Durch Fodas Hände

Im Vorfeld des richtungsweisenden 12. Spieltags sah sich Franco Foda – trotz medialer Rückendeckung – erstmals in seiner dritten Ära gehörig unter Druck stehend. Dank eines entfesselten Auftritts seiner kaum wiederzuerkennenden Schützlinge in der ersten Hälfte, welcher bereits früh den Sieg ebnete, wurde diese durchaus prekäre Situation vorerst gemeistert. Gelassen und sachlich stand der Cheftrainer zuvor beim Mediabriefing Rede und Antwort. Und wartete dennoch mit einem vielerorts für Kopfschütteln sorgenden Sager auf.

Die Leistung der Vorarlberger am Samstag kann durchaus mit jener Sturms in Grödig verglichen werden. Dieser überaus inferiore Auftritt Altachs soll an dieser Stelle die starke Vorstellung der Blackies jedoch nicht allzu sehr schmälern. Mit Aggressivität, Leidenschaft und Zug zum Tor wurde erstmals seit dem Heimspiel gegen Rapid das geboten, was unlängst gefordert wird. Einige der sich zuvor außer Form befindlichen Akteure agierten dabei fast wie an deren besten Tagen, allen voran Roman Kienast. Ein gutes Zeichen. So kann es tatsächlich bergauf gehen, man mag es kaum für möglich halten.

Zurück zum Mediabriefing. Angesprochen, einmal mehr, auf Sandi Lovric entgegnete Franco Foda Folgendes:

(c) SturmNetz.at

Wann sie spielen, entscheidet der Trainer. […] Ich glaube, dass ich das in den letzten Jahren, also auch in meiner ersten Zeit hier bei Sturm, gut gemacht habe. Man muss sich nur anschauen, wie viele junge Spieler, die jetzt auch in großen Ligen spielen, durch meine Hände gegangen sind.

Während Printmedien diese Aussage unkommentiert abdrucken, andere gar Heckenschützen orteten, die um jeden Preis eine Krise heraufbeschwören wollen, sei an dieser Stelle eine genauere Betrachtung dieses Statements gegeben. Franco Foda hat seine Sache, gemeint ist die Arbeit mit dem Nachwuchs, in der Ära der „jungen Wilden“ tatsächlich gut gemacht. Der Cheftrainer bewies oftmals ein geschicktes Händchen und so manch einer konnte sich in dieser Zeit ganz offensichtlich weiterentwickeln. Dennoch ist die Aussage Fodas schlichtweg falsch. Die Liste ehemaliger Schützlinge, die heute in großen Ligen spielen, ist mit einem Mann nämlich schnell erstellt: Sebastian Prödl. Mit anderthalb zugedrückten Augen mag hier auch Jakob Jantscher genannt werden. Gerne verschwiegen wird jedoch die Tatsache, dass Franco Foda Erstgenanntem lieber den Tschechen Petr Johana, der später von Frank Stronach nach Wiener Neustadt gelotst wurde, vorgezogen hätte. Erst eine Intervention Christian Jauks, zu diesem Zeitpunkt Finanzvorstand, verhinderte diesen Transfer in der Spielzeit 2007/08. Es folgte die Order, stattdessen den Aufbau von Prödl zu forcieren. Auch hinsichtlich der damaligen Vereinsstruktur spricht dieser Vorgang Bände.

Häufig wurde Foda bekanntlich von der lokalen Medienlandschaft zum Jugendförderer stilisiert. Ein Umstand, der scheinbar nicht nur die Wahrnehmung eines Teils des Anhanges, sondern auch jene des Cheftrainers selbst etwas zu trüben vermag. Realitätsnahe Selbstreflexion sieht in jedem Fall anders aus. Es kann Foda heute jedoch zu Gute gehalten werden, dass er sich, konträr zu anderen Verantwortlichen, zumindest nie in Aktionismus übt und Forderungen von außen seiner eigenen Linie unterordnet. Das beinahe unantastbare Standing macht dies möglich. Was das jedoch für einen Lovric bedeutet, wird sich zeigen.

Der Anhang Sturms ist hinsichtlich Franco Foda gespalten, wie kaum zuvor. In sämtlichen großen Foren ist die Stimmung längst gekippt, lediglich die Printmedien halten noch dagegen. Der fehlende Wahrheitsgehalt der behandelten Aussage und das mehr als fragwürdige Medienverhältnis können dabei jedoch nicht länger verschleiert werden. Der hieraus resultierende Unmut wächst. Nicht ganz zu unrecht. Franco Foda zu verteufeln, ist dennoch nicht angebracht. Alles gutzuheißen natürlich auch nicht. Fakt ist, dass des Trainers Hände einige Talente, wenn auch nicht für die ganz großen Ligen, sowie einen Cup- und Meistertitel geformt und die Teilnahme an der Euroleague-Gruppenphase ermöglicht haben. Fakt ist aber auch, dass ebenjenen Händen das eine oder andere Talent bereits entglitten sind.

