CL-Traum in der Quali ausgeträumt – Gruppe 7 war zu stark

Der große SturmNetz-Rückblick auf die Schwoazen in Europa

Was waren das für ereignisreiche Tage für die weiblichen Vertreterinnen des SK Sturm Graz. Zuerst der am Ende erfolgreiche Cup-Fight gegen die abgestiegenen Linzerinnen von Union Kleinmünchen, dann die Spiele gegen die Teams aus Portugal, Lettland und Zypern und dazwischen viele intensive Trainingseinheiten, Reisen und auch eine ordentliche Portion Teambuilding während der Zeit in Riga.

SK Sturm Graz 0:2 Sporting Club de Braga

Am 7. August startete das Champions-League-Qualifikationsturnier in der lettischen Hauptstadt mit dem eigentlich schon vorentscheidenden Spiel für unsere Schwoazen, das wohl etwas zu früh nach dem kräfteraubenden Pokalspiel in Linz kam.

Sporting Club de Braga Feminino, immerhin die portugiesischen Meisterinnen des vergangenen Jahres und das zum ersten Mal, waren bis dato auf europäischer Ebene ein sehr unbeschriebenes Blatt im Fußball der Frauen. Wie auch sonst auf der iberischen Halbinsel fingen die Investitionen der größeren Klubs in Damenteams erst in diesem Jahrzehnt so richtig an. Die Professionalisierung schreitet am ganzen Kontinent voran, seriöse Geldbeträge scheinen in vielen Ländern nun schneller für Frauen aufgebracht zu werden, und so leisten sich die Portugiesen auch ordentliche PR-Arbeit, die ihre beiden Einserteams nicht nur trennt, sondern auch in der Berichterstattung verbindet, wie man unlängst beim Präsentationsvideo der neuen Braga-Trikots erkennen konnte. Es wäre schön, wenn der SK Sturm nicht nur im österreichischen Vergleich eine Vorreiterrolle einnehmen könnte, sondern gleich versuchen würde, auch auf internationalem Niveau in Sachen Gleichberechtigung mitzuhalten, oder sogar voranzuschreiten (von einer Insta-Story bis zu einem normalen Posting ist der Weg auch gar nicht so weit…). Solange die wirtschaftliche Schere noch nicht weit aufgegangen ist (wie bei den Männern), dürfte das ein realisierbares Unterfangen sein – mich freut es an dieser Stelle, dass während der Lettland-Woche mit der Riga-Cam ein unterhaltsamer Mini-Schritt in die richtige Richtung gemacht wurde. Davon aber nun genug, es folgt das Sportliche.

Damen Quali Braga

Pratt mit dem 2:0 gegen Sturm. (c) Youtube/Canal11

Da ließ sich die Arbeit des Betreuerstabs mit den Spielerinnen auf jeden Fall gut vorzeigen. Was Kampf und Leidenschaft anging, hielt unser Team gut mit den Portugiesinnen mit, die allerdings doch deutlich überlegen in Sachen Ballbesitz und Torgefährlichkeit anmuteten. Nach einer absoluten Regenschlacht zu Beginn, wurde das Wetter immer besser – gut zu sehen in der Spielzusammenfassung von Canal 11. Am Ende musste man pro Halbzeit verdient einen Treffer hinnehmen, wobei das 1:0 ein wuchtiger Kopfball nach einer Ecke war und das 2:0 ein vermeidbarer Sololauf nach einem langen Abschlag.
Braga hatte mit Uchendu eine nigerianische WM-Stürmerin in der Startelf, zudem mit Murnan, Pratt und Keane drei Amerikanerinnen im Kader. Der SK Sturm hatte vor allem Nationalteamspielerinnen aus den heimischen U-Auswahlen zu bieten. So gesehen ging das 0:2 in Ordnung und wenn man bedenkt, dass sich Braga durch ein knappes 1:0 gegen Apollon Ladies FC schon am zweiten Spieltag das Ticket zur Champions League sicherte, kann man auch retrospektiv auf diese Leistung auf jeden Fall aufbauen. Braga wiederum kann nun das schaffen, was Apollon Limassol bei den Frauen seit 2009/10 erfolglos versucht: Die 1. Runde der Champions League zu überstehen.

