Déjà-vu mit schlechtem Ende

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. Wolfsberger AC

Nach zuletzt zwei englischen Wochen am Stück hatte der SK Sturm wieder einmal eine ganze Woche Zeit, um sich auf den nächsten Gegner vorzubereiten. „Wir konnten wieder gezielter arbeiten und haben versucht, Dinge in der Mannschaft weiterzuentwickeln“, blickte Christian Ilzer auf die vergangene Trainingswoche zurück. Weniger Zeit um sich gezielt auf das Spiel vorzubereiten, hatte hingegen Sturms Gegner WAC. Die Euro-Fighter aus dem Lavanttal mussten sich noch am Donnerstagabend mit Jose Mourinhos Tottenham messen. Ilzer, der das Spiel gemeinsam mit seinem Trainerstab vor dem Fernseher verfolgte, sah trotz der klaren 1:4 Niederlage keinen schlechten Auftritt des WAC: „Sie hatten gute Torchancen, man sah welche Qualität in der Mannschaft steckt.“ Zudem meinte der Chefcoach der Grazer anhand von Ferdinand Feldhofers getätigten Wechsel „ziemlich genau erkannt zu haben, was am Sonntag passieren wird.“ Dennoch war für ihn vor der Partie klar: „Meine Mannschaft muss eine Topleistung bringen.“ Für diese „Topleistung“ mussten die Schwarz-Weißen gegen die Kärntner auf Kevin Friesenbichler und Jon Gorenc Stankovic verzichten – beide Stammkräfte fielen angeschlagen aus. Neu in die Mannschaft rückten dafür Andreas Kuen und Bekim Balaj. Abwehrchef Gregory Wüthrich, der nach abgesessener Gelbsperre wieder spielberechtigt war, rückte statt Niklas Geyrhofer wieder neben David Nemeth in die Innenverteidigung. Auch Jakob Jantscher stand nach auskurierter Fersenverletzung wieder in der Startelf – Neuzugang Kelvin Yeboah nahm dafür mit der Bank vorlieb. Aufgrund des verletzt fehlenden Huspeks fand sich zudem Nachwuchstalent Christoph Lang erstmalig auf der Grazer Ersatzbank wieder.

Kapitän Hierländer musste heute ohne seinen verletzten Mittelfeldpartner Stankovic auskommen. © Martin Hirtenfellner Fotografie

Joveljic fliegt und Ljubic trifft

Bei frühlingshaften zehn Grad Außentemperatur waren es die Gäste aus Kärnten, die von Anfang an versuchten, das Tempo am Liebenauer „Acker“ zu bestimmen und so früh auch zu ersten Halbchancen kamen. Nach etwas mehr als 15 Minuten Spielzeit fanden schließlich auch die Mannen von Coach Ilzer in die Begegnung und stellten sich besser auf das 3-4-3 des Gegners ein. Gefährlich wurde es erstmals in Minute 24, als sich die Grazer bei einer Ecke gut im Fünferraum positionierten, aber der Ball an Freund und Feind vorbeisegelte. Beinahe im Gegenzug zeigten die Lavanttaler auf der anderen Seite, wie Standardsituationen gehen. Nach einem Kuen-Foul am Wolfsberger Guram Giorbelidze brachte Dario Vizinger aus zentraler Position einen sehr präzisen Freistoß auf Dominik Baumgartner, der zur Führung für die Gäste einnickte. Wenig später kam es bereits zum nächsten Aufreger in der Nähe des Grazer Tores: Dejan Joveljic bekommt ein perfekt getimtes Zuspiel in die Tiefe und möchte, verfolgt von Nemeth, Sturms Schlussmann Jörg Siebenhandl umkurven. Dieser kam ungestüm und wohl zu verfrüht aus dem Kasten und holte den serbischen Stürmer von den Beinen – Schiedsrichter Markus Hameter schickte ihn vorzeitig mit Rot in die Kabine. Amadou Dante musste anschließend als „taktisches Opfer“ für Ersatztormann Tobias Schützenauer vom Feld weichen – Kuen bekleidete anschließend die Linksverteidiger-Position. In einer weiter sehr verfahrenen Partie, in der beide Teams kaum offensive Akzente setzen konnten, brannte es in Halbzeit eins auch noch einmal im Kärntner Strafraum lichterloh. Nach einer mehr als präzisen Jantscher-Ecke von der rechten Seite fiel das Spielgerät genau auf den linken Patschen des völlig blank stehenden Ivan Ljubic. Dieser vollendete sehenswert zum 1:1 Ausgleich.

