Angelini: „Das wird Sturm so schnell keiner mehr nachmachen“

SturmNetz-Advent Tag 18 mit Marco Angelini

Die „Stille Zeit“ ist nur anderswo wirklich still. SturmNetz.at geht im Advent in die Vollen! Wir lassen bis zum Heiligen Abend 24 Prominente zu Wort kommen und sprechen mit ihnen über Sturm, Fußball, Gott und die Welt. Der Sänger und Chirurg Marco Angelini erzählte uns unter anderem wie er den letzten Meistertitel gefeiert hat, was er von Franco Foda im Dschungel hält, seinen persönlichen Sturm-Magic-Moment  und ob er sich vorstellen kann, einmal Sturm-Arzt zu werden.

Foto: CC-BY-SA-4.0 Claudi755 / wikimedia commons

Man sagt, wer sich an die Nacht nach dem Meistertitel 2011 noch erinnern kann, der hat sie gar nicht so richtig erlebt. Kannst du dich noch an diese Nacht erinnern?

In Wahrheit kann ich mich sehr gut daran erinnern. Ich bin damals mit meinem liebsten Fußballkollegen, dem Gregor, im VIP-Sektor gesessen – direkt neben Bürgermeister Siegfried Nagl. Sturm hat mich nach DSDS eingeladen, obwohl ich eigentlich gegenüber im 4er Sektor meine Saisonkarte hatte. Es war ein Hammer-Match mit allen Höhen und Tiefen. Zum Glück mit einem Happy End. Anfangs trauten wir uns nicht so emotional zu sein wie sonst, weil neben dem Bürgermeister auf den Platz hinein zu brüllen, empfanden wir als komisch (lacht). Am Ende mussten die Emotionen dann aber doch raus und die Freudentränen sind uns in den Augen gestanden. Gregor und ich haben den Sieg gebührend in der Dampflok gefeiert.

Wie und wann hat die Liebe für die Schwarz-Weißen für dich begonnen?

Seit der Volksschule. Dort wurden Fahrten zu Sturm-Spielen organisiert und nachdem auch in meiner Familie nur Sturm-Fans waren und sind, habe ich eigentlich stets zu Sturm gehalten. Über die Jahre wurde die Liebe sicherlich noch stärker. Schwarz-Weiß von Anfang an.

Warum eigentlich Sturm und nicht der GAK?

Die Frage hat sich nie gestellt, die Weichen wurden früh auf Schwarz-Weiß gestellt! Rot war nie ganz meine Farbe, wobei mir das Derby trotz aller Rivalität schon ein bisschen fehlt. Hoffentlich dürfen wir das bald wieder einmal erleben, wäre doch toll – vor allem die Stimmung!

Du hast ja bei der HSG Bärnbach/Köflach  jahrelang Handball gespielt, bist aber trotzdem ein großer Fußballfan. 

Ja, ich habe über 12 Jahre Handball gespielt. Auch in der A-Liga als linker Flügel. Begonnen hat allerdings alles mit Fußball beim ASK Voitsberg. Hängen geblieben bin ich dann trotzdem beim Handball.

Stehst du mit einer Persönlichkeit aus der langen Geschichte von Sturm Graz in engerem Kontakt?

Mittlerweile kenne ich natürlich einige Sturm-Spieler und pflege ein freundschaftliches Verhältnis zu Mario Haas und Mark Prettenthaler. Zwei tolle Menschen!

Hast du schon einmal einen Patienten mit Sturm-Bezug behandelt?

Mit Sicherheit. Manche haben sich ja auch das Logo auftätowiert – da muss ich dann doch immer schmunzeln. Sowas schafft ganz rasch ein noch besseres Arzt-Patient-Verhältnis.

Franco Foda hat einmal gesagt, ihm würde es sehr reizen, einmal im Dschungelcamp einzuziehen. Würde er dort gut hinpassen und würden wir alle dann einen ganz anderen Foda kennen lernen?

Ich denke, Foda würde im Dschungel jener Foda bleiben, den wir kennen. Allerdings glaube ich, dass ihm die angebotenen Mahlzeiten bei Sturm oder zukünftig bei der Nationalmannschaft sicher besser munden (lacht).

