BALLESTERER: „Nigeria wird Weltmeister“

Interview mit Bright Edomwonyi und Emeka Friday Eze

Seit 1994 war Nigeria bei fast jeder WM dabei, und auf eins kann sich das Team dabei verlassen: Einer der Gruppengegner heißt Argentinien. Diesmal kommen noch Island und Kroatien dazu. Die Sturm-Stürmer Bright Edomwonyi und Emeka Eze über die Chancen ihrer Landsleute.

Interview: Christian Albrecht
Mitarbeit: Martin Schreiner
Fotos: David Marousek

Bright Edomwonyi und Emeka Eze haben zuletzt wichtige Tore für den SK Sturm erzielt, ins WM-Aufgebot Nigerias werden sie es dennoch nicht schaffen. Zu groß ist die Konkurrenz im Sturm mit Spielern wie Ahmed Musa, Alex Iwobi und Kelechi Iheanacho. Geht es nach Edomwonyi, soll sich das bald ändern, wie er im ballesterer-Doppelinterview im Sturm-Trainingszentrum sagt: „Wir arbeiten jeden Tag darauf hin und warten auf unsere Chance. Hoffentlich kommt sie bald.“

ballesterer: Nigeria ist nun zum sechsten Mal für die WM qualifiziert. Gibt es aus früheren Mannschaften einen Held Ihrer Jugend?

Emeka Eze: Ja, Jay-Jay Okocha.

Bright Edomwonyi: Okocha natürlich. Daneben war immer Dimitar Berbatow mein Vorbild. Meine Freunde zu Hause nennen mich heute noch „Berbatow“.

Wie hat Ihre Fußballerkarriere begonnen?

Edomwonyi: Mein Bruder hat bei der Pepsi Football Academy in Lagos gespielt. Ich bin mit meinem Vater immer zuschauen gegangen. Eines Tages habe ich ihm gesagt, dass ich mitspielen will. Er hat nur geantwortet: „Warum nicht?“ Über die Akademie des KVC Westerlo in Lagos bin ich 2011 nach Belgien gekommen. Von dort hat mich dann RB Salzburg verpflichtet.

Eze: Ich habe auf den Straßen von Lagos zu spielen begonnen, bis mich ein Trainer zu einem kleinen Team geholt hat. Als ich 14 war, habe ich dann etwas außerhalb der Stadt gespielt, beim FC Ebedei. Das ist die afrikanische Akademie des FC Midtjylland. Als ich mir dort den Arm gebrochen habe, bin ich wieder zurück nach Lagos gegangen, um mich versorgen zu lassen. Nach meiner Genesung habe ich die Möglichkeit bekommen, in Kamerun zu spielen. Dort habe ich mit 16 Jahren mein Profidebüt gegeben. Auch wenn das Niveau nicht so hoch war wie in Nigeria, war es ein guter Schritt für mich. Denn dort haben mich Scouts entdeckt, die mich zu Rovaniemi in Finnland geholt haben.

Wie fühlt es sich an, in so jungen Jahren von zu Hause weg zu sein, um im Ausland zu spielen?

Edomwonyi: Ich war acht Jahre alt, als ich das erste Mal zwei Monate weg war. Aber ich liebe den Fußball, er ist Teil von mir. Früher war die Kommunikation nach Nigeria sehr schwierig, mittlerweile ist das dank Skype nur mehr halb so schlimm.

Was vermissen Sie aus Ihrer Heimat?

Edomwonyi: Meine Familie. Sobald die Saison vorbei ist, besuche ich sie jedes Jahr.

Eze: Ich vermisse meine Familie auch sehr. Und die nigerianische Küche.

Derzeit spielen fast alle Teamspieler in Europa. Wie steht es um die Liga in Nigeria?

Edomwonyi: Im finanziellen Bereich macht sie bereits Fortschritte, aber infrastrukturell muss noch sehr viel getan werden. Wenn sich die Liga in diesem Bereich verbessern würde, würden viel weniger Spieler nach Europa gehen.

Stars des Nationalteams wie Kelechi Ihenacho und Alex Iwobi spielen in der Premier League. Wie stehen die Chancen, nominiert zu werden, wenn man in der Bundesliga spielt?

Eze: Im Nationalteam ist es egal, für welchen Verein du spielst.

Edomwonyi: Es geht nicht darum, ob du bei Arsenal oder Manchester City spielst. Sondern darum, deine Leistungen zu bringen, wenn du die Möglichkeit dazu bekommst. Aktuell hat Ihenacho seine Chance, das ist schön für ihn. Eines Tages bekommen vielleicht auch wir diese Chance. Unabhängig davon, ob wir Stars sind oder nicht.

In den letzten acht Jahren hat das Nationalteam zwölf Teamchefs verbraucht. Warum herrscht eine so hohe Fluktuation?

