Die Elf der unlängst Verflossenen

Dass das Fußballgeschäft ein immer schnelllebigeres wird, wissen wir. Kaum küsst ein Spieler beim Torjubel ein neues Wappen auf seiner Brust, schreitet er zumeist schon wieder von dannen. Allein mit jenen Kickern, die Sturm innerhalb des zweieinhalbjährigen Bestehens unseres Online-Portals verlassen haben, könnte man eine durchaus schlagkräftige Mannschaft basteln. Wir haben uns umgehört, wie es den Mitgliedern dieser illusorischen Elf derzeit bei ihren jeweiligen neuen Vereinen so geht.

 

Michael Esser:
Der Torhüter wechselte im Sommer 2016 von den Blackys zu den Lilien nach Darmstadt. Dort wurde „Bruno“ sofort zum Stammspieler und lieferte ganz starke Partien ab, den Abstieg seines Teams konnte er aber nicht verhindern. Dennoch blieb Esser der Bundesliga erhalten: Nach nur einem Jahr in der hessischen Graz-Partnerstadt übersiedelte er für kolportierte 2,5 Millionen Euro zum Aufsteiger aus Hannover. Die Roten stehen derzeit auf einem gesicherten Mittelfeldplatz, Essers Anteil an diesem bisherigen soliden Saisonverlauf ist allerdings bescheiden: Nur bei der 0:4-Klatsche gegen Werder Bremen in Runde 12 und beim 3:2-Sieg über Mainz 05 durfte der ehemalige Sturmgoalie das Tor von Hannover 96 hüten. An Stammkeeper Phillipp Tschauner gibt es derzeit für ihn kein Vorbeikommen.
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Thorsten Schick:
Für den Verein des Grazers – den Young Boys aus Bern – läuft es in dieser Saison bislang wie geschmiert. Die Gelb-Schwarzen sind drauf und dran, nach langen 32 Jahren wieder den Meistertitel einzufahren. Schick spielt dabei zurzeit – im Gegensatz zur Vorsaison – allerdings nur eine Nebenrolle und wird von seinem Trainer Adi Hütter zumeist nur für Kurz-Einsätze eingeplant. Im Sommer läuft Schicks Vertrag in der Schweiz aus.

Tassos Avlonitis:
Der Grieche, der im Frühjahr 2016 als Leihspieler für Sturm Graz zumeist tadellose Leistungen erbrachte, musste nach gescheiterten Weiterverpflichtungsverhandlungen einen weiteren Tiefschlag einstecken. Avlonitis zog sich eine Knieverletzung zu, musste mehrere Monate pausieren und stand plötzlich ohne Verein da. Im Jänner 2017 gab der schottische Verein Heart of Midlothian seine Verpflichtung bekannt, Tassos wurde gleich bei seinem ersten Spiel in das Premier League-Team der Runde gewählt, letztendlich kam der Innenverteidiger auf der Insel allerdings nur zu neun Einsätzen. Im Sommer war er erneut vereinslos, doch Mitte September unterschrieb er einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Panathinaikos Athen. Dort ist Tassos allerdings erneut zumeist zum Zuschauen verurteilt, auf der Habenseite stehen bislang nur zwei Einsätze für die Kleeblätter. 

© Panathinaikos Athen/Facebook

Michael Madl:
Madls Abgang auf die Insel inklusive dem legendären „Fullham-Deal“ war viel aufregender als des Innenverteidigers sportliche Leistungen in der zweithöchsten englischen Fußballliga. Nachdem er im abgelaufenen Herbst gar ohne einen einzigen Einsatz blieb und nur zweimal im Cup ran durfte, entschied er sich in diesem Winter für eine Rückkehr zur Wiener Austria. Ein Muskelfaserriss im linken Oberschenkel bremste ihn allerdings zum Frühjahrsstart und so war er beim letztwöchigen Wiener Derby nur Zaungast.

Charalompos Lykogiannis:
Mit viel Medien-Trara wurde unser ehemaliger Außengrieche bei seinem neuen Klub Cagliari Calcio vor knapp drei Wochen empfangen und nur wenige Tage nach seiner Ankunft auf Sardinien, durfte er im Spiel beim FC Crotone (1:1) für 27 Minuten sein Debüt in der Serie-A feiern. Im folgenden Heimspiel gegen SPAL blieb Lyko allerdings über die gesamte Spielzeit nur der Platz auf der Reservebank.

Sascha Horvath:
Nur 408 Pflichtspiel-Minuten hat der ehemalige Sturmspieler seit seinem Wechsel im Sommer 2017 für Dynamo Dresden gespielt. Für die Sachsen – die aktuell lediglich vier Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt sind – erzielte er aber immerhin bereits einen Treffer, nämlich das Führungstor beim 2:0-Auswärtssieg bei Jahn Regensburg. Unabhängig davon hält sein Trainer Uwe Neuhaus große Stücke auf den nur 1,65-m großen Mittelfeldwusler und ist überzeugt, dass der gebürtige Wiener in diesem Frühjahr so richtig durchstarten wird. Horvaths Vertrag bei Dynamo läuft noch bis Sommer 2021.