SK Sturm Graz 4:0 Rigas Futbola Skola

Mit Rigas Futbola Skola wartete das größte lettische Fußballteam auf die Grazerinnen, das zudem auch der gastgebende Verein des Turniers war. Trotz einer schönen Zeit in Riga und tollen Trainingsbedingungen, war jedoch klar, dass unsere Schwoazen keine Gastgeschenke verteilen und sich stattdessen wichtiges Selbstvertrauen und Punkte für die UEFA-Fünfjahreswertung holen wollten.

Dass der rein lettisch besetzte Kader von Rigas FS jenem unseres SK Sturm unterlegen war, merkte man von Beginn an und war auch wenig überraschend, hatten die Lettinen doch bereits das erste Spiel gegen die ursprünglichen Gruppenfavoritinnen von Apollon Ladies FC haushoch mit 0:10 verloren. Dass sich dennoch ein kleines Geduldspiel in Hälfte eins entwickelte (RFS übertrug glücklicherweise das Spiel live auf YouTube), lag vor allem daran, dass sich unsere offensive Kreativ-Abteilung schwer tat, den letzten Pass an die Frau und in die gefährliche Zone zu bekommen. Ein spielerisches Übergewicht sowie eine sattelfeste Defensive, die nur wenige Gegenstöße zuließ, bedeuteten bis zur 37. Minute viel Ballbesitz mit einigen (Halb-)Chancen, aber wenig Output.

In eben angesprochener Minute wurde der Bann dann aber gebrochen. Ein kurz abgespielter Freistoß auf die rechte Flanke, ein flacher Pass in den Rückraum, wo sich Maria Plattner den Ball im Strafraum-Eck herrichtete und mit einem schönen Schuss in hohem Bogen ins lange Eck vollendete. Traumtor, 1:0 und verdiente Pausenführung!

Damen Quali Riga

Bella Habuda im Dribbling (c) YouTube/RigasFS

Danach war für Riga nicht mehr viel zu holen. Mit der Führung im Rücken tat sich unser Team um einiges leichter und nutzte seine Chancen größtenteils. Bestes Beispiel war das Freistoßtor von Modi Uka zum 2:0. Beim 3:0 knallte Emily Cancienne den Ball an die Latte und Frieser stand perfekt für den Abstauber bereit (der Lokführer des am Stadion haltenden Zuges gratulierte mit dem Zughorn!). Schließlich setzte abermals Plattner nur drei Minuten später, nachdem Grossgasteiger auf rechts schnell umgeschalten hatte und von Cancienne eingesetzt wurde, in Minute 72 den Schlusspunkt – 4:0.

Nach diesem Spiel konnte man als Sturm-Fan zufrieden sein, denn den Schwoazen gelang das, was gerade gegen Kleinmünchen eine knappe Woche davor noch misslungen war: Gegen unterlegene Gegnerinnen die eigenen Chancen nützen, stabil und geduldig bleiben und den Sieg trocken nach Hause spielen. Dass der Trainer nach dem Spiel fehlende Präzision im Angriffsdrittel monierte, war ebenfalls wichtig, denn gegen stärkere Gegnerinnen braucht es in diesem Bereich definitiv eine Steigerung. Wenn die Passentscheidungen und die Passgeschwindigkeit verbessert werden können, kann die Offensive definitiv noch einen großen Schritt nach vorne machen.

SK Sturm Graz 2:7 Apollon Ladies FC

Zum Abschluss von Quali-Gruppe 7 der 62 besten Teams in Europa ging es für den SK Sturm dann noch gegen die mehrfachen CL-Teilnehmerinnen aus Zypern von Apollon Limassol (übrigens bei den Männern diesjährige Quali-Gegner der Austria aus Wien). Ziel war es natürlich, die starke Leistung gegen Braga zu bestätigen und vielleicht sogar eine Überraschung zu schaffen, die auch für den UEFA-Koeffizienten ein kleines Upgrade bedeuten könnte.

