Ein bitterer Nachmittag

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. FC Red Bull Salzburg 1:3 (0:1)

9. Mai 2018: Genau heute vor drei Jahren feierte Sturm einen der bedeutendsten und emotionalsten Titel seiner Clubgeschichte. An einem denkwürdigen Abend besiegte man in unglaublicher kämpferischer Manier den Serienmeister und amtierenden Cupsieger aus Salzburg. Die etwa 25.000 mitgereisten Sturm-Aficionados verwandelten damals das Klagenfurter Wörthersee-Stadion in einen wahren Hexenkessel; alleine der Gedanke daran wird noch in vielen Jahren für Gänsehaut sorgen.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

„Sturm deckt alles, was schwarz ist in meinem Leben. Alles, was weiß ist, auch.“

9. Mai 2021: Im Kampf um die Europacup-Plätze traf der SK Sturm abermals auf den FC Red Bull Salzburg und die Vorzeichen standen vor dem Spiel ähnlich wie damals. Nur die Fanunterstützung wurde weiterhin schmerzlich vermisst, was in schweren Spielen wie gegen Salzburg immer ein entscheidender Faktor sein kann. Zumindest an symbolischer Unterstützung mangelte es auf keinen Fall: Anlässlich des 80. Geburtstages von Jahrhundertrainer Ivica Osim prangerte auf der Gegentribüne eine überdimensionale Blockfahne mit dem Konterfei der Legende. Ergänzt durch „Sretan Rodendan Legendo!“ sowie das legendäre Zitat „Sturm deckt alles, was schwarz ist in meinem Leben. Alles, was weiß ist, auch.“ Auf der Gegenseite nahm Ivan Osim kurz vor Spielbeginn höchstpersönlich Platz. Auch die Nachricht über den erhalt des Denkmalschutz-Status der Gruabn zauberte so manchem am heutigen sonnigen Muttertags-Sonntag ein Lächeln auf die Lippen. Es war also fast alles angerichtet für einen perfekten Fußballnachmittag, es fehlte nur noch eine Sturm-Mannschaft, die ein weiteres Mal gegen den Goliath über sich hinauswachsen würde.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Sowohl Jesse Marsch, den man heute wohl zum letzten Mal als Salzburg-Trainer in Graz in Graz zu Gesicht bekam, als auch Christian Ilzer konnten personell weitgehend aus dem Vollen schöpfen. Natürlich fehlen bei Sturm weiterhin die Langzeitverletzten Sandro Ingolitsch und Vincent Trummer, wobei Letzterer mittlerweile wieder Mannschaftstrainings absolviert. Die Salzburger mussten dagegen auf den Verletzen Albert Vallci, sowie auf Koita und Camara verzichten, die bekanntlich eine Dopingsperre absitzen müssen.

Aussichtsreiche Anfangsphase

Die Anfangsminuten zeigten deutlich, dass keines der Teams an einem Abtasten interessiert war. Beide Mannschaften versuchten schnell nach vorne zu spielen. Vor allem Sturm trat zu Beginn extrem motiviert auf und wollte dem Gegner keinen Zentimeter überlassen. Die erste große Möglichkeit gehörte aber dennoch den Gästen: Top-Torschütze Patson Daka bekam zu viel Platz, scheiterte aber am exzellent reagierenden Jörg Siebenhandl, der den Ball ins Toraus lenkte. Kurz darauf war es wieder Daka, der Siebenhandl bereits hinter sich hatte, dann aber zu locker abschloss, wodurch Gazibegovic noch vor der Linie klären konnte. Langsam schien Salzburg Fahrt aufzunehmen, doch Sturm hielt weiter gut dagegen und versuchte es vor allem mit schnellen Gegenstößen über die rechte Seite. In der 20. Minute war dann Siebenhandl aber dennoch geschlagen, Brenden Aaronson erzielte nach schnörkelloser Vorarbeit von Mergim Berisha auf 1:0 für die Gäste.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Das Blatt begann sich zu wenden

Sturm schien den nun den schnellen Spielzügen und vielen Seitenwechseln der Bullen nicht wirklich gewachsen zu sein und ließ sich immer weiter in die eigene Hälfte hineindrängen. Von dem selbstbewussten Auftreten der ersten Minute war Mitte der ersten Hälfte leider nur noch wenig zu sehen. Zum Ende des ersten Durchganges war Sturm mehr und mehr mit den eigenen Fehlern beschäftigt, die den Salzburgern in die Karten spielten, da sie selbst nicht viel in die Partie investieren mussten. Der zweite Gegentreffer schien in diesen Minuten in der Luft zu liegen: So etwa in der 39. Minute, als zuerst Siebenhandl, danach zum wiederholten Male Jusuf Gazibegovic vor der Torlinie klärte. In der 41. Minute scheiterte abermals Patson Daka an Jörg Siebenhandl, der Kopfball des Sambiers fiel aber etwas schwach aus. Gleich danach kam Enock Mwepu frei zum Schuss, setzte den Ball aber deutlich neben den Kasten. Die Bullen vergaben ihre Möglichkeiten fast schon leichtsinnig, Sturm musste mit dem 0:1-Zwischenstand zum Pausenpfiff mehr als zufrieden sein, da man bis auf die Anfangsphase kein Rezept gegen den Spitzenreiter parat hatte.

