Aus der Traum

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. RB Salzburg 0:4 (0:1)

Für den SK Sturm Graz stand am Mittwochabend die zweite Begegnung gegen RB Salzburg innerhalb von nur vier Tagen auf dem Programm. Am Sonntag hatten sich die Blackys in einem hochemotionalen Spiel gegen die Mozartstädter mit 2:1 behauptet, das Duell rund 100 Stunden später hatte im Vorfeld sogar für noch mehr Knistern gesorgt. Schließlich ging es für beide Mannschaften um den Einzug in das ÖFB-Cup-Finale, Salzburg strebte nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge wieder einen Sieg gegen die Grazer an. „Der Bulle wird sicher ‚on fire‘ sein, aber wir genauso. Es ist für uns ein Riesenspiel, wir wollen unbedingt ins Finale“, wusste Sturm-Coach Christian Ilzer um die Bedeutung der Halbfinalpartie.

Daher setzten beide Trainer auf ihre nominell stärkste Mannschaft. Bei Sturm kehrte Jörg Siebenhandl ins Tor zurück, zudem ersetzte Jon Gorenc Stankovic im defensiven Mittelfeld Lukas Jäger. Ansonsten vertraute Ilzer jener Mannschaft, die am Wochenende für Furore gesorgt hatte. Sein Gegenüber Jesse Marsch rotierte hingegen gleich fünfmal: Andreas Ulmer, Maximilian Wöber, Zlatko Junuzovic, Enock Mwepu und Patson Daka standen im Gegensatz zu Sonntag allesamt in der Startelf.

Sturm startet engagiert

Pünktlich um 21:05 pfiff Schiedsrichter Julian Weinberger die Begegnung im Klagenfurter Wörthersee Stadion an. In der zweiten Minute klopften die Salzburger in Person von Brenden Russell Aaronson zum ersten Mal an, der Schuss des US-Amerikaners wurde aber geblockt. Abgesehen von dieser Möglichkeit erwischten die Blackys jedoch einen guten Start und zeigten sich – ohne wirklich zwingend zu werden – von Sekunde eins weg giftig und aktiv. Nach elf Minuten näherte sich Jakob Jantscher per Freistoß an, der Versuch ging letztlich doch weit über das Tor. Danach blieb Sturm die spielbestimmende Mannschaft, Chancen sollten trotz der leichten Feldüberlegenheit bis zur 25. Minute jedoch keine herausspringen.

(c) SturmNetz

Insgesamt hatte die Partie nach einer schwungvollen Anfangsphase an Tempo verloren. Sowohl Sturm als auch Salzburg suchten nach einem passenden Rezept, um die gegnerische Defensivreihe zu knacken. Beinahe wäre dies den Bullen in der 29. Minute auch gelungen, David Nemeth spritzte aber gerade noch rechtzeitig in einen Schuss von Mergim Berisha. Auf der Gegenseite setzte Gorenc Stankovic einen Kopfball nach 33 Minuten über den Kasten. Diese Halbchance sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Salzburger mittlerweile das bessere Team waren – und das sollte sich in der 36. Minute auch auf der Anzeigetafel niederschlagen: Nach einer Ecke von Junuzovic stieg Mwepu am höchsten und nickte zur 1:0-Führung ein. Anschließend drückten die Gäste vor der Pause auf einen noch höheren Vorsprung, dieser war den Mozartstädtern trotz einiger Halbchancen und einer großen Kontermöglichkeit in der Nachspielzeit aber nicht mehr vergönnt.

Abseitstor bricht Sturm das Genick

In der Halbzeitpause sah sich Ilzer dazu veranlasst, Jusuf Gazibegovic für den gelb-rot gefährdeten Sandro Ingolitsch in das Spiel zu bringen. Der Serienmeister blieb aber nach wie vor das spielbestimmende Team und belohnte sich – wenn auch regelwidrig – für seinen Aufwand. In der 54. Minute war es wieder Mwepu, der nach einem Freistoß von Junuzovic zum 2:0 für die Gäste einköpfte. Wie weitere drei Salzburg-Spieler startete der Mann aus Sambia klar aus dem Abseits, die Pfeife von Weinberger blieb aber stumm. Beinahe hätte Sturm Sekunden später für den Anschlusstreffer gesorgt, Cican Stankovic zauberte einen sehenswerten Kopfball von Gregory Wüthrich jedoch irgendwie aus dem Eck. Kurz darauf musste der angeschlagene Schweizer für Niklas Geyrhofer Platz machen.

