Der Cup hat selten eigene Gesetze

Heute findet die Auslosung der 1. Runde im Samsung Cup 2015/16 statt, zu sehen im Sender ORF Sport+, der die Ziehung ab 20:15 Uhr live überträgt. Am Samsung Cup 2015/16 nehmen insgesamt 64 Mannschaften teil, 19 Vereine aus der Bundesliga und 45 Klubs aus den neun Landesverbänden, die vom jeweiligen Verband nominiert wurden. Aus diesem Anlass blicken wir 20 Jahre zurück und erinnern uns an alle bisherigen Auftaktspiele von Sturm Graz. Da der Cup-Modus in Österreich oft modifiziert wird, kann man nicht immer vom Erstrundenspiel sprechen, denn einige Male stieg Sturm erst in Runde 2 ins Turniergeschehen ein, manchmal auch erst in Runde 3.

 

Beginnen wir in der Saison 1995/96. In Runde zwei wurde dem SK Sturm der SC Marchtrenk zugelost. Gegen die Blau/Gelben aus dem Hausruckviertel wurde ein ungefährdeter 5:0-Auswärtssieg eingefahren. In Oberösterreich begann damit ein beeindruckender Lauf im österreichischen Cup, in den nächsten vier Spielzeiten sollte Sturm überhaupt nur mehr einmal als Verlierer eines Cupspieles vom Platz gehen. Die Marchtrenker kickten damals in der Regionalliga, mittlerweile sind sie wieder in der oberösterreichischen Landesliga tätig.

1996/97 traf man im Auftaktspiel (Runde 3) auf den Villacher SV. Durch Tore von Ivica Vastic und Hannes Reinmayr gab es in Kärnten einen 2:0-Sieg. Der Fußballzweig des VSV existierte in dieser Form bis 1997 und gliederte sich später in den FC Kärnten ein. 2006 wurde der Verein neu gegründet und spielt aktuell in der Regionalliga Mitte.

Auch in der Folgesaison startete Sturm erst in Runde drei und landete gegen den Kapfenberger SV vor 3.500 Zusehern im Alpenstadion einen 4:0-Erfolg. Bis zur 43. Minute sollte es allerdings dauern, bis Hannes Reinmayr den Bann brach und zum 1:0 traf. Wie sehr Ivica Osim über die Leistung in Halbzeit eins erbost war, zeigt der Umstand, dass er – für ihn völlig unüblich – in der Pause dreimal wechselte.

1998/99 gastierten die Blackies in ihrem Pokal-Auftaktspiel am Innsbrucker Tivoli, allerdings hieß der Gegner nicht FC Tirol, sondern Reichenau. Die Rot/Schwarzen hatten sich soeben in ihrem erst 22. Bestandsjahr von der letzten bis in die dritthöchste Leistungsklasse hochgekämpft. Gegen Sturm war man allerdings chancenlos, die Grazer siegten mit 5:0. Zum vierten Mal in Folge war man somit im Cup-Auftaktspiel ohne Gegentreffer geblieben, und noch erstaunlicher: Zum vierten Mal in Folge konnte sich Hannes Reinmayr im ersten Cupspiel der Saison in die Torschützenliste eintragen.

In der Saison 1999/2000 ging es zum damaligen Regionalligsten WAC nach Wolfsberg und Sturm hatte erstmals seit Langen im einem Auftaktspiel hart zu kämpfen. Die Kärntner gingen sogar durch ein Tor des 17-jährigen Michael Kirisits 1:0 in Führung, hielten vor 3.500 Zusehern die Partie lange offen. Erst als beim Spielstand von 2:1 für Sturm ein Wolfsberger Spieler des Platzes verwiesen wurde, war das Spiel entschieden. Durch jeweils 2 Tore von Ivica Vastic und Ferdinand Feldhofer gab es einen 4:1-Erfolg.

Die Cup-Saison 2000/2001 fiel durchaus kurios aus. Erst im April begann für Sturm der Pokalbewerb. Immerhin mit einem echten Kracher gegen Austria Wien. 6.500 Zuseher waren im Schwarzenegger-Stadion dabei, als sich die Blackies erst in der Nachspielzeit mit 4:2 durchsetzen konnten. Die Torschützen zum 4:2-Endstand waren Imre Szabicz, Markus Schopp aus einem Elfmeter, in der Nachspielzeit trafen Peter Hlinka sowie der Ghanese Charles Amoah in der letzten Spielminute.

