Das Mittelfeld

Wintercheck 20/21 – Teil 3/4

Aufgeteilt auf vier Ausgaben, werden wir euch in den nächsten Tagen ein kleines Zwischenfazit über jeden eingesetzten Spieler der Blackys liefern. Hier fließen die durchschnittlichen Noten aus allen Leserzeugnissen, Spieldaten sowie unsere subjektive Meinung mit ein. Wir wünschen viel Spaß!

Foto: Martin Hirtenfellner Fotografie

Das Mittelfeld

Otar Kiteishvili (ø-SturmNetz Leserzeugnisnote: 2,13)

Der georgische Nationalteamspieler ist seit seiner Ankunft in Graz fester Bestandteil der Stammelf und in der Regel auch ihr Dreh und Angelpunkt. Umso bitterer, dass der Kreativspieler schlechthin in den Reihen der Schwarz-Weißen drei Spiele aufgrund eines Muskelbündelrisses verpassen musste. Seinen Ausfall konnte das Team jedoch hervorragend kompensieren und seitdem er zurück ist, agiert die Mannschaft sogar noch ein Stück weit konsequenter. Man kann sagen, dass sich Kiteishvili unter der Ägide von Christian Ilzer durchaus weiterentwickelt hat. Seine Tempodribblings sind nun nicht mehr brotlose Kunst oder dienen ausschließlich dem Raumgewinn, wie es früher häufiger der Fall war, sondern bringen nun deutlich mehr Ertrag. Dafür gibt es selbstverständlich viele Faktoren, doch man muss einfach festhalten, dass der 24-Jährige in dieser Saison viel zielstrebiger und mit mehr Zug zum Tor agiert. Das lässt sich auch mit Zahlen untermauern, denn bisher gelangen dem Georgier drei Tore und drei Vorlagen in nur acht Bundesligaspielen – ein wirklich sehr starker Wert. Dabei ist sein Auftritt in Wien-Favoriten besonders in Erinnerung geblieben, als er die Austria-Abwehr ein ums andere Mal düpierte. Man möge hoffen, dass die Formkurve bei Kitesihvili auch in Zukunft so steil nach oben zeigt und er diese konstant starken Leistungen weiterhin in dieser Form abrufen kann.

Andreas Kuen (ø-SturmNetz Leserzeugnisnote: 2,29)

Acht Torbeteiligungen in 14 Spielen, diese Werte lesen sich alles andere als schlecht und sind dem Neuzugang Andreas Kuen zuzuschreiben. Eine Statistik, die sich zweifellos sehen lassen kann. Der Tiroler musste in seiner Karriere häufig mit Verletzungen kämpfen und auch bei seiner Ankunft in Graz lief nicht alles reibungslos. Zu Meisterschaftsbeginn war er jedoch fit und schon in den ersten Spielen konnte man im Ansatz erkennen, über welch feinen Fuß der Mittelfeldmann verfügt. Speziell das Zusammenspiel mit Jakob Jantscher funktioniert sehr gut und macht Freude beim Zusehen. Ein Spieler wie Kuen hat dem SK Sturm Graz seit dem Abgang von Peter Zulj gefehlt, denn gegen die massiven Abwehrblöcke der österreichischen Liga benötigt es solche Akteure, die mit einem entscheidenden Pass die ganze Verteidigungslinie aushebeln können. Genau das untermauern seine sieben Vorlagen. Das einzige Tor erzielte er bisher, wie sollte es anders sein, im Cup gegen seinen Ex-Verein Wacker Innsbruck. Sollte der Verletzungsteufel nicht ein weiteres Mal wüten, so kann man sicher sein, dass der 25-Jährige in Graz noch viel Freude verbreiten wird.