(c) SturmNetz

In der 67. Minute reagierte Ilzer noch einmal: Kevin Friesenbichler ersetzte den glücklosen Ivan Ljubic und brachte somit noch mehr Offensivpower. Sturm versuchte alles, der finale Pass vermochte den Steirern aber nicht zu gelingen. Salzburg beschränkte sich in dieser Phase auf das Kontern und sollte mit dieser Taktik Recht behalten: Nach einem schnellen Gegenstoß versenkte Berisha das Leder nach 71 Minuten aus spitzem Winkel über Siebenhandl hinweg im Netz – die Entscheidung. Aaronson sorgte sieben Minuten darauf nach Zuspiel des eingewechselten Karim Adeyemi noch für das 4:0. Dem vierten Verlusttreffer war ein Ballverlust des an diesem Abend äußerst glücklosen Amadou Dante vorausgegangen.

Es sollte der Schlusspunkt einer aus schwarz-weißer Sicht äußerst enttäuschenden Cup-Nacht sein. Nach gutem Start verlor Sturm gegen Mitte der ersten Hälfte völlig den Faden und vermochte diesen bis zum Schluss auch nicht mehr zu finden. Dass dem vorentscheidenden 2:0 eine klare Abseitsposition vorausging, sorgt zweifellos für einen bitteren Beigeschmack, dennoch geht der Sieg von RB Salzburg im Großen und Ganzen in Ordnung.  Für Sturm ist der Traum vom sechsten Cup-Titel der Vereinshistorie somit ausgeträumt, Salzburg trifft im Finale auf den LASK.

Spieldaten

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18 Kommentare

  1. Schworza99 sagt:

    Scheiß Spielverlauf. Aber bis zum 2:0 gut mitgehalten.

    So oder so: den VAR kann man schon jetzt zum Ehrenpräsidenten ernennen.

  2. Supersturm sagt:

    Und bei jedem Spiel grüßt das Murmeltier…

    „Bitterer Beigeschmack“ beim 0:2 ist sehr höflich ausgedrückt
    – abgesehen vom Abseits hätte Junuzovic den Freistoß gar nicht treten dürfen (wie im ORF in Großaufnahme klar ersichtlich, hatte er eine blutende Wunde am Knie und die Blutung hätte zuerst gestillt werden müssen..)

    – Ulmer hätte nach ca. 10 Minuten für ein Trikotvergehen gelb sehen müssen, im Gegenzug erhält Ingolitsch für sein Foul im Mittelfeld sofort gelb -> 2 Außenverteidiger, mit dem Unterschied, dass der eine weiterhin auf alles hintreten kann, was sich bewegt und der andere bei jedem Zweikampf vorsichtig sein muss..
    Man könnte bei genauem Hinsehen die Liste der „kleinen Fehlentscheidungen“ um einiges verlängern, bringt aber leider nix..
    Und die Tatsache, dass der letzte für Sturm gepfiffene Elfmeter vom 15.12.2019 (!) datiert, sagt eh alles..

  3. rio sagt:

    Leider, weder Spielverlauf, noch eine „Mithilfe“ der Salzburger sorgten für die Überraschung. Diesmal waren die Bullen „hinten“ einfach besser organisiert und fehlerfrei und wir hatten eben unnötige Aussetzer. Das 1:0 darf so nie passieren, das 2:0 kann ein ordentlicher Linienrichter durchaus als Abseits leicht erkennen und den anschließenden Kopfball von Wüthrich hat auch nicht jeder Tormann. Komisches Spiel: obwohl wir eigentlich chancenlos waren, mit Glück hätte es auch anders laufen können. So braucht man nicht diskutieren, Salzburg klar und verdient im Finale (Dafür werden wir nächste Saison Meister!).

