Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

Spielbericht SK Sturm Graz vs. LASK Linz 3:1 (2:0)

Die Statistik liest sich schlecht: Siebenmal in Folge blieb der SK Sturm zuletzt in der Bundesliga gegen den LASK sieglos. Der letzte „Dreier“ datiert vom 24. April 2019 und ist damit bereits ziemlich genau zwei Jahre her. Die letzten vier Aufeinandertreffen mit den Linzern gingen zudem allesamt ohne eigenen Treffer verloren. Doch nicht nur die Vergangenheit macht die Brisanz der nächsten beiden Partien gegen die Stahlstädter aus. Ein Blick auf Tabelle und Spielplan verrät, dass das sonntägige Duell gegen das Team von Dominik Thalhammer bloß das erste Kräftemessen zweier direkter Tabellennachbarn innerhalb von nur wenigen Tagen ist.
Im ersten Duell musste Trainer Christian Ilzer weiterhin auf den verletzten Gregory Wüthrich sowie auf den für ein Spiel gesperrten Niklas Geyrhofer verzichten. Für Letzteren rückte Ivan Ljubic in die Startelf und Strippenzieher Jon Gorenc Stankovic begann eine Position weiter hinten. Rechtsverteidiger Jusuf Gazibegovic bekam zudem den Vortritt gegenüber Lukas Jäger und der nach seiner Sperre wieder spielberechtigte Kelvin Yeboah stürmte von Beginn an – er ersetzte den angeschlagenen Kevin Friesenbichler.

Jusuf Gazibegovic rückte statt Lukas Jäger in die Startelf. (c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Intensiver Start von beiden Teams

Der LASK versuchte in einer sehr intensiv geführten Partie von Beginn an, die auf zwei Positionen veränderte Sturm-Abwehr zu beschäftigen und sollte prompt auch zu einer ersten Gelegenheit kommen. Nach einem langen Ball von LASK-Goalie Alexander Schlager verloren David Nemeth und Gorenc Stankovic Thomas Goiginger aus den Augen, sein Schuss verfehlte das lange Eck aber deutlich. In Minute elf sollte auch Sturm das erste Mal für Gefahr sorgen. Nach einem Zuspiel von Kapitän Stefan Hierländer konnte Jusuf Gazibegovic im Linzer Strafraum abschließen, war jedoch zu bedrängt, um den Schuss platzieren zu können. Von der ersten Chance beflügelt erspielte sich das Heimteam in Minute 15 gleich die nächste Tormöglichkeit. Ein butterweicher Chipball von Nemeth erreichte den losgestarteten Yeboah. Dieser brachte das Spielgerät jedoch nur mehr aus spitzem Winkel aufs Tor. Jakob Jantscher erreichte in der Folge zwar den abgewehrten Ball, schloss aber zu hektisch ab und traf nur das Außennetz. Auf der anderen Seite sollte Gernot Trauner mit einem Kopfball für Gefahr sorgen. In Minute 20 war es abermals ein Nemeth-Zuspiel auf den pfeilschnellen Yeboah, das die Linzer in Bedrängnis brachte. Yeboahs Abschluss konnte von Schlager jedoch pariert werden.

Eigentor und der lang ersehnte Elfmeter

Was Sturm in der ersten halben Stunde nicht zustande brachte, sollte Rene Renner in Minute 28 für die Grazer erledigen. Nach einem mit Zug zum Tor getretenen Freistoß von Jantscher versuchte der Mittelfeldmann der Linzer den Ball gegen Nemeth in höchster Not zu klären, wurschtelte den Ball aber ins eigene Tor. Wenig später lag sogar das zweite Tor für die Grazer in der Luft. Wieder machte es Yeboah der Linzer Abwehr mit seinem Tempo schwer, aber fand seinen Meister erneut in Schlager. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit war der Jubel in Graz nochmal groß, zunächst aber nicht wegen einem Treffer. Schiedsrichter Christopher Jäger zeigte nach einem Foul an dem umtriebigen Yeboah auf den Punkt, gewährte Sturm nach exakt 497 Tagen wieder einmal einen Elfer und sorgte damit bei Sturms Betreuerbank für große Freude. Jakob Jantscher sollte diesen zu allem Überfluss auch noch souverän verwandeln. Kurios dabei: Jäger war auch der Schiedsrichter, der das letzte Mal für Sturm einen Elfer gegeben hatte – ihr dürft raten, gegen wen.

