Effi: „So verbunden, wie des Gfüh“

SturmNetz-Advent Tag 2 mit Effi

Die „Stille Zeit“ ist nur anderswo wirklich still. SturmNetz.at geht im Advent in die Vollen! Noch bis zum Heiligen Abend lassen wir täglich Prominente zu Wort kommen und sprechen mit ihnen über Sturm, Fußball, Gott und die Welt. Heute präsentieren wir euch den Mastermind der Grazer Erfolgsband Granada –  Thomas Petritsch alias „Effi“ – mit dem wir versucht haben, zwei Leidenschaften – die Musik und Sturm Graz – in einem Interview zu vereinen.

Martin Hirtenfellner Fotographie

Mit Granada läuft es musikalisch ja ausgesprochen gut. Wie war das letzte Jahr für dich?

Super, wirklich sehr gut und erfolgreich, wenn man das so betrachten will. Wir haben viel gespielt, richtig gute Shows gehabt, sowohl in Österreich, aber auch viele in Deutschland. Der krönende Abschluss war jetzt im November die Deutschland-Tour, bei der wir zehn Tage unterwegs waren und dabei acht Auftritte hatten, etwa in Berlin, München oder Hamburg. Da waren also einige sehr  feine Städte dabei und das Coolste daran war, dass die Shows auch noch richtig gut besucht waren, die Hälfte davon sogar ausverkauft. Ist schon toll, wenn man solch einen Zuspruch erhält. Jedenfalls durften wir reichlich Erfahrung sammeln, haben viele neue Leute getroffen und hatten eine Menge Spaß.

Hat man auf Tour eigentlich Zeit, sich mit Fußball zu beschäftigen? Registriert man Ergebnisse und andere aktuelle Ereignisse rund um den Verein?

Natürlich! Also bei uns in der Band ist etwa die Hälfte sportbegeistert. So kommt es oft vor, dass wir die Ergebnisse der österreichischen und auch der deutschen Bundesliga abchecken, aber vor allem auch das eine oder andere Spiel backstage live mitverfolgen. Das geht auch in Deutschland via Livestream ganz gut und läuft easy, sodass wir da voll mitfiebern können. Manchmal auch im Tourbus.

Wie ist das bei euch in der Band, gibt’s da unterschiedliche Präferenzen, was die Vereine angeht und führt das dann eventuell auch einmal zum Clinch?

Nein, überhaupt nicht. In der sportbegeisterten Fraktion sind alle durch die Bank Sturmfans. Es gibt keinen Roten oder Grünen. Alles gut also (grinst). Es wäre aber natürlich kein Problem und würde für zusätzlichen Diskussionsstoff sorgen, ist aber nicht der Fall. Alles mehr oder weniger enthusiastische Schwoaze.

(c) Martin Hirtenfellner Fotographie

Und wenn du mal gerade nicht auf Tour bist, trifft man dich dann hin und wieder auch im Stadion?

Ja, so oft es mir möglich ist. Eigentlich will ich mir ja endlich wieder eine Dauerkarte zulegen, leider finden die Spiele aber zumeist am Wochenende statt und da sind wir eben selbst auch oft im Einsatz. Ich schau aber schon, dass ich – so oft es mir möglich ist – ins Stadion gehe. Da bin ich sehr gerne und ich steh` auch enorm auf die Atmosphäre.

Längsseite oder Kurve?

Ich war eigentlich lange ein Fan der Längsseite, war aber die letzten zwei, drei Spiele im Fansektor und ich muss sagen, das taugt mir doch eine Spur mehr. Einerseits ist das, was sich dort abspielt, eine schöne, zusätzliche Animation, andererseits entsteht auch viel stärker das Gefühl, mittendrin zu sein. Also weg vom objektiven Betrachter und Längsseitenanalytiker hin zum gelebten Spiel.

Dass die Sicht dort ein wenig eingeschränkter sein kann, stört dich nicht?

