Beim Veilchenpflücken leer ausgegangen

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. FK Austria Wien

Bei hervorragendem Fußballwetter empfing der SK Sturm am Samstag zum Auftakt der 29. Runde zuhause die Wiener Austria und das dann doch vor einer für österreichische Verhältnisse beachtlichen Kulisse von 11.318 Zuseherinnen und Zusehern. Letztlich dürften sich doch einige kurzerhand dazu entschlossen haben, einen feinen Samstagnachmittag im Liebenauer Stadion zu verbringen, nachdem sich Günter Kreissl in einem Interview mit dem Kurier zunächst noch unter anderem auch über mangelnden Zuschauerzuspruch wunderte. Die Grazer spielen in Punkten gerechnet aktuell die beste Saison seit 20 Jahren, dennoch wurde der 10.000er-Schnitt vor allem gegen den WAC und Altach vor einigen Wochen doch zumindest etwas in Mitleidenschaft gezogen.

Schock zu Beginn

Wie schon oft in der Saison sollte Sturm in der ersten Viertelstunde einen Gegentreffer zu verdauen bekommen, vorher allerdings holte sich Deni Alar einen Ball nach mustergültigem Pressing von der Defensive der Veilchen, legte auf den in die Startelf vorgerückten Philipp Huspek ab und dieser prüfte mangels besserer Alternativen das Außennetz mit einem satten Schuss. Kurz darauf gelangt der Ball im Strafraum der Gastgeber zu Raphael Holzhauser und seinen ersten Schuss aus knapp sieben Metern vermochte Jörg Siebenhandel noch zu klären, seinen Kopfball nur wenige Sekunden später allerdings nicht mehr. Da hatte der Blondschopf mehr als genug Platz, um Salamons Flanke zu verarbeiten.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Come Back gefordert

Das Wiedererwachen, so zeigte es der bisherige Saisonverlauf, hat der SK Sturm in der Regel ganz gut drauf, dennoch taten sich Heiko Vogels Männer gegen jene Thomas Letschs, der seine Truppe offenbar sehr gut eingestellt hatte, nach diesem Rückschlag schwer, so richtig ins Spiel zu finden, nicht zuletzt sicher auch aufgrund des robusten Zweikampfverhaltens der Gäste. Immer wieder setzten sie gut nach und ließen Sturm so wenig Platz für ihr sonst giftiges Angriffsspiel. Dann aber wurden die Blackys zum ersten Mal richtig gefährlich: Thorsten Röcher eroberte in der 26. Minute weit im gegnerischen Strafraum den Ball, setzte Bright Edomwonyi mit seinem feinen Heber perfekt in Szene und der Stürmer hatte damit freie Bahn. Ein aufgeregtes Raunen untermalte die Szene, als er diesen haarscharf an der Stange vorbei ins Toraus rollte. Zehn Minuten später zeigte Holzhauser erneut, wie es besser geht. Nach Dario Maresic‘ Foul an der Seitenlinie des Grazer Sechzehners zirkelte er den Ball zum 2:0 für die Gäste ins Tor.

Ratlosigkeit

Fragende Gesichter auf Feld, Betreuerbank und im Publikum – der SK Sturm fand keine Möglichkeit, einer nun ernsthaft drohenden Pleite entgegenzuwirken. Zu viele Ballverluste und ausgelassene Passgelegenheiten machten es der Austria sehr leicht, dieses Spiel zu kontrollieren. Auch Standardsituationen brachten kaum Erwähnenswertes zu Tage: Nach einer Ecke scheitere Huspek aus kurzer Distanz, der Ball rollte weit am Tor vorbei und so ging es für den SK Sturm mit einem verdienten 0:2-Rückstand in die Kabine, wo Heiko Vogel Lavur und Handtuch für eine zünftige Kopfwäsche vorbereitete und außerdem die Einwechslung von Jakob Jantscher und Stefan Hierländer, die für die eher farblos agierenden Huspek und Schrammel ins Spiel kamen.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Kurz erhöhte Schlagzahl