Kelvin Yeboah sorgte mit seinen Tiefenläufen immer wieder für Gefahr. (c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Jäger pfeift Sturm ins Glück

Nicht einmal eine ganze Minute war gespielt, da sollten die Gäste durch einen Renner-Schuss für Gefahr sorgen, dieser konnte aber zur Ecke geblockt werden. Sturm ließ sich ob dieser Chance aber nicht beirren und stand weiterhin sehr kompakt. Jemand, der weiterhin sehr wenig stand, war Kelvin Yeboah. Dieser lief auch in den zweiten 45 Minuten wie aufgezogen und sollte auch für Sturms erste Chance nach der Pause sorgen. Der Ghanaer behauptete sich im Linzer Strafraum gut und war von Trauner nur mehr mit einem Foul zu stoppen. Auch wenn dieser Elfmeter nicht so eindeutig zu geben war wie der erste, war die Entscheidung von Schiedsrichter Jäger durchaus nachvollziehbar. Geschossen und verwandelt wurde der Strafstoß vom Gefoulten selbst, der sich damit für eine gute Leistung belohnen konnte.

Schiedsrichter Christopher Jäger zeigte im Spiel gleich zweimal auf den Punkt. (c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Weniger Tempo, weniger Intensität

In Minute 66 (!) sollten die Gäste ihren ersten Schuss aufs Tor verbuchen können, Siebenhandl, der heute sein 150. Spiel im Dress der Schwarz-Weißen absolvierte, sollte mit dem Versuch von Reinhold Ranftl aber kein Problem haben. Im weiteren Verlauf des Spiels flachten sowohl Tempo als auch Intensität ab. Zwar verzeichnete der LASK immer mehr Ballbesitz, konnte aber erst in Minute 81 durch einen Distanzschuss von Trauner gefährlich werden. Der Ball verfehlte das Tor von Siebenhandl knapp. Auf Seiten Sturms war mittlerweile auch Bekim Balaj statt Yeboah in die Partie gekommen. In Minute 83 durfte auch Otar Kiteishvili seinen Arbeitstag beenden, für ihn kam Lukas Jäger in die Begegnung. Für Aufregung sollte aber ein Eingewechselter auf der anderen Seite sorgen. Bei einer Hineingabe in den Strafraum vergaß Sturms Hintermannschaft den im Rückraum stehenden Marvin Potzmann, der zum 3:1 einschieben konnte. In der ersten Minute der Nachspielzeit sollte auch noch der auffälligste Linzer an diesem Tag, Rene Renner, zu einer guten Chance kommen. Der 27-Jährige traf den Ball aber nicht voll und verzog so. Die völlige Schlussoffensive der Linzer blieb aus.

Sturms Schlussmann hatte auch in Halbzeit zwei wenig zu tun. (c) Martin Hirtenfellner Fotografie

So gilt: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei und die Unserie gegen den LASK ist nun vorbei. Sturm kann seit sieben sieglosen Spielen gegen die Linzer erstmals wieder voll anschreiben und überholt so den LASK in der Tabelle. Die Mannen von Christian Ilzer dürfen somit bis Mittwoch, wenn es zum Rückspiel in Pasching kommt, von Platz drei lachen. Ganz nebenbei konnte man an diesem Nachmittag auch wieder einmal Tore durch Elfmeter bejubeln.

Spieldaten

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19 Kommentare

  1. fid82 sagt:

    Trotz verdientem Sieg: die Passquote von 50% ist eine Katastrophe. Der Ballbesitz mit 36% auch sehr niedrig.
    Wobei 2.eres durch die Spielanlage mit dem schnellen Yeboah sicher zu erwarten war.

    • weizenheizer sagt:

      50% ist zu niedrig, der Wert erklärt sich aber auch aus der Spielanlage schnell den riskanten Ball in die Spitze zu spielen. Und 61% Zweikämpfe würd ich auch nicht unerwähnt lassen!

  2. Melvinuss sagt:

    Gratulation zum letztendlich verdienten Sieg und der sehr guten Leistung. Heute war auch das nötige Quentchen Glück endlich wieder mal auf unserer Seite. Die Spiele gegen Rapid und den WAC hätten an einem Tag wie heute auch anders ausgehen können, wenn nicht müssen!

    Ois für die Schwoazn!

  3. Ennstaler sagt:

    Solange Sturm Graz keinen Uhrturmmessi hat, fährt Sturm besser damit, wenn man dem Gegner die Aufgabe, das Spiel zu machen, überlässt, so stört auch der tatsächlich geringe Anteil am Ballbesitz nicht.

  4. weizenheizer sagt:

    Endlich wieder gebogen den Lask! Die Hinrundes des Meisterplayoffs ist mit 7 Punkten aus 5 Spielen auf jeden Fall sehr ok und über meinen Erwartungen.

  5. Marchanno Diaz Rabihou sagt:

    Ich hatte ein bissl Bammel vor der Meisterrunde – traumatisiert vom Vorjahr wahrscheinlich. Jetzt gg Rapid, Wac und Lask die bessere Mannschaft. Respekt

  6. Pata_Negra sagt:

    Am Ende des Tages ein absolut verdienter Sieg. Beide 11er ziemlich klar, vor allem bei Nr.2 hat Trauner den Kelvin stümperhaft rasiert. Das JJ hier Yeboah den Vortritt lässt und danach auch noch als erster dem Torschützen gratuliert, spricht Bände für das positive Klima innerhalb der Mannschaft. Bin schon gespannt auf Mi.!

  7. Black Panther sagt:

    Wir gewinnen nach einer Ewigkeit 3:1 gegen den LASK und es wird schon wieder gejammert! Ballbesitz… Top Fans! Nach zwei Jahren ohne Sieg war sicher kein dominates Spiel von uns zu erwarten! Ich sage mal so, wir können auf den Sieg richtig gut aufbauen! Möchte wissen welchen Tabellenplatz wir mit guten Schiedsrichtern und etwas Spielglück hätten! Wahrscheinlich noch etwas weiter oben, aber die Liga ist halt kein Wunschkonzert! Also jetzt 3. nach dem Umbau ist TOP!! Weiter so!

  8. ballspieler sagt:

    Der Zweikampfquote passt gut, der Anteil an Ballbesitz ist auch gewollt und durch den Spielverlauf entstanden.
    Ich finde aber trotz des Sieges die von Spiel zu Spiel sinkende Passquote bedenklich, es ist nur ein Glück, dass der schnelle Kelvin auch bei einem Sch…pass nachläuft und die Präzision durch Schnelligkeit kompensiert

  9. Schworza99 sagt:

    Gute Arbeit!

    Am Ende ist die Konzentration flöten gegangen aber in englischen Wochen wohl nicht ungewöhnlich.

    Man sieht deutlich welche Waffe Yeboah sein kann. Bitte mehr davon.

    Die Wechselpolitik ist trotzdem ein Graus.

    Jetzt weiter drücken da geht noch viel mehr. Potential ist immer da nur um es abzurufen fehlt oft der Mut.

  10. black_aficionado sagt:

    Sauber Jungs! Das waren sehr sehr wichtige 3 Pkte – am Mittwoch gleich nachlegen! ich denk beim Lask wird der Fokus ohnehin auf das Cupfinale gelegt (zumindest unbewusst) und der eine oder andere marschiert daher eventuell etwas weniger um Energie zu sparen und nichts zu riskieren…

    Zu den Stats: Ja, wir spielen tlw. hopp oder dropp nach vorne, daher ist die Passgenauigkeit mit Sicherheit nicht ganz aussagekräftig.
    Was mich aber mehr stört, das sind aber die unnedigen Ballverluste in der Mitte, weil auf den zentralen Positionen geschlampt wird! Da müssen der Kuen und der Hierli einfach wacher sein, sonst geht das bald mal wieder ins Auge.
    Ljubic hat mir gestern auch sehr gut gefallen. Unaufgeregt, wenig Harakiri und einige gute Antizipationen.

    Sehr Positiv, wir haben das Spiel gestern in der Offensive recht gut gestalten können und das obwohl der Kitei für seine Verhältnisse einen ziemlichen Schaß gespielt hat. Das ist natürlich spitze, wenn wir da etwas breiter aufgestellt sind und mehrere Varianten haben um nach vorne gefährlich zu werden.

