Die Geschichte meines Lieblingstrikots

SturmNetz-Advent 2018 – #7

Auch in diesem Jahr möchten wir euch die Zeit bis zum heiligen Abend etwas versüßen. Im heurigen Advent blicken wir zurück auf einige denkwürdige Ereignisse aus 3,5 Jahren SturmNetz. Hinter Türchen Nummer 7 wird die Geschichte eines besonderen Erinnerungsstücks erzählt.

Die Geschichte meines Lieblingstrikots

Seit etwa 20 Jahren beschäftige ich mich mit Sport-Memorabilas aller Art. Mich fasziniert dabei die Geschichte und kleine Episoden zu den jeweiligen Objekten. Der Sammler schlechthin bin ich allerdings weniger, zumeist reicht es mir, solch historische Stücke kurz durch die Hände gleiten zu lassen oder alte Sammlungen zu durchstöbern, sie dann letztendlich aber wieder zu veräußern. Dass damit ein bisschen was an schnödem Mammon zu lukrieren ist, maximal ein schöner Nebeneffekt. Denn hätte ich all die von mir zusammengetragenen Schätze selbst behalten, wäre wohl derweil sogar das Schloss Eggenberg als Lager zu klein. Anders verhält es sich jedoch mit Sturm-Trikots. Mittlerweile besitze ich 35 verschiedene – akribisch chronologisch sortierte – Modelle. Allesamt von mir mit dem Prädikat unverkäuflich versehen. Und das, obwohl ich viele davon als alles andere denn optische Hingucker empfinde. Ich bin kein Marketingexperte, vielleicht auch deswegen ist mir ein Umstand seit langer Zeit mehr als suspekt: Warum ist die „Sturmwäsch“ immer eine Ansammlung an bunten Farbklecksen und würden nicht viel mehr Menschen sich ein aktuelles Trikot leisten wollen, wenn man die Sponsorbeflockung endlich monochron an die schwarz-weißen Farben unseres Lieblingsklubs anpassen würde? Wäre der Werbewert etwa für die Kleine Zeitung nicht ein höherer, ein positiverer, wenn ihr Logo nicht ausgerechnet in Rot am Spielgewand uns alle nerven würde? Und warum soll man als Fan jede Menge an Euros löhnen, nur um dann als eine Art zu Fleisch gewordene Litfaßsäule herumzulaufen?

Im Mai 2017 hat SturmNetz eine Reihe von möglichen innovativen Trikot-Designs zur Wahl gestellt. Das Ergebnis zeigte mir, dass ich mit diesem Wunsch bei Weitem nicht alleine dastehe, denn genau solch eine Variante hatte in unserer Umfrage meilenweit die Nase vorne:

Um die Jahrtausendwende herrschte auf den Grazer Flohmärkten eine Art Goldgräberstimmung. Ebay und Willhaben waren noch nicht existent, überflüssig gewordene Dinge noch ausschließlich face to face verkauft. Nicht selten war meine Jagd erfolgreich. An einem heißen Sommertag jedoch, wollte ich schon ohne Ausbeute Umkehr machen. Da erblickte ich plötzlich einen Mann in einem klassisch schönen,  schwarz-weißen Sturmtrikot. Er bot es jedoch nicht feil, nein, er ging damit bloß spazieren. Auch aufgrund meines bisherigen Misserfolges sprach ich ihn an und stellte schnell fest, dass dieser Herr, vermutlich ein Kroate, glücklicherweise keinerlei Ahnung hatte, was er da überhaupt übergestreift hatte. Über mein Interesse war er zwar sehr verwundert, jedoch einem Deal nicht abgeneigt und so bot er mir das Leiberl um sage und schreibe fünf Schilling (umgerechnet etwa 36 Cent) an. Zusätzlich der Bedingung, ihm hier und jetzt ersatzweise eine neue Oberbekleidung aus zweiter Hand zu erstatten. Abgemacht. Wie ein Beiwagerl streifte ich mit ihm noch gefühlt Stunden durch die Verkaufsflächen, bis auch er endlich ein Objekt seiner Begierde gefunden hatte. Ein zartfliederfärbiges T-Shirt der Marke No Name. Kostenpunkt für mich: weitere fünf Schilling. Der Dressentausch konnte über die Bühne gehen. Das Trikot gehörte nun unwiderruflich mir.

v.l.n.r.: Flohmarktfund, Damir Muzek, Neukirchner Matchworn – alles Saison 1992/93