Nein, überhaupt nicht. Man bekommt eh alles mit und Fahnen, Spruchbänder und so weiter gehören da halt dazu und sind zu akzeptieren. Man kann es sich eh aussuchen, ob man im Zentrum steht und voll bei der Fanparty mitmacht oder ob man sich etwas außerhalb platziert und sich dennoch sehr nahe am Geschehen befindet. Ich bevorzuge Zweiteres, weil man eben das Spiel komplett verfolgen und dennoch bei den Chören mitmachen kann.

Die Texte sind dir also geläufig?

Teils, teils.

Sind ja auch ständig in Bewegung, muss man dazusagen. Du könntest ja einmal einen schreiben…

Ja, die Idee hatte ich sogar schon. Das war ganz lustig, bei der Produktion der ersten Granada-CD (Anm: Mittlerweile gibt es zwei) gibt’s ein Lied, „Für immer z`jung“, woraufhin ich spaßhalber einen Text mit dem Titel „Für immer Sturm“ geschrieben habe, der aber nie veröffentlicht wurde. Ich wollte die Nummer zunächst als Hidden Track auf die CD packen, das ging sich allerdings zeitlich leider nicht mehr aus. War aber echt lustig. Ich hab unseren Text quasi zur Sturm-Hymne abgewandelt, zuhause eingesungen, mit einem schönen Youtube-Video – einer Bildfolge aus den Reinmayr/Vastic-Zeiten – versehen und in unsere Gruppe gepostet. Hat eigentlich allen recht gut gefallen.

 

Schön! Und weit weg vom klassischen Sturm-Buam-Reim. Du sprichst in diesen Zeilen davon, dass Sturm schon „damals dei Herzensverein“ war. Wie hat sich die Leidenschaft Sturm Graz bei dir entwickelt?

Ich war schon immer begeisterter Fußballer und habe in der Volksschule begonnen, im Verein zu trainieren. Musik war zu dieser Zeit eigentlich zweitrangig. Ich hatte Gitarrenunterricht in der Schule, der hat mich damals allerdings nicht großartig interessiert, weshalb ich ihn auch immer öfter g’spritzt und meine Zeit lieber am Fußballplatz verbracht hab. Egal ob mit einer Spaßpartie oder beim Mannschaftstraining – ich wollte einfach immer kicken. Bis 18 hab ich das auch aktiv gemacht, dann ist allerdings wieder die Musik in den Vordergrund getreten und ich hab aufgehört, weil mir die Zeit fehlte. Aktiver Sturmfan bin ich eigentlich seit der Unterstufe, so zirka mit zwölf habe ich begonnen, mich für den Verein Sturm zu interessieren, was in weiterer Folge auch immer mit coolen Geburtstags- und Weihnachtsgeschenken verbunden war. Mal hier eine Sturm-Bettwäsche oder da ein mit Stolz getragenes Reinmayr-Trikot. An das erste Mal im Stadion, ich muss 12 oder 13 gewesen sein, kann ich mich auch noch gut erinnern. An die Fahrt nach Graz – ich bin ja in der Südsteiermark aufgewachsen – und dann das Match gegen Ried. Ein eher weniger glorreiches 1:1 (lacht), aber ein super Erlebnis damals und eine von vielen schöne Erinnerungen.

Gab es im weiteren Verlauf deines Sturmfan-Daseins auch weniger schöne Momente oder Phasen, in denen die Beziehung zwischen dir und Sturm Risse erleiden musste oder in denen du dich gar vom Verein abgewandt hast?

Abgewendet hab ich mich eigentlich nie, nein. Und dass es im Leben das eine oder andere Mal kriselt, soll ja bekanntlich auch vorkommen. Klar, dass es gute und schlechte Phasen gibt, aber das gehört dazu. Doch deshalb wechselt man nicht gar gleich den Verein oder so. Natürlich, wenn es über einen längeren Zeitraum absolut nicht gut läuft, dann fragt man sich schon, ob man denn nun ins Stadion gehen soll oder ob es der Fernseher auch tut. Und natürlich schimpft man teilweise am Stammtisch über gewisse Taktiken und wie man es selbst hätte besser machen können, was von außen zugegebenermaßen recht leicht ist. Dennoch finde ich es wichtig, Kritik üben zu können und sagen zu dürfen, wenn einem etwas nicht passt. Ich sehe das ähnlich wie in der Musik: Wenn du Spitzenleistungen bringen willst, dann musst du auch Kritik einstecken können und konstruktive Kritik ist etwas Gutes.

