Drucksituation in zweiter Reihe

Der Aufstieg der Amateure ist ernsthaft in Gefahr

Beim SK Sturm läuft derzeit alles nach Plan: Der Kurs Richtung Champions League-Qualifikation liegt an, im Cup zog man nach einem heroischen 3:2 Sieg nach Verlängerung ins Finale ein und was Heiko Vogels Mannschaft auf dem Platz zeigt, macht auch optisch viel her. So scheint die Sonne in Graz derzeit aus allen Ritzen – fast. Ganz ohne Haar in der Suppe geht diese Saison nicht in ihr Finale:

Richtet man seinen Blick auf die zweite Reihe, bekommt man den einen oder anderen Schlagschatten zu Gesicht.

Aufstieg in Gefahr

Sah für die Jungblackys im Herbst alles noch so richtig gut aus, hinkt man dem großen Ziel des Aufstiegs in die neue zweite Liga nun hinterher, denn nach der jüngsten Serie an Niederlagen – nämlich gleich sechs Pleiten in Folge – gegen Bad Gleichenberg, Gleisdorf, Vöcklamarkt, Klagenfurt, Weiz und Wolfsberg liegen sie nur auf Rang 10, mit 35 Punkten sechs Zähler hinter einem Aufstiegsplatz. Im Frühjahr vermochten sie nur gegen Kalsdorf und St. Florian zu punkten – ein wahrlich missglückter Start. Mag es an einem Mangel an Spritzigkeit liegen oder andere Gründe haben, die Amateure zeigen aktuell nicht die Leistung, die sie zu zeigen im Stande wären – in Spielen fehlt regelmäßig der letzte Nachdruck samt damit einhergehender Effizienz und so wurde man in der Tabelle der Regionalliga Mitte nach unten durchgereicht. Thomas Hösele, der Joachim Standfest Anfang Jänner als Amateure-Trainer beerbte, wird also noch einiges zu tun bekommen, denn das Ziel heißt: Liga zwei!

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Großer Druck

Dass bei jungen Fußballern Leistungsschwankungen normal sind, darf angenommen werden, in der aktuellen Situation könnten diese aber, anders als sonst, zum Problem werden: Verpasst man den Aufstieg heuer, vertändelt man auch die einmalige Gelegenheit, ohne Titel oder Relegation in die zweithöchste Spielklasse vorzurücken und die Vorteile des Umstands, Jungkicker in einer Profiliga an die Kampfmannschaft heranführen zu können, stehen nicht in Zweifel. Aus dem durchaus geschützten Ausbildungsumfeld in der Regionalliga, in dem, um die „Lernumgebung“ nicht entscheidend zu verschlechtern, lediglich der Klassenerhalt als Ziel auszugeben war, mussten die SK Sturm Graz Amateure in der aktuellen Saison aus dieser Komfortzone ausbrechen. Statt des unaufgeregten Klassenerhalts wird nun nicht weniger als der Aufstieg gefordert – eine Drucksituation, mit der so junge und unerfahrene Spieler erst einmal lernen müssen umzugehen, selbst wenn jenes Ziel um ein Vielfaches einfacher zu erreichen sein sollte als üblich. Im Herbst belegten die Amateure zeitweise sogar Rang eins der Tabelle – mit spielerischer Leichtigkeit, so schien es, war kein Gegner stark genug, um als unüberwindbar zu gelten. So günstig werden die Voraussetzungen auf lange Sicht nicht mehr sein, einen durchaus unfairen Wettbewerbsvorteil des Ligakrösus zu egalisieren.

Neue Möglichkeiten nutzen

Die Salzburger haben mit dem FC Liefering nämlich schon seit Jahren ein Farm-Team in der zweithöchsten Spielklasse. Was das bringt, zeigen sie nun unter anderem Runde für Runde, sogar auf internationalem Parkett. Natürlich wäre es zu kurz gegriffen, den beachtlichen Erfolg der Fußballabteilung des Getränkeherstellers ausschließlich darauf zurückzuführen, einen nicht unwesentlichen Faktor stellt Liefering, wo derzeit auch Romano Schmid seine spielerischen und taktischen Fähigkeiten schärft, allerdings dar. Die eigene Jugend nahtlos ligaübergreifend ausbilden und in den eigenen Reihen an das Profigeschäft heranführen zu können, ist für junge Spieler, die vor der Wahl stehen, ihrer sportlichen Heimat den Rücken zu kehren, eine neue verlockende Perspektive und, davon kann man ausgehen, auch ein triftiger Grund, einen Abgang Richtung Salzburg oder ins Ausland vorerst auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Dass sich dies dann auch positiv auf die Wertschöpfung eines Vereins hinsichtlich seiner Aktivitäten am Transfermarkt und dessen Kassa auswirken kann, scheint logisch.

Gute Voraussetzungen

Dass in Messendorf und den eigenen Akademien gute Arbeit geleistet wird, kann langfristig gesehen bestätigt werden. Romano Schmid, Dario Maresic, Sandi Lovric, Oliver Filip, Marc Schmerböck, Florian Kainz, Jakob Jantscher uvm. Legen Zeugnis darüber ab. Lediglich die Wertschöpfung bedarf der Optimierung. Mit der neuen sportlichen und wirtschaftlichen Führung, die sich zu keinen Seppuku-Verträgen mit Ausstiegsklauseln zum Haareraufen hinreißen lassen wird, wurde der erste dafür gelegt, der Aufstieg in die neue zweite Liga könnte den zweiten bedeuten und ein dritter wäre irgendwann vermutlich die vollständige Professionalisierung. Der Aufstieg scheint aktuell aber wieder ein Stück unerreichbarer, denn sechs Niederlagen im Frühjahr lassen die Hoffnungen zumindest etwas schwinden.

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