Die Stürmer

Wintercheck 21/22 Teil 4/4

Aufgeteilt auf vier Ausgaben werden wir euch in den nächsten Tagen ein kleines Zwischenfazit über jeden in der Herbstsaison eingesetzten Sturm-Spieler liefern. Es fließen die durchschnittlichen Noten eurer Bewertungen, diverse Spieldaten und Statistiken, sowie unsere subjektive Meinung mit ein.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Jakob Jantscher (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,49)

Der Leistungsträger in der schwarzen Offensive hieß Jakob Jantscher. 29 Spiele galt es seit Saisonbeginn zu absolvieren. 29 Spiele stand Jakob Jantscher auf dem Platz, davon 27 in der Startelf. Jantscher hält zur Winterpause bei 29 Scorerpunkten, was für einen Offensivspieler in der österreichischen Liga fernab der Salzburger Dosen schlichtweg out of this world anmutet. Der starke Saisonstart der Grazer in Kombination mit einigen gut getretenen Ecken und sicher verwandelten Elfern sorgen für ein stimmiges Bild. Man kann sich sicher sein, dass JJ in der Silvesternacht nicht nur gespannt in die Zukunft schaute, sondern auch zufrieden den ersten europäischen Herbst seit langer Zeit Revue passieren ließ.

Nicht alles war eitel Wonne, fehlte der eingespielten Offensive des SK Sturm mit Otar Kiteishvili doch das Hirn über lange Zeit. Doch trotz eines desaströsen Oktobers wusste sich das Team Dank des erfahrenen und immer noch hungrigen Führungsspielers gemeinsam wieder aus dem Tief zu ziehen. Jakob Jantscher in Spiellaune bedeutet eine stabile Grazer Offensive, die (zumindest auf nationaler Ebene) immer für ein Tor gut ist. Den Wert, den Jakob Jantscher für das Team hat, hervorzustreichen, machen die Statistiken leichter. Doch auch abseits des Platzes hört man immer wieder, wie wichtig der Steirer als Identifikationsfigur, Vorbild und Anführer für den ganzen Verein ist. Gerüchte über Angebote und Interessenten wie zum Beispiel aus der MLS in den USA kommen nicht von ungefähr, dafür zeigte Jantscher seit er verletzungsfrei ist einfach zu viel Qualität. Ein Intermezzo in Nordamerika ist natürlich eine Überlegung wert im eigenen Karriereherbst. Als Sturm-Supporter muss man aber keine große Angst haben und erst recht nicht in Panik ausbrechen. Schließlich weiß nicht nur der Klub, was er am Teamleader hat. Auch Jakob Jantscher ist sich seiner Stellung in Graz sehr bewusst und kann sich vorstellen über die Fußballerkarriere hinaus in Messendorf tätig zu sein. In Schicker we trust!

Manprit Sarkaria (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,60)

Einen Zauberer hat Andreas Schicker in den Grazer Kader geholt, so viel kann man nach diesem Herbst auf jeden Fall sagen. Es macht viel Freude, Manprit Sarkaria im Ballbesitz zuzusehen. Mutige Pässe, Ballsicherheit, überraschende Entscheidungen und ein guter Abschluss – viele Tugenden, die „Mani“ mitbrachte, taten der Offensive sehr gut und entlasteten auch die schweren Schultern von Otar Kiteishvili. Ein furioser Saisonstart zeugte davon, dass die schwer ausrechenbare Offensive von Sturm Graz gut abgestimmt und aufgestellt war. Doch es war nicht alles Gold, was glänzte und auch Sarkaria hatte seine weniger guten Spiele, weshalb Sturm im Verlauf der aktuellen Spielzeit mit der Mehrfachbelastung und den immer wiederkehrenden Verletzungen etwas die Luft ausging. Das trübt das Bild aber nicht wirklich, denn Sturm lacht zur Winterpause von Platz zwei und kann bald wieder voll angreifen.

