Die Planung des Unplanbaren

Taktikanalyse: SK Sturm Graz vs. FC Dynamo Kyiv

Der folgende Blog möchte in erster Linie eine neue Perspektive auf das dienstägige Spiel gegen Dynamo Kiew werfen. Ich möchte vernünftige Erklärungen für drei mich schwer beschäftigende Fragen finden:

  1. Wie ist es Sturm gelungen, die erste halbe Stunde des Spiels zu dominieren, obwohl Kiew wesentlich mehr Ballbesitz hatte?
  2. Welche Folgen hatte der Führungstreffer für Sturms Matchplan? Warum kam Kiew danach immer besser ins Spiel?
  3. Wieso hat Dynamo das Spiel letztlich doch recht eindeutig gewonnen?

Alles Fragen, die nicht in zwei oder drei bündigen Sätzen beantwortet werden können. Ich versuche zwar, mich kurz zu halten und prägnante Formulierungen zu finden – das ändert aber nichts daran, dass Taktik nun mal ein sehr abstraktes Themengebiet ist.

Jenen, die Angst vor Verkopfung haben, möchte ich daher folgendes Angebot machen: ihr dürft den Artikel entweder gekonnt ignorieren oder euren Appetit durch meine kleine Einleitung Ist Taktik überbewertet? anregen.

Ist Taktik überbewertet? 

Sicher: Wenn du nicht kratzt, nicht beißt, nicht kämpfst, hast du im Profifußball keine Chance. Weder Mourinho noch Guardiola werden mit einer Mannschaft Titel gewinnen, die den Ball vorzugsweise aus dem Stadion drischt oder für die es ein Ausnahmezustand ist, sich mit mehr als 5 km/h über den Platz zu bewegen.

Aber zu wissen, wer welche Aufgabe auf dem Spielfeld hat, wie der Gegner vorzugsweise das Spiel aufbaut oder warum sich ein Team ausgerechnet jetzt in der eigenen Hälfte verkriecht – auch das ist heutzutage Grundvoraussetzung für den Erfolg.

In Österreich herrschte lange Zeit ein zwiespältiges Verhältnis zum Thema Taktik. Vor nicht langer Zeit konnte Teamchef Didi C. (Name der Redaktion bekannt) den Satz “Taktik ist überbewertet” fallen lassen, ohne dafür sofort entlassen zu werden. Mittlerweile hat sich einiges gebessert. Sogar der ORF ist bemüht, einstudierte Laufwege ausfindig zu machen und den Zuschauer*innen das Thema “Taktik” schmackhaft zu machen.

Wenig überraschend also, dass in Österreich eine neue Trainergeneration heranreift, die mit der nötigen Kompetenz und Seriosität versucht, ihre Mannschaft dabei zu unterstützen, auch noch in den unwahrscheinlichsten Spielsituationen bestmögliche Lösungsansätze zu finden. Glück für Sturm: Christian Ilzer gehört dieser Generation an.

Ich möchte euch in den folgenden Wochen und Monaten immer wieder Einblick in die graue Materie gewähren. Nicht, weil ich euch langweilen möchte. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Meistens findet man Interna und Transfergerüchte spannender als endlos lange abstrakte Abhandlungen.

Aber wer kennt das nicht? Da hat die eigene Mannschaft den Gegner fast die ganze Spieldauer über dominiert – dann finden drei, vier Wechsel statt und plötzlich gerät man ins Hintertreffen und kassiert gegen eine vermeintliche Gurkentruppe den Ausgleich. Wofür man keine andere Erklärung findet, als: Die Mannschaft hat Angst vor dem Gewinnen, attackiert nicht aggressiv genug oder hat schlichtweg plötzlich das Kicken verlernt.

Taktische Verhaltensweisen zu verstehen, kann uns helfen, Siege oder Niederlagen richtig einzuordnen. Ohne Bier, Schweiß und Emotionen wäre der Fußball eine oft sehr fade Angelegenheit. Ein bisserl Frust gehört zum Fan-Dasein dazu, das wissen wir. Und letztlich ist im Fußball ebenso wenig planbar wie im alltäglichen Leben. Aber wer hin und wieder versucht, ein Fußballspiel auf die faktischen Geschehnisse am Rasen zu begrenzen, spart sich zumindest den sehr viel Energie verbrauchenden Daueraufenthalt in der emotionalen Achterbahn.