Es handelt sich dabei um ein Trikot aus der Saison 1992/93. Jene Spielzeit, in der der Sportklub Sturm seine Heimspiele zum letzten Mal in den waschechten, traditionellen Klubfarben bestritt. Versehen mit der Rückennummer 10. Die gehörte in dieser mäßig erfolgreichen Ära Damir Muzek. Einem hochtalentierten Mittelfeldspieler, der Anfang der 90er aus Zagreb kommend an die Mur gewechselt war und sich in Graz trotz oder gerade deswegen das Prädikat „Bruder Leichtfuß“ erarbeitete. 1993 zog es den Kroaten zu der damals großen Austria aus Salzburg, vermochte dort sein Potential besser zur Geltung zu bringen und stand mit den Violetten bereits in seiner ersten Saison an der Salzach im Europacup-Finale gegen Inter Mailand.  Bis zum heutigen Tage ist genau jenes „Sturmhemd“ mein Lieblingsstück. Erwähnenswert dabei ist, dass ich bereits zu dieser Zeit die Auswärtsversion dieses Modells besaß. Günther Neukirchner hatte mich einige Jahre zuvor an meinem Geburtstag überrascht, stand plötzlich unverhofft in meiner Wohnung und brachte mir als Geschenk eine Auswahl an drei seiner Trikots aus der abgelaufenen Spielzeit mit. Die schwarz-weiße Home-Variante, das Away-Trikot in gelb und die grüne Ausweichsversion. Man muss wissen, ein Matchworn Trikot aus dieser Zeit stellt eine weitaus erklecklichere Rarität dar als etwa jene aus der jüngeren Vergangenheit. Einst wurde nicht zu jedem Spiel ein komplett neuer Satz ausgegeben, zumeist fand man in einer Saison mit einer einzigen jeweiligen Garnitur das Auslangen. Nach dem Spiel wurde die Arbeitskleidung eingesammelt, gewaschen und die Woche drauf erneut getragen. So sehr ich mich auch über das besondere Stück von Güsch – in der Prä-Osim-Ära war Neukirchner noch einer der ständig zwischen Startelf, Ersatzbank und Tribüne rotierte – freute, manchmal war ich selbst über mich verwundert, warum gerade ich Traditionalist mich an meinem Ehrentag nicht für die klassische Variante in Schwarz-Weiß entschieden hatte. Eine echte Jugendsünde. Doch durch den etwas unorthodoxen Flohmarktfund war dieser Makel nun endgültig ausgemerzt.

Frühmorgendlicher FB-Post am Tag des Cupfinales

Vielleicht auch aus Aberglaube trage ich nie Trikots. Meine Sammlung findet sich beinahe unberührt im Kleiderschrank. Doch das Muzek-Dress bildet eine Ausnahme. Zum ersten Mal hatte ich es im August 2000 im De Kuip zu Rotterdam an. Sturm musste einen knappen 2:1-Vorsprung aus dem Rückspiel verteidigen, um zum dritten Mal in Folge in die Gruppenphase der Königsklasse einzuziehen. Es war dabei, als ein Mobiltelefon auf das Spielfeld flog, Sturm eine internationale Klasseleistung ablieferte und sogar Trainer Ivica Osim überhaupt erstmalig nach einem Spiel zufrieden lächelte. Aus Holland zurück, gönnte ich dem Dress eine mehr als zehnjährige Schaffenspause. Erst als Sturm im Mai 2011 in Wiener Neustadt mit einem Sieg für eine Vorentscheidung im Bundesliga-Titelkampf sorgen konnte, holte ich es wieder hervor. Noch heute bin ich fest davon überzeugt, ein gewisser Edin Salkic hätte ohne dieses Zutun in Minute 86 nie und nimmer völlig ohne Zwang im Strafraum mit der Hand zum Ball gegriffen. Im Mai dieses Jahres dann der Hattrick. Bereits am Morgen streifte ich mir das Dress drüber, bezeugte meinen Optimismus auf Facebook, radelte damit in die Arbeit, strich dort beschwörend im Minutentakt über die Klubfahne und machte mich am späten Nachmittag auf den Weg über die Pack. Kurz vor Mitternacht durfte ich letztendlich im mehr als 25 Jahre alten Trikot den Cupfinalerfolg gegen favorisierte Bullen aus Salzburg bejubeln. Für mich jedoch kam dieser Titel wenig überraschend. Ich trug ja in Klagenfurt den Muzek-Zehner am Rücken. 

 

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3 Kommentare

  1. fauli sagt:

    Ein großes DANKE an das Sturmnetz Team für den amüsanten, interessanten, lesenswerten Adventkalender

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  2. jott1976 sagt:

    Die o.a. 2 Trikots würde ich sofort kaufen. Ich glaub so geht es vielen Sturmfans. Wäre toll, wenn die SK-Sturm-Marketingabteilung diese Idee aufschnappen würde. Die Einnahmen aus dem Trikotverkauf würden sicher enorm zunehmen!

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