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Uros Matic:
Ein halbes Jahr genügte dem Serben, um in Graz Kultstatus zu erlangen. Seinen Spitznamen „Porno“ nahm er mit zum FC Kopenhagen, wo er den zu Werder Bremen abgewanderten Thomas Delaney ersetzten sollte. In Dänemark konnte er anfangs nahtlos an seine Leistungen in der Steiermark anknüpfen. In der Europa-Leaugue wurde er gleich bei seinem ersten Einsatz in das Team der Runde gewählt, trotzdem schied sein Klub im Achtelfinale gegen Ajax Amsterdam unglücklich aus. Doch in der laufenden Saison geriet sein Motor ins Stottern, vor allem das Aus im Play-Off der Champions-League-Quali gegen den aserbaidschanischen Vertreter Qarabag Agdam war ein Nackenschlag. Den FC Kopenhagen plagt ein Seuchenjahr, in der Meisterschaft steht man aktuell nur auf Platz 6, und Matic hat seinen Stammplatz längst verloren. Durch die finanziellen Einbußen aus dem Nichterreichen der Gruppenphase in der Königsklasse kommunizierte der Verein unlängst, dass man sich den Serben nicht mehr leisten will. Zu viele teure Mittelfeldspieler tummeln sich im Kader des zwölffachen dänischen Meisters. Matics Vertrag in Kopenhagen hätte an und für sich noch bis Juni 2021 Gültigkeit.

Marko Stankovic:
Den wohl ungewöhnlichsten Transfer aller Sturm-Abgänge der letzten drei Jahre vollzog jüngst Marko Stankovic. Nachdem er im Sommer zum derzeitigen Tabellenführer der Ersten Liga, der SV Ried,  gewechselt hatte, dort in 14 Einsätzen drei Treffer erzielte, löste er vor kurzem seinen Vertrag mit den Oberösterreichern auf und wird seine Karriere nun in Indien fortsetzen. Bei Pune City, derzeit Tabellenzweiter der Indian Super Leauge und trainert von Ex-Sturm-Publikumsliebling Ranko Popovic, gelang Stanko vorgestern ein durchaus geglücktes Debüt: Beim Auswärtsspiel gegen North East United kam er in Minute 75 aufs Feld und lieferte knapp vor Schlusspfiff das Assist zu Marcelinhos Goldtor. Zu den Heimspielen von Pune kamen in dieser Saison bislang im Schnitt über 23.000 Fans. Mit diesem Wert ist Stankos neuer Verein bei den Zuschauerzahlen die Nummer 1 in Indien.

© FC Pune City/Facebook

Baris Atik:
Der von der TSG Hoffenheim im vergangen Winter-Transferfenster an Sturm verliehene Deutsch-Türke befindet sich weiterhin auf intensiver Wanderschaft. Nach seiner Rückkehr zur TSG wurde Atik umgehend erneut verliehen, doch beim 1. FC Kaiserslautern konnte der Mittelfeldmann nie so recht überzeugen.  In den letzten drei Spielen vor der Winterpause kam Atik nicht mehr zum Einsatz und für die Reise der Pfälzer in das Winter-Trainingslager wurde er gar nicht mehr nominiert. Nun nimmt Atik einen neuen Anlauf: Beim ehemaligen Esser-Klub SV Darmstadt erhielt er einen Vertrag bis Saisonende. In den ersten beiden Frühjahrsrunden der Zweiten Deutschen Bundesliga kam er jedoch noch nicht zum Einsatz.

 


 

Seifedin Chabbi:
Bei Sturm bekam der Bludenzer im Frühjahr 2017 kein Bein auf den Boden, doch nach seinem Wechsel zur SV Ried trifft er beinahe nach Belieben. In 21 Pflichtspielen gelangen dem Stürmer 18 Tore, im Jänner wollte der FC Midtylland Chabbi nach Dänemark holen, doch in letzter Sekunde scheiterte der Transfer an den zu hohen Ablöseforderungen der Oberösterreicher. 

Ersatzbank: Daniel Lück (derzeit vereinslos), Tanyu Kayhan (Göztepe), Simon Piesinger (Altach), Wilson Kamavuaka (Darmstadt 98), Kristijan Dobras (Altach), Roman Kienast (vereinslos/Wiener Neustadt?), Romano Schmid (Rasenball Leipzig III)

Welcher Abgang war für euch der Bitterste?

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4 Kommentare

  1. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Im Sommer läuft Avdijajs Vertrag aus…just sayin 😉

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  2. Bozo Bazooka sagt:

    Der Uros darf gerne wieder kommen, wenn er will …

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  3. Ennstaler sagt:

    Bei der Aufzählung jener Spieler, die in der jüngeren Vergangenheit bei Sturm spielten und jetzt noch aktiv sind, vermisse ich Richie Sukuta-Pasu. Der spielt jetzt bei Sandhausen in der 2. Deutschen Liga, er würde auch bei Sturm noch immer eine gute Figur machen.

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