Das Ikarus-Mahnmal

„Jetzt heißt es Ruhe bewahren“

Sturm Graz ist Tabellenführer und das nicht erst seit gestern. Wahnsinn eigentlich – endlich ein Grund hemmungslos in Ekstase zu verfallen. Gleich vorweg: Bitte tut das nicht (uneingeschränkt)! Natürlich gibt der aktuelle Höhenflug von Sturm allen Grund zur Freude, aber wenn man nun in eine hochgeschaukelte Euphorie verfällt, ist der vorprogrammierte Sturz von ganz oben um so tiefer.

Vor der Saison sprach man in Messendorf im allgemeinen Tenor davon, in dieser Saison bloß keine überzogenen Erwartungshaltungen schüren zu wollen – ein paar Runden später sieht das schon ganz anders aus.

„Es ist eine gewisse Euphorie entstanden. Der Funke ist von der Mannschaft auf die Fans übergesprungen. Es darf jeder träumen und die Euphorie wollen wir auch nicht bremsen. Wir haben erst sieben Runden absolviert und es wird bis zum 36. Spieltag noch viel passieren.“ – Franco Foda bei „Talk und Tore“

Mit dieser wohltuenden Demut ist es wohl schon wieder vorbei. Zwar ist allen Protagonisten in Schwarz-Weiß bewusst, wie lange diese Meisterschaft noch dauert, von einer schaumbremsenden Kommunikation hat man sich jedoch verabschiedet. Vor der Saison sprach Sportdirektor Günter Kreissl noch eine reine sportliche Weiterentwicklung als Ziel aus – diese könne zum Beispiel an mehr erreichten Punkten nach 36 Runden gemessen werden. Auch nach dem ersten Wochenende als Tabellenführer wurde noch von einer Momentaufnahme gesprochen, nach sieben Spieltagen nimmt man die Rolle des Gejagten anscheinend schon gerne an.

Nach drei Runden an der Spitze der Tabelle stellt sich bei einem Großteil der Sturmfans schon so etwas wie arroganter Übermut ein. „Wir werden Meister“-Sager verlieren ihren ironischen Schleier und werden zunehmend ernst gemeint. Vor dieser Saison wären die meisten Sturmfans wohl mit einem Remis gegen Rapid zufrieden gewesen, nun vernimmt man viel zu oft den Satz:“Eh wuascht, san ja eh no Tabellenführer.“
Was aber, wenn Sturm das nicht mehr ist? Die Konkurrenz ist Sturm dicht auf den Fersen, die Plätze 4 und 5 liegen gerade einmal drei bzw. vier Punkte zurück. Auch ohne eine Dreifachbelastung durch einen internationalen Bewerb wird man nicht einen Start-Ziel-Sieg einfahren können.

 

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Neue Spieler kamen und bei manchen Neuzugängen wusste ein Großteil Österreichs absolut nichts damit anzufangen. Dass sich dieser Umstand auch ein wenig zum Glücksfall etablierte, fasste auch Neo-Rapid-Kapitän Stefan Schwab bei Talk und Tore zusammen. Für ihn sei Sturm zwar stärker als in den letzten Jahren, er führte diese Stärke aber auch darauf zurück, dass man sich als Gegner auf neue Spieler erst einstellen muss. Sturms fabelhafte Mittelfeldzentrale mit Uros Matic und James Jeggo sind zwei in der österreichischen Bundesliga bisher völlig unbekannte Gegenspieler. „Abgerechnet wird nach 36 Runden.“, stellte nach Foda auch Schwab fest – so lange wird es aber nicht dauern, bis sich alle Mannschaften auf Sturms Erfolgsrezept einstellen werden.

