Die Torchancenlüge

Eine Analyse der bisherigen Frühjahrssaison

Laut Franco Foda sei die mangelhafte Chancenauswertung ein Grund dafür, warum sich der SK Sturm Graz derzeit nur auf dem fünften Platz in der Tabelle bzw. dem achten Rang in der Frühjahrstabelle 2016 wiederfindet. Wir haben uns dieser Behauptung angenommen und eine kurze Analyse zu den bisherigen neun Spielen im Jahr 2016 erstellt.

© SturmNetz.at

Aktueller Stand der Tabelle der Bundesliga nach 9 Spielen im Jahr 2016

6. Februar 2016 – BL #21: SCR Altach vs. SK Sturm Graz:
Gegen den SCR Altach geriet man – wohlgemerkt etwas unverdient – durch eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters und ein Altacher Zaubertor nach einem Eckball in Rückstand. Den Anschlusstreffer erzielte Marko Stankovic mit einem Sonntagsschuss, der einer passablen zweiten Halbzeit Sturms, in der einige Torchancen erarbeitet wurden, als Vorbote diente. Der späte Ausgleich durch Thorsten Schick war hochverdient, denn Sturm war im zweiten Durchgang die bessere Mannschaft, aber die Punkteteilung war schließlich aufgrund der ersten Halbzeit leistungsgerecht.

13. Februar 2016 – BL #22: Wolfsberger AC vs. SK Sturm Graz:
In der nächsten Runde folgte ein Grottenkick, das ist die wohl höflichste noch zutreffende Bezeichnung für das Gezeigte, gegen den WAC, in dem die Grazer plan- und kopflos agierten. Wilson Kamavuaka vergab die einzig wahre Torchance und diese war auch noch lediglich zufällig zustandegekommen. Die Kärntner agierten in diesem Spiel als die bessere Mannschaft, drei Punkte waren außer Reichweite, Sturm mit dem Unentschieden noch gut bedient. Mehr Worte sind über dieses Spiel nicht mehr zu verlieren.

21. Februar 2016 – BL #23: SK Sturm Graz vs. SK Rapid Wien:
Gleich die nächste Enttäuschung erlitten der SK Sturm und seine Anhänger gegen den Lieblingsrivalen aus Wien-Hütteldorf. Eigentlich sprach vor dem Spiel alles, oder zumindest sehr viel, für die Schwarz-Weißen: Rapid war sowohl mental als auch körperlich nach einer herben 6:0-Klatsche gegen den FC Valencia angeschlagen, wurde durch Sturm aber „revitalisiert“. Im Laufe der Begegnung offenbarte Sturm eklatante Schwächen und konnte Rapid so nicht ausreichend fordern, um den damals ersten Dreier im Frühjahr einzufahren.

27. Februar 2016 – BL #24: SV Ried vs. SK Sturm Graz:
Schmutzig, das war der Sieg, den der SK Sturm eine Woche später gegen die SV Ried feierte. Torchancen, Spielkultur und Leidenschaft waren an jenem Nachmittag Fremdwörter für die Grazer, die sich diesen ersten „vollen“ Frühjahrserfolg wohl selbst kaum erklären konnten. Roman Kienast erzielte den irregulären Siegestreffer, dessen durch die Unparteiischen während der Partie bestätigte Gültigkeit das Schiedsrichterwesen in Österreich nicht gerade gut aussehen ließ.

2. März 2016 – BL #25: SK Sturm Graz vs. FC Red Bull Salzburg:
Als nächstes gastierte das Marketingprojekt von Dietrich Mateschitz in Graz. Dieses Spiel darf, da ist man sich weitestgehend allgemein einig, zweifellos als bisheriges Frühjahrshighlight bezeichnet werden. Endlich sahen die Sturm-Aficionados intensive Zweikämpfe, Einsatz und durchaus akzeptable Spielzüge. Auch Torchancen konnten sich die Grazer erarbeiten und man hätte als verdienter Sieger vom Platz gehen können. So etwas wie ein leichter Aufwärtstrend war erkennbar.