Der Verein hat allerdings vor gar nicht allzu langer Zeit als relativ kritikunfähig gegolten.

Ja, das habe ich mitbekommen und fand ich damals auch sehr schade. Kritik kann immer ein Anstoß sein, etwas besser zu machen – sei es bei Sturm beispielsweise das Thema Jugendarbeit oder die Transferpolitik. Da hat es auch lange Zeit gedauert, so erinnere ich mich, bis entsprechende Posten geschaffen wurden und dass dahingehend gut gearbeitet wird, wie es heute der Fall ist.

Was waren für dich so die Hochphasen in der Sturm-Geschichte, beziehungsweise gibt es so etwas wie einen persönlichen Magic Moment oder ein Ereignis, das speziell an dir picken geblieben ist?

Ja, die Hochphase unter Ivica Osim. Das war schon großartig damals, diese Vorreiter-Taktik, das Pressing und die enorme Spielfreude aus dieser Zeit. Etwas, das sicher ganz fest an mir „picken“ geblieben ist, war allerdings auch das Parma-Match und das blöde Tor vom Pepi, wo er einfach mit dem Ball in den Händen hinter die Linie hüpft. Ich habe so unglaublich geflucht damals, meine Eltern waren schon richtig böse, weil ich mich nicht beruhigen habe können. Aber ja, wir waren schließlich schon eine Runde weiter. Das Spiel selbst war ein Wahnsinn und eines der besten, an die ich mich erinnern kann. 

Und außerdem ist bis heute nicht bewiesen, ob der Ball nun tatsächlich mit vollem Umfang…

…doch! Wir haben das damals in der Schule in Darstellender Geometrie – da hatten wir einen coolen Lehrer –  ausgemessen und berechnet und er war drin.

OK, genug der Vergangenheit. Wie siehst du Sturm aktuell?

Sehr gut! Ich muss wirklich sagen, ich bin von Franco Foda positiv überrascht, da ich ja anfangs doch relativ skeptisch war, als er zurückgeholt wurde. In Kooperation mit Günter Kreissl hat er es aber scheinbar echt gut verstanden, taktisch relativ schwer ausrechenbar zu sein, die Jungen gut zu integrieren und eine starke Mannschaft zusammenzustellen. Und dass Sturm über einen längeren Zeitraum so gut gespielt hat, ist auch schon relativ lange her. Mittlerweile macht mir als Zuschauer aber wirklich jedes Match Spaß. Und auch wenn das Auswärtsspiel zuletzt bei Red Bull ziemlich blöd gelaufen ist, so hat man zumindest bis zum Platzverweis gemerkt, dass bei uns echt was dahinter steckt und viel Qualität vorhanden ist. Meister zu werden ist sicher nicht einfach, solange Salzburg in der Liga ist, möglich jedoch schon. Was ich aktuell sehe, gefällt mir allerdings sehr gut.

Und was würdest du dir für die Zukunft von Sturm Graz wünschen? Wir haben ja bald Weihnachten und so..

Also in erster Linie würde ich mir mal wünschen, dass ein guter Trainer gefunden wird. Da wird momentan ja enorm viel spekuliert. Mählich, Koller, Vogel, da stehen einige Namen im Raum, was man so hört. Ich denke, ich könnte mir beispielsweise einen Marcel Koller schon sehr gut vorstellen. Wer es letztendlich auch immer wird, wichtig ist nur, dass einer mit Qualität geholt wird, der wirklich passt, der bewegen kann und der es versteht, das Letzte aus der Mannschaft herauszuholen. Freunderlwirtschaft, so hoffe ich, soll bei solchen Entscheidungen außen vor gelassen werden.

Na gut, „DannDanke“ für das nette Gespräch! Noch abschließend: Wird es demnächst etwas Schwarz/Weißes auf Vinyl geben?

Beim nächsten Meistertitel! (lacht) Danke auch!

 

1 Kommentar

  1. jott1976 sagt:

    Danke mal an das Sturmnetz-Team für den tollen Adventkalender.

    Sind tolle Interviews.

    8+

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