Blackydikidz in Graz-Liebenau?

In welchem Bereich RB Salzburg dem SK Sturm weit voraus ist …

Am vergangenen Wochenende stieg in Wals-Siezenheim der Sonntags-Schlager zwischen RB Salzburg und den Schwarz-Weißen aus Graz. Beachtliche 14.000 Schaulustige fanden sich in Wals-Siezenheim ein, um einem 1:0-Sieg des Mateschitz-Clubs live beizuwohnen. Eine Zuschauerzahl, die nach Ansicht des Autors in Graz an diesem Spieltag wohl kaum zu erreichen gewesen wäre.

Wer nun eine Laudatio an den Dosen-Klub befürchtet, liegt jedoch falsch. Lediglich konnten rund um das im Jahr 2008 ausgebaute EM-Stadion Dinge beobachtet werden, die trotz schwarz-weißer Brille durchaus honoriert werden und nach Meinung des Autors als Denkanstoß dienen sollten.

Zurück zu den Zuschauerzahlen. Worauf ist diese respektable Sonntags-Kulisse zurückzuführen? Man ist in Salzburg diesbezüglich doch nicht allzu verwöhnt. Auf die sensationelle Stimmung, für die die Salzburger Nordkurve Woche für Woche sorgt? Wohl eher nicht. Auf die Identifikation mit den Spielern des Vereins aus der Mozartstadt? Fehlanzeige. Auf die Vereinsphilosophie mit dem Transfer-Dreieck Liefering-Salzburg-Leipzig? Natürlich auch nicht. Auf den ansehnlichen, offensiven Fußball, der von den Bullen zumeist geboten wird? Schon eher. Am „Damentag“, an dem es dem schönen Geschlecht ermöglicht wurde, diesem Spiel kostenlos beizuwohnen? Bestimmt auch. Der vermutlich entscheidendste Faktor war an diesem Wochenende jedoch ein anderer: Ein riesiger Anteil der Fußballfans am Sonntag waren nämlich jene, die mit den Begriffen Kommerz, Tradition, Marketing und eventuell auch dem Namen „Austria Salzburg“ wenig bis nichts anfangen können: Kinder. Ihnen sei dieser Beitrag gewidmet.

Wir schreiben den 09.04.2017, 14:00. Nach einer ausgiebigen Partynacht in der Salzburger Innenstadt stand der Autor dieser Zeilen bereits vor der – zugegebenermaßen optisch ansprechenden – Arena, in der Hoffnung, so schnell wie möglich einen Brandlöscher zu finden, auf dessen Behältnis kein Stier aufgedruckt ist, um so die verbleibenden langen zweieinhalb Stunden bis Anpfiff zu überbrücken. Doch die Wartezeit sollte sich kurzlebiger gestalten als erwartet. Auf der West-Seite des Stadions betrat der Schreiberling dieser Zeilen mit schlechtem Gewissen den „Fanpark“, da sich hier der einzig bereits geöffnete Getränkestand befand. Mit einem „LunAqua“-Wasser in der Hand bemerkte er dann etwas in dieser Art noch nie in Österreich Gesehenes: Ein eigenes Gebäude, errichtet für die Jungspunde unter den Salzburg-Fans: Die Bullidikiz-Arena. Eine unglaublich freundlich gestaltete Halle mit Toren, Kinderrutsche, Fifa-Spiel-Möglichkeiten auf Leinwand und Bildschirm sowie Kinderbetreuer, die sich sorgsam um die Kids kümmern. Im Außenbereich neben der Halle befinden sich zudem zwei Torschusswände, ein „Gaberl“-Platz, sowie einige andere für Kinder beeindruckende Spielmöglichkeiten. Abgerundet wird das Rahmenprogramm mit Gewinnspielen, einem Moderator, der die Kinder interviewt und einer Autogramm-Stunde. Über zwei Stunden vor Ankick herrscht also schon reger Betrieb am Stadionvorplatz, die Kinderaugen strahlen. Nicht erwünscht sind jedoch Kinder, die das „falsche“ Trikot tragen; muss nicht sein. Darf eigentlich nicht sein.

 

Was hat es nun mit diesem „Bullidikiz“ auf sich? Im Jahr 2010 wurde der „Bullidikiz“-Club gegründet, der ausschließlich Kindern bis zum vollendeten 14. Lebensjahr den Beitritt kostenlos ermöglicht. Die Mitglieder erhalten zahlreiche Vorteile.

Doch auch im Stadion ließ der positive Eindruck im Umgang mit den jungen Fans nicht nach. Zur Ehrung des bereits 8000. (!) Bullidikidz-Mitglieds, ein 8-jähriges Mädchen, gab es ein ganz besonderes Geschenk. Die junge Fußballbegeisterte wurde von einem Salzburg-Spieler höchstpersönlich zu Hause abgeholt und ins Stadion kutschiert, um dort mit einer Torte geehrt zu werden. Zusätzlich hatte sie nebenbei auch noch das Vergnügen, den Ehrenankick zum Schlager-Spiel machen zu dürfen. Diesen Tag wird das Mädchen wohl nie vergessen. 