  4. Goe sagt:

    Aufstehen, Mund abputzen und weitermachen! Der Weg und die Einstellung aller stimmt! Ich bin stolz, gerade nach so einem Spiel! Aber:

    Auch VAR wird das Problem nicht lösen, denn beim nicht gegebenen Abseits vorm 0:2 braucht man keinen VAR…da sieht man wie schlecht (anders kann ich es leider bei allem gebührenden Respekt nicht sagen!) die Schiedsrichter in Ö durch die Bank sind! Schaut’s Euch die Partie Kiel gegen RW Essen von gestern an…das bringt alles nix wenn der im Kammerl dann subjektiv falsch entscheidet! So eklatant subjektiv falsch! Ein Wahnsinn!

    Schneckerl hat es richtig gesagt: so eine Aktion bricht Dich als Sportler und gibt eine entscheidende Wendung…ich kann das gut verstehen, kann unseren wirklich keinen Vorwurf machen!

    • Supersturm sagt:

      Noch schlimmer die Aktion des VAR in Kopenhagen: der Schiedsrichter beendet die Partie beim Stand von 3:2 – einige jubeln, einige ärgern sich über die Niederlage – da greift der VAR ein, und teilt dem Schiri mit, dass es vor Abpfiff eine Elfersituation gegeben hätte..

      Der Schiri schaut sich die Aktion an – und gibt nach Schlusspfiff (!) den Elfer, der zum 3:3 führt…
      Ist das der Sinn des VAR???

    • Goe sagt:

      Genau, aber ich will ja nicht immer nur jammern…ist ein bissl meinen österreichischen Wurzeln geschuldet!

      Deswegen will ich mal nicht so sein und auch mal einen Lösungsvorschlag einbringen in die Diskussion!

      Wir haben ja eine sehr hohe Arbeitslosigkeit auf der einen Seite und einen Schiedsrichtermangel auf der anderen. Ich schlage vor dass wir alle eine Anfrage an Humboldt schicken mit der Bitte doch einen Kurs „Bundesligaschiedsrichter oder Seitenwachler als 2. Bildungsweg“ anzubieten! Wenn die Nachfrage groß genug ist…wer weiß, vielleicht bieten die das dann an! Und wir hätten 2 Fliegen mit einer Klatsche (sorry an alle Tierfreunde)…

      Falls jemand den AM Kocher persönlich kennt bitte meinen Vorschlag weiterleiten!

    • black_aficionado sagt:

      @Goe, ich hätte einen ernst gemeinten Gegenvorschlag, da ich deine Sorge bzgl. der Kompetenzen unserer Schiris teile:

      Ich verstehe nicht, warum man sich nicht einfach an die dt. Kollegen angehängt hat?! Die haben die Strukturen, die haben das Know-how. Warum nicht einfach Köln auch die öst. Buli begleiten lassen und unsere Pfeifenmänner(frauen) regelmäßig vor Ort hospitieren lassen, sodass sie das Spiel von Profis lernen können. So wie bei uns diverse Situationen ausgelegt werden, hat das tlw. auch nur am Rande mit einer Kontaktsportart zu tun oder in anderen Fällen wird das ganze wiederum mit MMA Kämpfen verwechselt -> Hinzu kommt noch ein mangelndes Gespür für Situationen oder die Dynamik in einer Partie, dass der sprichwörtlichen Sau graust

  5. Mar8ma sagt:

    Blöd gelaufen. Blöder Spielverlauf. Mund abputzen, weitermachen. Volle Konzentration – Platz 3 ist dieses Jahr möglich. 🙂 Auf die Schwoazn!!!

  6. black_aficionado sagt:

    Vorneweg, die Niederlage ist unterm Strich verdient….

    ABER: Oida, wie viel kann in einer Partie gegen dich rennen?! Das 2. Gegentor skandalös, trotzdem hat man quasi im Gegenzug die Chance auf den Anschlusstreffer, welche vom vermutlich besten Save ever vom Stankovic zunichte gemacht wird. Dann noch die abgerissene Flanke ins Kreuz dazu und fertig war der Nackenschlag deluxe -.-
    Sei es wie es sei, die Mannschaft lebt und das Spielglück wird wieder retour kommen. Es ist nach wie vor so, dass wir nach der letzten Spielzeit völlig über den Erwartungen agieren und das lässt mich persönlich sehr positiv in die Zukunft blicken

    SWG

    • Goe sagt:

      So ist es!

