Anständiger Abschied

Spielbericht: Fenerbahçe Istanbul vs. SK Sturm Graz

Das Wunder von Istanbul – so wünschte man es sich für den SK Sturm, der in der 3. Runde der UEFA-Europa-League-Qualifikation auswärts zum Rückspiel gegen Fenerbahçe Istanbul antreten musste. „Wunder“, ja das wäre nötig gewesen und sprach dies jemand aus, schwang dabei immer vorsichtiger Optimismus mit. Viel hatte zuhause gegen den türkischen Top-Klub ja nicht gefehlt. Die Spannung war im Vorfeld schließlich doch größer als die Empörung darüber, dieses Spiel in Österreich weder im Fernsehen noch im Internet auf konventionelle Weise sehen zu können.

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Ereignisarme Partie

Von Beginn an übernahmen die Hausherren das Kommando über diese Partie, mit knapp 40.000 Fußballverrückten auf den Tribünen, taten sie auch gut daran. Sturm, zunächst vornehmlich mit Defensivaufgaben beschäftigt, hatte Probleme damit, den Ball nach vorne zu bringen. Dennoch vermochten die taktisch klug agierenden Grazer den Gegner anfangs mit starkem Pressing gut zu beschäftigen. Zu auch nur irgendwie gearteten Torchancen kam es in der Anfangsphase des Spiels auf keiner der beiden Seiten. Fenerbahçe fand nach 15 Minuten langsam immer besser in die Partie und ließ den Ball lange in den eigenen Reihen zirkulieren. Den ersten Torschuss lieferte jedoch der SK Sturm in der 18. Minute: Marvin Potzmann traute sich einmal mehr, den Abschluss aus zweiter Reihe zu versuchen. Etwas zu schwach, etwas zu wenig platziert. In der 24. Minute wurde Fenerbahçe dann zum ersten Mal richtig gefährlich: Mathieu Valbuena, der zuvor von James Jeggo (Der Australier sah dafür Gelb.) regelwidrig gelegt worden war, trat einen scharfen Freistoß in den Grazer Fünfmeterraum, Martin Skrtel und Ozan Tufan erreichten den Ball nur ganz knapp nicht per Kopf. In der 29. Minute kam Thorsten Röcher nach einer Ecke in aussichtsreicher Position, die Türken hatten den Ball zuvor nach einem Eckball nicht ausreichend klären können, zum Schuss, der jedoch von Innenverteidiger Roman Neustädter noch abgeblockt werden konnte.

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Was kommen musste

Über eine halbe Stunde lang schlug sich Sturm sehr gut, hielt mit Fenerbahçe durchaus mit und präsentierte sich auch beinahe ebenbürtig bis Valbuena sich auf der linken Seite etwas zu leicht durchsetzen und eine maßgenaue Flanke auf Nabil Dirar schlagen konnte, der Keeper Jörg Siebenhandl per Kopf keine Chance ließ. 1:0 für die Gastgeber. Dass dies an der Ausgangslage für Sturm nur wenig änderte – man brauchte ohnehin mindestens zwei Tore – in diesem Moment nebensächlich. Die Zuordnung in der Abwehr stimmte in dieser verhängnisvollen Situation gar nicht. Schwamm drüber! Sturm legte nach diesem Rückschlag einen Gang zu, zeigte sich kaum geschockt und konnte sich mit einer Eckballserie zumindest kurz in der gegnerischen Hälfte festsetzen. Mehr tat sich dann aber in einer sonst relativ ereignisarmen ersten Hälfte nicht. Und während sich die sensationellen ÖFB-Damen in der Verlängerung des EM-Semifinales ins Elfmeterschießen quälten, konnte Trainer Franco Foda seine Mannschaft auf die (letztendlich) letzten internationalen 45+ Minuten einschwören.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

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Philipp Zulechner, der in Halbzeit eins noch auf der Bank Platz zu nehmen hatte, kam zum zweiten Durchgang für Röcher ins Spiel. Von einer Steigerung der Offensivbemühungen bekam man allerdings vorerst nicht viel mit.  Fernschüsse von Charalampos Lykogiannis (53.) und Fabian Koch (60.) blieben in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit die einzig nennenswerten Offensivaktionen. Auch Fenerbahçe agierte nicht allzu durchschlagskräftig. Die Türken schienen sich mit dem Verwalten des Spielstandes zufriedenzugeben. Ein Fehler, wie sich erfreulicher Wiese herausstellen sollte: Der frisch eingewechselte Fabian Schubert schickte Peter Zulj auf die Reise, dieser spielte ideal auf Philipp Huspek, der an Volkan Demirel flach vorbei zum etwas überraschenden Ausgleich einschob. Wenig später hatte Schubert sogar die Chance, gleich auf 2:1 zu stellen. Sein Kopfball nach Flanke von Stefan Hierländer verfehlte das Tor nur knapp. Kurz darauf wurde ein guter Hierländer-Schuss zur Ecke abgefälscht. In der 84. Minute traf Mehmet Topal nach schönem Doppelpass mit Alper Potuk die Stange – Glück für Sturm. Wenig später verfehlte Skrtel das Tor alleine vor Siebenhandl. Sturm suchte trotz immer wieder giftiger Angriffe Fenerbahçes den Weg nach vorne, agierte dabei aber meist glücklos. In der 92. hätte der wieder stark auftretende Marvin Potzmann nach gediegener Vorarbeit Romano Schmids, der zehn Minuten zuvor eingewechselt worden war, beinahe noch für die so heiß ersehnte Verlängerung gesorgt. Letztendlich mussten die Grazer aber auf durchwegs anständige Weise mit einem 1:1-Unentschieden von der internationalen Bühne abtreten.