Apropos vergessen: Immer stärker machte sich das Gefühl breit, dass der Kinder- bzw. Familienservice in Graz im Gegensatz zu jenem in Salzburg schlicht und einfach zum Vergessen ist. Die zu allen heiligen Zeiten aufgebaute Torschusswand am Stadionvorplatz der Merkur-Arena, die bei Regen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fällt, ist auch schon das höchste der Gefühle in Liebenau, wenn es um das Kinderentertainment geht. Der Familiensektor ist zwar gut gemeint, bietet ein rauchfreies, aber nicht ansatzweise unvergessliches Erlebnis für die schwarz-weißen Kids. In diesem Bereich ist man traurigerweise weiter von den Bullen entfernt als auf sportlicher Ebene und das stößt beim Autor auf großes Unverständnis. Bei dem Fan-Potential, über das der SK Sturm Graz nach wie vor verfügt, ist das Angebot für die Kleinen indiskutabel schwach. Warum hierfür kein Geld in die Hand genommen wird, um sowohl kurz- als auch langfristig mehr Zuschauer in das Stadion zu locken, bleibt ein Rätsel. Und hier zählt das Argument des viel größeren Budgets Salzburgs nicht, denn wenn es dankbare Kunden gibt, dann sind das Kinder. Es wäre vermessen, ein Kinder-Areal, das jenem in Salzburg entspricht, auch in Graz zu fordern, aber oft sind es schon kleine Adaptionen und Innovationen, die Großes bewirken können. Kinderschminken in Schwarz-weiß, eine schwarz-weiße Hüpfburg, Ballspiele, Autogrammstunden, ein schwarz-weißer Clown, der Luftballons in den Klubfarben verteilt, Schulbesuche der Kampfmannschaft oder was auch immer. Diesbezüglich sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt und es gibt definitiv kostengünstige Varianten, hier eine deutliche Verbesserung zu erzielen.

Ein Umdenken in dieser Thematik wäre zum einen wichtig für die Gegenwart, da des Kindes Wunsch nach einem Stadionbesuch im Regelfall auch begleitende Eltern bedeutet und – in weiterer Folge – zudem der Verkauf von Merchandising erheblich angekurbelt werden könnte. Zum anderen sind es ja auf lange Sicht genau diese Kinder, die die Mannschaft dann in einigen Jahren von der Kurve aus zum Sieg peitschen und auch die wohl weiter steigenden Ticketpreise für einen Kick der Österreichischen Bundesliga bezahlen sollen – dementsprechend wird definitiv eine starke Bindung zum Verein und schwarz-weißes Herzblut notwendig sein. Dieses muss bereits im Kindesalter entwickelt werden.

In dieser Thematik gehen die Meinungen vielleicht auseinander, da nicht jeder Befürworter des Fußballs als Event ist, jedoch muss man einfach akzeptieren, dass wir im Jahr 2017 angekommen sind, in dem ein Fußballmatch der tipico Bundesliga alleine zu wenig ist, um große Massen ins Stadion zu locken. Es braucht mittlerweile professionelles Fußball-Marketing und damit ist nicht gemeint, dass ein ganzer Fußballclub zu einem Marketing-Objekt für ein Kracherl-Unternehmen werden soll, sondern vielmehr, dass sich ein Klub selbst so gut wie möglich vermarkten muss.

Die Aufgabe des Marketings ist es, die Bedürfnisse der Kunden zu erkennen und zu befriedigen. Dies ist den Salzburger Verantwortlichen im Bezug auf die Kinder außerordentlich gut gelungen. Nicht mehr und nicht weniger.

3 Kommentare

  1. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Mir wäre lieber es würde mal ne richtige Akademie hingestellt werden um die Jugend top auzubilden. Klar ist das Erlebins Spieltag ausbaufähig, ist aber das Stadion schon immer…

    Die meisten Zuschauer bringt einfach der sportliche Erfolg. Rutschen wir einmal in ne EL Gruppenphase und spielen gegen Liverpool, Manu, Dortmund etc. ist die Hütte restlos voll…

    Behaupte wären wir Serien Double Sieger hätten wir auch nen „beachtlich“ größeren Zuschauerschnitt.

    Stadiontechnisch sind wir Meilen hinter Wien und Salzburg und das trübt halt das Erlebnis „Sturmspiel“. Mit nem modernen Stadion würden auch mehr Fans angelockt…aber andere Baustelle…

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  2. graz4ever sagt:

    Mir kommt scho länger vor, daß der Sturm-Stadionbesucher für den Verein nichts anderes ist, als Geldscheine auf 2 Beinen, die gefälligst jeden Preis zu zahlen haben, um 90min 14 (11+3) vom Verein zur Verfügung gestellte, den Preis mindestens werthafte Personen bewundern zu dürfen… „und das muss dann ja wohl a bitteschön reichen“ kommts mir leider vor..

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  3. RAM6I sagt:

    Eines kann man Red Bull einfach nicht Absprechen und das ist ihre Marketing-Schmiede. Die haben in Punkto Kunden/Fan- Betreuung einfach die Mittel und das Können.

    Doch selbst mit weniger Budget kann man viel bewirken, wenn man will/kann.(wie oben angemerkt)

    So ne Idee wäre eben, leider auch wie oben Geburtstags Überraschungen.

    Oder unter Mitgliedern jährliche Verlosung um beim Training mitten drin sein zu dürfen.

    Oder einen Tag aus der Sicht des Sportdirektors, Spieler, Trainer, etc…

    Hauptgewinn.. Man darf mit ins Camp selbst bei einem Testspiel ist man dabei.

    Einfach Momente schaffen die ewig binden und nie vergessen lassen.

     

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