An jenem verdammten Sonntag

Eine Geschichte von Männern, die zu Helden wurden

„An jedem verdammten Sonntag gewinnst du oder du verlierst. Aber kannst du auch gewinnen oder verlieren wie ein Mann?“ – Ja, das konnte diese Mannschaft zweifellos.
Dies stellte sie in der Saison 2010/11 mehrfach eindrucksvoll unter Beweis. Am 22. Mai 2011 jedoch sollten sich diese Männer ihrer Meisterprüfung unterziehen, denn ein noch nie zuvor dagewesener Druck lastete auf ihren Schultern. Als Schauplatz des Ganzen diente ein sonst recht trister Ort in Wiener Neustadt. An jenem verdammten Sonntag bekannte man sich offen zu den Farben schwarz und weiß, die von über 5.000 frenetischen Sturm-Aficionados mitgebracht wurden. Das Stadion wurde dementsprechend umgestaltet und es war wieder einmal angerichtet, für eine besondere Geschichte, welche nur der Fußball schreiben kann.

Stumfans in Wr. Neustadt

SturmNetz

Schon lange vor dem Spiel feierten die Anhänger der Schwarz-Weißen als wäre man schon Meister, selbst die drückende Hitze konnte der Euphorie keinen Abbruch tun. Dies setzte sich auch nach dem Anstoß weiter fort, als ein noch nie zuvor dagewesenes Der SK Sturm ist wieder da wohl in ganz Wiener Neustadt hörbar war und dem Autor dieser Zeilen beispielsweise noch heute Gänsehaut beschert. Zumindest auf den Tribünen wusste man mit den hohen Temperaturen umzugehen, ein Ordner, der die Fans immer wieder mit einem Feuerwehrschlauch abkühlte, avancierte zum großen Helden.

In der ersten Halbzeit zeichnete sich Sturm weitestgehend durch Nervosität und Stückwerk aus. Die Neustädter standen kompakt und ein Durchkommen gelang nur selten. Nach einem Eckball stieg ein gewisser „Flash“ Gordon Schildenfeld am höchsten, den Abpraller konnte Imre Szabics jedoch nicht über die Linie drücken und somit ging man mit einem gerechten Unentschieden in die Kabine.

Mittlerweile sickerte auch schon die Hiobsbotschaft aus Wien-Hütteldorf durch. Die Austria, der schärfste Konkurrent um die Meisterschaft, lag im Stadtderby bereits mit 3:0 in Führung. In der Folge sollten einige Rapid-Anhänger auch noch auf den Platz stürmen und somit war klar, auf Schützenhilfe konnte sich Sturm nicht mehr verlassen.

Auch in der zweiten Halbzeit änderte sich am Charakter des Spiels eher weniger und die Niederösterreicher konnten daraus beinahe Kapital schlagen, als der Neustädter Tomas Simkovic kurz nach Wiederanpfiff nur das Gebälk traf. Anscheinend brauchten die Schwarz-Weißen diesen Weckruf, denn die Antwort kam postwendend. Nach einer Szabics Flanke ist plötzlich ein junger Blondschopf, dessen Name ich hier nicht nennen möchte, alleine vor dem Tor und erzielte das so wichtige Eins zu Null.
Ekstase in Wiener Neustadt, der Jubel war schier grenzenlos, keinen hielt es mehr auf dem Sitz. Die große Chance, tatsächlich den Titel zu gewinnen, war wieder zum Greifen nah. Doch die Freude sollte nur von kurzer Dauer sein, denn in der 75. Spielminute erzielte Alexander Grünwald per Freistoß den völlig verdienten Ausgleichstreffer.

Es war wieder so ein verdammter Sonntag, an dem alles möglich ist. Was dann in der 85. Minute passierte, wirkt bis heute wie ein Wink Gottes für alle Sturm-Aficionados. Edin Salkic unterlief ein Gilbert Prilasnig-Gedächtnishandspiel im eigenen Strafraum, für das ihn die österreichischen Printmedien in den darauffolgenden Tagen lynchen sollten.

Die darauffolgenden Sekunden fühlten sich wie Stunden an und die Nervosität erreichte ihren absoluten Höhepunkt. Wer außer „Sir“ Samir Muratovic, der in den letzten Wochen in bestechender Form agierte, wäre für diesen Elfmeter besser geeignet gewesen? Noch nie zuvor herrschte bei einem Sturmspiel so eine Stille im Stadion, es war fast schon beängstigend. Es schien, als könnte man seinen eigenen Herzschlag hören. Dann auf einmal plötzlich…

kurzer Anlauf, platzierter Schuss in das linke Eck, Ekstase – Teil zwei in Wiener Neustadt.

Wenige Minuten später war das Spiel tatsächlich vorbei und der SK Sturm feierte an jenem verdammten Sonntag im Mai einen der wichtigsten Auswärtssiege der Vereinsgeschichte. Auch in Niederösterreich kam es zu einem Platzsturm, aber einem friedlichen, inkludiert mit einem zärtlichen Bussi plus Augendrücker für Ikone Mario Haas. Zu diesem Zeitpunkt war eigentlich jedem Anhänger der Schwarz-Weißen insgeheim klar: Wir werden Meister, wer so ein Spiel gewinnt, lässt sich das nicht mehr nehmen.