    Wunsch ans Christkind: Wenn es irgendwie möglich ist, bitte den Nemeth an uns binden !!!! Wenn der noch 1-2 Saisonen derart performt, dann ist das der nächste Mio Transfer, garantiert.
    (ja ich weiß, das wird den Mainzern auch nicht verborgen bleiben und die Chancen sind daher wohl nicht existent :-/ )

  11. fid82 sagt:

    Sehe Nemethkauf leider auch als fast unmöglich an. Wenn man Kite für 3 Millionen los wird, vielleicht. Aber ob Sarkaria Kite dann ersetzen kann?

  12. Melvinuss sagt:

    Ich mag den Otar und seine Spielweise. Kickern, die sich im 1:1 behaupten können, schaut man immer gerne zu, und mitunter schaut das auch echt spektakulär aus. Aber letztendlich macht er zu selten wirklich den Unterschied aus und ist auch zu wenig effizient, von einem Spieler mit seinen Fähigkeiten erwartet bzw. erhofft man sich einfach mehr. Eine der Topligen wirds für ihn nicht spielen und in AT gibts wenige, die ihn brauchen können bzw. wo er keinen Rückschritt macht. Ich glaub eher nicht, dass wir ihn im Sommer verkaufen werden (können).

    Nemeth wird wenn dann maximal geliehen, aber da siehts jetzt ganz gut aus, da Mainz wahrscheinlich den Klassenerhalt schafft.

  13. fid82 sagt:

    Ich fand die Partie gestern geil und bin grundsätzlich bis auf Chancenverwertung aus dem Spiel heraus und trotz Spielanlage mit der 50%igen Passquote, sehr zufrieden (jeder 2.Ball zum Gegner ist zu viel).
    Ich bin also sehr zufrieden und kein Nörgler 🙂
    Gerade das Suchen der 1-1 Situationen von Yeboah gegen Trauner und die Aggressivität im 2Kampf war stark.

    Ein großes Minus ist aber die Wechslerei. Wir brauchen am Mittwoch frische Kräfte und die Jungen brauchen Spielzeit. Balaj und Jäger brauchst du nicht zu bringen. Bei 3:0 kannst du auch nach 65 Minuten mal Mwepu für Kite oder Jantscher bringen und wenn es nach 75 Minuten noch 3:0 steht Zettl und Komposch.

    • TW1 sagt:

      Du hast zu 100% recht.
      Gerade bei 3:0 hätte man die Möglichkeit junge offensive Spieler zu bringen. Da würden sie nicht unter Druck stehen und sie hätten auch die Räume für die eine oder andere gute Aktion.
      Balaj, der fix nicht verlängert wird, braucht man sicher keine Einsatzzeiten mehr geben.

  14. Duddy sagt:

    Scheinbar denkt ja da Pedda oft an a retpur nach graz zruck. Zam mit seim Bruder. Wär sicher was zum überdenken wenns mitn geld hinhaut

    • fauli sagt:

      Na bitte net, wird das jetzt Avdijaj 2.0?
      Peda, so gern ich ihn mag, hatte genau 1 starke Saison, davor und danach nix mehr

  15. sks1909 sagt:

    Saubere Leistung, aber die Wechselpolitik von Ilzer muss sich ändern. Bei 3:0 kann ich einen Mwepu bringen oder Shaba oder Zettl….das versteh ich nicht. Mwepu ist ein Guter und braucht dringend mehr Spiele. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn die Jungen wieder gehen werden, da sie kaum Spielzeit bekommen..das kann es nicht sein. Zudem stört mich ein wenig, dass wir nach dem 3:0 komplett aufgehört haben nach vorne zu spielen..typisch..da haben wir uns mehr als 25min. hinten reindrängen lassen…unnötig!! Sonst gibt es einige Fortschritte zu beobachten!

    • Schworza99 sagt:

      Vor allem ist es sinnlos. Balaj hat vorne keinen Einfluss und nach Jägers Einwechslung die Stabilität bringen sollte bekamen wir kurz darauf das Tor.

      Ich glaube in solchen Situationen musst immer weiter drücken den ein Jäger z.B. ist das klare Signal offensiv alles einzustellen und nur mehr zu verteidigen.

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