Der große SturmNetz-Jahresrückblick (Teil 4/4)

Oktober, November, Dezember 2018

Das 109. Bestandsjahr des Sportklubs Sturm Graz war ein – passend zum Vereinsnamen – mehr als stürmisches. Ein orkanartiges Frühjahr mutierte dabei im Mai in Klagenfurt zum Hurrikan, als man nach siebenjähriger Flaute mit dem Cupsieg wieder einen Titel holte. Doch Sturm wäre nicht Sturm, hätte sich der Wind rund um Messendorf nicht rasch gedreht: Ein äußerst enttäuschender Frühherbst sollte folgen. Larnaka und Trainerentlassung als Kulminationspunkte. Es bedurfte schon einer Vereinslegende, die die Segel neu setzte und den Klub wieder in ruhiges Fahrwasser brachte. Obwohl die schwarz-weiße Farbkombination zu den Blackys besser passt als jede andere, eine derart rasche Abfolge von himmelhoch jauchzend zu zu Tode betrübt ist selbst für Sturmverhältnisse durchaus außergewöhnlich. SturmNetz lässt das Jahr 2018, aufgeteilt in vier Kapitel, nochmals Revue passieren:

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Oktober 2018 – „Warum ist der Umbruch noch immer nicht abgeschlossen?“

Herren:
7.10. Sturm Graz 1:2 RB Salzburg
21.10. FK Austria 1:1 Sturm Graz
27.10. TSV Hartberg 2:0 Sturm Graz

Damen:
13.10. Sturm Graz 6:1 FC Südburgenland
21.10. Altenmarkt 0:4 Sturm Graz
28.10. Sturm Graz 7:1 Wacker Innsbruck

Amateure:
5.10. Vöcklamarkt 4:1 Sturm Amateure
20.10. Allerheiligen 1:0 Sturm Amateure
23.10. Sturm Amateure 3:0 Gurten
28.10. Sturm Amateure 2:2 WAC Amateure

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Am 3. Oktober erscheint ein exklusives Interview mit Sturm-Trainer Heiko Vogel in der Kleinen Zeitung. Nur drei Monate nach Saisonbeginn und etwas mehr als einen Monat nach Ende der Transferperiode fragt man den Trainer, warum der Kaderumbruch noch nicht abgeschlossen ist.

„Hätten wir mehr Erfolgserlebnisse, würde es schneller gehen. Denn Siege steigern das Selbstbewusstsein. Aber wir sind im Europacup mit vier Niederlagen in vier Spielen gescheitert, in der zweiten Runde des Cups ausgeschieden und mit Platz sechs in der Bundesliga hinken wir im Vergleich zur Vorsaison den Erwartungen hinterher. Ich kann die Enttäuschung verstehen. Vielleicht sind einige Träume geplatzt. So ein Umbruch kann schnell funktionieren oder länger dauern. Wie bei uns, weil wir gewisse Täler durchschreiten mussten. Vieles hat mentale Ursachen, da es viele Störfaktoren gegeben hat.“

Das Interview wird wenige Tage nach dem ersten Spiel ohne Gegentor in der Liga veröffentlicht. Die verunsicherte Mannschaft des SK Sturm hat einem in Hochform agierenden Linzer ASK ein 0:0 abgerungen – eigentlich eine Leistung für das eigene Selbstvertrauen, vor allem in der Defensive. Aber auch wenn vor der Saison noch ein Kaderumbruch ausgerufen wurde, bekam man es beim SK Sturm in der Herrenabteilung ab der Schmach von Zypern mit der Panik zu tun. Sowohl die Medien als auch die Vereinsführung schraubten ihre Ansprüche nicht niedriger, sondern erwarteten eine Bestätigung der Leistung der Vorsaison. Heiko Vogel bekam immer mehr Gegenwind und das Verhältnis zwischen Günter Kreissl und „seinem“ ersten Sturm-Trainer war zunehmenden Differenzen ausgesetzt. Vor dem Oktober steht man auf dem sechsten Tabellenplatz mit drei Punkten Rückstand auf Position vier.

