Bittere Pille zum Auftakt

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. FC Salzburg

Schon als man am Freitagabend den Stadionvorplatz betrat, wusste man: Es ist etwas anders. Endlich wieder Leute, gewandet in Schwarz und Weiß. Da ein Fangesang, dort lautes Gelächter, Bier und gute Laune. Wo man vor wenigen Wochen wahrscheinlich nur wegen der eingeschalteten Flutlichtanlage ein stattfindendes Fußballspiel erahnen konnte, vibrierte das Leben endlich wieder. Wie passend, dass mit dem zu erwartenden Kracher auch wieder die in Graz übliche Kulisse zurückkehren konnte. Wir brannten! Alle. Der SK Sturm Graz empfing zum Auftakt der Bundesligasaison 2021/2022 den Titelverteidiger Salzburg. Genau jenen Gegner, gegen den Schwoazn im Grunddurchgang der vergangenen Spielzeuit gleich zweimal triumphierten.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Herzhafter Beginn

Beide Mannschaften legten von Beginn weg einiges an Herz und Leidenschaft in diese Partie. Die Schwoazen kamen schon in der dritten Minute einigermaßen gefährlich in den Strafraum der Gegner. Kelvin Yeboah ergatterte den Ball nach einem Fehler der Salzburger, konnte damit recht nahe ans gegnerische Tor herankommen, wurde aber gestoppt. Nur kurz darauf verfehlte Karim Adeyemi sein Ziel auf der anderen Seite nur sehr knapp. In der neunten Minute kamen dann die Hausherren zu ihrem ersten Abschluss. Nach einem Rückpass der Salzburger konnte Jakob Jantscher den gegnerischen Torhüter ausreichend unter Druck setzen, sodass dieser den Ball mit seinem Abschlag genau vor die Füße Stefan Hierländers bugsierte. Der Kapitän zog aus gut dreißig Metern sofort ab, Nico Mantl konnte den Ball aber halten. Nur kurz darauf tauchte erneut Adeyemi im Grazer Strafraum auf, verfehlte sein Ziel jedoch ein weiteres Mal.

VAR-Einstand

Plötzlich ein Torjubel gleich einer Talsperrensprengung! Stefan Hierländer eroberte den Ball im Mittelfeld, rannte die linke Seite runter Richtung Grundlinie, dort flankte er zur Mitte, wo Andreas Ulmer den Ball ins eigene Tor schoss. JUBEL! Doch halt! Zum ersten Mal musste der VAR zu Rate gezogen werden. Bange Sekunden. Es sah tatsächlich ein bisserl nach Abseits aus. DANN: TOOOOOOOOOOOOOOR! Liebenau explodierte ein weiteres Mal! Der erste zählbare Treffer der Saison war ein Eigentor, der Schütze nicht zu beneiden. Nur kurz nach Anerkennung des neuen Spielstandes warteten die Gäste schon mit der nächsten gefährlichen Aktion auf. Wieder ein schneller Lauf Adeyemis, dann Benjamin Šeškos Kopfball an die Latte. Glück für Sturm! Direkt im Gegenzug, wir schrieben die 14. Minute, scheiterte Kelvin Yeboah nach seinem Sprint an Nico Mantl. Kurz darauf dann wieder Adeyemi auf der Gegenseite! WHAT A GAME! Die Salzburger machten nun Druck. Immer wieder einmal ein abgeblockter Schuss, eine schnelle Kombination. Wir kamen mit dem Schreiben nicht mit! Sturm versuchte, die Räume, die die Salzburger hinten offen ließen, zu nutzen und kam immer wieder über Jakob Jantscher oder Andi Kuen schnell nach vorne. Gefährlicher aber waren die Gäste aus der Mozartstadt, die dem Spiel ihren Stempel aufdrückten.