Gab es für dich so etwas wie einen persönlichen Magic Moment in der Geschichte des Sportklub Sturm?

Naja, die Champions-League-Zeiten sind schon etwas Unvergessliches. Beispielsweise das 3:2 gegen Olympique Marseille, wo Sturm zwei Mal den Ausgleich hinnehmen musste und Tomislav Kocijan schlussendlich zum Sieg traf. Unglaublich war das! Das, was in diesen Jahren geleistet wurde, wird Sturm so schnell keiner mehr nachmachen. Die Stimmung im Stadion hat mich damals sehr fasziniert.

Gab es Zeiten, in denen diese Beziehung Risse bekam?

Durchaus. Mit Sturm ist es manchmal wie in einer Ehe. Eben mit allen Höhen und Tiefen. Trotzdem liebt man sein Gegenüber, auch wenn es nicht immer leicht ist. Ich war zwar noch nie verheiratet, aber so stelle ich mir das in etwa vor. Ich muss allerdings sagen, die Liebe war auch in schlechten Zeiten immer da. Ich bin kein Schönwetter-Fan, nach dem Motto „heute so und morgen anders“. Natürlich ärgert es einen, wenn man das Gefühl hat, „verdammt, die Mannschaft hat nicht alles gegeben“. Aber am Ende des Tages ist es Sturm Graz – dein Klub. Und zu seinem Klub steht man ganz einfach.

Du bist derzeit als Arzt im Klinikum in Wels tätig. Wie gut kommst du aktuell überhaupt dazu, die Geschehnisse rund um den SK Sturm zu verfolgen?

Ich verfolge jedes Spiel von Sturm und fahre auch so oft es geht ins Stadion. Linz ist nicht weit weg, St. Pölten und Salzburg auch nicht. Schade, dass Ried unten ist, das wäre nicht weit gewesen mit dem Auto. Ansonsten geb‘ ich mir Sturm im TV oder eh in Graz.

Foto: CC-BY-SA-4.0 Claudi755 / wikimedia commons

Bevor du dich ins Privatleben zurückgezogen hast, hast du dich der Musik gewidmet. Du hast an vielen Casting-Shows – unter anderem an Starmania, DSDS und Helden von morgen – teilgenommen. Wie steht es derzeit mit der Musik? Gibt es da neue Pläne?

Ich hab viele Pläne, aber ich gehe es langsam an. Kreativität braucht Zeit. Ich denke, ich hatte meine großen fünf Minuten im Leben, von denen andere träumen und vielleicht nie erleben werden. Dafür bin ich unglaublich dankbar, denn es ist nicht selbstverständlich. Erzwingen will ich dennoch nichts, dafür kenne ich das Musikbusiness schon zu gut. Musik wird mich immer begleiten, ein Teil von mir sein und ich denke, man wird auch wieder etwas von mir hören. Ich habe allerdings nicht mehr diese unbändige Kraft, alles zu erzwingen, was ich mir wünsche. Meine Prioritäten haben sich mehr auf die Familie und mein Privatleben verschoben. Großes entsteht nur dann, wenn man es nicht zu verbissen angeht, zwar schon mit Einsatz und Fleiß, aber mit einer gewissen Lockerheit. Sonst wird’s nix.

Möglich, dass du dich in Zukunft einmal an einem eigenen Sturm-Song versuchst?

Ich denke, das ist ein eigenes Kapitel. Zu Hause hätte ich schon einige Sturmsongs herumliegen, allerdings finde ich keinen so gelungen, dass ich ihn aufnehmen möchte. Ein echter Sturmsong muss aus dem Herzen kommen, echt und authentisch sein, sonst wird er – zu Recht – nicht von den Menschen im Stadion angenommen. Außerdem haben wir gute Songs – man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Eine Ehre wäre es aber sicherlich.

Kannst du es dir vorstellen, in Zukunft als Sturm-Arzt tätig zu sein?

Auch das wäre natürlich eine Ehre. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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