Das Anlaufverhalten: Sturms bester Spielmacher 

Die Ballbesitz-Statistik sprach von der ersten bis zur letzten Minute für die letztlich siegreichen Gäste. Kein Wunder. Wie willst du auch Mykola Shaparenko den Ball wegnehmen? Dem Kerl klebt die Kugel ja quasi am Fuß.

Trotzdem fiel uns auf: In der ersten halben Stunde kontrollierte Dynamo den Ball, Sturm das Spielgeschehen.

Üblicherweise ist es die Lieblingsbeschäftigung von Ilzers Mannen, aggressiv Druck auf den Ballführenden auszuüben. Gestern hielt man sich in der Anfangsphase damit eher zurück. Es ging nicht darum, möglichst rasch ein Tor zu erzielen. Es ging darum, die Kiewer Offensive rund um Viktor Tsygankov vom Rest der Mannschaft abzuschneiden.

Zu diesem Zweck wollte man Dynamos stärkste Waffe entschärfen. Dabei handelt es sich um den bereits erwähnten Spielmacher Shaparenko. Unter Mircea Lucescu hat er die Aufgabe, aus der Tiefe heraus das Spiel zu verlagern. Gestern begab er sich hierfür immer wieder auf die halblinke Sechser-Position.

Leichtes Spiel hatte er dort keines. Sarkaria, Horvat, Hierländer und Gazibegovic hatten offensichtliche Freude, sich werten Herrn in den Weg zu stellen.

Mani sollte bei einem Rückpass auf Bushchan oder Syrota Druck erzeugen. Horvat durch horizontales Anlaufen Pässe auf den zweiten wichtigen Mann im Spielaufbau, Kapitän Sydorchuk, verhindern. Hierländer sollte Shaparaenko die Möglichkeit nehmen, die Wuchtel diagonal auf Buyalskyi oder Tsygankov weiterzuleiten. Und Gazi behielt die ballnahen Außenspieler im Auge, also Dubinchak und Shepelev.

Dieses gut abgestimmte Anlaufverhalten nahm Shaparenko alle vernünftigen Handlungsoptionen. Lucescus Idealismus, auch in engen Spielen gepflegten Fußball spielen zu wollen, kam Christian Ilzer sehr entgegen. Viele Trainer hätten Shaparenko zu diesem Zeitpunkt lautstark dazu aufgefordert, das Ding blind Richtung gegnerisches Tor zu dreschen, statt zum zwölften Mal einen harmlosen Querpass zu spielen.

Jeder, der schon mal am Platz gestanden hat, weiß, wie frustrierend es sein kann, zwar ständig in Ballbesitz zu sein, aber trotzdem zu keinerlei Torchancen zu kommen. In der Hoffnung, dadurch endlich gefährlich vor Siebenhandls Kasten zu kommen, setzten also einzelne ungeduldige Spieler immer wieder zu Läufen in die Tiefe an. 

Vorstöße, die doppelt so viel Energie kosten, wenn der angeforderte Steilpass ausbleibt – Stichwort: leere Meter. Letztlich auch Vorstöße, die solche Lücken im eigenen Defensivverbund verursachen, wie sie Alexander Prass bei seinem Assist zum viel umjubelten Führungstreffer vorfand.

Dass sich Höjlund im Zweikampf wie ein Büffel durchsetzt und die Wuchtel eiskalt versenkt – hat mit Taktik nichts zu tun. Sondern ausschließlich mit Können.

Nach dem Tor ist nichts wie zuvor 

Im Fußball geht’s ums Toreschießen. Das ist zwar eine Binsenweisheit, aber mal ehrlich: Wer hält sich für zweimal 45 Minuten ununterbrochen dieses Mantra vor Augen? Nicht wenige Spieler verzetteln sich im Laufe der Partie in Einzelaktionen, die aufs Große gebrochen keinen Sinn ergeben. Viel zu oft sind genau das jene Spieler, die (nicht nur) bei jüngeren Fans Begeisterungsstürme auslösen.

Manchmal fällt im Fußball trotzdem ein Tor. Wovon besonders die 22 Akteure am Spielfeld überrascht werden. Nicht immer wissen diese, wie auf den neuen Spielstand reagiert werden soll. Nachdem Höjlund zugeschlagen hat, begann das Stadion zu beben. Sturm zeigte sich jetzt noch lauffreudiger und warf noch mehr nach vorne.