Der 12. Mann wirkt

Mittlerweile vergaben sie sogar Chance um Chance. Der Ausgleich lag in der Luft. Viel zu schnell überbrückten sie das Mittelfeld des SK Sturm, hauptverantwortlich dafür Zlatko Junuzovic, der die Verteidigung der Hausherren mit seinen Pässen immer wieder ordentlich forderte. Kaum einmal konnte für Entlastung gesorgt werden. Eine Situation, in der ein lautstarker 12. Mann von ungeheurem Wert ist. Die Kurve stand ihrer Mannschaft bei! Und nach einer halben Stunde Spielzeit fanden die Gastgeber dann auch wieder etwas zurück ins Spiel. Wichtig zu diesem Zeitpunkt! Die erste langandauernde „Angriffswelle“ der Salzburger war überstanden. Nichtsdestotrotz taten sich die Blackys schwer, Chancen zu kreieren. Das gelang den Salzburgern immer noch leichter besser. Nicolás Capaldo prüfte den standhaften Jörg Siebenhandel in der 37. Minute nach einem Corner mit einem scharfen Kopfball. Der Grazer Keeper ließ aber nichts anbrennen und faustete den Ball weg. Sturm blieb weitestgehend hinten und hatte einiges damit zu tun, die Salzburger nicht mehr so gefährlich vor das Tor kommen zu lassen. Nach langen vier Minuten Nachspielzeit schließlich konnte man erstmals seit Ankick wieder etwas aufatmen.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Schonfrist

Ein Kopfball von Šeško markierte den ersten Höhepunkt in der zweiten Halbzeit. Fordern konnte er Siebenhandl damit allerdings nicht, denn den Kasten verfehlte er doch um einiges. Startete der erste Durchgang furios, so ging es im zweiten zunächst etwas gemächlicher zu. Mit einem zu schwachen Distanzschuss vermochten die Salzburger Sturms Schlussmann ebenfalls nicht zu überwinden. Dann ein heftiges Raunen der Menge: Jon Gorenc Stankovic zog in der 56. Minute einfach einmal aus gut dreißig Metern ab und setzte den Ball an die Querlatte. In der 62. Minute brannte es dann im Strafraum der Grazer. Ein schneller Pass in die Mitte, ein direkter Abschluss durch Brenden Aaronson und das Spielgerät machte abermals mit Aluminium Bekanntschaft. Hektik pur! Zum Glück konnte David Affengruber am Ende klären! Praktisch im Gegenzug ein Konter des SK Sturm. Wieder kam Jantscher mit viel Speed nach vorne, dort suchte er den heranstürmenden Kelvin Yeboah mittels Heber. Dieser verfehlte den Ball jedoch knapp.

Ausgleich

Mit einer Dreifachchance lieferten die Salzburger dann in der 64. Minute wieder einige Schreckmomente: Freistoß, der Ball wird abgeblockt, Luka Sucic, zuvor für den glücklosen Capaldo ins Spiel gebracht, daraufhin gleich zweimal mit dem abgeblockten Abschluss aus der Distanz. Dann setzte Solet den Ball neben das Tor. Aufatmen! Die Kurve schleuderte indes ihren bekannten Sturm-Klatscher in die laue Abendluft! Diesen brachte Adeyemi mit seinem Ausgleich allerdings kurz zum Stocken. Ein schneller Gegenzug über Salzburgs rechte Seite brachte die Sturm-Abwehr in Bedrängnis, Adeyemi ließ Siebenhandl schließlich keine Chance. Jetzt war Sturm gefragt, wieder Initiative zu ergreifen. Ein schwieriges Unterfangen. Nach einem Eckball näherte sich Yeboah in der 73. Minute der neuerlichen Führung an. Sein Kopfball ging schließlich über das Tor. Rasmus Kristensen sorgte dann nur wenig später erstmals für richtig lange Gesichter im Stadion, denn er erzielte per Kopf das 2:1 aus Sicht der Gäste.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Alles verloren

Sturm nun unter Schock! Die Steirer starteten nur noch kaum nennenswerte Offensivaktionen – von einem Stankovic-Fallrückzieher in der Nachspielzeit einmal abgesehen – und ließen so auch keine Hoffnung mehr aufkeimen. Karim Adeyemi setzte in der 86. Minute mit einem satten Distanzschuss, der im unteren kurzen Eck landete, schließlich den Schlusspunkt. Damit musste der SK Sturm zum Auftakt eine bittere Niederlage hinnehmen.