Edomwonyi: Ich denke, das ist überall ähnlich. Jedes Land wünscht sich ein erfolgreiches Nationalteam. Wenn du siehst, dass sich das Team nicht entsprechend entwickelt, musst du etwas ändern.

Manche Trainer haben dafür aber nur ein halbes Jahr Zeit bekommen.

Edomwonyi: Das war sicher ein Problem. Aber das kann nicht nur in Nigeria passieren, sondern in jedem Land. Gernot Rohr ist nun schon seit 2016 im Amt. Er hat genügend Zeit gehabt, um sich neue Spieler anzuschauen. Mit ihm haben wir zum ersten Mal einen Teamchef, der auch jungen Spielern eine Chance gibt und nicht nur an den Alten festhält.

Ist es ein Vorteil, einen Trainer aus Europa zu haben?

Edomwonyi: Die nigerianischen Trainer sind nicht schlecht. Europäer haben aber ihre eigene Mentalität. Ich glaube, die tut uns gut. Trainer aus Europa haben außerdem einen einfacheren Zugang, um Spieler in europäischen Ligen zu scouten.

Wer sind derzeit die wichtigsten Spieler im Nationalteam?

Eze: Victor Moses von Chelsea.

Edomwonyi: Und John-Obi Mikel, obwohl er mittlerweile in China spielt.

Und welche Spieler sollten unbedingt im Nationalteam spielen?

Edomwonyi: Eze!

Eze: Bright!

Noch sind Sie nicht im Kader. Wie wird sich das Team ohne Sie schlagen? Übersteht Nigeria die Gruppenphase?

Edomwonyi: Es sind sehr gute Spieler dabei. Sie haben sicher die Chance, die Gruppenphase zu überstehen.

Wie weit werden sie kommen?

Eze: Bis ins Finale.

Glauben Sie, dass ein afrikanisches Team in den nächsten 20 Jahren einmal Weltmeister wird?

Edomwonyi: Warum nicht? Ghana war 2010 schon nahe dran.

Eze: Nigeria gewinnt heuer die WM.

Werden Sie die WM gemeinsam verfolgen?

Edomwonyi: Das kann ich jetzt noch nicht sagen.

Eze: Warum? Willst du mir damit irgendetwas sagen? Ich komme zu dir nach Hause, wir schauen uns die Spiele gemeinsam an und unterstützen unser Heimatland.

Bright Edomwonyi (23) und Emeka Eze (21) spielen im Angriff des SK Sturm. Der frühere U20-Teamspieler Edomwonyi war unter anderem schon für RB Salzburg, Liefering, Wacker Innsbruck und Hartberg tätig, derzeit ist er von Caykur Rizespor ausgeliehen. Eze kam zu Saisonbeginn vom finnischen Erstligisten Rovaniemi PS zu den Grazern.

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung von Ballesterer, dem österreichischen Fußballmagazin. Die aktuelle Ausgabe (#132) behandelt die WM 2018 in Russland, neben Beiträgen zu den teilnehmenden Nationen wie Nigeria findet ihr auch noch folgende Artikel zum Gastgeberland:

  • Zu Gast beim Autokraten
  • Keine Regenbogenfamilie
  • Verschriebene Substanzen
  • Schlagkräftige Staatsfeinde
  • Land & Karte
  • Wenn Redakteure reisen
  • Kunst und Kultur
  • Stadtrundgang Moskau
  • Sehenswürdigkeiten
  • Das Städte-ABC

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7 Kommentare

  1. Manuel Lampl sagt:

    Wenn beide bei uns bleiben werden sie bald für Nigeria auflaufen.

    0
    • RAM6I sagt:

      Wahnsinn…Austria wird zur zweiten Kampfmannschaft des SK Sturm in der Bundesliga…

      Madl, Schoissi, Matic, vll. Jeggo und Monschein an dem wir ja dran waren….

      Tja, so viel zu den Aussagen…in Österreich nur Sturm…beim Geld schalten Verstand und Versprechen aus.

      3+
  2. IMan IMan sagt:

    Bin sehr enttäuscht von Matic! Zur Austria??

    3+
  3. schmitz sagt:

    Uros Matic zur Austria

    0
  4. Patrik sagt:

    Matic: es gibt nur Sturm bzw ich kehre zurück Sturm zurück

    Blabla

    Statt international lieber 7.

    Wenn jeggo auch zur Austria geht dann werden halt 2 ehemalige Grazer auf die nase fallen!

    Der Spirit und ein Teamgefüge versetzt Berge (hat man bei uns diese Saison gesehen) und nicht das liebe geld

    Aber egal da Madl is eh da gleiche

    Bitte in der nächsten Saison schlagkräftig bleiben und die Austria an die Wand spielen

    0

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