiner Verletzung unterdurchschnittlich! Scheut jeden Zweikampf wie der Teufel das Weihwasser! Wegen solcher Typen wie ihn, Offenbacher, Klem, Beichler… sind wir gescheitert in den letzten Jahren! 3 Tage vor Kreissls Antritt hat er plötzlich einen Vertrag für 16/17! Davor wurde 2 Jahre kommuniziert das Stankovic nur bis Juni 16 Vertrag hat!! Kann es sein das Goldbrich da noch nachgeholfen hat kurz bevor er Kreissl übergeben hat?

    0

Schreibe einen Kommentar