Das Rekordjahr der Sturm-Damen

Ein Rückblick auf die Spielzeit 2018/19

Vor fünf Jahren

2014 beendete der SK Sturm Graz die erste Saison in der Frauenbundesliga. Das Team des damaligen Jahres erreichte (damals in einer Kooperation mit Stattegg) den achten Platz mit einer Bilanz von fünf Siegen, einem Unentschieden und zwölf Niederlagen. Die Ausbeute von 16 Punkten bei einem Torverhältnis von 24:48 bedeutet bis heute das schwächste Resultat der Schwoazen. Fünf Jahre später kann man diese Spielzeit als eine würdige Premierensaison eines ambitionierten Teams in der obersten Spielklasse bezeichnen.
Natürlich ist es nicht Zufall, dass Sturm Graz im Frauenfußball nach wenigen Jahren in der oberen Tabellenregion mitspielt, schließlich handelt es sich hierbei um einen Fußballverein mit sehr günstigen finanziellen Voraussetzungen und zahlreichen Fans und SympathisantInnen. Gerade bei der Jugendarbeit kommen diese Aspekte besonders ins Spiel, was auch an den vielen Jugendnationalteamspielerinnen, die Sturm in den diversen Auswahlen heute stellt, zu sehen ist. Auch Trainingsplätze, Materialien und MitarbeiterInnen sind für einen großen Verein einfach leichter aufzustellen. Nur dank der tollen Arbeit im Verein konnte Sturm in so kurzer Zeit die große Lücke schließen.
Bis heute ist der SK Sturm Graz damit vonseiten der männlichen Profi-Teams der Vorreiter in Sachen Frauenfußball. Für Sturm-Fans natürlich eine schöne Sache, für den ÖFB aber eine absolute Peinlichkeit. Wieder einmal droht der österreichische Fußball im internationalen Vergleich an Boden und Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Alle Ergebnisse der Saison 2018/19. (Quelle: Weltfussball.at)

Die Saison 2018/19

Eine ungünstige Auslosung bescherte den Schwoazen im vergangenen Sommer am 18. August schon in Runde eins das vorentscheidende Spiel gegen die Meisterschaftsfavoritinnen aus St. Pölten. Aufgrund des großen Leistungsgefälles entscheiden in Österreich die direkten Duelle gegen den Liga-Krösus über die eigenen Chancen in der Meisterschaft. Niederlagen gegen andere Teams sind nicht zu erwarten und so ging es schon im ersten Spiel um alles. Der ORF übertrug das Spiel live, die Partie war von packenden Zweikämpfen und ordentlich Kampfgeist geprägt und obwohl St. Pölten in Führung ging, rackerten die Grazerinnen, pressten an, erzielten schließlich ein Tor und brachten St. Pölten ans Limit. Nach dem Spiel waren sich alle Beteiligten einig: Trotz der 1:2-Niederlage war Sturm Graz so knapp an den Meisterinnen dran wie noch nie.

Es folgte eine Herbstsaison die zur Halbzeit am vierten November mit einem 5:1 gegen den FC Bergheim in Salzburg endete. Der Blick auf die Tabelle zeigte, dass Sturm drauf und dran war, alle eigenen Vereinsrekorde zu brechen und bis auf die Niederlage zu Saisonbeginn keinen einzigen Punkt abgegeben hatte. 35:7 Tore in neun Spielen wiesen außerdem auf die klar offensive Spielanlage hin. In der Winterpause trafen wir uns mit Coach Christian Lang und Celina Degen, die ihre erstmalige Einberufung ins A-Nationalteam bekam, zum umfangreichen Interview und freuten uns auf Teil zwei der Rekordsaison.

Das Um und Auf im Grazer Mittelfeld: Celina Degen! – (c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Das Frühjahr

Wieder hießen die Gegnerinnen gleich zu Beginn St. Pölten. Diesmal gleich im Doppel: Zuerst das Heimspiel im Viertelfinale des ÖFB-Cups und danach das Rückspiel in der Meisterschaft. St. Pölten ging hochkonzentriert in beide Partien, ließ die Grazerinnen nicht mehr aufkommen und nutzte auch das sich bereits anbahnende steirische Verletzungspech des Frühjahrs eiskalt aus. In beiden Spielen behielten die Rivalinnen die Oberhand und ließen alle vorsichtigen Hoffnungen und Träume auf einen erstmaligen Meistertitel platzen.