Am 21.8.2001 ging es zum Auftakt wieder nach Tirol. Gegen den SV Hall schrammte man knapp an einer Pleite vorbei. Der damalige Regionalligist knöpfte dem Champions-League-Teilnehmer ein 0:0 in der regulären Spielzeit ab. 2.000 Zuseher auf der Haller Lend mussten allerdings den Klassenunterschied in der Nachspielzeit anerkennen. Gerald Strafner und Francisco Rojas sorgten schlussendlich noch für einen 2:0-Erfolg. Die abgelaufene Spielzeit beendeten die Haller auf dem 10. Platz der Tiroler Landesliga.

2002/2003 wurde es weit weniger dramatisch. Sturm durfte sein erstes Spiel in der Cupsaison in Graz austragen, auch der Gegner war ein echter Traditionsclub. Der Wiener Sportclub gastierte vor der miesen Kulisse von genau 1.511 Zusehern im Schwarzenegger-Stadion und musste sich Sturm durch Tore von Ekrem Dag, György Korsos und Anto Petrovic klar mit 0:3 geschlagen geben.

In der folgenden Saison erfolgte Sturms Auftakt auch tatsächlich in der ersten Cuprunde. Die Reise führte zum FC Stadlau. Der Verein, der zwischen 1954 und 1957 in der höchsten Spielklasse tätig war, wurde am ÖMV Platz in der Smolagasse mit dem Rekordergebnis von 9:2 abgefertigt. Heute spielt der Klub in der Wiener Stadtliga, in der höchsten Division des Wiener Fußball Verbandes und hat somit das Kunststück geschafft, seit 1983 durchgehend in derselben Spielklasse zu bleiben.

2004/2005 gastierte man beim oberösterreichischen Landesligist SV Wallern. Trainer Michael Petrovic experimentierte, ließ Frank Silvestre im Mittelfeld agieren und stellte Jürgen Säumel in die Innenverteidigung. Dieser Versuch ging völlig in die Hose, doch Sturm kam mit einem blauen Auge davon. Bojan Filipovic konnte vor 1.500 Zusehern in der Nachspielzeit den Aufstieg fixieren. Heute spielt der SV in der Regionalliga Mitte und hat die aktuelle Saison auf dem 12. Tabellenrang abgeschlossen.

Nicht weniger dramatisch dann das Auftaktspiel in der folgenden Cupsaison. Gegen den Kremser SC, Ende der 80er-Jahre noch in der Ersten Bundesliga vertreten, stand es nach der regulären Spielzeit 3:3. 1.800 Zuseher im legendären Sepp Doll Stadion konnten die Sensation schon förmlich riechen. Doch die beiden Youngsters Herbert Rauter und Diego Rottensteiner trafen in der Verlängerung und so ging Sturm mit einem 5:3 als Sieger vom Platz. 2015 beendeten die Niederösterreicher ihre Saison in der Landesliga auf dem zweiten Platz und verpassten somit haarscharf den Aufstieg in die Regionalliga.

Wurden die Auftaktsiele in den beiden letzten Jahren knapp aber doch gewonnen, war es dann im Jahr 2006 soweit und Sturm flog bereits in Runde 1 aus dem Cup. In einem Auswärtsspiel, 14 Kilometer von der UPC-Arena entfernt, verliert man gegen den damaligen Landesligisten SC Kalsdorf mit 0:1. Im neugebauten Kalsdorfer Sportzentrum wohnten 4.300 Zuseher diesem Spiel bei, ein Großteil der Grazer Fans war mit Motorrollern angereist. Goldtorschütze Thomas Hack – ein Spieler dessen erster Verein Sturm Graz war – traf in der 75. Minute. Es war dies die erste Auftakt-Pleite im Cup seit dem 11.9.1994 und auch auch damals zeichnete ein ehemaliger Sturmspieler hauptverantwortlich für das Debakel. 1994 hatte Eintracht Wels, mit Jürgen Werner als Spielertrainer und zweifachen Torschützen, Sturm Graz noch nach 0:2-Rückstand mit 3:2 besiegt. Seit 2012 spielt der SC Kalsdorf in der Regionalliga Mitte.

In der Saison 2007/2008 wurde zugunsten einer idealen Vorbereitung für die heimischen Kicker auf die Europameisterschaft im eigenen Land kein Cup-Bewerb ausgetragen. Ob wir diesem Umstand den einzigen Punkt bzw. das einzige erzielte Turniertor der österreichischen Nationalmannschaft im Spiel gegen Polen verdanken, darf stark bezweifelt werden.

Am 17. August 2008 war es erneut soweit, Sturm Graz absolvierte nach fast zweijähriger Pause wieder ein Cupspiel. Auf der legendären Birkenwiese in Dornbirn besiegten die Schwarz-Weißen den dortigen FC vor der Rekordkulisse von 3.500 Zusehern souverän mit 2:0. Für den Führungstreffer sorgte im Übrigen der Vorarlberger Patrick Scherer, eines seiner insgesamt zwei Pflichtspieltore für die Grazer. In derselben Saison stieg der FC Dornbirn in die zweithöchste Spielklasse auf, aktuell spielt man wieder in der Regionalliga West.