Es folgte ein Oktober, der mit einer starken Leistung – die allerdings keine Punkte einbrachte – gegen Salzburg begann, gefolgt von einem 1:1 bei der ebenfalls nicht in stärkster Form agierenden Austria. Beendet wurde das Monat mit einer aufgrund der zuvor gezeigten Leistungen überraschenden Auswärtsniederlage in Hartberg, die den Trainer schließlich so weit in die Ecke drängte, dass er sich selbst den Sieg im nächsten Spiel zur Pflicht setzte. Das Spiel gegen Markus Schopp und die darauffolgenden Wortmeldungen waren es wohl letztendlich, die Heiko Vogel den Job kosten sollten…

Markus Pink am Hartberger Boden (c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Doch der Oktober war sportlich für den SK Sturm auch sehr erfreulich, wenn man auf den Herbst und die Leistungen der Frauen blickt. Ein Torverhältnis von 17:2 und der abgesicherte zweite Tabellenplatz sprachen Bände. Die Damen nutzten den in den Vormonaten gelegten Grundstein und bauten ihre Siegesserie ab Runde zwei aus. Noch nie zuvor war ein schwoazes Frauenteam so stark durch den Herbst marschiert, ein Fakt, der unbedingt hervorgehoben werden muss!

November 2018 – „Es ist ein immer wiederkehrendes Phänomen“

Herren:
03.11. Sturm Graz 1:1 Wacker Innsbruck
10.11. Sturm Graz 0:0 SKN St. Pölten
25.11. SCR Altach 0:2 Sturm Graz

Damen:
04.11. FC Bergheim 1:5 Sturm Graz
17.11. Bleiburg 0:7 Sturm Graz (Cup)

Amateure:
03.11. Hertha Wels 3:0 Sturm Amateure

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Das erste Spiel im November war das Schicksalsspiel für Heiko Vogel. Aufgrund seiner eigenen Aussagen war der Trainer daran auch mitschuld. Denn unabhängig von der Statistik, die mit nur einem Sieg aus 14 Spielen wirklich desaströs aussah, stand die Kurve nach wie vor zu ihm und sämtliche „Analytiker“ und Fernseh-Experten attestierten der Mannschaft und dem Trainer guten Fußball zu spielen und sprachen von unfassbarem Pech und Unvermögen im Abschluss. Oder, wie es unser Tickerer im SturmNetz-Liveticker beim Wacker Innsbruck-Spiel zu sagen wusste:

Fuck. Fuck. Fuck. […] That’s it. Life’s a bitch. […] Fortuna hasst uns weiterhin. […] Trainerdiskussion hin oder her. Heiko Vogel MUSS einem einfach leid tun… […] „Ganz egal, was auch passiert“ singt die Kurve mit der Mannschaft. […] Es ist dies ein düsteres Kapitel gerade, das einfach nicht zu Ende gehen will.

Und weil das Kapitel nicht zu Ende gehen wollte, entschied das Präsidium kurz darauf, dass Heiko Vogel den Abflug machen musste. Als Grund wurde die sportliche Erfolglosigkeit angegeben. So einfach wird ein Kapitel in Graz beendet. Während sich GK nun also auf die Suche nach einem neuen Kapitel und einem anderen Trainer machen musste, durfte Günther Neukirchner für die Dauer eines Spieles den Bauern am Traktor geben, machte seiner eigenen Metapher bei der Nullnummer gegen St. Pölten alle Ehre und nahm nach der Pause wegen unangebrachten Verhaltens auf der Tribüne Platz. Ex-Sturmspieler Ranko Popovic wiederum nahm den Punkt aus Graz dankend an und mit nach St. Pölten.
Im aktuellen Ballesterer #139 (Januar/Februar-Ausgabe 2019) beschäftigte sich Kolumnist Jürgen Pucher im Beitrag „Unter dem Strich“ über anderthalb Seiten mit den Schwoazen und schaffte es in seinem eröffnenden Statement bereits, das große Problem unseres Klubs auf den Punkt zu bringen:

Der SK Sturm möchte unbedingt in die Meisterrunde einziehen. Der Anspruch, kurzfristige Ziele zu erreichen, verhindert aber langfristigen Erfolg. Der Klub wähnt sich in den Sphären eines Großklubs, handelt aber oft recht provinziell.