„An jedem verdammten Sonntag gewinnst du oder verlierst du. Aber kannst du gewinnen oder verlieren wie ein Mann?“  An jenem verdammten Sonntag zeigte die Mannschaft großes Kämpferherz und belohnte sich für all ihre Mühen.

Der Rest ist Geschichte. Danke, Männer!

 

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8 Kommentare

  1. Nock-74 sagt:

    So ein Schwachsinn! Warum kann man den Flo Kainz hier nicht nennen? Was soll das? Die Geschichte ist abgeschlossen und sollte es auch bleiben. Immerhin hat uns dieses Tor sehr geholfen oder nicht? Ich war auch absolut nicht einverstanden mit dem Wechsel und seiner Außendarstellung doch jetzt wieder Öl ins Feuer gießen bringt doch überhaupt nichts!

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    • Rockstar Rockstar sagt:

      Wer ist Florian Kainz?  Ich kann diesen Namen im Artikel nirgends finden, also kann man auch nicht davon sprechen „Öl ins Feuer“ zu gießen.

      Ich finde Sturm sollte den Weg beibehalten, und in Zukunft auch verstärkt auf den Charakter eines Spieler achten, so wies unser neuer Manager bis jetzt ganz gut umgesetzt hat.

       

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    • Melvinuss sagt:

      @ Rockstar: Die Diskussionen um den Charakter einzelner Spieler find ich ehrlich gesagt nicht immer ganz fair. Kennst Du Flo Kainz zB persönlich? Ich bin gespannt, ob Du, wenn Du ein Angebot bekommst, wo Du das 4 oder 5-fache verdienen könntest und das im Wissen, dass du nur ein paar wenige Jahre vor Dir hast, wo Du so viel Geld verdienen kannst, dann auch so denkst und deinem jetzigen Arbeitgeber treu bleibst. Nicht falsch verstehen, ich hab weder Sympathie noch Antipathie für Flo Kainz, und ich würde mir sehr wünschen, wenn es mehr Spieler álá Günther Neukirchner gibt (Mario Haas ist die Legende schlechthin, aber auch er war des Geldes wegen bei anderen Vereinen), aber das wird es in der heutigen Zeit nur mehr in den seltensten Fällen geben, da brauchen wir uns nix vormachen. Auch der Verein kann sich das im gegensätzlichen Fall nicht mehr leisten, siehe Beispiel Klem, der sicher nie von Sturm weggegangen wäre (vielleicht mangels Angeboten, aber ich bin mir sicher auch bei teils besseren Angeboten), aber seine Leistungen einfach nicht mehr gepasst haben. Was glaubst, wieviel vom derzeitigen Kader in 3 bzw. 5 Jahren noch bei Sturm sein werden?

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    • Nock-74 sagt:

      @Rockstar: Wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil!

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    • Rockstar Rockstar sagt:

      Ja genau du Pflaume 🙂

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    • Rockstar Rockstar sagt:

      Nein, ich kenne Kainz natürlich nicht persönlich. Es geht net darum ob Spieler wegen besserer Bezahlung weggehen, es geht auch darum wie der Spieler sich den Fans gegenüber verhällt, im Fall Kainz hat dieser ja sich kurz vorher zu Sturm bekannt öffentlich und dann den Vertrag verlängert, nur um ein halbes später zu Rapid zu wechseln, wohl eher mit dem 2-fachen Gehalt.

      Kainz ist selbst schuld, hätte auch anders laufen können.

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  2. Ennstaler sagt:

    Kainz hätte Sturm nicht verlassen, wenn schon damals eine so tolle Stimmung in der Mannschaft gewesen wäre, wie heuer. Und Sturm ist immer wieder gut gefahren mit „Heimkehrern“. Daher Schluss mit diesen ewigen Nachtragereien.

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  3. Rene90 sagt:

    @Kai Reinisch
    „Nach einer Szabics Flanke ist plötzlich ein junger Blondschopf, dessen Name ich hier nicht nennen möchte, alleine vor dem Tor und erzielte das so wichtige Eins zu Null.“
    meinen Respekt hast du, dieser ist jetzt auf NULL – gezoeltes Mobbing / Pushen oder runtermachen von Spielern sollte man als Schreiber (auch wenn man es ehrenamtlich und ohne Bezahlung macht) unterlassen. Ich finde es einfach respektlos so zu schreiben , bin mir fast sicher, beim damaligen Treffer bist du aufgesprungen voller Freude und deine Wortäußeringen gegenüber Kainz waren ganz sicher anders.

    @Rockstar
    erbärmliches Statement, sehr niveauvoll

    @Nock-74
    100% agree

    @Ennstaler
    Ostern und Weihnachten fällt nicht auf einen Tag und wenn ein Spieler ein Angebot bekommt, welche eine Summe umfasst die du dir nicht vorstellen kannst aber realistisch sind, wird der Spieler immer wechseln, auch wenn die Stimmung noch so über drüber toll ist – will dir aber nicht die Illusion rauben :-))))

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