Die Rechnung geht nicht auf
Uros Matic war der prägende Spieler beim SK Sturm in der Herbstsaison, nun wechselt er zum FC Kopenhagen. Die Grazer verlieren damit ihren Spielmacher – und einen Erzeuger von Emotionen. Ein Kommentar von Martin Schreiner.
Im Sommer 2016 hat sich für die Sturm-Fans ein Fenster aufgetan. Dahinter konnten sie die Romantik des Fußballs wiederfinden. Für sie spielte Uros Matic. Er gab einer neu zusammengestellten Mannschaft Rhythmus. Wie ein Metronom verteilte er den Ball abwechselnd schnell und langsam. Ein Spielmacher, kein Sechser. Unter seiner Regie verstanden sich die Spieler schnell, sie spielten sich in einen Lauf. Kluge Transferpolitik hatte daran ihren Anteil, Fügung noch viel mehr.
Die Romantiker auf den Tribünen in Graz-Liebenau hofften, diese Matic-Momente mögen andauern. Zumindest für die Länge seiner nächsten Finte. Nur für eine weitere Körpertäuschung, mit der er zwei Gegenspieler ins Leere fahren lässt. Bloß das nächste Spiel lang. Weiter, immer weiter bis zu einem Titel. Oder zumindest dem Versuch, um diesen mitzuspielen. In einem Rausch, in einem Kampf, nur nicht wieder in einer Pose derselben. Für das Selbstbewusstsein wieder und immer wieder auf einen Gegner zulaufen und ihn ausspielen zu können. Um die Nervosität in dessen Augen zu sehen. Für die Möglichkeit eine Überraschung zu erzeugen.
An Matics Seite entwickelte sich eine Mannschaft. Es entstanden die Konturen verschiedener Spielerpersönlichkeiten wie jene der Darsteller in einem Theaterstück. Der Torjäger mit dem Bewegungsradius eines Bierdeckels, die wieselflinken Außenläufer und die harten Verteidiger. Die Romantiker begannen sich wieder an ihre Namen zu erinnern: An Deni Alar, Philipp Huspek, Charalampos Lykogiannis und Christian Schoissengeyr. Im Karussell des Marktes konnten sie für einen Moment beginnen, Beziehungen zu ihnen aufzubauen.
Am 13. Dezember knallte dieses Fenster in der Geschichte des SK Sturm wieder zu. Uros Matic wechselt um kolportierte zwei bis drei Millionen Euro zum FC Kopenhagen. Kurz nachdem er die Mannschaft zum Herbstmeistertitel geführt hatte. Sportdirektor Günter Kreissl sagt: „Wir haben die wirtschaftliche Zukunft nachhaltig abgesichert.“ Uros Matic verabschiedet sich mit einem Freistoßtor gegen die SV Ried. Auf ihren Schultern tragen ihn seine Mitspieler zu den Fans. Alle jubeln. Niemand scheint ihm oder dem Verein böse zu sein. Auch die Romantiker sind es nicht. Sie beschleicht eine tiefe Traurigkeit.
Dieses Mal haben die Mechanismen des Marktes schon nach einem halben Jahr zugeschlagen. Nicht zwei Jahre – wie zu Beginn der Saison geplant. Matics Erlös könnte nach ein paar schlechten Transfers verpufft sein. Fußball verkauft Emotionen, nicht Spieler. In Graz befeuerte die Leidenschaft der Spieler um Matic jene der Fans – und umgekehrt. Mit ihm hatte der SK Sturm einen Erzeuger von Emotionen gratis vom NK Breda bekommen. Ohne ihn droht der Mannschaft das Feuer auszugehen. Das verbliebene Geld brennt schlecht. Gefühle lassen sich nicht kaufen. Diese Rechnung wird nicht aufgehen. Die Romantiker sagen: „Geh nicht, Uros. Gerade jetzt, nachdem du uns für einen kurzen Moment den Glauben an den Fußball zurückgegeben hattest.“
Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von Ballesterer, dem österreichischen Fußballmagazin.
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also wenn deni alar der bewegungsradius eines bierdeckels unterstellt wird muss ich anzweifeln dass sich der autor seine spiele im sturmdress wirklich angeschaut hat…
Natürlich stimmt das mit der Rechnung im Grunde schon (und besonders der Matic Abgang wird uns no auf mehreren Ebenen weh tun), aber sollte darin auch eventuell miteinberechnet werden, wie es um die weitere (langfristige) Motivation bestellt is, dem man die bisherige Chance seines Lebens finanziell als auch fußballerisch (immer international spielen, [Dauer]Meister werden) versagt hat..? A wenn er menschlich a Top-Persönlichkeit is, hätts durchaus sein können, daß das in seim Kopf an ihm genagt u ihn blockiert hätt…
„…um die Motivation eines Spielers bestellt ist, dem man…“ (solls natürlich heißen)
N bisschen übertrieben und n bisschen zu dramatisch für meinen geschmack..