 

7 Kommentare

  1. black_aficionado sagt:

    Ich versteh ihn nicht, den Franzl….
    Warum er sich das Leben selbst so schwer machen muss, das kann doch bitte wirklich nur falscher Stolz gepaart mit übermäßiger Arroganz sein?
    Bestes Beispiel hiezu, am Samstag gegen Altach! So sehr es sich der Kama verdient haben mag die letzten 5 min zu spielen, warum haut er da nicht den Lovric in die Partie? Nichts hätte mehr passieren können, kein Druck auf den Spieler lasten, dafür wäre jede Menge Druck vom Trainer abgefallen!
    5 min die den Jungen freuen, dem Kama wurscht sind und die Fans ruhig(er) stellen….Nein, der Sakrosankte macht es sich nicht leicht, er ist schließlich der Chef – und ich stelle jetzt mal die Behauptung auf, dass der Lovric schon mehr Minuten bekommen hätte, wenn es der Franzl „nicht allen beweisen müsste“.

    Aber die Mär vom Jugendförderer bleibt ihm anhaften, komme was wolle! Die Tatsache völlig außer Acht lassend, dass die Male wo er bei den Transfers Spielraum hatte (bzw das Sagen/die freie Hand), er IMMER irgendwelche mittelmäßigen, „erfahrenen“ Kicker der eigenen Jugend vorgezogen hat…
    Was bei uns in Fodas Ära schon Kaderleichen in Graz waren, so eine schlechte Jugendarbeit kannst nicht einmal absichtlich haben, dass du dieses „Niveau“ nicht mit Eigenbau erreichen könntest…

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  2. Juran Juran sagt:

    @ Gernot deine Euphorie nach einer wirklich guten HZ gegen einen wirklich schwachen Gegner soll deine Sachen sein, diese HZ aber als Gradmesser zu sehen das es wieder bergauf geht ist schon ein wenig übertrieben.

    Und Foda war nie der große Jugend Förderer entweder er wurde dazu gezwungen wie eben unter Prödl wo es sogar angeblich ein Schreiduell gab damals mit Hörmann weil der Franco unbedingt Johana haben wollte.
    Oder er hatte wie in der Konkurs Zeit keine Alternativen zum Einsatz von Jungen Eigenbau Spielern.

    Und ja man kann Foda sehr wohl wegen einiger dinge Verteufeln, die Achterbahnfahrt wird halt weitergehen, Foda wird sich weiter als Großmeister aufspielen und wenn es schlechte Leistungen gibt weiter alle schuld bei den Spielern suchen.

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  3. SchwarzerRabe sagt:

    Danke für den Artikel! Ob ihr jetzt noch Interviews bekommt?

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  4. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Kann schon verstehen das er den Lovric nicht spielen lässt. Wenn er aufgrund der Schule nicht voll im Training ist wäre es unfair gegenüber jedem anderen Spieler der voll im Saft ist, Lovric trotzdem zu bevorzugen. Jedoch sich als „Jugendförderer“ zu präsentieren ist schon sehr arrogant. Hätte er einen von den Amas statt Ehrenreich gegen Kasan spielen lassen wären wir heute möglicherweise noch im Europacup dabei (oder hätten zumindest das Spiel nicht verloren).
    FF setzt auf Beständigkeit. Oder offensiv ausgedrückt: As gleiche probieren bis hinhaut. Früher war es ein 442 jetzt ist es halt ein 4231.

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    • black_aficionado sagt:

      Sie sind kein Unternehmer, oder? Wenn ich so eine „Aktie“ im Portfolio habe, dann muss ich alles daran setzen, dass sich der Wert steigert und ich diese so lange wie möglich im Unternehmen halten kann!
      Vor allem wenn das Unternehmen sowieso auf jeden € angewiesen ist!
      Wer sollte sich denn wegen einer „Bevorzugung“ aufregen, wenn er dem Sandi 5-10 Kurzeinsätze gewährt? Wenn ich da als etablierter Spieler nicht drüberstehe, dann bin ich im Profi Geschäft ohnehin falsch…
      Außerdem hat Lovric bis dato bei jedem Einsatz insofern zu überzeugen gewusst, als dass er nicht gegenüber seinen Kollegen abgefallen ist!

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    • dawuede Sebastian En sagt:

      Zum Thema „Schule“ möchte ich bei der Gelegenheit an die Sommerferien erinnern.

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