Der altbekannte Neuling

Im Mai 2013 konnten wohl die wenigsten Fußballfans Österreichs realisieren, auf welche Weise der Abstieg der Spielvereinigung Mattersburg passieren konnte, denn nach zehn Jahren in der Bundesliga mussten die Burgenländer aufgrund eines äußerst unglücklichen Saisonverlaufs, vor allem in der letzten Runde, punktegleich mit der aufgrund des besseren Torverhältnisses neuntplatzierten Admira Wacker Mödling in die zweite Profiliga absteigen. In dieser Saison konnte der SK Sturm gegen den späteren Absteiger nur drei Punkte holen, drei Unentschieden standen einer verdienten 1:3-Niederlage gegen die Mattersburger gegenüber. Am letzten Spieltag stürzten jene dennoch vom siebenten auf den letzten Platz ab. Zu diesem Zeitpunkt vermochte ob der herrschenden Fassungslosigkeit noch niemand zu ahnen, dass der Wiederaufstieg so schnell gelingen würde und auch nicht, dass schon bald auch Mannschaften wie der FC Red Bull Salzburg oder Rapid Wien zu den Opfern eines sehr starken burgenländischen Wiederaufsteigers gehören würden. Der Erfolg der Burgenländer trägt derzeit auch einen sehr bekannten und großen Namen: Ivica Vastic. Die schwarz-weiße Legende, die einfach nicht mehr näher vorgestellt werden muss, führte die Mannschaft aus dem beschaulichen Nordburgenland zurück in die höchste Spielklasse Österreichs.

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Ivica Vastic (Foto: (c) Werner100359 Wikimedia)

Kommenden Sonntag trifft der SK Sturm Graz um 16.30 Uhr im Pappelstadion (ORF-Livespiel) auf den Aufsteiger, der, wie schon viele Neuankömmlinge zuvor, durch gute Leistungen für Aufsehen in der Bundesliga gesorgt und mit Ivo Vastic auch einen Trainer verpflichtet hat, der zu einem recht großen Stück Sturmgeschichte seinen bedeutsamen Beitrag leistete.

Derzeit rangieren die Mattersburger mit zwölf Punkten auf dem vierten Tabellenrang und damit drei Zähler vor dem sechstplatzierten SK Sturm. Zuletzt konnten sie sogar einen verdienten 4:2-Erfolg gegen den derzeit sehr starken SK Rapid Wien erspielen. Vergleicht man die Formkurven beider am Sonntag aufeinandertreffender Mannschaften, lässt sich nicht nur aufgrund der Tabellensituation die SV Mattersburg als Favorit gegenüber Sturm bezeichnen. Während die Grazer die letzten zwei Runden ohne Punkte beendeten, konnten Burgenländer in eben diesen sechs holen. Dass die Partie am kommenden Sonntag somit keine leichte sein wird und Ivo Vastic mit seiner Mannschaft einen Heimsieg als klares und einziges Ziel festlegen wird, ist anzunehmen. Außerdem dürfte der Siegesdruck wesentlich schwerer auf den Schultern Franco Fodas und dessen Team lasten, denn nach zwei Niederlagen in Folge steht man nun kurz davor, den Anschluss an das obere Tabellendrittel zu verlieren, was bedeutet, dass das etatmäßige Saisonziel, nämlich der Europa League-Startplatz, ein Stück weiter in die Ferne rücken könnte. Die Zielvorgabe, die auch Foda wieder proklamierte, könnte also nicht klarer sein: Es müssen drei Punkte her!

Simon Piesinger, der sich in der Länderspielpause verletzt hat (Risswunde am Fuß), wird am Sonntag nicht einsatzbereit sein und so besteht die (kleine) Chance, dass das junge Talent Sandi Lovric zu Einsatzminuten kommt, auch wenn sich mit Daniel Offenbacher und Wilson Kamavuaka noch zwei weitere Spieler im Kader befinden, die auf der Sechserposition spielen könnten. Ob der Neuzugang Tanju Kayhan, der bevorzugt als Rechtsverteidiger spielt, zum Zug kommt, wird Trainer Foda erst entscheiden – zumindest ein Hinweis darauf könnte seine Anwesenheit beim gestrigen Mediabriefing in Graz-Messendorf sein, wo er den anwesenden Journalisten zur Rede und Antwort stand. Außerdem verkündete der Coach, es seien mit Ausnahme von Piesinger und den Langzeitverletzten (Lykogiannis, Stankovic, Rosenberger, Schnaderbeck) alle Spieler einsatzbereit.

Zu wenig Punkte

„Fußball ist ein Ergebnisspiel und wir haben aus dem, wie wir in den letzten Partien gespielt haben, zu wenig Punkte geholt“, räumte Foda ein und dem muss man als objektiver Beobachter zumindest bedingt partiell zustimmen. Zutreffend war dieses kurze Resümee für das Spiel gegen Red Bull Salzburg: Es waren nämlich nicht nur einige vergebene Chancen, sondern vor allem schwere Individualfehler, die ein erfolgreiches Abschneiden verhinderten. Die Auswärtsniederlage gegen Ried muss hingegen trotz des irregulären, aber entscheidenden, Gegentreffers als kollektive Fehlleistung angesehen werden, die wohl auch in taktischer Hinsicht erklärbar und verdient war.

Die Länderspielpause dürfte den Blackies sehr gelegen gekommen sein, denn auch wenn mit Kapitän Michael Madl, Anel Hadzic und Wilson Kamavuaka gleich drei Sturm-Spieler für ihre Nationalteams im Einsatz waren, bot sie laut Foda die Gelegenheit, aufzuarbeiten, was von so manchem Spieler in der Sommervorbereitung aufgrund von Verletzungen oder späterem Einstieg in das Training versäumt wurde. Man muss auch hoffen, dass der Trainer die Zeit fand, die richtigen Schlüsse aus den letzten beiden Runden in der Bundesliga zu ziehen und personelle Änderungen vorzunehmen, die Sturm Graz unter anderem zum Erfolg führen.

Das Auswärtsspiel gegen die SV Mattersburg wird für den SK Sturm Graz richtungsweisend sein: Ein Sieg könnte die Steirer an die oberen Ränge in der Tabelle heranführen, eine Niederlage hingegen würde bedeuten, dass sie zeitweilig in das Tabellenniemandsland abrutschen und ein Unentschieden hilft auch kaum, den Blick wieder nach oben zu richten.

Spieldaten:

SV Ried – SK Sturm Graz
Sonntag, 13.09.2015, 16.30 Uhr Pappelstadion, Mattersburg

Schiedsrichter: Robert Schörgenhofer

1. Assistent: Matthias Winsauer

2. Assistent: Markus Gutschi

4. Offizieller: Roland Riedel

Schiedsrichterbeobachter: Thomas Steiner
Spielbeobachter: Uwe Schwarzl

Mögliche Aufstellung:

Sturm Graz (4-2-3-1) Esser – Kayhan, Spendlhofer, Madl, Potzmann – Kamavuaka, Hadzic – Schick, Avdijaj, Dobras – Tadic

Ersatz: Gratzei, Offenbacher, Lovric, Gruber, Horvath, Edomwonyi, Kienast

Es fehlen: Stankovic, Rosenberger (beide Kreuzbandriss), Lykogiannis, Schnaderbeck, Piesinger

Es wird ab 16.00 Uhr einen Liveticker geben.

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