Das erste Mal

SturmNetz-Advent 2018 – #12

Auch in diesem Jahr möchten wir euch die Zeit bis zum heiligen Abend etwas versüßen. Im heurigen Advent blicken wir zurück auf einige denkwürdige Ereignisse aus 3,5 Jahren SturmNetz. Hinter Türchen Nummer 12 geht es um den ersten Stadionbesuch des Autors.

Vier zu Null gegen Ried

Als kleiner, blonder Stöpsel mit SK Sturm-Mütze, dick eingepackt und in Begleitung meines jungen Vaters, saß ich in der Straßenbahnlinie E und alles war aufregend. Noch nie war ich diese Route mit der Straßenbahn gefahren. Bis jetzt kannte ich nur die Linie 1 von Eggenberg ins Stadtzentrum und zurück. Und warum hatte diese Straßenbahn einen Buchstaben? Davon hatte ich noch nie gehört. Sturm war wirklich etwas Besonderes, wenn da sogar extra eine eigene Straßenbahn fuhr.

Alle Menschen in der Straßenbahn trugen die Sturm-Trikots von den Bildern in den Zeitungen, manchmal mit Namen hinten drauf, die gar nicht zur Nummer passten, redeten über die Spieler aus dem Radio und aus den Bildern in der Kleinen Zeitung und tranken aus diesen blauen Dosen mit dem Löwen aus der Werbung. Ich fragte meinen Papa, ob die wohl alle auch ins Stadion fahren würden. Er nickte und sagte außerdem, dass die gegnerische Mannschaft aus Oberösterreich kam. Oberösterreich, ein Konzept mit dem ich noch nicht viel anfangen konnte, es erschien mir jedenfalls unfassbar weit entfernt und vor allem weit oben. Als wir uns an der Wendeschleife in Liebenau aus der Straßenbahn quetschten, sah ich die riesigen Flutlichtmasten, die am hellichten Tag eingeschalten waren, in den grauen Himmel ragen und SO VIELE MENSCHEN, die alle auf dasselbe Ziel zuströmten, wie wir.

Noch nie hatte ich so viele so große Menschen auf einem Fleck gesehen. Papa nahm mich auf die Schultern bis wir am Einlass waren, dann musste ich mein Ticket in den Automaten schieben und durch das Drehkreuz wie beim Skilift im Winter. Wir bogen gleich links ab in den riesigen Durchgang mit der 15.

Es war der 17. Oktober 1998 als ich zum ersten Mal in einem Stadion war und als ich an der Hand meines Vaters das gleißend helle Licht der sich füllenden Arena erspähte, den perfekt getrimmten Rasen sah, die Trommler hörte und die Spieler beim Aufwärmen beobachten konnte, war das einfach wirklich, wirklich viel auf einmal. Ich war 6 Jahre alt und das Konzept Fußball kannte ich nur von Bildern in der Zeitung und dem Nachahmen in der Siedlung und bei Ferienwochen mit Freunden, aber nicht aus dem Fernsehen, weil wir kein TV-Gerät besaßen.

Während dem Spiel passierte viel auf einmal. Die Chronik im Internet heute konnte mir noch Ergebnis (4:0) und Besucherzahl (13.750) sagen, für mich war das Stadion jedenfalls vollkommen überfüllt, sehr, sehr laut und Leute brachten mir die besten Brezeln, die ich jemals gegessen hatte. Bei einem Eckball, den ein Rieder in einem hässlichen rot-blauen Trikot trat, flogen Klopapierrollen in Richtung Spielfeld und wurden dabei immer länger und länger – dieses Bild hat sich bei mir eingebrannt. Ich fand es erstaunlich, an was die Leute im Stadion alles dachten und wie laut sie riefen! Noch erstaunlicher fand ich die Sportler am Feld.

Ich habe keine konkrete Erinnerung mehr an Spielszenen, aber ich habe noch immer ein Gefühl, wenn ich an diesen Tag zurückdenke. Zum Beispiel, dass Ivo Vastic einen Ball schöner treten konnte, als alle anderen 21 Spieler am Platz und das der Grund sein musste, warum er die Zehn am Trikot trug. Ich hatte das Gefühl, dass Mario Haas immer am richtigen Ort stand und dass dieser Tomislav Kocijan ein guter Typ sein musste, weil er oft abspielte. Außerdem wusste ich noch, dass ein Spieler Popovic hieß und Hannes Reinmayr die Neun trug. Den Rest konnte ich mir noch nicht merken. Aber das war eigentlich schon ziemlich viel für einen sechsjährigen Eggenberger Rabauken und deshalb entschied ich an diesem Abend, dass der SK Sturm Graz das Größte war und ich später einmal für den SK Sturm spielen wollte, oder zumindest mal Balljunge werden. Das hat bis heute nicht ganz geklappt, aber zumindest, dass Sturm noch immer das Größte für mich im Fußball ist stimmt dann doch. Und das wird sich auch nicht mehr ändern…

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2 Kommentare

  1. Arch Stanton sagt:

    Werter Herr Steinkellner!

    Es ist ein Panther, der das edle Blech verziert und das B so sanft in seine Tatzen bettet. Aber der Oktober 98 ist ein durchwegs perfekter Zeitpunkt für einen ersten Stadionbesuch..

    1+

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