Aller Seelen laut!

Spielvorschau: SK Sturm Graz vs. Wolfsberger AC

Nachdem sich der SK Sturm vergangenen Dienstag in Cup-Runde drei gegen den KSV trotz einer lächerlichen roten Karte – eine Entscheidung, die  in den darauffolgenden Tagen vom eh schon so desaströs agierenden Unparteiischen medial auch noch verteidigt werden sollte – und der damit einhergehenden 70-minütigen Unterzahl mit 2:0 durchsetzen und somit mehr oder weniger souverän ins Viertelfinale einziehen konnte, bringt der Bundesliga-Alltag morgen das zweite Saisonduell mit dem Wolfsberger AC ins heimische Sturmstadion Liebenau. Ein brisantes Aufeinandertreffen – nicht wegen des (erneut medial) hochgeschaukelten Derby-Begriffs, der scheinbar unter allen Umständen durch- und jedem reingedrückt werden soll, sondern vielmehr aufgrund der sportlichen Ausgangslage: Es geht um Platz drei und um die Etablierung im Spitzenfeld.

Denn sollten die Grazer gegen den Europacup-Starter und aktuellen Tabellendritten voll punkten, würde die Truppe von Nestor El Maestro mit nur mehr einem Zähler Rückstand ganz ordentlich auf Rang drei, um den sich ein Dreikampf zwischen dem WAC und Sturm sowie Rapid anbahnen könnte, aufschließen. Eine Entwicklung also, die in der steirischen Landeshauptstadt sehr Willkommen geheißen würde. Aber reichlich genug der Konjunktive, was zählt, sind Fakten.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Und zu diesen gehört auch die Tatsache, dass sich die Schwarz/Weißen in einem deutlich zu erkennenden Aufwärtstrend befinden. Denn nach dem bitteren 0:1 bei der hinichen Austria, nach welchem man als mitgereister Fan gar geneigt war, an allem Schönen auf der Welt zu zweifeln, streichelte das darauffolgende Heim-Remis/der heimliche Heimsieg gegen den scheinbar übermächtigen Getränkekonzern unser Aller Seelen und wurde zum Fundament einer heute viel gefestigter wirkenden Sturmmannschaft, die in den Tagen darauf die Auswärtsspiele gegen St. Pölten (4:0) und jenes gegen den KSV – vorne eindeutig und hinten zu Null – für sich entscheiden konnte.

Der richtige Tanzpartner für eine Siegesserie?

Ganz nach dem Geschmack des Sturmtrainers also, der bei der Pressekonferenz zu Wolfsberg allerdings die Wichtigkeit einer Serie seiner Mannschaft untermauerte: Wir hatten schon den einen oder anderen guten Moment, so einen richtigen Schwung haben wir bis jetzt allerdings noch nicht erlebt. Das aber ist lebenswichtig im Fußball und ich hoffe sehr, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, wo wir richtig durchstarten.“, gibt El Maestro also selbstbewusst die Marschroute für Samstag, nämlich einen weiteren Sieg – es wäre der dreieinhalbste in Folge – gegen die Wolfsberger, vor. Personell kann der Coach für dieses Vorhaben relativ aus dem Vollen schöpfen. Bis auf Vincent Trummer, der verletzungsbedingt passen muss, Fabian Koch, hinter dessen Einsatz ein Fragezeichen steht und den – aufgrund seines mit Rot versehenen, gewonnenen Zweikampfs – gesperrten Innengriechen Tasos Avlonitis sind alle fit und einsatzbereit. Allerdings könnte Maestro nach der Sperre von Avlonitis gezwungen sein, von der zuletzt so erfolgreichen Dreier-/Fünferkette abzuweichen und wieder auf eine klassische Viererkette umzustellen.

Auf die Frage, ob der WAC ein guter beziehungsweise ein anderer Tanzpartner als St. Pölten oder Salzburg sei, antwortete der Trainer: „nicht unbedingt anders, denn alle drei Mannschaften kommen aus der selben Tanzschule und sind entweder Red Bull oder RB-inspiriert. Während St. Pölten immer wieder von dieser Grundidee abweicht, da sie in dieser Spielanlage nicht so gefestigt sind, zieht sie hingegen der WAC  schon die ganze Saison sehr souverän, gnadenlos und erfolgreich durch. Für uns waren Spiele gegen RB-inspirierte Mannschaften bis jetzt jedenfalls schön anzusehende Begegnungen und wir wissen, was zu tun ist.“

Alte „Derby“-Bemühungen auf neuem Geläuf

Diesem ganzen Hype rund um das konstruierte „Pack-Derby“ kann übrigens auch der Sturmtrainer nicht sonderlich viel abgewinnen: „Sie müssen verstehen, ich bin kein Fan, ich komme auch nicht aus Graz und  nicht einmal aus Österreich. Das heißt, diese ganzen Derbys hinsichtlich der kurzen Entfernung – Hartberg: besondere Bedeutung, Kapfenberg: besondere Bedeutung – ich spüre das gar nicht. Ob man jetzt gegen den WAC spielt oder gegen Altach, ist für mich, was das angeht, ziemlich gleich.“ 

Nicht gleich und vor allem wesentlich bedeutsamer ist die Thematik rund um den Rasen in Liebenau, der zu großen Teilen ausgetauscht und erneuert wurde, was jedoch, so El Maestro, für keinen der beiden einen Vorteil bedeuten würde, denn „wir sind Mannschaften mit ähnlicher Qualität, also kein Duell Bundesliga gegen Regionalliga. Ich glaube, beide Mannschaften freuen sich darüber, wenn der Platz gut ist.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Taumelnder WAC?

Die allgemeine Freude sowie der Höhenflug des kommenden Gegners aus Wolfsberg flachte zuletzt allerdings etwas ab, seit mittlerweile vier Pflichtspielen warten die Kärntner auf einen vollen Erfolg. In der Liga remisierte man jüngst bei Rapid und eine Woche später zuhause gegen die Admira, international lag die Niederlage in Istanbul genau zwischen diesen beiden Meisterschaftsspielen und aktuell knabbert man im Lavanttal noch immer am Cup-Aus gegen Zweitligist Wacker Innsbruck. Keine optimale Situation also für Gerhard Struber, der vor dem Match in Graz betonte: „Wir müssen wieder in die Erfolgsspur kommen und dafür in jedem Spiel an unsere Schmerzgrenze gehen. Es gilt, das totale Limit auszureizen und leidensfähig zu sein.“ So der Trainer der Wolfsberger, der Sturm Graz im Vorfeld auch Rosen streut: „Sturm ist im Aufwind und hat aus meiner Sicht hinter Salzburg den schlagkräftigsten Kader der Liga. Sie verteidigen sehr strukturiert.“

Spieldaten

Österreichische Bundesliga 2019/20, 13. Runde

Samstag, 02. November 2019, 17:00 Uhr – Sturmstadion Liebenau

Schiedsrichter: Robert Schörgenhofer

Mögliche Aufstellung:

Siebenhandl; Sakic, Spendlhofer, Donkor, Hierländer; Ljubic, Dominguez, Despodov, Röcher, Kiteishvili; Balaj

Ersatz: Schützenauer, Schrammel, Pink, Leitgeb, Jantscher, Huspek, Lema

Es fehlt: Avlonitis (gesperrt), Trummer (verletzt)

Fraglich: F. Koch

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