    • Nimrod sagt:

      Das würde ich voll und ganz unterschreiben @black_aficionado
      Wobei man dazu sagen muss dass das 3:0 vermutlich der Ausgleich für die Aktion vom Berisha allein vorm Schützi war. Verloren hätten wir wahrscheinlich auch ohne das 2. und 3. Tor.
      That’s life! Gegen Salzburg kannst du auch 4:0 verlieren.
      Solange die Sportskameraden weiter so fighten passt mir das. Spielerisch glaube ich noch immer, dass wir derzeit überperformen

    • Supersturm sagt:

      Da hast du absolut recht! Aber zu deinem vorigen Post.. in D wurde vor nicht langer Zeit ein VAR seines Amtes enthoben, weil er nachweislich falsch entschieden hat.. soviel zum Know-How..

    • black_aficionado sagt:

      @supersturm: Was glaubst wie viele Kollegen in AUT übernächste Saison noch in Amt und Würden sein werden, wenn das bei uns auch konsequent gehandhabt/verfolgt wird 😉

      Im Ernst, mir graut zB brutal vor einen Schüttengruber als VAR, der greift vermutlich einige Male (falsch) ein und die Ausschlüsse werden sich tendenziell häufen…

  7. Supersturm sagt:

    @ black_aficionado: meine Worte..

    Und wenn ein VAR einmal einen Schiri auf eine Fehlentscheidung hinweist, kann ich mir bei unseren Pfeifenmännern nicht vorstellen, dass einer einmal einen Fehler eingesteht.. Die werden sich fragwürdige Situationen zig-Mal in Zeitlupe anschauen, und zuletzt behaupten, dass ihre Entscheidung die richtige war..

  8. fauli sagt:

    Das Frühjahr bleibt einfach verflucht. Das 2:0 darf es so nie geben (Junuzovic müsste eigentlich behandelt werden, dürfte den Freistoß gar nicht schießen, Abseits…), das 3:0 abgerissene Flanke, das 4:0 eh schon wurscht. Ulmer hätte mindestens 1 gelbe verdient, gefühlsmäßig haben wir für jeden Furz Foul und/oder gelb gesehen, Salzburg konnte hacken wie sie wollen.
    Fairerweise muss man sagen, kurz vor der Pause MÜSSEN die Salzburger das 2:0 machen, waren einfach zu blöd dafür.
    Unterm Strich eine verdiente Niederlage, auch wenn mit etwas Spielglück das GANZ anders ausgehen kann. (Abseitstor nicht geben, Wütherich Kopfball geht rein… dann haben wir psychologisch einen RIESEN Vorteil…)

    Was bleibt, ist zu hoffen, dass diese Leistungen auch in den nächsten Partien abgerufen wird. Dann sollten WSG, Austria und Admira keine großen Hürden sein. Wichtig wäre auf alle Fälle ein Sieg gegen die WSG, dann haben wir wieder positive Vibes

  9. gepi20 sagt:

    Obwohl ich mich gestern unmittelbar nach der Partie sehr geärgert hatte steht im Vordergrund, dass trotz guter Partie und Abseitstor wir für den Aufstieg zu wenig zwingend waren. Trotzdem bleibt auf der Habenseite : Cupsemifinale, 2x Salzburg geschlagen, im OPO, spielerisch viel stärker als in der Vorsaison. Jetzt voller Angriff in der MS, EC Ticket und im Sommer noch punktuell nach vorne (Angriff) , Flügel und offensives MF verstärken, Abwehr halten und dann im gefüllten Stadion die Post abgehen lassen.

    • fauli sagt:

      Einen Torjäger verpflichten (wird schwierig…) wäre halte echt wichtig, der letzte der bei uns ordentlich genetzt hat, war Alar
      Aber nachdem (meine Vermutung) Balaj und Friesenbichler nicht verlängert werden, sollte zumindest a bisserl a Budget frei sein

  10. fid82 sagt:

    Jantscher trifft nicht mehr und Yeboah noch nicht.
    Ein neuer Stürmer wird wohl kommen müssen, wenn wirklich zu Balaj, der IMO fix weg sein dürfte, auch Friesi geht.
    Am ablösefreien Markt gibt es durchaus interessante Optionen. Leistbarkeit keine Ahnung!

    Krienzer kommt auch retour. Leider sitzt er aktuell wieder auf der Bank. Ich will ihn trotzdem nächstes Jahr bei uns als zumindest Stürmer Nr 4 haben.

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