Offensichtlich hatte es sich die Mannschaft zum Ziel gesetzt, dem Gegner den endgültigen Todesstoß zu verpassen. Als Außenstehender kann ich nicht beurteilen, ob diese Absicht vom Trainerteam oder von den Spielern ausging.

Das Spiel erreichte hier seine unterhaltsamste Phase. Durch den erhöhten Aktionsradius sämtlicher Einzelspieler gewann das bespielbare Feld einiges an Größe. Folgerichtig wurden die Chancen der Blackies zahlreicher, jene von Kiew gefährlicher.

Seine Wende erlebte das Spiel in Minute 71. Hätte man es bis dahin geschafft, die Führung zu erhöhen, wäre wohl auch Taktikfuchs Mircea Lucescu chancenlos gewesen. Dem dürfte nämlich eben da ein Lichtlein aufgegangen sein!

Nach dem Spiel stellten einige Leidens- und Freudensgenossen fest, dass nach Höjlunds verletzungsbedingter Auswechslung nicht mehr viel funktioniert hat. Ich behaupte, dass die Einwechslung von Oleksandr Karavaev wesentlich mehr Einfluss auf den Spielverlauf hatte.

Ein kurzer Exkurs: Sturm hat die seltsame Angewohnheit, bei gegnerischem Ballbesitz mit allen Spielern auf die ballnahe Seite zu rücken. Das ist natürlich sehr riskant. Wenn sich der Linksverteidiger im Zentrum befindet, ist dessen Grundposition logischerweise unbesetzt. In der Theorie wird Sturm dadurch sehr anfällig für gegnerische Spielverlagerungen.

In der Praxis gibt es drei Faktoren, wieso wir dennoch gut mit derartigen Seitenwechseln klarkommen.

  1. Die Fähigkeit von Stankovic, den Zeitpunkt solcher diagonalen Zuspiele zu erahnen – und in der Folge den Pass entweder direkt abzufangen oder durch intelligentes Sich-fallen-Lassen Wüthrich bzw. Affengruber ein Tackling auf den Passempfänger zu erlauben.
  2. Die Laufbereitschaft der Außenbahnspieler. Egal ob Dante, Gazi, Prass oder Hierli: die Bereitschaft, auch viel vermeintlich unnötige Kilometer abzuarbeiten, ist zweifelsohne vorhanden.
  3. Die Tatsache, dass Ilzer genau diese gegnerischen Seitenwechsel als Pressingauslöser identifiziert hat. Impulsiv und aggressiv versucht die Mannschaft dem ballführenden Spieler Zeit und Raum – und letztlich den Ball zu nehmen.

Dieses eher unkonventionelle Verhalten konnte dem ehemaligen Galatasaray-Coach (#ChampionsleagueJahre) Mircea Lucescu nicht verborgen bleiben. Nach einiger Grübelei nutzte er es, um doch noch die passende Antwort auf die Unfähigkeit seiner Mannschaft, sich aus dem Würgegriff von Sturm zu befreien, zu geben.

Der eingewechselte Karavaev interpretierte seine Aufgabe deutlich offensiver als sein Vorgänger Kedziora. Ähnlich wie sein Pendant auf der linken Seite, Vivcharenko, agierte er weniger als Außenverteidiger, eher als äußerer Mittelfeldspieler. Dabei beackerte er fast ausschließlich die Außenlinie. Während Karavaev im Hinspiel selbst der entscheidende Faktor war, schlüpfte er diesmal in die Rolle des kongenialen Zuarbeiters für den späteren Matchwinner Viktor Tsygankov.

Karavaev beschäftigte durch seinen Offensivdrang den zu diesem Zeitpunkt ohnehin immer müder werdenden Amadou Dante – welcher Tsygankov somit immer seltener zu fassen bekam. Der genoss die wieder gewonnene Freiheit und versorgte wahlweise seine Mitspieler mit traumhaften Zuspielen, das Fußballerherz mit engmaschigen Dribblings oder die ukrainischen Fans mit ebenso satten, wie zielgenauen Torschüssen. Leider.