Ab Februar wird Manprit Sarkaria hoffentlich gut erholt in sein erstes Frühjahr beim SK Sturm gehen und sich weiter in die Herzen des Anhangs spielen. Sieben Tore und zwei Vorlagen in der Liga sind eine sehr gute Quote bei 18 Spielen von denen nur zehn von Beginn an waren. Die Leserzeugnisnote von 2,6 zeigt, dass die Anhänger sich damit einig sind, dass bei Sarkaria noch Luft nach oben ist. Das muss auch sein eigener Ansporn, sein Motivator sein. Sollte sein Trend weiter nach oben gehen, könnte Sturm eventuell tatsächlich den Angriff von Rapid im letzten Saisondrittel abwehren und wirklich den zweiten Platz bis zum Saisonende halten. Es wäre ein Traum, für den ein Manprit Sarkaria in sehr guter Form essentiell wäre. Ob er auch dann noch Kelvin Yeboah und Jakob Jantscher vor sich wissen darf, wird der Jänner zeigen. Die Daumen hierfür sind gedrückt.

Kelvin Yeboah (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,61)

Viel wurde und wird über Kelvin Yeboah geschrieben und noch mehr geredet. Ob seines augenscheinlichen Talents, des unbändigen Torhungers und der Frechheit, aus allen Rohren die Haut aufs Tor zu dreschen, setzen Fans, Medien und Verantwortliche bei ihm die Messlatte ein wenig höher an. Das zeigt auch die Note, die näher am „Befriedigend“ ist, als am „Gut“, obwohl wir vor einem Jahr an seiner statt noch die Statistik von Bekim Balaj und Kevin Friesenbichler erklären mussten. Es muss viel Druck für einen so jungen Spieler sein, wenn so viele Kommentare, Informationen und Gerüchte auf einen einprasseln. Kelvin Yeboah hält sich jedoch wacker und macht seine Tore – elf Stück in 18 Ligaspielen sind eine sehr starke Quote für einen 21-jährigen, der im Fokus sämtlicher defensiver Gegenspieler der Liga steht. Gemeinsam mit seinem Sturmpartner Jantscher verstehen es die beiden, sich gegenseitig Räume zu schaffen und sich gegenseitig zu suchen. Immer wieder wird Kelvin Yeboah vorgeworfen, zu eigensinnig zu sein und nicht rechtzeitig abzuspielen. Es ist gut möglich, dass die Statistiken von Yeboah noch besser sein könnten, würde er öfter abspielen, doch Eigensinnigkeit ist ganz sicher keines seiner Probleme. Davon zeugen auch fünf Torvorlagen in der Liga.

Die Nummer 9 des SK Sturm Graz feiert im Januar seinen ersten Jahrestag im Sturm-Trikot und es wäre der große Wunsch für den Frühling, dass Yeboah die Saison in Graz fertigspielt. Es fühlt sich an, als wäre Yeboah schon länger hier, so inbrünstig und leidenschaftlich wie über ihn geredet wird. Eines der größten Offensiv-Talente im schwoazen Dress seit langer Zeit trifft und trickst und wetzt jedem Ball hinterher und man möchte als Fan einfach noch ein paar Torjubel in der Nordkurve mit ihm genießen. Es ist längst allen Beteiligten bewusst, dass es wohl kaum über den Sommer hinausgehen wird – schon gar nicht in der kurzlebigen europäischen Fußballblase, getrieben von einem entfesselten kapitalistischen Haufen Berater, die das schnelle Geld der dankbaren Vermittlungsprovision über alles stellen. Andreas Schicker ist vor einem Jahr ein toller Coup gelungen, als er Yeboah und seinen Berater vom SK Sturm überzeugte und über den Sommer hinaus hielt. Das hat sich mit dem Europa League-Herbst bereits bezahlt gemacht. Spieler wie Yeboah hat man bei Vereinen wie Sturm Graz nicht oft und nicht lange. Vielleicht geht da ja noch was entgegen aller Erwartungen. Ein Transferfenster stehen wir noch gemeinsam durch, oder? Eines wär doch noch drin, hm?

Anderson Niangbo (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,91)

Anderson Niangbo ist spät zum SK Sturm gestoßen und sorgte dennoch für erleichterte Mienen und gelöste Stimmung, wurde er doch als die perfekte Ergänzung für die nominell enorm starke Offensive (für österreichische Verhältnisse zumindest) gehandelt. Im Endeffekt ist die Leserzeugnisnote von knapp besser als „Befriedigend“ auch genau das, was man Niangbo nach diesem Herbst ohne schlechtes Gewissen ausstellen darf. Einzelne sehr starke Momente gehen neben vielen unauffälligen, aber teamdienlichen Performances etwas unter. Richtige Durchhänger waren bei Niangbo gar nie dabei und alles in allem waren auch die Sturmfans, die gerne einen Hang zum Sempern an den Tag legen, mit ihm nicht unglücklich. Man muss sich jedenfalls bei Andreas Schicker bedanken, dass Niangbo da war, als Kiteishvili sich verletzte. Um Niangbos Leistung in den Sturm-Kader aber einzuordnen muss auch gesagt werden: Nur Jäger und Kuen wurden von den Vielspielern schwächer bewertet. Das zeigt, dass der Herbst für den Sturm-Anhang mannschaftlich gut war, aber im Teamgefüge von Niangbo mehr erwartet wurde.