Nach dem Foul an WAC-Stürmer Joveljic musste Siebenhandl mit Rot vom Platz. © Martin Hirtenfellner Fotografie

Ideenlose Kärntner, kämpferische Grazer

Wieder einmal sollte es ein Standard sein, der früh in der zweiten Halbzeit für Gefahr sorgte. Nach einem Jantscher-Freistoß bekam Kapitän Stefan Hierländer den Abpraller direkt vor die Füße und versuchte sein Glück aus der Distanz – WAC-Tormann Alexander Kofler konnte aber mit einer starken Flugeinlage parieren. Auch die Kärntner kamen in Minute 50 zu einer aussichtsreichen Schusschance durch Matthäus Taferner, aber für Schützenauer fiel dieser Ball aus Sturms Sicht glücklicherweise bloß in die Kategorie „Aufwärmübung“. In weiterer Folge bemühte sich der in Überzahl agierende WAC, das Spielgeschehen zu diktieren. Die Grazer wussten aber weiterhin die Räume gut zu verengen und ließen kaum Ballbesitz in den gefährlichen Zonen zu. Mit dem in Minute 63 statt Bekim Balaj eingetauschten Kelvin Yeboah erhoffte sich der Gastgeber zudem auch den einen oder anderen gefährlichen Tempo-Gegenzug fahren zu können. Nicht mehr für so einen Gegenzug sorgen konnte Spielmacher Otar Kiteishvili, der verletzt aus dem Spiel musste und von Lukas Jäger ersetzt wurde. Nach 68 Minuten war es wieder Hierländer, der Kofler prüfte, aber sein Schuss fiel etwas zu zentral aus.

Rechtsverteidiger Gazibegovic war wieder in viele intensive Duelle verwickelt. © Martin Hirtenfellner Fotografie

Vizinger trifft spät

In weiterer Folge entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch, in dem wenig überraschend vor allem die „Wölfe“ versuchten, auf das zweite Tor zu drücken – dementsprechend legte Feldhofer mit Michael Liendl und Jonathan Scherzer zwei eigentliche Stammkräfte nach. Trotz weniger gefährlicher Offensiv-Momente sollten die Gäste in Minute 89 noch einmal entscheidend vor das Sturm-Tor kommen. Nachdem ein Ball nicht konsequent genug von der Grazer Defensive geklärt werden konnte, fiel ein abgeblockter Schuss vor die Füße Vizingers, der frei fünf Meter vor dem Tor zu vollenden wusste. In den folgenden vier Minuten Nachspielzeit sollte Sturm nicht mehr in den Strafraum der Kärntner gelangen.
Damit bleibt es für die Ilzer-Elf, was die Punkteausbeute betrifft, weiterhin ein durchwachsenes Frühjahr. Zudem muss man nächste Woche im Spitzenspiel gegen Salzburg zumindest auf den Rot-gesperrten Siebenhandl und den verletzten Kiteishvili verzichten.

Spieldaten

Galerie

 

Anzeige

14 Kommentare

  1. blackfoxx sagt:

    An sich gehts heuer nur darum, sich in der Meistergruppe nicht wieder so abschlachten zu lassen. Nach den ersten Frühjahrspartien zu urteilen wird das trotz allem schwer…tlw. sind wir doch sehr blauaügig unterwegs, es muss doch möglich sein, eine Taktik zu finen um in den letzten 3 minuten vor Halbzeit-/Schlusspfiff kein Tor zu bekommen? Und man sollte versuchen, mehr als 50% der spiele mit 11 Mann zu beenden…Fortschritt ist zweifellos erkennbar, das war aber nach der letzten saison doch wohl Minimalziel, jetzt bitte irgendwie schauen, dass wir den ganzen Spirit vom Herbst nicht wieder verspielen! (Bei diesen Ergebnissen könnte sonst auch jemand bemerken, dass der Anteil an Eigenbauspielern doch überschaubar ist…).

    +6
  2. Arch Stanton sagt:

    Abgesehen von den Ergebnissen scheinen die Spiele zur Zeit nicht viel herzugeben. Und als Kritik am Rande muss ich bemerken, dass sich Euer liveticker da nahtlos angepasst zu haben scheint. Bei aller Mühe hab‘ ich in so manchem Telefonbuch schon mehr passieren sehn..

    +5
  3. Nimrod sagt:

    Es war bestimmt keine einfache Situation, aber Schützi hat jetzt nicht unbedingt Werbung in eigener Sache gemacht…

    +9
    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Naja der hat glaube ich nicht mal 10 Spiele
      Erfahrung…wir rotieren im Tor nicht mal im Cup und deshalb gibt’s dann halt solche Leistungen.

      Larnaka, Salzburg, oft zu 10 wenn er reinkommt…also er kommt ehrlicherweise eh nur rein wenn eh schon alles orsch ist.

      +3
    • Nimrod sagt:

      Aber gerade da könnte er glänzen. Niemand erwartet was von ihm, er könnte befreit aufspielen!
      Ich selbst hab mich schon gewundert, warum er nie spielt und eigentlich (egal hinter wem) immer die klare Nummer zwei war

      +1
    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Erfahrung ist wichtig. Aus Fehlern lernt man und man wird besser (hust Jörg Amsterdam hust).
      Befreit aufspielen musst als TW können…da geht’s viel um Mentalität. 1 Runde Cup könnte man ihn schon Mal geben aber naja…

      0
  4. Lukas sagt:

    Ich sehe das Problem das Sturm Graz zuhause nicht das Spiel machen kann, sondern dem Gegner es aufdrücken will.