Spieldaten


 Galerie

 

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16 Kommentare

  1. ChrisAluani sagt:

    Kleine Anmerkung: Der Eigentorschütze war Andi Ulmer, nicht Sesko (wie im Bericht) und auch nicht Kristensen (wie in den Facts) 😉

  2. elceezed sagt:

    Wer heute wegen dem natch an sich ins stadion gekommen ist, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen.
    Die stimmung war von 1h vor ankick bis lange nach dem Schlusspfiff wahnsinnig geil, das wollten wir heute erleben.
    Das Ergebnis war für mich von vornherein nur nebensächlich

  3. Schworza99 sagt:

    Gute Partie gespielt. RB hat uns mit 3 schönen Toren gekillt. Offensiv sind wir wenig schlagkräftig, defensiv wars heute sehr ruppig. Wüthrich hätte nicht spielen dürfen. Denn hat man es sehr angemerkt nicht fit zu sein. Warum Ilzer hier riskiert trotz Geyrhofer in der Hinterhand ist mir ein Rätsel. Somit war der Abwehrchef das schwächste Glied der Mannschaft. Yeboah wichtig aber ohne viel Raum. Jamtscher und Oti unsichtbar. Dante auch verbesserungswürdig. Dennoch lange gut mitgehalten. Der neue Stürmer wird nötig sein und der kommende neue IV lässt mich böses erahnen wenn es um die Fragilität der IVs geht.

    Im Großen und Ganzen aber kein Gradmesser. Ein 4m Ademyi wird uns in der Liga nur bei RB begegnen. Die kommen in der Liga erst und auch das EL-Play-off wird die Richtung weisen. EL ist eine Stufe unter Salzbrug und ConL sogar zwei. Dort können wir was reißen.

    Geile Stimmung. Selbst der VAR Moment hat mir irgendwie getaugt.

    Mund abputzen und weiter arbeiten. Es gibt noch viel Arbeit aber so kann man schon verlieren.

  4. Moe sagt:

    Ich find man hat den Qualitätsunterschied schon gesehen, aber ich wüsste nicht gegen wen wir sonst verlieren sollten wenn wir so spielen… ich bin einfach begeistert von dem teamspirit und der Einsatzbereitschaft!
    Stimmmung traumhaft, da kann man stolz sein! So gefeiert zu werden nach einer Niederlage, das haben nicht viele erlebt die bei uns sowas nicht nicht erlebt haben!

  5. Bozo Bakota sagt:

    Guter Spielbericht! – Es waren dann aber doch einige Minuten, und nicht nur „bange Sekunden“, um auf die endgültige Entscheidung des VAR warten zu müssen… 😉 – Die erste Entscheidung eines Videoschiedsrichters in der Geschichte der österreichischen Fussballiga, – ein Paradebeispiel bezüglich des emotionalen Unterbruchs. Bei aller Gerechtigkeit. Zuerst der grosse Jubel, dann das Warten, und dann nochmal Jubeln. Gestern konnte man in der Zwischenzeit getrost ein Getränk holen gehen, oder die Toilette aufsuchen. Je nachdem…

    • black_aficionado sagt:

      Nachdem man gestern in der Kurve ca eine Stunde beim Bier holen angestanden is, nein, das konnte man nicht… 😛

    • Bernhard Pukl sagt:

      Ja, das stimmt natürlich! Aber ich lasse das jetzt einmal so stehen. So quasi mit leicht sarkastischem Unterton! 😉

  6. black_aficionado sagt:

    Beherzter Auftritt gegen den nächsten, alten Meister. So stark hab ich die Bullen in Runde 1 selten gesehen. Wenn man bedenkt wer bei Ihnen da aller gegangen is, ein Wahnsinn…
    Sei es drum, wir werden mit der Truppe viel Spaß haben! Ein paar negative Ausreißer waren gestern halt leider dabei, aber auch ein JJ oder ein Dante bekommen gegen andere Gegner mehr Zeit und Raum und können dann ins Spiel finden. Immer müssen wir glücklicherweise nicht gegen CL Teams ran, das is einfach (noch) eine Nummer zu groß…
    Schade drum vor allem weil die Stimmung natürlich sensationell war, aber das wird in den nächsten Runden schon noch belohnt werden 🙂

  7. Ennstaler sagt:

    Manchmal scheint Ilzer zu ängstlich und zu „konservativ“ zu sein, vertraut auf Altbewährtes (Wüthrich, Kite) und hat zu wenig Mut für neue Lösungen (Sarkaria).