Ivan Ljubic (ø-SturmNetz Leserzeugnisnote: 2,44)

Was für eine Entwicklung von Ivan Ljubic, die hätten ihm so wohl nur die wenigsten zugetraut. Vor der Saison hieß es, der 24-Jährige muss langsam einmal liefern, denn über den Talentstatus ist er schon weit hinaus und genau das hat er getan. Egal ob als defensiver oder nach Kiteishvilis Ausfall als offensiver Mittelfeldspieler aufgeboten, auf Ivan Ljubic konnte man sich in dieser Herbstsaison stets verlassen. Verwunderlich dabei war, dass er wohl anscheinend seine Torgefährlichkeit entdeckt hat, eine Qualität, die man so von ihm bis dato nicht unbedingt kannte. In zwölf Bundesligaspielen gelangen ihm vier Treffer, umso bedauernswerter ist es, dass er sich in den letzten beiden Spielen auf der Bank wiederfinden musste. Christian Ilzer weiß jedoch, was er an seinem ambivalent einsetzbaren Mittelfeldspieler hat und somit wird er mit Sicherheit wieder vermehrt Minuten in der Startelf sammeln dürfen. Das sind für uns Unterstützer Luxusprobleme, die man sich vor nicht allzu langer Zeit nicht mal ansatzweise hätte erträumen lassen.

Stefan Hierländer (ø-SturmNetz Leserzeugnisnote: 2,49)

Auch der Kapitän des SK Sturm Graz durchlief unter Cheftrainer Ilzer eine positive Entwicklung, die nicht unbedingt abzusehen war. Der Mittelfeldmotor absolvierte jede Partie von Anfang an und ging fast ausnahmslos über die volle Spielzeit. Oftmals mag man nicht erkennen, wie wichtig der Kärntner für das Spiel des SK Sturm Graz ist, doch seine Laufbereitschaft und Spielintelligenz sind fundamental für die derzeitige Ausrichtung der Schwarz-Weißen. Auf seiner angestammten Position im Mittelfeld weiß Hierländer zu überzeugen und auch er wird froh sein, dass er nun nicht mehr in der Abwehrreihe aushelfen muss. Er gibt der Mannschaft die dringend benötigte Balance und stabilisiert das Konstrukt der Grazer. Auch in der Offensive ist er durchaus präsent, selbst wenn hier unterm Strich noch mehr gehen könnte. Hervorzuheben ist mit Sicherheit sein wunderschöner Assist beim Auswärtserfolg in Salzburg. Gegen die SV Ried konnte der Kapitän selbst einen Treffer erzielen und in der ersten Runde des österreichischen Cups eröffnete er das Torfestival mit einem herrlichen Distanzschuss. Anhand seines Beispiels lässt sich wohl am besten ablesen, inwiefern Christian Ilzer die Mannschaft verändert und zurück zu alter Stärke geführt hat.

Philipp Huspek (ø-SturmNetz Leserzeugnisnote: 2,51)

Wenn ein neuer Trainer den Verein übernimmt, dann gibt es in der Regel nicht nur Gewinner und zu einem der größten Verlierer seit Amtsantritt von Christian Ilzer kann man wohl Philipp Huspek zählen. Für den Oberösterreicher reichte es bisher immer nur zu Kurzeinsätzen, das Höchste der Gefühle waren 25 Minuten im Cup gegen Wacker Innsbruck, wo er prompt einen herrlichen Assist zum Goldtor lieferte, welches dem SK Sturm das Weiterkommen sicherte. Viele Fans fordern eine Doppelspitze mit Jantscher und Huspek, lassen sich dabei jedoch häufig von der eigenen Sympathie blenden. Der 29-Jährige ist ein reiner Konter– beziehungsweise Umschaltspieler und die derzeitige Spielanlage kommt seinen Stärken einfach nicht entgegen. Das soll kein Vorwurf an den Spieler sein, sondern einfach eine realistische Einschätzung der aktuellen Lage. Solche Dinge kommen im modernen Fußball in nahezu jeder Mannschaft vor. Dass der Fanliebling auf vermehrt Spielzeit hoffen darf, kann bezweifelt werden und somit wird es spannend zu beobachten sein, wie es um seine sportliche Zukunft in Graz bestellt ist.