    0
  5. gepi20 sagt:

    Momentan fehlt die Leichtigkeit des Herbstes. Die spielerische Linie ist holprig. Ich verstehe auch nicht warum Mwepu nicht reinkommt, vlt. gemeinsam mit Yeboah spielt . Jetzt kommt 2x Salzburg- bitter. Aber lassen wir uns überraschen…..

    +3
  6. Lukas sagt:

    Mwepu und Jeboah das wären die 2 Waffen im Sturm. Mwepu ist ein 3/4 Jahr beim Verein. Kann man da mal nachfragen beim Trainer Illzer wegen Mwepu ? Illzer setzt lieber auf Friesenbichler der keine 10 Tore noch gemacht hat.
    Die spanne zwischen Verdeidigung – Mittelfeld – Stürmer ist zu gross. Sturm Graz kann das Spiel zuhause nicht vorzeigen mit Pressing. Von einer Weiterentwicklung sehr weit entfernt dazu mehr Einsatz Zeiten von unseren eigengewächs Spieler.
    Von Verleihen von Spieler halte ich nichts. Weiterentwickeln kann ich mich nur beim Stammverein wen der Spieler eingesetzt wird.

    +5
  7. JPMartens JPMartens sagt:

    Nach der saudummen roten Karte von Siebehandl hätt ich viel darauf verwettet, dass uns der WAC mit mind. 3-4 Toren nach Messendorf schickt. Die waren aber auch nicht gut und das Tor Glück und Ungeschick von unserer Hintermannschaft.
    Dennoch fehlt es unserer Mannschaft an Qualität und womöglich auch an Alternativen für die 1. Elf bzw. auch als Wechselspieler, so sieht es wohl zumindest Ilzer. Hoffe er gibt auch mal anderen oder wie so oft angekündigt „jungen, steirischen Talenten“ die Chance.

    +4
  8. rio sagt:

    Jetzt ist der Wurm drinnen! Was anfänglich noch leicht und spielerisch gelöst wurde, hackt jetzt an allen Teilen. Wir sind, so traurig es auch ist, von der Rolle. Nun liegt es an Ilzer diesen Knoten schnell zu lösen, die Köpfe wieder frei zu bekommen und dem Team wieder Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu vermitteln. 2x Salzburg ist auch eine Chance wieder in die Spur zu kommen. Da hat man keinen Druck und kann nur positiv überraschen. Obwohl es vom Bauchgefühl und den gezeigten Leistungen Spiele werden, wo der Lock Down nicht so schmerzt!

    +1
  9. brent_everett sagt:

    Nach der allerersten professionellen Ackerball Partie kann man sagen: wir waren völlig chancenlos, da der Wolfsberger Furchenadel naturgemäß auf einem Acker über eine viel bessere Expertise verfügt, als eine Mannschaft aus der Stadt. Gratulation an die Stadt Graz, dass der feierliche Spatenstich für die neue U- Bahn bereits am Sonntag in den Strafräumen des Stadion Liebenau vorgenommen wurde – da haben sie schon mal mächtig umgegraben! Und Gratulation an WAC: vor 2 Tagen von Tottenham abgewatscht, nach Graz gefahren u locker 3 Punkte abgeholt. Die aktuellen Probleme beim Sk Sturm hat man schon deutlich im Cup Spiel gegen den Stadtligaverein Vienna gesehen: Problem 1: Passgeschwindigkeit. Problem 2: Passgenauigkeit. Und ein richtiger Honigdachs weiß, wie man das beheben kann: mit üben üben üben. Man hat ja ein bisschen Zeit unter der Woche, während die anderen zusätzlich Europacup spielen dürfen.

    +4
  10. Chris1909 Chris1909 sagt:

    Tja sehr schade. Die kämpferische Leistung hat gepasst und hätte meines Erachtens auch mit einem Punkt belohnt werden sollen. Auch wenn wir wieder einmal über 3/4 des Spiels in Unterzahl agiert haben, ist es spielerisch doch sehr mau. Da ging doch im Herbst deutlich mehr, war nicht so vieles auf Zufall aufgebaut. Man kann nur hoffen, dass es bald wieder bergauf geht. Auch hoffe ich, dass Ilzer bald einmal einsieht, dass Hierländer eine Pause benötigt. Auch wenn der ein oder andere Schuss gestern gut war, ist alles andere sehr sehr ausbaufähig.

    +3
  11. Ennstaler sagt:

    Hab leider keine Statistik der Sturmspiele im Herbst zur Hand, aber aus dem Bauch heraus hätte ich in Erinnerung, dass im Herbst Oti lange verletzt war – und das Mittelfeld hat gut funktioniert. Sicher ist Oti ein Supertechniker, aber hendlbrüstig tut man sich halt gegen Kampfzecken schwer. Und ein bisschen kann man Oti den Vorwurf nicht ersparen, oft zu ballverliebt und zu eigensinnig zu sein.

    +1

Schreibe einen Kommentar