Und weiter:

Der viel zitierte Druck ist bei Sturm hausgemacht. Viele Fans würden Aufbausaisonen akzeptieren, wenn ein solcher Ansatz klar kommuniziert würde. Aber das Einzige, was zu zählen scheint, ist, kurzfristig die Meisterrunde des neuen Ligaformats zu erreichen. Sturm steckt im ewigen Dilemma zwischen Sein und Schein.

Das alles hat Roman Mählich dann aber natürlich nicht weiter interessiert, denn die Sturm-Legende startete mit einem 2:0-Auswärtssieg im Schnabelholzstadion im Ländle in „seine“ Saison und rechtfertigte damit schon in kürzester Zeit die Entscheidung der sportlichen Leitung.

Im Schatten dieses turbulenten Monats lieferten die Damen des SK Sturm wieder astreine sportliche Leistungen ab und holten sich weitere Siege, um auf Platz zwei abgesichert und im Cup zu überwintern. Der erfolgreichste Herbst in der schwoazen Frauenfußballgeschichte, der nun im Frühjahr hoffentlich bestätigt werden kann. Die Belohnung von Fan-Seite sollten mehr Besuche bei Heimspielen in Messendorf sein.

Die Sturm Damen gewinnen Ende Oktober auch gegen Wacker Innsbruck (7:1) (c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Gegen Ende des Monats gab es zudem weitere positive Meldungen aus dem Verein: Der SK Sturm bleibt seiner Linie treu und sieht sich nicht nur als Sportklub im Profifußball für Männer, sondern kommt auch seiner inklusiven Tätigkeit nach. Nachdem man sich seit Jahren karitativ steiermarkweit engagiert, beschloss man auch, ein sogenanntes Special-Needs-Team zu implementieren (Interview mit dem Trainer bei Sky Sport Austria).
Es ist dies vielleicht keine Pionier-Leistung im österreichischen Fußball, da auch andere Vereine bereits in diesem Bereich aktiv waren und sind, dennoch sollte es für alle Fans ein schönes Zeichen sein, dass der SK Sturm möglichst für alle Teile der Gesellschaft da sein möchte und sich zunehmend auch in diese Richtung engagiert, schließlich kommen auch Sturm-Fans aus allen Teilen der Gesellschaft.

Dezember 2018 – „Wenn ich bei Sturm Graz Trainer bin, dann muss ich liefern.“

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SturmNetz-Adventkalender 2018

Herren:
02.12. Sturm Graz 3:0 Wolfsberger AC
09.12. SK Rapid 0:0 Sturm Graz
15.12. Sturm Graz 3:0 Admira Wacker

Damen & Amateure:
Winterpause

Nun ist also Roman Mählich am Ruder. Ein Trainer, der gute Punkte-Quoten aus Wiener Neustadt aufzuweisen hat, aufgrund seiner Tätigkeiten beim ORF ein Medienprofi sein soll und auf stabile Defensive, die Umschaltsituationen nützt, setzt. Im großen SturmNetz-Interview bekamen unsere Kollegen Niki Fink und Stefan Krainz zu spüren, wie geschickt ein Medienprofi nur von Spiel zu Spiel antwortet. Was stabile Defensive, die Umschaltsituationen nützt, bedeutet, bekam der Sturm-Anhang dann in den Spielen unter dem Trainer zu sehen.
Gegen die schwächste Rapid-Mannschaft der letzten 10 Jahre schaffte man auswärts ein 0:0, gegen die Konkurrenten aus Wolfsberg und Admira siegte man deutlich mit 3:0. John Michael Lema erzielte (nach seinem herausragenden Herbst in der Regionalliga – Platz zwei in der Toschützenliste) sein erstes Bundesligator (!) und Philipp Hosiner schaffte es endlich, in den letzten Atemzügen der Herbstsaison seine Torsperre zu brechen. Die Ergebnisse passen nun also wieder, Jörg Siebenhandl sammelt weiße Westen und man überwintert über dem Strich, der den Einzug in die Meistergruppe nach 22 Spielen bedeuten würde. Sturm liegt nur noch drei Punkte hinter dem dritten Platz. Ist wieder alles eitel Wonne?