Doch die Stärke von Niangbo liegen (ähnlich wie früher bei Kiteishvili) nicht im Abschluss und er ist auch kein Führungsspieler. Er sucht Pässe nach vorne, Tempowechsel und versucht den Rhythmus der Gegner zu brechen, nimmt etwas mehr Risiko in Ballbesitz. In Kombination mit den anderen Offensivspielern ist es wichtig und gut, einen wie Anderson Niangbo in den eigenen Reihen zu wissen. Wenngleich das auch den großen Haken am Engagement und den zukünftigen Blick darauf aufzeigt: Sein Marktwert ist seit seinem Transfer zu Genk zwar gesunken, die Wahrscheinlichkeit, dass Niangbo dennoch aus seinem bis 2024 in Belgien laufenden Vertrag gekauft wird, geht eher gegen null. Ja, Kelvin Yeboah wird Geld in die Grazer Kassen spülen, aber ob es für Anderson Niangbo verwendet wird, darf bezweifelt werden. Denn ohne die Verletzung von Otar Kiteishvili wäre Niangob nicht mehr als ein Bankspieler gewesen. Es liegt am Mann von der Elfenbeinküste, im Frühling zu beweisen, dass er mehr als nur ein einjähriges Leihgeschäft in Graz anstrebt. Dafür bräuchte es aber deutlich mehr Output in Form von Torvorlagen und Toren und die würden wohl tendenziell eher dazu führen, dass Niangbo in Genk interessant werden könnte, denn Luca Kronberger ist ja jetzt auch in Graz…

Martin Krienzer (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: zu kurz eingesetzt)

Zehn Tore in sechzehn Spielen hat Martin Krienzer diesen Herbst zu verbuchen. Leider aber nicht in der Bundesliga, sondern für die Zweite von Sturm in der Regionalliga Mitte. Das Projekt Aufstieg aus der Regionalliga ist für den SK Sturm natürlich ein Wichtiges, aber ob das für Martin Krienzer auch von ähnlich großer Bedeutung ist… Das Los des Krienzer ist ein schweres. Es muss ein mühsames Jahr für ihn gewesen sein, dem man zu Zeiten von Balaj und Friesenbichler zumindest von Fan-Seite noch attestierte, im Bundesliga-Angriff eine echte Alternative darzustellen. Doch die Qualität in der Grazer Offensive hat sich während seines Intermezzos bei Lafnitz um Einiges in die Höhe geschraubt. Das dürfte auch der Grund sein, warum der junge Mittelstürmer sich im Sommer wohl einen neuen Verein suchen könnte. Es sei denn… ja, was sollte denn sein? Yeboah geht? Jantscher geht? Es würde kein Ersatz gefunden? Dem bald 22-jährigen wünscht man natürlich noch einen Durchbruch, aber man muss auch ehrlich bleiben: Die Zeit wird knapp.

Luca Kronberger (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: Neuzugang)

Er wurde als Weihnachtsgeschenk präsentiert und was soll man als Sturm-Knofel sagen? Geil. 19 Jahre alt, Vertrag bis 2025 und schon eineinhalb Jahre Bundesliga-Erfahrung bei der Admira. Offensichtlich ist Sturm wieder ein attraktiver Ort, um die ersten ambitionierteren Schritte einer Profi-Karriere zu begleiten und das liegt wohl nicht zuletzt an den sportlichen Verantwortlichen namens Schicker und Ilzer. Was der Kronberger-Transfer nun für den Sommer bedeutet, darüber darf gerne in den Kommentaren diskutiert werden – Niangbo, Kiteishvili, Sarkaria, Kronberger… da wird sich wohl was bewegen bald. Live long and prosper, Luca.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar