Auf den Spuren Prilasnigs, Schuberts und Volkos

Die Bier trinkenden Jungs #2

Zu viel Zeit ist seit der ersten Ausgabe dieses Lustwandels durch die österreichischen Fußballlandschaften vergangen und das hätte eigentlich nicht passieren dürfen, denn tausende Kilometer legten wir, die Bier trinkenden Jungs, in den vergangenen Monaten dabei zurück, dem SK Sturm hinterherzureisen, und was böte sich nach diesem Sommer eher an, als einen Exkurs in die schöne, drückende Hitze Zyperns oder die lässige Lässigkeit Amsterdams zu wagen. Eigentlich kaum etwas. Abgesehen von dem, was auch den härtesten Sturmknofeln oftmals übertrieben scheint, nämlich den Amateuren der Schwoazn zu einem Auswärtsspiel zu folgen.

(c) SturmNetz.at

Natürlich hätte der Weg ein weiterer sein können, denn nach Völkermarkt, wo der VST regiert, braucht es über die A2-Südautobahn nicht mehr als eine Stunde und wenn man den Sportplatzbesuch auch gleich mit Kuchen und Kaffee bei Oma und Opa verbinden kann, die ca. 150 Meter Luftlinie vom Sportplatz entfernt wohnen, dann war es das mit der allzu großen Fan-Aufopferung für die Amateure wohl auch schon. Von viel größerer Bedeutung ist es aber auch, sich dann gemeinsam mit Opa zum Fußballspiel aufzumachen und dabei die letzten Atemzüge des Sommers versetzt mit dem Duft frisch gemähten Rasens zu inhalieren.

Der Stadtname „Völkermarkt“ kann mit humoristischem Blick auf die Geschichte übrigens als Überbleibsel bester Markenbildung gesehen werden, denn im 11. Jahrhundert wurde der rheinländische Kaufmann Volko von Graf Engelbert von Spanheim beauftragt, am nahe des Ufers der Drau gelegenen Knotenpunkt vieler wichtiger Handelsrouten einen Handelsplatz zu errichten – auf dem Volchimercatus (Markt des Volko im heutigen St. Ruprecht, einem Teil der Völkermarkter Vorstadt), wie der Platz im frühen 12. Jahrhundert schließlich genannt wurde und der namengebend für die Bezirkshauptstadt war, findet sich heute ironischerweise eines jener Fachmarktzentren, die gerne in den diversen Suburbs und Gemeinden Österreichs wie Pilze aus dem Boden schießen.

Hat man die Klagenfurter Straße hinter sich gelassen, marschiert man vorbei am ehemaligen St. Ruprechter Gasthof „Zur Brücke“, wo einst gerne Vor- und Nachbesprechungen im Rahmen der sportlichen Ereignisse in der heutigen Lilienberg-Arena stattfanden. Vorbei an Straßenmeisterei und Feuerwehr. Ein Gartenhäuschen, das es irgendwann einmal beim Baumax im Angebot gab, ist schließlich das erste Etappenziel. Der Vereinsobmann Karl Kienberger selbst begrüßt die Besucher am Kassenhäuschen – auch Opa, der die Gelegenheit zu nutzen weiß, seine Verwunderung darüber auszudrücken, dass es der VST verabsäumt hätte sich aufgrund des Aufstiegs in die Regionalliga Mitte personell ordentlich zu verstärken. Keine Zeit für eine Diskussion. Die Karten sind gelöst. Die „Stammplätze“ warten. Diese befinden sich nicht auf der Tribüne der schönen Sportanlage, sondern auf der wunderbaren Terrasse der Vereinskantine, von der aus man einen erstklassigen Blick auf das Spielgeschehen hat und zudem quasi VIP-Logen-Service. Der Parkplatz, der sich zwischen Terrasse und Spielfeldrand befindet, stört kaum und bietet den kleinsten Fußballliebhabern auch die Möglichkeit, einen Ball zum Zeitvertreib hin- und herzuspielen – 90 Minuten, in denen man nicht selbst kicken und nur zusehen kann, sind manchmal eben doch zu lang.

Der VST und der SK Sturm haben durchaus Berührungspunkte – unlängst war es der lange Stürmer Fabian Schubert, der bei den Völkermarktern einst die Fußballschuhe schnürte und sehr viel früher noch ein gewisser Gilbert Prilasnig, der es sich schließlich auch nicht nehmen ließ einer Begegnung seiner beiden Herzensvereine beizuwohnen – ein Local Hero. Der Stadionsprecher verkündet seine Anwesenheit und frenetischer Applaus brandet auf. Der ehemalige Völkermarkter Ballesterer und Gymnasiast hat es schließlich weit gebracht, er hat die unterkärntnerische Fußballwelt ein Stück größer gemacht.

Das Spiel geht los und schnell ist klar, dass die Jungblackys dieses wohl gewinnen werden. Abgesehen von einer kurzen Schwächephase, in der der Kärntner Angelov für den Ehrentreffer sorgen kann, dominieren sie das Geschehen auf dem Platz und lassen auch kaum locker. 1:4 aus Sicht des Heimteams heißt es am Ende. Trotz wackerer Fans, die „hier regiert der VST“ skandierten. Der letzte Schluck Gösser nach Abpfiff schmeckt gut, vor allem weil der SK Sturm siegreich ist – malzig, süffig, etwas süßlich vielleicht, aber das gefällt. Gut, besser, Unterhaus!

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6 Kommentare

  1. sisquoone sagt:

    Ich werde jetzt auch einmal den Amateuren zusehen gehen. Nicht weil die Kampfmannschaft zurzeit so erfolglos ist, nein, weil sie es sich einfach verdient haben.

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  2. jorge72 sagt:

    SKN-Coach Popovic: „Sturm ist Religion für mich“, diesen Geist würde ich gerne mal wieder bei Sturm erleben. ohne jetzt den trainer schlecht reden zu wollen, aber bezweifle, dass er der richtige ist

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    • saurons_mouth sagt:

      Hat ja bei Milanic super funktioniert, dieser Stallgeruch.

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    • jorge72 sagt:

      sollte in erster linie zum ausdruck bringen, dass der geist bzw. der faden total verloren gegangen ist und nicht dass es mit popo automatisch funktionieren würde…

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