Als Klagenfurt das erste Mal kopfstand – Teil 4

Wie ging es mit der Karriere von Klemen Lavric und Co. nach dem Cupsieg weiter?

Wir schreiben den 16. Mai 2010. Der SK Sturm stand zum achten Mal in seiner Vereinsgeschichte in einem Pokalfinale. Die Erwartungen waren hoch – immerhin lautete der Finalgegner „nur“ Wiener Neustadt. Tausende schwarz-weiße Anhänger pilgerten an diesem Tag voller Vorfreude in die Kärntner Landeshauptstadt und sorgten so für einen Fanaufmarsch, der Fußball Österreich staunen ließ. An jeder Ecke tummelten sich die Fans der Schwarz-Weißen. Die örtlichen Lokalitäten wurden okkupiert und dort, wo früher Klagenfurter Ortstafeln standen, ragten Grazer Ortschilder aus dem Boden. Im Stadion angekommen, erwartete die Mannschaft eine einzigartige Stimmung gepaart mit einem schwarz-weißen Fahnenmeer. Als Klemen Lavric nach Vorlage von Muratovic in der 81. Minute den Siegtreffer erzielte, brachen schließlich alle Dämme. Klagenfurt stand Kopf – Sturm gewann zum vierten Mal ein österreichisches Cupfinale. Zehn Jahre nach diesem Cupsieg blicken wir in unserer Rubrik „Was wurde aus …?“ in vier Teilen auf die Akteure, die diesen grandiosen Erfolg möglich machten. Im vierten und letzten Teil der dieser Serie stehen drei absolute Vereinslegenden im Mittelpunkt.

Foto: CC SA by Wikimedia Commons; Steindy

Christian Gratzei

„Er steht im Tor, im Tor, im Tor und wir dahinter. Egal ob Ried, Rapid, GAK oder Inter.“
Im Cupfinale 2010 hätte die damalige Nummer eins der Blackys, aber bereits nach der ersten Spielminute nicht mehr im Tor stehen dürfen. Nach einem klaren Foul an Wiener Neustadt Stürmer Mirnel Sadovic hätte der Leobener mit Rot vom Platz fliegen müssen. Gerhard Grobelnik, der Schiedsrichter der damaligen Partie, lies den dunkelroten Karton jedoch eingesteckt und Gratzei konnte die Partie zu Ende spielen. Der an diesem Abend errungene Cupsieg sollte einer von insgesamt drei Titel werden, die die Grazer Tormannlegende mit Sturm holen durfte. Nach 16 Saisons im schwarzen-weißen Dress hing der damals 36-Jährige nach der Saison 2017/18 seine Tormannhandschuhe an den sprichwörtlichen Nagel. Nach seinem Karriereende blieb Gratzei Sturm noch als Fanservice-Leiter erhalten. Im Sommer 2019 hieß es dann aber nach knapp zwei Jahrzehnten Sturm endgültig Lebewohl. Der heute 38-Jährige heuerte beim WAC an und gibt seitdem dort sein Wissen als Tormanntrainer weiter.

Abschiedsworte an die Fans. © SturmNetz

Mario Haas

Redet man über Titel und erfolgreiche Zeiten bei den Blackys darf ein Name natürlich nicht fehlen: Mario Haas. Nach dem Cupsieg 2010 war er derjenige, der den Pokal in den Klagenfurter Nachthimmel strecken durfte. Etwas mehr als zwei Jahre später beendete Haas seine aktive Karriere. Bei seinem letzten Spiel für die Blackys war auf einem Banner der Nordkurve zu lesen: „Ein Spieler geht, eine Legende bleibt!“ Da können wir nur zustimmen. Es gibt wenige Spieler, die es zu schwarz-weißen Legenden geschafft haben, aber der „Bomber“ ist definitiv einer davon. Der „Junge vom Schönaugürtel“ stellte über Jahrzehnte eine Identifikationsfigur für Jung und Alt dar. 544 Mal lief der steirische Bomber für die Blackys auf, ehe er seine aktive Karriere als Sturm-Rekordspieler beendete. Heute noch haben viele Grazer Fans das Bild vor Augen, wie Mario Haas mit einem Bengalo in der Hand sich vom schwarz-weißen Anhang verabschiedete – ein Moment für die Ewigkeit. Nach seiner aktiven Karriere übernahm Haas für viele überraschend das Traineramt beim SV Tobelbad. Dort ging er zwei Jahre der Cheftrainertätigkeit nach, ehe Trainerstationen bei Pachern und Radkersburg folgten. 2018 heuerte Haas schließlich beim SV Mettersdorf an – dort musste er jedoch bereits nach zehn Spielen wieder gehen. Bei keiner seiner bisherigen vier Trainerstation erreichte Haas den Durchbruch als Trainer, dennoch war es für viele Zuseher eine Freude, Haas als Trainer durch die Kickplätze der Steiermark ziehen zu sehen. Seit 2019 geht der heute 45-Jährige der Aufgabe als ÖFB LAZ-Betreuer nach. Zudem fungiert er als Co-Trainer der ÖFB U19 und U15.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. © SturmTifo