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Mit Schwung in den zweiten Druchgang

Zur zweiten Hälfte reagierte Coach Ilzer, indem er Stefan Hierländer für Andreas Kuen in die Partie brachte. Gleich zwei Minuten nach Wiederbeginn prüfte Jakob Jantscher mit einem Schuss den Salzburger Schlussmann, Cican Stankovic blieb aber im Duell der beiden Teilzeit-Teamspieler Sieger. Doch auch die Gäste kamen wenig später gefährlich vor das Tor: Ein Schuss von Andras Ulmer in der der 49. Minute ließ das Außennetz zappeln. Sturm zeigte sich aber zunächst deutlich aktiver als noch vor der Pause und bestätigte dies eindrucksvoll in der 56. Minute: Otar Kiteishvili bekam den Ball im gegnerischen Sechzehner serviert, ließ Stankovic mit einem feinen Abschluss keine Chance und sorgte damit für den umjubelten Ausgleich. Nun war plötzlich wieder alles offen in diesem Spiel, Christian Ilzer dürfte in der Kabine die richtigen Worte gefunden haben. Etwas Wehmut kam bei dem Gedanken auf, was hier bei einem vollen Stadion jetzt los wäre. Aber damit muss man derzeit einfach leben. Geduld, Geduld! Zurück zum Spiel – nach Junuzovic-Freistoß und dem anschließenden Kopfball, flog das Leder zum Glück für Sturm nur wenige Zentimeter über die Querlatte. Nach dem Ausgleich war Salzburg wieder die klar tonangebende Mannschaft und war darauf fokussiert, die alte Tordifferenz wieder herzustellen. In gewohnter Hochform agierte inzwischen wieder Jesse Marsch, der sich wiederholt lautstark beim vierten Offiziellen beschwerte und somit während einer Trinkpause zurecht den gelben Karton zu Gesicht bekam.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Grobe Fehlentscheidung besiegelt Niederlage

Das Spiel stand weiterhin auf Messers Schneide, denn auch Sturm kam wieder vermehrt zu Abschlüssen. Besonders auffällig war, dass nun die Zuspiele wieder deutlich genauer bei den Mitspieler ankamen – eine klare Verbesserung zum Großteil der ersten Hälfte. In der 74. Minute kam Lukas Jäger für den erschöpft wirkenden Torschützen Otar Kiteishvili ins Spiel und Gregory Wüthrich kam für Niklas Geyrhofer und feierte somit sein Comeback nach seiner Verletzung. Zu feiern hatten danach aber leider nur die Gäste. Ausgerechnet in einer Phase, in der Sturm immer stärker wurde, nahm sich Brenden Aaronson ein Herz, zog von der Strafraumgrenze ab und traf dabei Jon Gorenc Stankovic, der den Ball unhaltbar abfälschte. Sturm gab sich nicht auf, drängte danach auf den Ausgleich und hatte durch Yeboah die große Möglichkeit auf das 2:2. Doch der 21-jährige Angreifer wurde im Strafraum eindeutig regelwidrig zu Boden geholt. Was jeder im Stadion sah, interpretierten die Unparteiischen rund um Gerhard Grobelnik als nicht Elfer-würdig und ließen weiterspielen. Abermals eine ganz klare Fehlentscheidung gegen Sturm in dieser Saison. Selbst die Salzburger Verantwortlichen auf der Pressetribüne wunderte sich über diese Fehlentscheidung. Dann kam, was kommen musste: Alles diskutierte noch über das vermeintliche Foul, als die Gäste nach ganz üblem Sturm-Einwurf durch einen sehenswerten Distanzschuss von Zlatko Junuzovic mit 3:1 in Führung gingen und somit für den Schlusspunkt sorgten.

Ein bitterer Nachmittag neigte sich dem Ende zu, da Sturm in der zweiten Halbzeit weitgehend mindestens ebenbürtig war. Aufgrund der Chancenverteilung geht das Endresultat sicherlich in Ordnung, dennoch hatten die Hausherren wiederholt Pech und dürfen völlig zurecht mit dem Nicht-Elfmeter-Pfiff hadern. Da sich im Parallelspiel der LASK und die WSG Tirol mit einem 3:3 trennten, bleibt Sturm aber weiterhin im Rennen um den dritten Platz. Bereits am kommenden Mittwoch, den 12. Mai kann Sturm auswärts in Tirol wieder zurückschlagen. 

Spieldaten

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5 Kommentare

  1. Fanatiker sagt:

    Zur Elfmetersituation sage nur, der Schiedsrichter hatte eine gute Sichtposition….

    Zum Spiel selber, wir haben fast 90min nie einen Zugriff auf das Spiel bekommen, besonders in Hälfte 1 – da hat uns Salzburg die Grenzen aufgezeigt.

  2. fid82 sagt:

    Die ersten Minuten waren gut. Dann war die komplette Katastrophe angesagt. Viel Glück gehabt.
    Trotzdem spricht es für uns, dass wir uns noch ein Unentschieden holen hätten können. Aber ja, Elfmeter bekommst du maximal in einem Spiel der Saison.

    Schade dass der WAC gewonnen hat, gut dass das andere Spiel ein X wurde. Aber wir bleiben 3. und haben alle Chancen auf Platz 3. Am Mittwoch muss ein Sieg bei der WSG her, dann sind wir so gut wie sicher unter den besten 4.

    • fauli sagt:

      Ähm, nope.

      Wir sind aktuell 4. Und der WAC ist nur 1 Punkt hinter uns. Also ist das Rennen um Platz 3-5 echt knapp.
      2 Siege (WSG, WAC) dann kannst fix mit dem 4. Platz rechnen, evtl. schaff ma sogar noch den 3.
      Hätte das jemand vor der Saison prophezeit…

    • fauli sagt:

      sorry, wir sind ja wirklich noch 3. völlig vertan

  3. Lukas sagt:

    Wen man spielerisch überzeugt und aus Tor Chancen Tore macht dann braucht man nicht immer einem Elfmeter nach weinen.
    Ohne Tempo, Überzeugung, kämpfen und Willen wird man wenig Spiele gewinnen.

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