 

Foto: CC BY-SA Steindy (Wikimedia Commons)

Foto: CC BY-SA Steindy (Wikimedia Commons)

Der Auftakt zum Pokalsieg 2010 war hingegen wieder ein sehr holpriger. In der ersten Runde dieser Cup-Saison hieß der Gegner TSV St. Johann aus dem salzburgerischen Pongau. Standesgemäß brachte Mario Haas Sturm bereits in der 9. Minute in Führung, doch nach 90 Minuten führte der Außenseiter mit 2:1. Die Mission Cuperfolg scheint schon in Runde 1 beendet, doch in der 94. Spielminute rettet Gordon Schildenfelds Ausgleich Sturm vor einem echten Debakel. Flash Gordon ist geboren. In der Verlängerung ist es abermals der Kroate, der per Kopf zum 3:2 trifft, Daniel Beichler erzielt kurz vor Schluss das 4:2. St. Johann beendete die aktuelle Spielzeit der Regionalliga West auf Tabellenplatz 3. Trainer ist heute wie damals der ehemalige Sturmspieler und spätere Salzburger Europacupheld Franz Aigner.

In der ersten Runde der Cupsaison 2010/2011 heißt der Gegner SV Horn. Gegen die damalige Sturm-Filiale (Trainer Rupert Marko, Friess, Kreimer, Wemmer) führt man schnell 2:0. Lediglich der Anschlusstreffer von Richard Wemmer in der 85. Minute lässt die Niederösterreicher kurz, aber vergeblich, hoffen.

2011 startet man gegen die 2. Mannschaft vom SV Grödig souverän in den Cup. Vor 1.400 Zusehern in der Untersberg-Arena gewinnt man im Schongang mit 4:0. Nach der Premiere 2000 (Nicole Petignat gegen den SV Ried) leitet mit Tanja Schett wieder eine Frau ein Pflichtspiel des SK Sturm. Und der heutige Rapid Spieler Stefan Stangl erzielt sein erstes und einziges Tor für Sturm Graz.

Im ersten ÖFB-Cupspiel unter Trainer Peter Hyballa trifft man am 13.7.2012 auf die WSG Wattens. In einem enttäuschenden Spiel gelang Jürgen Säumel nach Vorarbeit von Richard Sukuta-Pasu im Alpenstadion das Goldtor. In der abgelaufenen Saison mussten sich die Tiroler in der Regionalliga West in der Endtabelle nur der Salzburger Austria geschlagen geben.

Souveräner der Auftakt in die Cup-Saison 2013/2014. Gegen den SC Team Wiener Linien, einen Favoritner Fußballverein, der 1974 aus der Fusion zwischen dem SV Straßenbahn und dem SC Gaswerk hervorging, gewinnt man am Sportplatz Rax vor 1.200 Zusehern souverän mit 5:0. Der Wiener Stadtligist mit ihrem vermeintlich berühmten Torhüter namens Leopold Figl bleiben über 90 Minuten ohne echte Torchance.

Der Auftakt zur letztjährigen Cupsaison führte Sturm in die Silberstadt Schwaz. Zum ersten Mal seit beinahe 15 Jahren stand mit Naim Sharifi wieder ein Fußballer aus Russland in der Startelf und zum ersten Mal in seiner Karriere gelingt Marco Djuricin ein Hattrick. Sturm gewinnt letztendlich gegen die Tiroler klar mit 4:1. Auch der Verteidiger des SC Schwaz, Thomas Burgstaller, in der Meistersaison 2010/2011 noch im Kader von Sturm, kann dies nicht verhindern.

 

Statistisch gesehen, startet Sturm Graz relativ souverän in den Cup. Auftaktniederlagen im österreichischen Pokal gab es neben den beiden bereits angeführten (1994 und 2006) auch noch 1976 gegen den SV St. Veit (0:1) und 1972 gegen den FC Dornbirn (2:3 n.E.). Von den letzten 45 Auftaktspielen wurden somit 41 gewonnen. Der Cup hat bekanntlich andere Gesetze, für den Sportklub Sturm trifft das aber eher selten zu.

 

3 Kommentare

  1. Denginho sagt:

    Hofentlich nicht wider Austria Salzburg das die Raudis wider das Stadion oder gar die North zerlegen!

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  2. Neukirchner sagt:

    War ziemlich knapp und der legendäre Cupsieg wär futsch gewesen
    Kann mich gar nicht mehr so genau erinnern
    Super Artikel!!

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