Drei mal drei macht Neune!

Spielbericht: SV Mattersburg vs. SK Sturm Graz (2:3)

Nachdem sich Sturm erhobenen Hauptes aus dem Europacup verabschiedete, wartete nun wieder deftige Hausmannskost auf die Grazer, die in der zugegeben noch jungen Saison noch keinen Punkt abgeben mussten. Noch vor wenigen Tagen durfte man im imposanten Sükrü-Saracoglu-Stadion von Istanbul zu Gast sein, heute musste man sich mit dem Pappelstadion in Mattersburg zufrieden geben. Dass die Uhren im Burgenland noch etwas anders ticken, merkt man auch daran, dass man es nicht einmal schafft, genügend Arbeitsplätze für die anwesenden Medienvertreter zur Verfügung zu stellen.

Rein sportlich trennten die beiden Teams vor dem Spiel nur zwei Punkte. Die Mattersburger starteten ihrerseits mit einem respektablen 2:2 bei Rapid, worauf ein knapper Heimsieg gegen den WAC folgte. Der Saisonstart bei Sturm war bekanntlich nichts für schwache Nerven. Gegen den SKN St. Pölten sowie auch bei der Wiener Austria konnten sich die Grazer mit 3:2 durchsetzen, was vorübergehend für die Tabellenführung reichte. Diese hatten sich ebenfalls nur vorübergehend allerdings die Salzburger nach einem Kantersieg gegen die Admira geschnappt. Punktgleich war auch der Aufsteiger aus Linz hinter den roten Bullen zu finden. Dennoch würde ein weiterer schwarz-weißer Auswärtserfolg für die Tabellenspitze reichen.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Kalte Dusche zu Beginn

Pünktlich zu Spielbeginn zuckten Blitze über den Mattersburger Abendhimmel und starker Regen setzte ein, nicht gerade zur Freude der Besucher in der großteils unüberdachten Spielstätte. Die Hausherren starteten beinahe perfekt in diese Partie, doch Siebenhandl lenkte einen scharfen Schuss von Jano gekonnt über die Latte und verhinderte somit die frühe Führung der Burgenländer. In der zehnten Spielminute blieb der Nummer Eins im Tor der Grazer aber keine Chance: Julius Erthlthaler und Ex-Blacky Andreas Gruber ließen Koch und Hierländer alt aussehen, es folgte eine scharfe Hereingabe auf Markus Pink, der gegen Charalampos Lykogiannis keine Mühe hatte und aus kurzer Distanz zur 1:0-Führung traf. Sturm tat sich zwar in der Anfangsphase noch sichtlich schwer, der Gegentreffer schien aber ein Weckruf gewesen zu sein, denn nach nur sieben Minuten war der Rückstand wieder egalisiert. Peter Zulj führte einen Freistoß aus dem Halbfeld blitzschnell aus, erreichte damit perfekt den aufmerksamen Lykogiannis, der sich gut löste und den Ball in die lange Ecke versenkte. Somit wieder alles auf Anfang! Den Ausgleich feierten die rund 300 mitgereisten Anhänger trotz Regen und Kälte mit wehenden Fahnen und freien Oberkörpern. Beinahe hätte Philipp Huspek die Partystimmung noch gesteigert, rutschte bei seinem Schussversuch aber aus und verfehlte den Kasten schlussendlich doch um einen guten Meter. Die Grazer wirkten nun hellwach und drängten auf die Führung, für die beinahe Philipp Zulechner per Kopf sorgte, doch die eigentlich gute Flanke von Lykogiannis war dann doch um wenige Zentimeter zu hoch für den 1,82 Meter großen Wiener. Das Heimteam war zur dieser Phase beinahe abgemeldet und konnte bestenfalls per Standards für Gefahr sorgen, bei denen Sturm in der aktuellen Saison allerdings nicht immer sattelfest wirkt. So auch in der 36. Minute, als die Defensivabteilung den Ball in großer Not klärte, nachdem Jörg Siebenhandl das Spielgerät nicht festhalten konnte. Gegen Ende der ersten Spielhälfte beruhigte sich das zuvor teils schnell und hektisch geführte Spiel zusehends. Somit gingen die beiden Teams völlig durchnässt mit einem zumindest zwischenzeitlichen Unentschieden in die Kabinen.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Mit absolutem Willen an die Tabellenspitze

Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte der Wettergott ein Einsehen mit den Akteuren am Feld und beendete den monsunartigen Regen. Auch die Besucher trauten sich wieder aus den Vordächern und Regenponchos. „Stürmisch“ präsentierten sich nun nur noch die Gäste am Feld, die mit einer wahrlich schönen Aktion beinahe für den dritten Treffer des Tages sorgten, doch Zulechner scheiterte nach schönem Doppelpass mit Huspek am Mattersburger Schlussmann Markus Kuster. Nur wenige Momente später bekam dann Philipp Huspek selber die Chance und verwandelte nach einem Traumpass von Peter Zulj sehenswert zur 2:1 Führung! Der SV Mattersburg zeigte sich eigentlich schon seit dem Ausgleich in einer Art Schockstarre. Zwar kam man in Minute 58 nach langer Zeit wieder gefährlich vor das Grazer Tor, doch eine Unachtsamkeit der Abwehrreihe, durch die Pink beinahe zum Ausgleich nutzen konnte, wurde durch Siebenhandl vereitelt. Nun wurde es aber hektisch: Zunächst scheiterte Thorsten Röcher nach im Eins gegen Eins an Kuster, danach rettete Sturms Schlussmann zwei Mal in höchster Not gegen Stefan Maierhofer, konnte den Ball aber nie aus der Gefahrenzone bringen. Da hatten einige Besucher den Torschrei bereits auf den Lippen. Das Spiel entwickelte sich nun zu einem offenen Schlagabtausch, die Führung für Sturm schien die Hausherren spät, aber doch aus dem kollektiven Tiefschlaf geholt zu haben. Nach 69 Minuten verfehlte Cesar Ortiz das Tor nach einer Maßflanke durch Gruber nur um Zentimeter. Es blieb aber keine Zeit zum Durchatmen. Im Konter bekam Sandi Lovric die Kugel, spielte Weltklasse auf den nach vorne stürmenden Philipp Huspek, der mustergültig auf Röcher abspielte, wodurch der Neuzugang für das absolut geile 3:1 sorgte! Wahnsinn, wie schnell und perfekt Sturm diesen Spielzug ausführte. Mattersburg suchte die schnelle Antwort, doch Jörg Siebenhandl reagierte gut und rettete vor dem eingewechselten Masaya Okugawa. Es war nun wieder ein offener Schlagabtausch, denn die Grün-Weißen agierten nun deutlich offensiver, was Sturm mehr und mehr Räume in der Offensive bot. Wenn man bedenkt, welch unterirdische Spiele man hier zwischen den beiden Kontrahenten bereits bestaunen musste, war das nun Gezeigte im Vergleich eine Augenweide. Dies honorierten auch die Fans im Gästeblock, die das Stahlrohrgerüst zum Beben brachten und damit für Heimspielatmosphäre sorgten. Sechs Minuten vor Ende der regulären Spielzeit hatte der für Zulechner in das Spiel gekommene Deni Alar die endgültige Entscheidung am Fuß, setzte den Ball aber viel zu zentral direkt auf Kuster – eine Möglichkeit, die der Stürmer letzte Saison wahrscheinlich mit verbundenen Augen verwertet hätte. Der SVM gab sich aber trotzdem nicht auf und kam zu weiteren Tormöglichkeiten, zunächst aber ohne Erfolg. Und tatsächlich wurde es dann noch einmal richtig spannend, denn in der bereits 90. Spielminute prallte der Ball im Strafraum an den Arm von Fabian Koch: Schiedsrichter Harald Lechner zeigte zurecht auf den Punkt, obwohl man der Laufmaschine aus Tirol kaum Vorwürfe machen kann. Evergreen Stefan Maierhofer trat an und verwertete sicher und abgeklärt zum Anschlusstreffer. Kurz darauf war aber Schluss im Pappelstadion und Sturm konnte den Erfolgslauf fortsetzten, gewann zum dritten Mal im dritten Spiel mit 3:2 und holte sich damit den Platz an der Tabellenspitze zurück. Drei Spiele, drei Siege, neun Tore, neun Punkte – absolut geil!

Spieldaten

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9 Kommentare

  1. flo1909 sagt:

    Wahnsinn, die Partie schon wieder gedreht; in den letzten 10 Jahren haben wir gefühlt 2 Partien gedreht und jetzt schon die zweite; Einfach schön dieser Mannschaft zuzusehen; Zulj und Lovric bringen auch endlich wieder den Spielwitz mit den man so lange for Matic vermisst hat!!!