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

In seiner ersten Pressekonferenz sagte Roman Mählich: „Wenn ich bei Sturm Graz Trainer bin, dann muss ich liefern.“ Es stellt sich an dieser Stelle die Frage, was denn eigentlich geliefert werden soll beim SK Sturm: Aufregender, begeisternder Fußball, oder doch ergebnisorientiertes Spiel? Es ist deutlich zu sehen, wofür Roman Mählich steht. Präsident Christian Jauk sagt, der SK Sturm stehe für Karriereplattform, Ausbildungsverein und Jugendarbeit. Der Präsident sagte aber auch: „Nur der Erfolg zählt in diesem Business.“

Karriereplattform Sturm, Ausbildungsverein und Aufwertung der Jugendarbeit sehen jedenfalls anders aus. Dass Sturm Graz für begeisternden Offensiv-Fußball und nachhaltige Jugendarbeit stehen will, ist leider seit dem Abgang von Mischa Petrovic 2006 zunehmend Einbildung, wenn nicht gar Wunschtraum. Blickt man auf die letzten zwölf Jahre zurück, dann steht der SK Sturm Graz für nationale Erfolge in größeren, aber regelmäßigen Abständen und schnelles Umschaltspiel aus stabiler Defensive („Kurzes Hy und schnelles Balla“, könnte der Zyniker hier einwerfen). Vielleicht also keine Überraschung, dass Heiko Vogel am Ende mit seiner Spielphilosophie keine Chance hatte, vor allem nach den gesteigerten Erwartungen durch den Cuperfolg gegen die stärkste österreichische Mannschaft der letzten Jahre.

Das Kalenderjahr stand jedenfalls im Zeichen eines Auf und Abs der kurzen Ära Heiko Vogel. So beschließen wir den Jahresrückblick 2018 mit einem Zitat aus dem Interview der Kleinen Zeitung mit dem Ex-Trainer, der mit seiner Antwort auf die Frage „Spüren Sie aktuell noch das Vertrauen?“ wohl unabsichtlich auch Roman Mählich schon einen kleinen Tipp mit auf den Weg gegeben hat:

Läuft es gut, fällt alles einfach. Im Krisenmanagement ist es schwieriger, sich optimal zu verhalten. Ich glaube aber, dass jeder im Verein das gleiche Ziel hat und alles dafür tut, damit wieder der Erfolg Einzug hält, den sich alle vorstellen. Wichtig ist, dass alle ruhig bleiben und den Faktor Zeit berücksichtigen. Es braucht Geduld und Demut, dann bin ich mir sicher, dass wir unsere Ziele erreichen.

Für 2019 bleibt zu sagen:

Viel Spaß an meine Kollegen, die mit nach Belek reisen!
Viel Glück Roman Mählich und der Mannschaft für das erste Play-off im Frühjahr!
Viel Glück Günter Kreissl für die Wintertransferperiode und die Vertragsverhandlungen!
Viel Glück den SK Sturm Graz Damen und den Amateuren für ein vielversprechendes Frühjahr!

Ganz egal, was passiert – wir sind immer mit dabei!
Schwarz und weiß sind die Farben
denen wir folgen
denen wir folgen
ein ganzes Leben lang!

 

Bisherige Teile:

Der große SturmNetz-Jahresrückblick: Teil 1/4

Der große SturmNetz-Jahresrückblick: Teil 2/4

Der große SturmNetz-Jahresrückblick: Teil 3/4

 

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