    • Schworza99 sagt:

      Er hat ja gesagt er rotiert wenig aber einen angeschlagenen Wüthrich gegen 2 U20 Stürmer aufzustellen ist halt schon sehr Risiko fixiert. Die sind ihm um die Ohren gelaufen und seine Körpersprache war eh klar „Scheiße bin ich hin“.

      Jantscher in Ehren aber ohne Yeboah der Räume schafft hätte der Jantscher ab Minute 1 heimgehen können. Das Kopfballtor der Bullen hat ja klar gezeigt dass das die athletisch Welten überlegen sind. 90% reichen gegen Admira etc. aber nicht für die Bullen.

  8. flo1909 sagt:

    War gestern mit Ilzer nicht glücklich – denke wenn du führst und im Mittelfeld keinen Zugriff hast musst du spätestens in der Halbzeit reagieren und einen ZM für einen ST bringen!!

  9. bianco nero tifoso sagt:

    Ergebnis gegen die Bullen ist sekundär, der gestrige Abend war einfach nur legendär und geht in die Sturmgeschichte ein.

  10. Melvinuss sagt:

    Meine schwarz-weisse Gefühlswelt ist nach dem gestrigen Abend sehr zwiegespalten:

    -> mit großer Vorfreude und hochemotional endlich wieder im Stadion
    -> die tolle, durchwegs positive und stimmungsvolle Atmosphäre im Stadion, speziell wegen der Nord
    -> zufrieden über eine kämpferisch, läuferisch und von der Einstellung und dem Siegeswillen her hervorragende Mannschaft
    -> enttäuscht, dass sich meine Hoffnung, dass wir die nochmals verjüngten und noch nicht so eingespielten Bullen mit einer im Gegensatz dazu relativ eingespielten Mannschaft mehr fordern, wenn nicht vielleicht sogar „erwischen“ können. Vor allem spielerisch hatte ich mir ehrlich gesagt mehr erwartet
    -> frustriert von der Erkenntnis, dass es auch heuer nicht mal den Ansatz von Spannung geben wird (zumindest was den Meistertitel angeht), wenn Salzburg die gestrige Form auch nur halbwegs über die restliche Saison bringt, denn dann werden sie in der Liga wie gehabt alles zerschießen

    Natürlich wird Salzburg dieses Niveau von gestern nicht 32 Spieltage durchhalten können, aber letztendlich wird es eben nur um Platz 2 abwärts geben. Wir waren gestern extrem bemüht, aber RB eben überall den Schritt schneller und hat letztendlich auch absolut verdient gewonnen.

    Ich hatte mir gestern irgendwie mehr erhofft, bin aber was unsere Mannschaft anbelangt dennoch positiv gestimmt. Spannend wird sicher werden, wie wir im Saisonverlauf die Doppelbelastung wegstecken, da müssen wir sicher noch im Kader breiter werden, vor allem mit entsprechender Qualität. Auf die Euro-Spiele freue ich mich auf jeden Fall schon riesig, ich denke schon, dass wir uns dieses Jahr besser präsentieren werden, als in den vergangenen Jahren.

    Ois für die Schwoazn!

  11. Mich wunderts das hier die Wechseltaktik von Ilzer fast nicht angesprochen wird.
    Spätestens nach dem 1 : 1 hätte er z.B. einen Sarkaria reingeben müssen da
    Kite definitiv noch nicht fit war (wie auch Wüthrich). Man hat ja gesehen was Sarkaria in den 10 min seines Einsatzes geleistet hat.
    Vorne waren die Dosen unschlagbar , hinten aber durchaus zu knacken.

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