Jedes mal wenn jeggo oderodeinen koch einen ball abfängt, was ja öfters vorkommt, freut man sich extrem und ein staunen geht durch die kurve. mstoc als einzigen erzeuger darzustellen und die anderen in die nichtigkeit zu drängen ist falsch….
oder koch einen*
Gut zusammengefasst, so bzw. nur extremer (aus Sturmfansicht) und weniger romantisch sehe ich das auch,wird man ja sehen was-viele dann hier schreiben, wenn/falls wir im Frühjahr nur mehr Kick&Rush ich meine schnelles Umschalten mit langen Bällen spielen, weil das um und auf im Spielaufbau jetzt weg ist,- und wo die Zuschauerzahlen hingehen, wenn dann auch noch die Ergebnisse ausbleiben.
in diesem artikel wird ein ziemliches worst-case szenario dargestellt. die leistungen des herbstes nur auf einen spieler zu beschränken, halte ich persönlich für nicht richitg. sicher wird matic uns abgehen, andererseits muss man einfach sagen, dass geld ablehnen wäre wirklich dämlich gewesen… und ich bin überzeugt, dass unser kader bzw. eine sinnvolle verstärkung den abgang kompensieren kann.
was hätten wir gemacht, wenn sich matic das kreuzband gerissen hätte? ich vertraue voll und ganz günther kreissl, vor der saison hatte niemand matic auf der rechnung…
Sehr gut gesprochen.. äh geschrieben natürlich 😉
Ich hoffe du hast recht und ich täusche mich, aber bin bis ich eines besseren belehrt werde (hoffentlich im Frühjahr) immer noch der Meinung, dass ein Ausnahmekicker in einer Liga wie der Bundesliga den Unterschied ausmachen kann und man (ok das kann man nie beweisen) ihn, wenn er seine Leistung fortgesetzt hätte im Sommer noch weit gewinnbringender verkaufen hätte können…
Um die „Rechnung nicht aufgehen“ zu lassen, müsste man schon der „Zukunftssehung“ befähigt sein. Matic kam im Sommer, ging im Winter und dies nach teilweise grandiosen Leistungen. Ob dies allerdings schon reicht „Fußballromantiker“ in schwere Depressionen zu stürzen wage ich einmal zu bezweifeln. Und, dies scheint ja vergessen, ohne restliche Mannschaft und glücklichen Spielverläufen wäre dieser Superherbst auch mit/trotz Matic nicht möglich gewesen. Auch sei dem Herrn Schreiner eines versichert, „diese Geschichte“ Sturms knallte mit 13.Dezember sicherlich nicht zu. Der SK Sturm wird auch weiterhin Fußball spielen und Massen ins Stadion locken, weil wir seit 1909 der SK Sturm sind und auch nicht während 07/2016 – 12/2016 zum FC Matic mutierten!
@rio
100% agree – den Kopf am Nagel getroffen
Weltklasse, absolute Zustimmung! Weil in letzter Zeit in Bezug auf Foda so gerne das Osim´sche „Keiner ist wichtiger als der Verein“ zitiert wurde, das gilt natürlich auch für Matic!
Ja, es war wunderbar endlich wieder so einen feinen und dazu noch motivierten Kicker in Graz bewundern zu dürfen, aber dennoch.
Die Rechnung geht auf jeden Fall auf auch deswegen, weil ein anderer Faktor noch gar nicht bedacht wurde: Spieler sehen, dass ihnen keine Steine in den Weg gelegt werden, egal wie wichtig sie sind, wenn es für alle Seiten passt.
Ein Verein wie der unsrige, finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet, muss potentiellen Aktien so etwas bieten können! Das ist für alle Traditionalisten und Romantiker nicht schön, aber that´s business!
Sry, mein Kommentar war als Antwort an @rio gedacht
So gesehen bleibt einem Fußball-Fan ( Fußball-Romantiker ) egal welchen Vereines nur noch eines übrig wenn man sich mit einer Mannschaft über einen längeren Zeitraum gemeinsam freuen möchte…man muss Fan von Real, Barcelona, Bayern werden…dort bleiben die Publikumslieblinge auch solange sie Leistung erbringen. SCHEI… BUSINESS!!!