Das ist auch Franco Foda bewusst und deswegen stellte er gleich die Devise „Weiterarbeiten und neue Ideen entwickeln“ in den Raum. Schnelles Umschaltspiel und Konterspiel als Erfolgsrezept in den ersten Runden bescherten Sturm einen besseren Saisonstart als in der Meistersaison 2010/2011, außerdem konnte man bereits nach drei Spielen gegen die Big3 gleich viele Punkte ergattern wie letzte Saison, nämlich Sieben. Ein spielerischer Plan B wird mit fortlaufender Dauer der Saison immer wichtiger werden, auch wenn man für das aktuelle Spiel einen passenden Kader zur Verfügung hat. Solange Plan A jedoch noch einwandfrei funktioniert, sollte man nicht krampfhaft versuchen ein anderes, möglicherweise präferiertes Spiel aufzuziehen. Mit klugem Umschaltspiel konnte man nicht nur gegen Rapid punkten, sondern schlug auch einen anderen Angstgegner.

„Es war extrem wichtig, dass wir das erste Spiel gegen Salzburg gleich gewinnen konnten. Da haben die Spieler gemerkt, dass wir auch gegen gute Mannschaften bestehen können. Wir sind gut in die Runde gestartet und das ist wichtig, weil du sonst von Anfang an der Musik hinterher läufst.“ – Franco Foda

Die Gründe für den starken Saisonstart sind sicherlich vielfältig, bei Sturm schließt man kluge Schlüsse aus den Entwicklungen der letzten Wochen und weiß das Momentum für sich zu nutzen.
Im Verein haben alle Beteiligten ihre Hausaufgaben über die Sommerpause und über den Saisonstart hinaus bravourös erfüllt, jetzt ist es unsere Aufgabe als Fan, ruhig zu bleiben.

Ich bitte euch alle, keine maßlosen Forderungen zu stellen oder bei der ersten schwachen Vorstellung am Rasen alles und jeden sofort zu verteufeln. Lasst uns weiterhin die Stadien dieses Landes stürmen und unseren Sportklub Sturm Graz von Sieg zu Sieg peitschen, jedoch weiterhin in einer wunderbar erwartungsfreien Blase, welche dem Verein in den letzten Wochen merkbar gut getan hat.

 

17 Kommentare

  1. gayrold sagt:

    Super Bericht….sehe ich genauso!!!

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  2. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Owa geh Meister wern verlangt jo kana. Owa Double holen is Pflicht

    Owa im Ernst EL Quali sollte drin sein und mit Glück vlt. wieder eine Völkerwanderung nach Kärnten…

    Owa wenns am End 6. wern owa kämpft hom wia varruckt wern die meisten a zfriedn sei.

    I sog amol wenn Ö anvBundespräsidenten hot kima aufaungan iwa die Meisterschoft zum redn…

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  3. DonPipo DonPipo sagt:

    Schöner Artikel, sehr schönes Schlusswort!

    Wenn solche Spiele dauerhaft abgeliefert werden, kann man nur zufrieden sein. Auch ohne Teller oder Pokal.

     

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  4. Rene90 sagt:

    @Moritz Lösch
    eine nette Geste deinerseits mit der Bitte die Stadien zufüllen, in schlechten Zeiten sieht man die wahren Fans, im sogenannten „Lauf“ füllt sich das Stadion von selbst
    „maßlose Forderungen stellen“ stellen nur jene, die dann auch bei einer schlechten Leistung dann gleich kritisieren, jedoch solltet auch euer Team diese Worte zu Herzen nehmen, in dieser Euphorie objektiv zu berichten, positiv ist positiv / negativ ist negativ (im letzten Jahr wurde fast nur negativ berichtet bzw geschrieben – man hatte fast den Eindruck, ihr sucht nur nach negativen und sehr nichts poditives) Hauptgrund dafür ist die Kommunikation mit dem Verein , die ich sehr begrüße und man Kreissl verdankt

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    • Rene90 sagt:

      Sollte heißen: und seht nichts positives 🙂

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    • GazzaII sagt:

      Da wir ja schon 1 – 2mal aneinander gekracht sind, diese Mal 100 % agree!!!