Der Wiederbeginn stand auf Seiten der Grazer schon ganz im Zeichen der Schadensbegrenzung. In der 49. Minute prüfte Bright Edomwonyi Austria-Tormann Patrick Pentz nach guter Zulj-Vorarbeit mit seinem Volleyschuss zum ersten Mal richtig. Die darauffolgende Ecke brachte nichts ein. In der 55. war es Stefan Hierländer, der sein Glück aus der Distanz versuchte. Sturm ging nun mit deutlich mehr Esprit zugange und erarbeitete sich Chancen: Nach Jantscher-Ecke brachten Peter Zulj und Alar das Leder in der 58. nicht im Tor unter. Kurz darauf scheiterte Edomwonyi per Kopf an Pentz. Sturm wirkte jetzt bissiger, tat mehr für das Spiel und setzte sich, wohl auch aufgrund einer im Mittelfeld nun viel weniger aggressiv agierenden Austria, immer besser durch, Zählbares ließ allerdings weiter auf sich warten, weshalb die Zeit immer mehr zum zwölften Mann für die Veilchen mutierte. In der 70. Minute scheiterte Alar nach Jantscher-Flanke knapp am Torerfolg – dass dies aber kein Höhepunkt, sondern eher der Schlusstakt einer starken fünfundzwanzigminütigen Phase sein sollte, schmeckte nur der Austria samt Anhang. Danach passierte nichts mehr, was den verdienten Sieg der Wiener verhindern konnte, trotz Einwechslung von Emeka Friday Eze für James Jeggo. Damit endete die Siegesserie der Schwarz-Weißen ausgerechnet vor eigenem Publikum – sicher nicht gut für das Zuschauerinteresse in Graz.

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6 Kommentare

  1. Maldini sagt:

    Puh… Leider war eigentlich ab der 1.Minute klar, dass das Spiel verloren geht (fragwürdige Aufstellung, Körpersprache,…):

    Siebenhandl: beim 0:2 nicht schuldlos und auch im Spielaufbau nicht immer souverän.

    Koch: viele unnötige Abspielfehler.

    Spendlhofer: in der Abwehr noch der Beste, aber auch nicht immer sicher.

    Maresic: fand erst nach seinem Blackout vor dem 0:2 (das Foul davor eine Frechheit bzw. Dummheit ohne Ende) ins Spiel, in der zweiten Hälfte stark.

    Schrammel: eigentlich indiskutabel.

    Huspek: indiskutabel!

    Jeggo: bemüht – ist aber nicht als Komliment zu verstehen

    Zulj: einige Genieblitze, aber zumeist überheblich und am Rande der Roten Karte

    Röcher: von den Austrianern immer mit zwei Leuten zugestellt verlor er die Freude am Kicken und war letztlich auch ohne Highlight.

    Edomwonyi: zwar bemüht, gefährlich, beim Kopfball im Pech, aber auch selbstverschuldet unglücklich.

    Alar: nach zwei besseren Partien wieder eine Zumutung – 90 Minuten herumgetrabt und dann noch den größten Sitzer ausgelassen.

    Jantscher: bemüht, aber völlig ohne Durchschlagskraft.

    Hierländer: einziger Spieler, der in Sachen Laufbereitschaft und Zweikampfverhalten der Austria ebenbürtig war – ein Wahnsinn, dass er nicht von Beginn an im Spiel war!

     

     

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  2. Ennstaler sagt:

    Drei Corner – ein Elfer
    Wäre heute nach dieser Regel gespielt worden, wäre Sturm mit 4:2 vom Platz gegangen. Aber im Ernst: das Unvermögen von Sturm, aus Cornern zu einem Tor zu kommen, ist seit gefühlten 4 Saisonen eklatant. Nikola Vujadinovic und Roman Kienast in seinen besten Jahren waren noch richtige Kopfballungeheuer. Schoissengeyr hätte das Zeug dazu, doch der wird seine Kopfballtore in der nächsten Saison schon gegen Sturm erzielen.

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  3. Schworza99 Schworza99 sagt:

    War halt eine kollektiv schlechte Leistung. Aber wenn gefühlt 50% mit den Gedanken schon beim neuen Verein sind…

    Aber finde es schon witzig, wenn der Herr Vize-Captain Alar (welcher höchstwahrscheinlich eine GG Klausel hat) einen starken Kader für die neue Saison fordert…er sollte in der Kabine vielleicht mal nach links und rechts blicken, denn das Problem liegt nicht bei der (sportlichen) Führung des Vereins. Glaube kaum Nationalspieler Hierländer ist zweimal in Folge nicht in der Startelf aufgrund sportlicher Gründe (vorallem nicht bei den gezeigten Leistungen)…diese ganzen Vertragssituationen schaden dem Verein einfach.