Die stark zusammengewürfelte, internationale Truppe, deren Kader nur vier zyprische Spielerinnen umfasst, hatte, wie eingangs erwähnt, den Gastgeberinnen aus Riga nicht den Hauch einer Chance gelassen. Danach mussten die Zyprerinnen in einem hart geführten und sehr umkämpften Spiel gegen Braga aufgrund eines frühen Tores mit 0:1 den Traum von der wiederholten CL-Teilnahme aufgeben. Dass das Team also, um Wiedergutmachung bemüht, gegen Sturm Graz von Anfang an auf die Tube drücken würde, war erwartbar. Dass unsere Schwoazen gleich in der 6. Minute einen frühen Rückstand hinnehmen musste, war trotzdem bitter. Als Rio Hardy ihr zweites Tor gleich in der 13. Minute nachlegte und auf 2:0 stellte, drohte Schlimmeres, nach dem 3:0 in Minute 15 ein Debakel.

Bis in die Haarspitzen motiviert, mit ordentlich Wut im Bauch und wie auf einer schiefen Ebene liefen die Apollon Ladies das Tor der bemitleidenswerten Vanessa Gritzner an. Die Zyprerinnen wollten sich offensichtlich mit einem sportlichen Ausrufezeichen aus der europäischen Klubsaison verabschieden und unsere Defensive wurde von dieser Wucht und Entschlossenheit überrumpelt. Das 4:0 in der 25. Minute hielten unsere wackeren jungen Spielerinnen aber, schafften es dann sich zu stabilisieren, und erzielten kurz vor der Pause sogar das 1:4 durch Julia Wagner. Halbzeit, Kabinenansprache, kräftig durchatmen und im Idealfall dort weitermachen, wo das Team aufgehört hatte.

Und tatsächlich startete unsere Elf verbessert in Hälfte zwei, musste aber dennoch das 1:5 hinnehmen (54.). Während Braga im Parallelspiel den Gruppensieg mit einer souveränen Leistung gegen Rigas FS bestätigte (8:0), kämpften unsere Frauen wacker um eine erfolgreichere zweite Halbzeit und trafen durch unsere neue Top-Stürmerin Bella Habuda in der 63. Minute zum 2:5. Auf ein bitteres Eigentor zum 2:6 von Kröll (70.) folgte ein weiterer Treffer zum 2:7 in Minute 80 – Es gab auf jeden Fall schon langweiligere Spiele in der Geschichte des Fußballsports, auch wenn es in diesem Fall zulasten unseres Teams ging.

Fazit und Ausblick

Der SK Sturm Graz steht nach dieser Woche im europaweiten, sportlichen Vergleich auf jeden Fall zurecht unter den besten 62 Teams des Kontinents. Mental war unser Team sehr stark, steckte auch die Veränderungen im Kader gut weg, sorgte für Leistungen gegen stärkere Teams (Braga, Apollon), auf die man größtenteils aufbauen kann, und erfüllte die Pflichtaufgabe (Sieg gegen Riga) souverän. Es fehlt nicht viel für einen Platz unter den besten 32, die an der UEFA Women’s Champions League teilnehmen. Einmal ist es den Schwoazen bereits gelungen, ein zweites Mal können sie es auf jeden Fall in Zukunft schaffen, vor allem, wenn die UEFA tatsächlich eine Gruppenphase einführt, wie man sie bereits von den Männern kennt.

Unsere Truppe am Off-Tag in Riga. (c) Facebook/SKSturmFrauen

Dafür braucht es weiterhin Commitment von Vereinsseite, um die Frauenabteilung nach vorne zu pushen, eine Erhöhung der Gelder und natürlich auch ein stetiges Professionalisieren der Infrastruktur, des jungen Spielerinnen- und kleinen Betreuerstabs, sowie ordentliche, gleichberechtigte Aufmerksamkeit der eigenen PR-Abteilung, aber auch der externen Medien. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt werden und der Vize-Meistertitel in der Liga verteidigt wird, dann können „unsere“ Mädels vielleicht schon nächstes Jahr mit ein bisschen Glück den Champions-League-Traum Wirklichkeit werden lassen.

 

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