Klaus Salmutter

„Klausi, Klausi Salmutter“ hallte es am Abend des 4. März 2006 durchs ehemalige Arnold Schwarzenger Stadion. Der damals gerade einmal 22-jährige Klaus Salmutter schoss mit einem Hattrick Ligakrösus RB Salzburg beinahe im Alleingang aus dem Stadion. Ein Abend, an den sich sowohl die Fans als auch Salmutter selbst wohl heute noch erinnern können. Diese Zeit bildete rückblickend wohl die erfolgreichste Zeit seiner Karriere – zumindest was seine Leistungen betraf. Nach mehreren Verletzungen folgte 2008 der Wechsel nach Linz zum LASK, wo seine Karriere jedoch ins Stocken geriet. Im Jänner 2010 holte man den gebürtigen Grazer schließlich wieder zurück in die steirische Landeshauptstadt. Leistungen, wie jene gegen Salzburg, konnte der Mittelfeldspieler bei seiner zweiten Zeit in Graz jedoch nicht mehr zeigen – er sollte nicht mehr über die Reservistenrolle hinauskommen. Als Ergänzungsspieler durfte Salmutter mit den Blackys immerhin noch Cup- und Meistertitel feiern, ehe er einen im heutigen Fußball doch unüblichen Weg einschlug. Im Sommer 2011 traf Salmutter, der ohnehin dafür bekannt war gegen den Strom des Mainstreams zu schwimmen, eine außergewöhnliche Entscheidung: Er zog sich aus dem Fußballgeschäft zurück und beendete seine Karriere als Profifußballer. Und nicht nur das. Er entschied sich dazu, den Alltag und alles Gewohnte hinter sich zulassen und eine Art Weltreise zu starten. „Der Drang, frei zu sein, war größer als der Wunsch, weiter Fußball zu spielen“, verriet Salmutter 2015 in einem Interview gegenüber der Kleinen Zeitung. Argentinien und Griechenland – zweiteres der beiden Länder besuchte er sogar mit einem VW-Bus – waren nur zwei von vielen Ländern, die er zwischen 2011 und 2014 durchreiste. Nach drei Jahren voller Ruhe und Freiheit gab der gebürtige Grazer – für viele unerwartet – sein fußballerisches Comeback. Für eine Saison stand er beim FC Gleisdorf unter Vertrag. Nach 20 Einsätzen und vier Toren war das Kapitel „Rückkehr“ für Klaus Salmutter auch schon wieder beendet. Wieder in den Profifußball zurückzukehren war für Salmutter nie ein Thema. In den letzten Jahren wurde es ruhig um den Ex-Blacky. Interviews und Social-Media-Aufritte gab es nicht. Doch 2020 kehrte Salmutter wieder zurück auf die große Bühne. Und mit Bühne ist auch wirklich Bühne gemeint. Denn im Theaterstück „Bist du Sturm oder GAK“ von Ed Hauswirth nimmt der heute 36-Jährige eine Rolle als Gaststar ein. Ähnlich wie auf der Bühne „Fußballplatz“ gibt Salmutter auch im Theater eine gute Figur ab.

Foto: CC SA by Wikimedia Commons; Steindy

Für die diejenigen, die noch etwas in Erinnerungen schwelgen möchten, haben wir diese Video-Empfehlung:

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1 Kommentar

  1. fuchsrob sagt:

    Danke für das Video…ich bekam Gänsehaut!

    0

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