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    • graz4ever sagt:

      mitm Fener-Spiel sinds sogar scho 3, die wir trotz Rückstand nicht verloren haben 🙂

      Einfach nur mehr geil!!!

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    • flo1909 sagt:

      Geht mir garnicht immer ums gewinnen; Bei Lovric und Zulj kommt einfach mal was unerwartetes, etwas gerissenes, wie beim 1:1 die haben das fußballerische Können und Eier, das taugt mir, dass das alles nicht so öd berechenbar ist wie früher!!!

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  2. Ivaneijew sagt:

    Ich glaube, nächste runde werde ich ein nettes sümmchen darauf wetten, dass wir 3:2 gewinnen

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  3. Martin sagt:

    Zum Ansehen war das heute wieder ein richtig tolles Spiel!
    Die ersten circa 20 Minuten waren von Sturm nicht so gut. Naja bei so einem Sauwetter kann man aber auch nicht wirklich gut spielen. Danach, vor allem in der zweiten Halbzeit, war es von der gesamten Mannschaft ein starkes Spiel, mit einigen sehenswerten Spielzügen. Hier sind vor allem Lovric, Zulj und Huspek hervorzuheben. Ich glaub, dass ich nicht wirklich ins Detail eingehen muss, wieso diese Spieler heute hervorzuheben sind. 🙂
    Schade, dass Potzmann wieder auf die Bank musste, aber dennoch war das von Foda eine nachvollziehbare Entscheidung, da Puchegger aufgrund seiner Größe, der bessere Gegenspieler für Maierhofer ist. Kompliment hier auch an Foda, der mich sowieso in dieser Saison bis jetzt sehr positiv überrascht hat (Spielweise, Auftreten, Rotation, Flexibilität).
    Während des Spiels habe ich auch parallel den Liveticker hier mitverfolgt und muss sagen, dass ich Siebenhandl etwas besser gesehen habe, als ihr. Bei den beiden Gegentoren war er Schuldlos. Bei hohen Bällen, und dass obwohl bei starkem Regen, war er sehr sicher. Mit dem Fuß, ist er sowieso fast schon der „österreichische Neuer“ (jeder Pass kommt an) Auch habe ich bei der einen Situation wo er den Ball gegen Maierhofer ausgelassen und danach gegen Pink gut abgewehrt hat, keine Unsicherheit, gesehen. Es war mehr ein Foul von Maierhofer, der mit Siebenhandl zusammenstößt, als dieser den Ball fangen wollte. Auch bei der anderen Situation, wo der Mattersburger danach den Ball über das Tor schießt und Siebenhandl davor etwas planlos aussah, kann er eigentlich auch kaum etwas dafür. Den Ball hätten davor die Abwehrspieler einfach klären müssen. Stattdessen ist der Ball nochmal gefährlich im Strafraum aufgesprungen. Das soll natürlich keine Kritik an euch sein. Ich verfolge den Liveticker immer gerne. Das ist nur meine Meinung, die diesmal etwas anders ist als eure. 🙂
    Im Endeffekt macht es heuer richtig viel Spaß, Sturm zu sehen (wobei ich Sturm eigentlich immer gerne sehe). Die Laufbereitschaft, der Kampfgeist, das Spielerische. Es passt einfach momentan alles. Zudem kann auch die Mannschaft einen Rückstand drehen. Das war in der Vorsaison, glaub ich, nur einmal der Fall (Altach).
    Oje, der Kommentar ist mal wieder endlos lang! Sorry dafür! 🙂

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  4. brent_everett sagt:

    Unser ureigener fighting spirit ist wieder zurück! Und Spieler wie Röcher und Zulj verleihen Sturm wieder den sexy mojo – ähnlich wie im letzten Sommer Porno Matic. Endlich kann man sich so richtig wieder auf eine Sturmpartie freuen! Aber in der Defensive wird FF noch an ein paar Schrauben drehen müssen, denn die Unsicherheiten bei Flanken und Standards sind eklatant.

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  5. Rockstar Rockstar sagt:

    Puchegger als IV ist auch eine Notlösung

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  6. Supersturm sagt:

    Wenn ich mir die Fotos anschaue bzw. die Live-Bilder vom TV in Erinnerung rufe..

    GROSSES LOB AN DIE FANGRUPPEN, die bei diesem Wetter ohne Dach über dem Kopf derart Stimmung machen!!

    Eigentlich eine Frechheit, dass es in Ö noch BL-Vereine gibt, wo die Auswärtsfans bei jeder Witterung im Freien sitzen/stehen müssen 🙁

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