Lukas Jäger (ø-SturmNetz Leserzeugnisnote: 3,01)

Auch wenn es ein wenig hart klingt, doch Lukas Jäger spielt nun endlich die für ihn angedachte Rolle in Graz. Er zählt zu den Altlasten Kreissls und bringt unterm Strich nicht die nötige Qualität mit, um Stammspieler bei einem Verein wie dem SK Sturm zu sein. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern schlicht und ergreifend eine realistische Betrachtung der derzeitigen Situation. Es sieht zudem nicht so aus, als wäre hier noch viel Entwicklungspotenzial vorhanden, man möge mich Lügen strafen. Im ersten Spiel gegen den SKN St. Pölten zählte Jäger noch zu den Stammkräften, seitdem absolvierte er nie mehr als 28 Spielminuten. Bei all den negativen Komponenten sei nun aber auch angemerkt, dass der Vorarlberger stets 100 Prozent für den Verein gibt, er bei seinen Einwechslungen keinen gravierenden Schnitzer begangen und die Mannschaft in der Regel sogar stabilisiert hat. In dieser Rolle hat Lukas Jäger auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung beim SK Sturm Graz, auch wenn es nicht für mehr reichen wird.

Zu kurz eingesetzt:

Sebastian Zettl, Dardan Shabanhaxhaj, Tobias Koch

Diese Spieler sollen hier gemeinsam benotet werden, da die mangelnde Spielzeit ein Einzelfazit ohnehin nicht zulässt. Allgemein kann man sagen, dass all jene Akteure durchaus Potenzial mitbringen, um in der Bundesliga bestehen zu können, vor allem ihre technischen Qualitäten sind teilweise herausragend. Es fehlt ihnen jedoch an der Physis beziehungsweise der Athletik, dem ein oder anderen würden ein paar Stunden in der Kraftkammer wohl sehr gut bekommen. Das Hauptproblem an der Bewertung ist jedoch, dass sie sich nicht bewerten lassen und genau das ist der Punkt, der hier angesprochen werden soll. Auch wenn die Sturmaficionados einen wunderschönen Herbst erlebt haben, täuscht das nicht über die Tatsache hinweg, dass der eingeschlagene Weg mit der Einbindung junger Talente aus der Akademie bisher noch nicht bestritten wurde. Das Ganze muss man ein wenig relativieren, da mit Geyrhofer und Trummer zwei Spieler ausgefallen sind, die mit Sicherheit viele Einsatzminuten gesammelt hätten. Dennoch wären Möglichkeiten da gewesen, um den Jungen mehr Spielpraxis zu ermöglichen. Ob diese nicht über die nötige Qualität verfügen, beziehungsweise dafür nicht bereit sind, werden die Verantwortlichen besser beurteilen können. Trotzdem ist es ein Umstand, auf den man hinweisen sollte, Ursachenforschung darf jeder und jede gerne selbst betreiben.

 

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2 Kommentare

  1. anonymous sagt:

    Der „junge Weg aus der eigenen Akademie“ ist reiner Schwachsinn! Schicker und Ilzer halten davon nichts! Wenn ich sehe dass bei einer 4:0 führung gegen altach ein junger Spieler nicht bzw kaum eingesetzt wird, kann man am besten erkennen, dass das nicht der Weg ist, den Ilzer bestreiten möchte! Wenn man keine Chancen bekommt als junger Spieler, wie soll man sich gegen die Großen beweisen? Als eigener Spieler ist man bei Sturm nichts wert! Alleine wenn man jetzt die Ersatzbank ansieht, höchstens ein junger eigener Spieler sitzt dort noch! Wenn Sturm jetzt noch einen neuen Spieler holt, ist auch der letzte Platz für die Jungen weg! Ich hoffe, dass die eigenen jungen Spieler alle zu anderen Clubs gehen, dort glücklich werden und Sturm es mal sehr sehr leid tun wird!

    +5
    • weizenheizer sagt:

      Vielleicht sind sie noch nicht so weit? Bei der Austria hat Ilzer sehr wohl die jungen vermehrt eingebaut. 2 der besten Nachwuchshoffnungen sind halt auch langzeitverletzt.
      Ich denke und hoffe, dass statt Jäger im Frühjahr auch mal ein Junger kommen wird. Aber Spieler wie Huspek und Balaj, unsere „Jokertrümpfe“, jetzt komplett aufs Abstellgleis zu stellen, fänd ich nicht klug. Und 5 mal tauschen klingt toll, kann aber schon auch zu einem Leistungsknick führen, wenn auf einmal der halbe B-Kader vorne spielt.

      +5

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