Am Ende gewinnt immer die bessere Mannschaft 

Eine Nachspielzeit später waren die Laktatwerte in gigantische Höhen geklettert und trotzdem hatte der Fußballgott nicht die Absicht, diese zur Ruhe kommen zu lassen. In der Verlängerung offenbarte sich Ilzers zögerliches Wechselverhalten dadurch als Minuspunkt.

Als diese angepfiffen worden war, hatte Kiew vier frische Spieler auf dem Platz, Sturm nur zwei. Besonders in mental sowie athletisch sehr fordernden Begegnungen kann das trotz sonstiger Qualitätsunterschiede den entscheidenden Unterschied machen.

Nach dem 1:1 befand sich Sturm unter Zugzwang. Ilzer musste Kompromisse eingehen. Er gab die gewohnte Struktur kurzzeitig auf und brachte zugunsten des Energiehaushaltes Schnegg, Fuseini und Demaku ins Spiel.

Für ein Team wie Sturm ist ein Spielerausschluss quasi mit einem Todesurteil gleich zu setzen. Gegen den Ball leben wir in erster Linie von einem gut organisierten, sich geduldig in Richtung Ballführenden verschiebenden Mannschaftsblock – und nicht von muskelbepackten 2-Meter-Prügeln (auch Wüthrich passt nicht wirklich in dieses Anforderungsprofil).

Dass dem endgültig entscheidenden Tor von Tsygankov eine Spielverlagerung vorausging, die jener vor dem Gegentor in Polen stark ähnelte, war kein Zufall. Wie bereits erwähnt, Sturm ist bei gegnerischen Seitenwechseln zu höchster Konzentration und einer makellosen Raumaufteilung verpflichtet. Was mit einem Mann weniger und unter Verlust körperlicher und geistiger Kräfte eine verdammt große Herausforderung ist.

Fazit

Christian Ilzer ging mit einem guten Matchplan ins Spiel. Er fand für seine Mannschaft die ideale Herangehensweise, um Kiews Spielaufbau zu unterbinden. Höjlunds Treffer war Symptom der den Gegner zermürbenden Angewohnheit, ständig Druck auf den ballführenden Spieler auszuüben.

Nach der Führung schien es die Mannschaft darauf abgesehen zu haben, durch ein zweites Tor den Deckel zu schließen. Unglücklicherweise vergaben Prass, Horvat und Affengruber gute Gelegenheiten, wodurch Lucescu die nötige Zeit gewann, um das bis dahin schwache Spiel seiner Mannschaft aufzuwerten. Er wechselte Karavaev ein, dessen hohe Positionierung Tsygankov aus dem Fokus von Amadou Dante nahm.

Worauf Ilzer keine stimmige Antwort fand – spätestens nach dem 1:1 aber finden musste! Sein Versuch, Prass in die defensive Zentrale zu ziehen, hatte eine unerwünschte Nebenwirkung – in der Offensive gelang den Blackies fast nichts mehr. Sarkarias Ausschluss verschlimmerte außerdem den ohnehin längst augenfällig gewordenen konditionellen Nachteil.

Trotzdem haben die Schwarz-Weißen bewiesen, dass sie auch stärkere europäische Gegner vor echte Probleme stellen können. Für die ganz große Bühne ist man noch nicht bereit. Dank der gegen Kiew und im Vorjahr gemachten Erfahrungen ist mit ein bisschen Losglück und der gewohnten Zielstrebigkeit der Aufstieg ins Sechzehntelfinale der Europa League definitiv zuzutrauen. 

 

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8 Kommentare

  1. gepi20 sagt:

    Ausgezeichnete Analyse! Gefällt mir sehr gut. Insgesamt sieht man, dass Sturm sich in allen Bereichen enorm weiterentwickelt hat. Das Trainerteam, die „Konstante“ Mannschaft und Erfahrungen der letzten internationalen Spiele zeigen weiterhin einen Trend nach oben.
    Der Unterschied zu Spitzenteams ist eben auch die Anzahl an Qualität in den Formationen. Ein Stankovic, Hojlund und Kite bzw. Jantscher können nicht 1:1 ersetzt werden. Außer Salzburg hat kein Team das Budget für diese Qualität auf der Bank.
    In Summe ist der Weg richtig und mit ein wenig Glück bei Transfers kann mit den Einnahmen aus Spielerverkäufen, EC und Sponsoren die Infrastruktur verbessert werden, die langfristig für junge Talente attraktiv ist.
    Der Weg stimmt, hoffentlich mit Losglück eine attraktive EL Gruppe mit 3 vollen Stadien.
    Ad Hojlund: Ich würde den Stürmer gerne länger bei uns sehen, leider nicht realistisch. Wenn wir aber > €10 Mio. bekommen muss man das wirtschaftliche Argument in den Vordergrund stellen.