Am 14. Spieltag gab es erstmals wieder so etwas wie Spannung in der Tabellenkonstellation. Dadurch, dass Sturm ein Meisterschaftsspiel erst im Mai nachholen musste, war USC Landhaus/Austria Wien mit einem Spiel mehr in Schlagdistanz zu den Schwoazen gerückt und hatte die Chance, in Graz das Duell um den Vize-Titel noch einmal spannender zu gestalten. Auch der dezimierte Grazer Kader sprach nicht unbedingt für Sturm, Coach Lang warf in dieser Phase der Meisterschaft die jüngsten Startelfs auf den Platz und sie enttäuschten ihn nicht. Das 2:2 gegen die Wienerinnen reichte aus, um sie in Schach zu halten. Auch das Nachtragsspiel gegen Neulengbach wurde wacker mit 1:0 gewonnen. Somit stand fest: Sturm Graz würde in der Saison 2018/19 den vereinseigenen Punkterekord brechen, so viele Siege wie noch nie zuvor feiern, die beste Tordifferenz haben und zudem natürlich den Vize-Titel holen!

Zum Abschluss der Saison wurde in Messendorf außerdem Rekord-Torhüterin Anna-Carina Kristler verabschiedet. Über 300 Zuschauerinnen und Zuschauer verabschiedeten sich von der Kapitänin, die zum Abschluss ohne Gegentor gegen den FC Bergheim blieb.

Zur Belohnung gibt es nun die Möglichkeit, sich (wie 2017) für die Champions League zu qualifizieren. In der Champions League-Quali der Frauen werden die Teams aus vier Töpfen in Vierergruppen gelost. Innerhalb einer Woche spielen sich die Teams dann im Sommer den Startplatz aus – nur die Gruppensiegerinnen qualifizieren sich für die Champions League. Wir wünschen uns und hoffen natürlich nur auf das Beste!

Eine Spielerin geht, eine Legende bleibt – ACK! (c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Wie geht es weiter, Cheftrainer?

In einem kurzen Chat nach der erfolgreichsten Saison in der Geschichte des schwoazen Frauenfußballs stand Christian Lang dem Autoren dieses Textes noch bei ein paar Fragen zu Rück- und Ausblick seines Teams Rede und Antwort.

SturmNetz: Warum kann man mit dieser Saison zufrieden sein?

Christian Lang: Wir haben uns nicht nur verbessert was die Spielphasen betrifft (Ballbesitz, Ballbesitz Gegner, Verhalten nach Ballgewinn, Verhalten nach Ballverlust und Standards), sondern auch einen Punkterekord erzielt und somit die beste Saison gehabt, seit die KM1 in der ersten Bundesliga spielt.

Zudem feierten folgende Spielerinnen ihre Bundesligadebüts!
• Paula Roth 2002
• Miriam Gijoni 2003
• Vanessa Gruber 2003
• Katja Dorn 2003
• Lisa Felgitscher 1999

Paula Roth kam sogar erst im Winter zu uns und spielte 636 von 810 möglichen Spielminuten.

Richtig gut war in dieser Saison auch das Zusammenspiel im Betreuer- und Trainerstab.
• Koordinator der Frauenabteilung Mario Karner
• Assistenztrainer KM1 Helmut Degen
• Trainer KM2 Bernd Muth
• Tormanntrainer Daniel Gutschi
• Masseur Markus Mussbacher

Welche Spielerinnen haben dich 2018/19 besonders überrascht?

Christian Lang: Mich stimmte die ganze Mannschaft positiv. Vor allem im Frühjahr hatten wir immer zwischen vier bis sechs Spielerinnen nicht zur Verfügung, die im Herbst noch so dominant aufgetreten sind. Trotzdem waren wir wie im Herbst auch im Frühjahr die zweitbeste Mannschaft, zumindest was die Ergebnisse angeht. Natürlich haben wir im Frühjahr deshalb auch öfter ergebnisorientiert gespielt.

Gibt es Positionen, wo man am Transfermarkt aktiv werden wird?

Christian Lang: Klar, als Trainer habe ich Wünsche. Ich hoffe doch, dass wir den Kader halten können und uns eventuell zudem punktuell auf 1-2 Positionen verstärken können.

Was sind die Ziele für das kommende Spieljahr?

Christian Lang: Die junge Truppe weiter in ihren Fähigkeiten zu entwickeln und, falls wir es schaffen, die Lücke zu St. Pölten weiter zu schließen. Ich glaube, die neue Saison könnte ein heißer Vierkampf werden, wo du nicht schon nach zwei Niederlagen aus dem Titelrennen bist, dann ist alles möglich.

Ist eine erfolgreiche CL-Qualifikation realistisch?

Christian Lang: Ich denke, wir werden aus Topf zwei gelost, also sollten vom Papier her Gegnerinnen die aus Topf drei und vier kommen, schlagbar sein. Aus dem Topf eins kannst du auch die Meisterinnen aus Holland bekommen oder viele andere tolle Team. Doch wir fahren zur Quali, um diese zu gewinnen. Wenn das nicht klappt, wird es dennoch eine super Vorbereitungswoche für die Meisterschaft.

Vielen Dank und alles Gute für die Vorbereitung und die neue Saison!

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