5. März 2016 – BL #26: SV Mattersburg vs. SK Sturm Graz:
Das darauffolgende Auswärtsspiel im Pappelstadion sollte Knackpunkt der bisherigen Frühjahrssaison werden – man ahnte aber ohnehin schon, dass etwas im Argen lag. Sturm dominierte den Gegner aus Mattersburg, spielte eine Reihe von Torchancen heraus, aber nützte diese nicht. Ein Spiel der Kontroverse: die Schwarz-Weißen ungewöhnlich gut in Defensive und Spielaufbau, Schlussmann Michael Esser jedoch ungewöhnlich fehleranfällig. Sein Patzer ermöglichte den Burgenländern das alles entscheidende Tor und die fehlenden Knipser im Angriff  des SK Sturm trugen durch mangelnde Effizienz ebenso zur Auswärtsniederlage bei. Später sollte dieses Spiel durch einen unglücklichen Kommentar des Cheftrainers, der zusätzlich Öl ins Feuer rinnen ließ, noch einen einen sehr bitteren Beigeschmack bekommen: „Besser kann man auswärts nicht spielen!“

13. März 2016 – BL #27: SK Sturm Graz vs. FK Austria Wien:
Im Spiel der letzten Chance agierten die Schwarz-Weißen gegen die Violetten aus Wien-Favoriten, betrachtete man den gesamten Spielverlauf, bestenfalls auf Augenhöhe. Phasenweise war Sturm der Austria dennoch überlegen, aber wirklich zwingenden Druck vermochten die Blackies in dieser Begegnung nie zu erzeugen. Wenn wir bedenken, dass es in diesem Spiel für die Schwarz-Weißen um sehr viel, nämlich einen internationalen Startplatz, ging, sollte es einem eigentlich die Sprache verschlagen. Dieser verkaterte Sonntagskick war definitiv kein Beweis für die Europacup-Tauglichkeit Sturms. Es gab schließlich ein verdientes Unentschieden in einem schwachen Spiel.

19. März 2016 – BL #28: FC Admira Wacker Mödling vs. SK Sturm Graz:
Den bisherigen Tiefpunkt erlebten die Sturm-Aficionados in der Südstadt. Die vom grandiosen Trainerduo BaumeisterLederer perfekt auf die Grazer eingestellten Südstädter verlagerten ihr Spiel mit Fortdauer der Partie auf die Außenbahnen und stellten Sturm damit vor große, ja scheinbar unlösbare Probleme. Obwohl es den Schwarz-Weißen gelang, sich die eine oder andere Chance herauszuarbeiten, musste Franco Foda einsehen, dass die 0:1-Niederlage nach einem sehenswerten Kracher von Daniel Toth ins Kreuzeck ohne Zweifel verdient war.

2. April 2016 – BL #29: SV Grödig vs. SK Sturm Graz:
Vergangenes Wochenende gastierte Sturm in Grödig und gewann tatsächlich, wenn auch glücklich, verdient mit 3:1! Die Grazer waren die bessere Mannschaft, mühten sich aber zum zweiten Frühjahrsdreier, denn wieder einmal waren es die Gegner, die den ersten Treffer der Partie bejubeln durften. Die Partie verlief sehr schleppend und auch diesmal sah man, wider den Spielverlauf, schon wie der sichere Verlierer aus. Ob dieser Sieg – eingeleitet von Donis Avdijaj und vollendet von Andreas Gruber – der entscheidende Befreiungsschlag war, bleibt zu hoffen.

 

Wahrheitsgehalt

Laut Franco Foda liegt das Hauptproblem der Grazer in der schlechten Auswertung der vielen Torchancen. Betrachtet man die Statistik der geschossenen Torschüsse aufs gegnerische Tor, ist diese These jedoch nicht ganz richtig.

Weder gegen den WAC (4 Torschüsse aufs Tor), Rapid (1), Austria (5) oder die Admira (5) wäre mehr möglich gewesen, so ehrlich muss man sein.

Gegen Ried (3) und Grödig (8) hat Sturm ohnehin gewonnen und diese Siege (vor allem gegen Ried) sind eher glücklich zustande gekommen.

Bleiben also noch die Partien gegen Altach (11), Salzburg (15) und Mattersburg (8), denn in diesen wäre bei besserer Chancenauswertung tatsächlich mehr möglich gewesen.

Das heißt Franco Fodas Aussage trifft auf drei von neun Partien zu.