      Werde, diesen (sehr guten) Artikel ablegen und zu gegebener Zeit (am liebsten natürlich nie wieder;-)!!!) wieder hervorholen und das sturmnetz Team daran erinnern…

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    • jorge72 sagt:

      ebenfalls 100%ige zustimmung. um zu einem positiven klima innerhalb des vereins beizutragen, müssen sich eben alle beteiligten einer selbstkritischen reflexion unterziehen. dies betrifft vorstand, spieler, trainer, vereinsumfeld aber auch natürlich fans oder sogenannte fans. die dauernden unterschwelligen und zum teil untergriffigen kommentare bei sturm12, haben sicherlich nicht dazu beigetragen, eine fruchtbare atmosphäre zu schaffen. unter dem deckmantel konstruktive kritik zu üben, wurden eigene befindlichkeiten befriedigt. deshalb kann ich auch nur warnen, „fans“ wie pucher hier jemals wieder eine plattform zu geben, um den eigenen mist loszuwerden.

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    • Nock-74 sagt:

      @jorge72: Stimme dir auch zu 100% zu. Wenn ich die Artikel vom selbstverliebten und selbsternannten Fußballexperten Pucher bei Laola lese kommt mir jedesmal das kotzen. Dieser liebe Herr hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen, dass die Stimmung zu Sturmnetz auch nicht den besten Start hatte.

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    • GazzaII sagt:

      Nah gut der Hr Pucher ist ja wohl das schlimmste Beispiel von allen! Der Typ ist 1000%ig kein Sturmfan (kA Rapid, GAK oder sowas würde ich tippem) kA wie man so jemandem auch nur irgendwo im Zusammenhang mit Sturm ein Plattform bieten kann/konnte!

      Ernstgenommen hat den in Bezug auf Sturm hoffentlich keiner!

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    • Neukirchner sagt:

      100%ige Zustimmung. Sehr schöner Artikel. Da hier Sturm12 genannt wird, sollte schon auch angeführt werden, dass sich dieses Medium von seinem Vorgänger nicht nur in fachlicher und sprachlicher Hinsicht wohltuend abhebt, sondern auch dass bei SturmNetz doch der Fußballklub im Mittelpunkt steht und nicht – wie bei den 12ern in der Endphase – persönliche Befindlichkeiten.

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    • jorge72 sagt:

      und hoffen wir auch dass es so bleibt. wenn man sich der wurzeln besinnt fankultur lebendig zu machen, fans zu bedienen, neugierig zu machen, gute recherchern zu liefern aber auch konstruktive kritik üben zu düren, ohne dabei untergriffig und fordernd zu werden, dann bin auch ich sehr froh, dass es dieses medium gibt.

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  5. Arch Stanton sagt:

    Gebe dem Neukirchner vollinhaltlich recht!

     

    Den anderen teilweise, nur bitte, Gazall die drei unschuldigen Buchstaben hier in diesem Forum nicht so achtlos in dieser Reihenfolge verwenden!!

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    • GazzaII sagt:

      😉 stimmt, habe ich glaube ich vorher auch noch nie ABER hast jemals was von Hrn Pucher gelesen? Da könnte schon der Eindruck entstehen…

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  6. brent_everett sagt:

    Wir sollten uns nicht selber Sand in die Augen streuen. Rapid hatte in den ersten 10 Minuten 2 Topchanchen. Überraschenderweise sind Joelinton u Traustason doch nicht die Überdrüber Striker. Wenn`s 0:2 steht, ist eh alles vorbei. Die Kulisse hat Sturm (wie zu erwarten) blockiert. Rapid hat Sturm im Mittelfeld mit Schaub u Schwab klar dominiert. Sturm hatte in der ersten Halbzeit eine katastrophale Passquote (um die 60%?). Und dann das übliche Nickerchen in den ersten 10 Minuten nach der Pause. Am Ende konnte man nur froh über das x sein, weil SCR bis zur 95. Min. auf´s 2:1 gedrückt hat. Also mir ist von dem Spiel schlecht geworden. Viel zu viele Unzulänglichkeiten! Daher kein Grund zur Lobhudelei.

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    • jorge72 sagt:

      offensichtlich haben wir ein unterschiedliches spiel gesehen. was du als topchancen bezeichnest waren höchsten halbchancen und gefährlicher war seit langem sturm wieder einmal gegen diesen gegner. ohne in grenzenlose euphorie zu verfallen aber diese entwicklung macht eben spaß auf mehr. es gilt nicht alles durch die rosa brille zu sehen, umgekehrt jedoch nicht auch alles schwarz zu sehen.

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