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Spieldaten

 

 

12 Kommentare

  1. steirer sagt:

    Echt jetzt? Fenerbahce hatte im Hinspiel 3 Torschüsse aufs Tor und im Rückspiel nur 1 und machen insgesamt 3 Tore… Das nenn ich mal effektivität und ist richtig bitter…

    2+

  2. Duddy sagt:

    Bis zum nächsten mal. Dann aber wieder Champions League quali. Tolle Auftritte gegen einen Gegner der halt eindeutig cleverer und glücklicher agiert hat.

     

    1+

  3. graz4ever sagt:

    Jez genauso kämpferisch+motiviert in der Buli weitermachen, dann is heuer viel möglich 🙂

    Ich bin stolz auf meinen SK Sturm Graz..

    3+

  4. Ennstaler sagt:

    Schade, dass Kristijan Dobras nicht mehr bei Sturm spielt. Seine Flanken fehlen Sturm.

    1+

  5. Pata_Negra Pata_Negra sagt:

    Alles in allem, sehr bitter, dass wir gleich in unserer ersten EL Qualirunde einen so starken Gegner zugelost bekommen haben und uns dann auch noch so tapfer geschlagen haben… aber Lob an die ganze Truppe (Trainer inkl. 😉 trotz Verletzungen, taktischer Umstellungen etc.

    Und jetzt schieß ma am Sonntag die Mattersburger weg! (ist nämlich höchst überfällig und würde über den Schmerz des Ausscheidens hinwegtrösten, wenn der „Major“ sich nach dem Niederlage beim Skyinterview hinstellen muss ^^)

    3+

  6. RAM6I sagt:

    Trotz Ausscheiden, muss man dem Trainerteam und der Mannschaft einfach gratulieren.

    Von Foda bin ich wirklich überrascht, dass er auf einmal mehr Individualität in sein Spiel einfließen lässt (oder ist es nur auf Grund der vielen Ausfälle) hoffe es nicht.

    Vll. wäre auch mehr möglich gewesen. Hätten wir zuerst Auswärts gespielt.

    Die einzige Hoffnung/Wunsch den ich habe ist das die Leidenschaft, Kampfgeist und Laufbereitschaft für Kollegen bestehen bleibt.

    Die Effizienz wird mit laufe der Saison noch hinzu kommen, natürlich werden auch Runden dabei sein die nicht so laufen werden.

    Doch bin ich wirklich mehr als Positiv gestimmt, glaube das sagt als Foda-Basher schon sehr viel aus!

    KOPF HOCH; KÄMPFERHERZ BEIBEHALTEN UND IHR WERDET EUCH DIE SCHALE/TELLER HOLEN!

    0

    • Goe Goe sagt:

      Da bin ich voll bei Dir! Ich finde allerdings die Effizienz ist schon ganz in Ordnung…in den ersten beiden Meisterschaftsrunden je 3 Tore, ebenso in Podgorica, daheim und auswärts gegen eine echt starke Fener-Truppe genetzt…einzig beim Heimspiel gegen Podgorica hast Du zu 100% recht – da war die Effiezienz wirklich fürn Kanal 😉

      Für meinen Geschmack kann es so weitergehen! Hut ab Schwoaze!

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  7. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Also mit solchen Leistungen braucht man sich in Ö vor niemanden verstecken…und da heuer wieder 2 Cl Quali Plätze sind…schau ma mal was geht…

    4+

  8. glockgame sagt:

    Fenerbahce trifft im Playoff auf Vardar aus Mazedonien…..

    Die hätt ma locker geschlagen, da tut das Ausscheiden gleich doppelt weh…Gruppenphase wäre geil gewesen!

    Aber: Keine Ahnung ob wir im gleichen Topf gewesen wären usw.

    http://de.uefa.com/uefaeuropaleague/season=2018/draws/round=2000889/index.html

     

     

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  9. jott1976 sagt:

    Bin seit Gestern wieder im Lande.

    Die Reise nach Istanbul war einfach Sensationell.

    Die Stimmung in dem Hexenkessel kann man nicht beschreiben, dass muss man selber erlebt haben. Ich habe noch nie so laute Fans wie jene von Fenerbahce gehört. Da singt und schreit ein jeder der fast 40.000 Zuseher mit.

    100 gegen 40.000! Da waren wir Stimmungstechnisch ausgeliefert. Aber wir haben trotzdem von der ersten bis zur letzten Minute alles für unseren SK Sturm gegeben.

    Nach dem Ausgleich am Spielfeld war es auch sehr leise im Stadion. Ab diesem Zeitpunkt konnten auch wir uns auf den Rängen bemerkbar machen.

    Eines muss man schon sagen. Wenn es mal nicht so gut läuft sind die Fenerbahce-Fans nicht mehr so top. Also da könnten sie sich einiges von uns abschauen. Denn zu diesem Zeitpunkt war Fenerbahce im Gesamtscore noch immer vorne und sie haben den Support so gut wie eingestellt.

    Danke vor allem an die Mannschaft für ein geiles Match und einem aufopfernden Kampf. Man hat kaum einen Unterschied am Platz gemerkt und das macht Stolz.

    Wir konnten auch in den nächsten Tagen in der Stadt unseren Schal voller Stolz präsentieren. Und nun wissen nicht nur die Galatasaray-Fans, dass es nicht einfach ist gegen Sturm zu bestehen.  Und das haben uns auch die Türken so mitgeteilt.

    Das schönste Stadion in Istanbul ist übrigens das Besiktas-Stadion. Würde jeden empfehlen, sich dieses Stadion anzusehen, wenn er mal in Istanbul verweilt.

    Danke Sturm und an meinen Sturm-Kumpels für eine geile Reise.

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