  2. Maldini sagt:

    Herzlichen Dank für diese sensationelle Analyse!

    Auch wenn ich so meine Zweifel habe, hoffe ich doch, dass gerade die „größten“ Experten hier sich einmal die Zeit nehmen und den ganzen Artikel lesen, bevor sie nach der nächsten Niederlage wieder aus ihren Löchern kommen und „Ilzer hat es vercoacht“ oder „XY ist nicht bundesligatauglich“ posten!!!

  3. wama sagt:

    Wirklich tolle, fundierte Analyse, danke!

  4. Fanatiker sagt:

    Das einzige „Problem“ das Sturm derzeit hat, ist dass 2:0 zu erzielen – siehe Ried, bzw. Kiew.

    Sonst ist es ein erfrischendes Spiel, was den Fans Freude bereitet.

    PS: Kritik, Nörgler wird es immer geben…

    MFG der Fanatiker

  5. Beutelspecht sagt:

    Danke für diese großartige Analyse. Man hat gesehen, dass derzeit eine Lücke klafft in der Offensive. Aber ich bin zuversichtlich mit dem neuen Stürmer Emegha und den Talenten Lang und Fusseini in eine rosige Zeit zu gehen. Bisserl Geduld. Das wird schon.

  6. oga_90 sagt:

    Wirklich tolle Analyse !
    Gerne mehr davon 🙂

    Hut ab vor eurer Arbeit und die darin gesteckte Energie und Leidenschaft!

  7. jorge72 sagt:

    zweifelsohne bemüht und auch fachkundig – aber was vergessen wurde, wenn du taktisch variabel sein willst braucht es auch talentierte kicker dazu – laufstark, zweikampstark, übersicht, technisch versiert… und diese sind dann auch dementsprechend in der lage die richtigen laufwege zu gehen aber mehr als instinkt und weniger aus taktischen gründen (instinkt ist wesentlich schneller im kopf als taktik). von daher sind dann systemfragen wirklich überbewertet. die kunst eines trainers ist jedoch aus durchschnittlichen fußballern, gute spieler zu formen (osim war ein wahrer meister darin) und dabei ist taktik nur ein stein des mosaiks, dabei spielen selbstvertrauen, menschlichkeit, teamgefüge, gesundheit…eine wesentliche rolle und jeder trainer, der sich selbst nicht für zu wichtig nimmt wird dies auch bestätigen.

  8. Micha Pesseg sagt:

    Hey 🙂

    Letzlich ist Taktik (worunter ich insbesondere Raumaufteilung verstehe) nur eine Ergänzung zu allen sonstigen Teildisziplinen des Fußballs.

    Genau das habe ich ja im ersten Teil erklärt – und versuche ich mir immer wieder, ins Bewusstsein zu rufen.

    Punkto Instinkt: der ist ja nicht angeboren, sondern antrainiert. Niemand ist als Spitzenfußballer vom Himmel angefallen.

    Mourinho zB lässt dementsprechend seine taktischen Grundprinzipien immer und immer wieder trainieren – bis sie so fest im Schädel verankert sind, dass sie am Platz jederzeit abgerufen werden können (und das möglichst schnell!!)

    Angeführt in Tobias Escher „Zeit der Strategen“ – meine aktuelle Abendlektüre, kann ich dir vollstens empfehlen 🙂

    Was ich hier behandelt habe, ist nicht Taktik an sich. Nur eine Blaupause, in der ich die Spielzüge und Muster zu erklären versuche, die ich besonders prägnant für den gesamten Spielverlauf gefunden habe.

    Problematisch jedenfalls, dass der Begriff „Taktik“ im Fußball stark vorbelastet ist. Und niemand (inklusive mir) hundertprozentig sagen kann, welche Bereiche genau davon umfasst werden.

    Danke jedenfalls für den Input! Und auch ein herzliches Dankeschön für das viele positive Feedback. Motiviert, weiterzumachen!

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