Der Spieler der Saison

Piefkecorner – Geschichten aus Deutschland

Ich habe gesehen, wie Peter Zulj einen Ball aus der Luft annimmt, ihn über seinen Gegenspieler spielt und dann volley in Richtung Tor drischt, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Nicht erst seit diesem Geniestreich kribbelt es in meinem Bauch, wenn ich ihn spielen sehe. Ob seine Teamkollegen im Training auch so über ihn denken, wenn ihm die Kugel wieder an seinen Jesuspatscherl pickt, während er sie über den heiligen Rasen führt, als wäre sie mit Kaugummi an seinen Fuß montiert? Wenn im Training in Messendorf die Sonne im richtigen Winkel auf den Platz fällt und Peter dann im Gegenlicht einen No-Look-Pass spielt, denkt dann ein technisch versierter Spieler wie Thomas Schrammel bei dieser Aura ans Aufhören?

Bei jeder Spielsituation, in der ich mir denke, dass es gottverdammt nochmal nicht möglich ist, den Ball noch arroganter anzunehmen. Dass dieser Zulj doch bestimmt „Komm schon! Trau dich!“ auf seinem Shirt stehen haben muss. Dass der jetzt ganz bestimmt die Haut verlieren wird, wenn ihn drei Gegenspieler wie blutrünstige Hyänen einkreisen. Oder dass er zumindest in Kürze mit einer Blessur am Spielfeldrand behandelt wird, dann liege ich falsch. Es war schon letzte Saison so frech, wie oft Zulj in einer brenzligen Situation ein Foul zog, den Ball in Sicherheit brachte, einen überraschenden Pass spielte, aber in dieser Saison ist es noch deutlicher zu sehen.

Vielleicht achtet man in diesem Jahr mehr darauf, weil er Spieler des Jahres wurde. Vielleicht schleicht sich deshalb auch öfter der Schlendrian bei ihm ein. Vielleicht attackieren ihn Gegenspieler überlegter, konzentrierter, härter und mit mehr Biss…

Heute geht der neuen Nummer 10 nicht alles so leicht von der Hand wie noch vor wenigen Monaten, aber oft werden mir die Augen trotzdem wässrig, wenn diese Diva sich die kurzen Hosen noch weiter raufschiebt, um seine Oberschenkel dem Augenlicht der Brigata zu präsentieren. Wenn sich dieser Adonis noch einmal durch seine seltsam blondierte Frisur streicht, damit sie ja sitzt, wenn er den Eckball in die Mitte zirkelt. Wenn dieser begnadete Fußballer das schwarze Trikot überzieht und für meinen Herzensverein ein paar Kohlen aus dem Feuer holt.

Ein Tränchen kullert mir über die Wange, wenn ich daran denke, dass er irgendwann gehen wird. Aber den Durchbruch hat er bei uns geschafft, werde ich dann in Bochum erzählen. Den Durchbruch hat Peter Zulj bei uns geschafft.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Anzeige

10 Kommentare

  1. Gustlig sagt:

    Sehr bizarr. Schaut der Autor diese Saison ab und an Sturm Spiele?

    3+
    • flo1909 sagt:

      Hast du dieses Jahr schon ein Speil gesehen. Ich fast alle!! Und ich hab immer gesehen, dass da Peda der Spieler ist der die meisten guten Pässe speilt, der als einziger unberechenbar ist, viele Bälle halten kann, gute Freistöße zieht, fast alle guten Aktionen einleitet und sich als einziger was traut!!!!!

      2+
  2. schmitz sagt:

    Alter Schwede,  ob der Autor auch in Zulj Triko schlafen geht,,,,,,, mehr brauchst net :)))

     

     

    0
  3. graz4ever sagt:

    Richtig geiler Artikel! Saumäßig zum Schmunzeln und mit nem augenzwinkern geschrieben!

    richtig lustig zum lesen, Gratulation!!!

    3+
  4. Nock-74 sagt:

    Ironie Burschen, alles nur Ironie! Hoffe ich jedenfalls!

    1+
  5. blacKnight sagt:

    Das ist keine Ironie und ich denk auch, dass er der beste kicke seit langem bei sturm ist. Matic hat nach dem ersten saisonviertel keinen stich mehr gemacht, weil sich alle auf ihn eingestellt hatten. Der Peter hat die anderen eine ganze Saison lang schwindlig gespielt mit den stärksten Spielen ganz am Ende der Saison. Dass er wie ALLE anderen ein Formtief hat ist unbestritten. Dass er immer noch hervorsticht auch.

    3+
    • Nock-74 sagt:

      Das mit dem hervorstechen stimmt natürlich. Aber vor allem durch divenhaftes Verhalten, beinahe null Einsatz und stehenbleiben bei Ballverlust. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ihm eine kurze Pause mal nicht schaden würde. Bin eh auch von seinen Fähigkeiten überzeugt, nur wenns mal nicht so läuft muss ich auch mal beißen und kratzen und meine Zweikampfstärke einsetzen.

      1+
  6. Manuel Lampl sagt:

    Der Autor steht wohl bissi auf den zulj

    1+
  7. rio sagt:

    So, wie dieses Genie augenblicklich spielt, wird wohl maximal wirklich Bochum das Ziel sein 🙂

    0
  8. Marchanno Diaz Rabihou sagt:

    Auch zulj leidet unter der 5er Kette…. keine Anspielstationen (ausser Rückpass), selbst von 2 od 3 Gegenspielern umringt. Würde zB Hierli MF spielen dürfen würden beide besser ausschauen und auch Oti würde profitieren.

    Habe selbst live erleben dürfen, wenn in Bochum “Bochum“ gesungen wird. Echte Gänsehaut allein bei der Erinnerung daran

    1+

Schreibe einen Kommentar