 

Ursachenforschung

Die Hauptursache für die gezeigten Leistungen ist die verkorkste Einkaufspolitik im Winter. Es wurde verabsäumt, einen weiteren Stürmer zu verpflichten, denn Bright Edomwonyi scheint seine Form noch immer nicht gefunden zu haben und Roman Kienast war bis vor kurzem verletzt. Der in die Türkei abgewanderte Josip Tadic wäre zumindest eine Alternative gewesen, man zog es aber vor, das Frühjahr mit zwei Stürmern in Angriff zu nehmen.
Ein weiterer Schnitzer der Verantwortlichen im Winter-Transferfenster war der Verkauf von Anel Hadzic, der, obwohl nicht unbedingt auffällig, konstant seine Aufgaben erledigte und ungemein wichtig für die Stabilität im Mittelfeld war. Er ordnete das Spiel des SK Sturm, war zweikampfstark und konnte hin und wieder auch in der Offensive Akzente setzen. Neben ihm hätte sich mit Sicherheit auch Sandi Lovric hervorragend entwickeln können – wahrscheinlich besser als unter Daniel Offenbachers Obhut.
Auch wenn sich die Leistungen des Scheiflingers im Gegensatz zum Frühjahr verbessert haben, kann er den bosnischen Nationalteamspieler nicht adäquat ersetzen und ist einfach nicht mehr tragbar. Auch Marko Stankovic konnte bis dato noch nicht an seine Form vor seiner Verletzungspause anknüpfen. Der Zehner wirkt eher zurückhaltend und strahlt derzeit auch nicht die nötige Ruhe in seinen Aktionen aus, die es bräuchte, um das Offensivspiel gewinnbringend zu gestalten. Dazu kommen ungewohnte technische Mängel. Vielleicht hinterließ „Stankos“ Kreuzbandverletzung aber auch einfach mental Spuren, derer er sich noch nicht ganz entledigen konnte .

 

Zukunftsaussichten

Alle Fans des SK Sturm Graz können nur hoffen, dass im Sommer ein bundesligatauglicher Stürmer verpflichtet und langfristig eine neue hungrige Generation herangezüchtet wird, die gewillt ist, alles für die Schwarz-Weißen zu geben. In der nächsten Transferperiode ist ein Umbruch auf allen Ebenen unausweichlich: Ein Sportdirektor, der tatsächlich die sportlichen Agenden führt und dem Trainer hierarchisch übergeordnet ist, muss installiert werden – daran arbeitet der Verein bekanntermaßen nun schon seit einiger Zeit emsig. Zudem müssen junge Spieler schnellstmöglich hochgezogen und in die Kampfmannschaft integriert werden. Dies bedingt auch, dass in der nächsten Saison nicht die Platzierung ausschlaggebend und zielbestimmend sein sollte, sondern die Spielweise und die Einbindung von neuen Talenten. Würden die Sturm-Verantwortlichen diesen Weg einschlagen, wäre es auch möglich das Loch im Grazer-Geldbeutel zumindest ein wenig zu verkleinern.

 

2 Kommentare

  1. lobbo sagt:

    Also gebt ihr Foda recht dass im Winter schon wieder stützen die Mannschaft verlassen haben? Denn damit rechtfertigt er sein unflexibles spiel schon seit Jahren mit Pause …..

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  2. Onkelz sagt:

    Leute, ich les euch ja echt gern, und hab mich jetzt endlich entschlossen, mich bei euch anzumelden…

    Aber a bissl Schönrederei is es schon, was ihr da machts. Ned Fodaresk (sowas is für jeden zurechnungsfähigen Menschen eh unmöglich), aber ich muss @lobbo schon recht geben: ihr lieferts mit den Winterabgängen genau die vom Verein (bzw vom Trainer und Tscheneräl) so gern verwendete Ausrede…

    Beim Thema Anel Hadzic widersprechts ihr euch übrigens, wenn ihr mich fragts. Einerseits „obwohl nicht unbedingt auffällig“, andererseits „konstant seine Aufgaben erledigte und ungemein wichtig für die Stabilität im Mittelfeld[…] war zweikampfstark und konnte hin und wieder auch in der Offensive Akzente setzen“. Leider is der Anel bei uns sowieso meistens zu schlecht weg gekommen – man sieht ja eh anhand seiner Statistik in der Türkei, was er (wenn richtig, sprich offensiv, aufgestellt) eigl kann… Sowas ähnliches würd ich übrigens auch dem „Offi“ zutrauen (obwohl er mir ähnlich unsympathisch is wie der Nichtsleister Stanko), WENN er auf seiner Position (OM) eingesetzt werden würd…

    Alles in allem – in erster Linie is ein starker Sportdirektor wichtig, der dann als allerste (!) Amtshandlung den Trainer stanzt! Allein, mir fehlt der Glaube…

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