    Warum nicht wie die Admira einfach den Spieler auf die Tribüne setzen wenn er nicht verlängern will oder um jeden Cent pokert. Gerade in der jetzigen Situation könnte man vielen Spielern einen Denkzettel verpassen, da Platz 2 abgesichert ist. Sagt der Spieler klar er wird seinen Vertrag erfüllen und bis dahin alles geben…volkommen ok, nur wie man sieht ist es nicht der Fall. Nur leider ist unsere Führung bis auf Kreissl und evtl. Teppich halt komplett unfähig (Jauk zu Hartberg in der UPC Arena: Eh gut das wer mitzahlt…).

    Man wundert sich wieso nicht mehr Leute ins Stadion kommen?

    Vielleicht weil man infrastrukturell immer weiter zurückfällt (Bsp. Linz) und trotzdem der Politik kein böses Wort entgegenstellt?

    Vielleicht weil die Spieler den Verein verarschen können wie sie wollen und ohne Kreissl die Zustände noch im GG Niveau wären mit Klauseln und Verträgen ala Schmidt.

    Vielleicht weil man keine Identifikationsfigur hat: Wenn die eigenen Jungen wie Maresic und Schmidt dem Verein schon den Rücken kehren, kann man vom Rest halt auch nicht viel mehr erwarten. Kaufst dir ein Trikot von Spieler X…spielt er nächste Saison bei Rapid oder RB…

    Vielleicht weil man die Hausmedien nur auf eine einzige Person eingeschworen hat und wenn die weg ist ist halt das Nationalteam interessanter als der olle Verein aus Graz, vorallem wenn der jetzige Trainer seine Aufstellung nicht veraten will.

    Wir sind fucking 2ter in der Bundesliga und spielen nächste Saison zu 90% CL Quali, bei halbwegs guten Leistungen evtl. EL-Gruppenphase. Trotzdem flüchten die Spieler ums große Geld zu machen (ein Hierländer bei RB wäre sicher fast verhungert) und die Fans können die gefühlte 842te Euphoriewelle halt nicht mitgehen, weil sie genau wissen wo der Verein steht wenn selbst ein Spieler wie Schoissi (geholt von Rapid2) um einen Vertrag pokert unter den jetzigen Voraussetzungen als würden wir von der 1. Klasse in die U18 absteigen.

     

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    • RedAlert sagt:

      „…spielen nächste Saison zu 90% CL Quali, bei halbwegs guten Leistungen evtl. EL-Gruppenphase…“

      Ich bitte dich, verfolgst du die Spiele in der CL/EL? Die EL Gruppenphase ist vom Niveau her weit über unsere Leistungen einzureihen. Jetzt heißts nur aufpassen, dass der 2. Platz nich an die Grünen geht…

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  4. HW sagt:

    Da gibt es nichts hinzuzufügen!! Sehr gut analysiert Schwoarza 99

    2+
  5. Ennstaler sagt:

    Da machen es die Linzer Farbenvetter Sturm nach und fügen den Bullen die zweite Niederlage zu – und Sturm ist wieder einmal nicht im Stande, das eklatante Übergewicht an Ballbesitz in Tore umzusetzen. Sonst wären die Bullen nur mehr 2 Punkte [ich gehe davon aus, dass Sturm das nächste Match gegen die Bullen gewinnt] vor Sturm gewesen und die Meisterschaft wäre bis zum Schluss spannend geblieben. So ist aber der Käse gegessen und Sturm hat alle Hände voll zu tun, nicht noch von Rapid überholt zu werden.
    Ein bißchen erinnert mich Sturm an Dominik Thiem, der nach 2,5 guten Turniern schon als die neue Nummer 1 hochgejubelt wird, ähnlich euphorisch war zuletzt die Stimmung um Sturm nach dem 5:1 gegen den Tabellenletzten.
    Vielleicht täte ein Mentalcoach, der den Sturm-Mannen dieses unbedingte Siegen-Wollen, das die Austrianer gezeigt haben, beibringt, der Mannschaft gut.

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