Albtraum Europacup?

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. Rubin Kazan 2:3

Nach einem Jahr Abstinenz auf europäischer Bühne, durfte sich der SK Sturm wieder international beweisen. Man erwartete viel von den Blackys, ob der guten Vorbereitung und der vielversprechenden Neuverpflichtungen. Die Ausgangslage war klar: Im Heimspiel gegen Rubin Kazan musste ein Sieg her um die Aufstiegschancen für das Rückspiel möglichst hoch zu halten.

Doch es war auch klar, dass dieses Unternehmen kein Kinderspiel werden würde, war es doch der Gast aus Russland und ehemalige Europaleague-Viertelfinalist, Rubin Kazan, der vor der Partie als Favorit geahndet wurde.

(c) SturmNetz.at

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Turbulenter Beginn

Bis die Millionentruppe, dieser Rolle gerecht wurde dauerte es auch nicht lange: Nach einer von Fehlpässen geprägten Anfangsphase legte Martin Ehrenreich in Minute 14 dem russischen Stürmer, Maxim Kanunnikow, den Ball an der Strafraumgrenze unfreiwillig auf und dieser zog eiskalt ins lange Eck ab. Die Gäste wirkten insgesamt dynamischer und ballsicherer doch der Gegentreffer hatte Sturm wohl aufgeweckt: Nur sechs Minuten nach dem Verlusttreffer wurde Anel Hadzic gefoult, Donis Avdijaj schnappte sich im Zuge des Vorteils den Ball, sprintete in die gegnerische Hälfte und schloss eine schöne Einzelaktion aus rund 20 Metern zum Ausgleich ab.
Nächster Schlag ins Gesicht

Das Stadion bebte, doch die gute Stimmung hielt nicht lange an. Erneut stand Martin Ehrenreich, der für Marvin Potzmann in die Startelf gerückt war, im Mittelpunkt des Geschehens.

Ein gegnerischer Angriff wurde zunächst vereitelt doch der anschließende Schuss prallte an Ehrenreichs Hand und via Esser ins Out. Schiedsrichter Daniel Stefanski zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt und Kazans Routinier, Gökdeniz Karadeniz, verwandelte sicher.

Zwei Gegentore machten die Ausgangslage natürlich nicht leichter und auch der Fakt, dass die Grazer im Angriff kaum Durchschlagskraft und in der Verteidigung zu fehleranfällig war, bescherte den 9700 Fans in der UPC Arena keinen Grund zur Freude. Doch erneut beflügelte der Gegentreffer die Schwarz-Weißen, sie wirkten wieder spritziger und aggressiver in den Zweikämpfen. Es hatte den Anschein, die Heimmannschaft brauche jedes Mal eine „Watschn“ um sich ihrer Lage bewusst zu werden.
Temporeich nach Wiedranpfiff

Auch Halbzeit zwei begann vielversprechend, die Blackys waren bemüht, die Klasse und Erfahrung des Gegners jedoch nicht zu übersehen. Immer wieder wurde Kazan, vorwiegend über Konter gefährlich.

Doch dann kam die 56. Spielminute: Eckball für Sturm und Shootingstar Simon Piesinger schraubte sich nach oben und köpfte zum erneuten Ausgleich ein. „Steht auf für den SK Sturm“ hallte es von den Rängen doch Partycrasher Igor Portnyagin hatte was dagegen und nutze eine neuerliche Unsicherheit in der Abwehr aus. (61.) Wilson Kamavuaka verlor nach Abwehr von Esser das Kopfballduell.

Die Russen waren auf jeder Position einfach besser, einzig das Tormanduell gewann Michael Esser für sich, der seine Mannschaft immer wieder mit Glanzparaden im Spiel hielt.
Untergang in Unterzahl

Nachdem Donis Avdijaj wegen Kritik in Halbzeit eins unnötigerweise die Gelbe Karte sah kam es noch dicker – ausgerechnet einer der bemühtesten Sturmspieler flog nach einem Foul von hinten vom Platz. Die numerische Überlgenheit konnte die Mannschaft aus der autonomen Republik Tatarstan nicht in Tore ummünzen, einmal mehr dank Sturms neuer Nummer Eins, Michael Esser.

Es blieb dabei, selbst die Einwechslungen von Gruber, Kienast und Horvath hatten nicht den erwünscht Effekt. Sturm hinten mit zu vielen Fehlern vorne mit zu wenig Durchschlagskraft. Die ohnehin so schwierige Aufgabe hat man sich heute größtenteils durch unnötige, individuelle Fehler noch schwieriger gemacht und auch das Fehlen von Donis Avdijaj erleichtert die Lage keineswegs.

Für die „Schwoazen in Europa“ könnte das Spiel am kommenden Donnerstag das letzte internationale dieser Saison sein, die junge Truppe von Franco Foda muss mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen. Im Fußball gibt es immer wieder Wunder. Hoffen wir auf ein schwarz-weißes.
Stimmen zum Spiel

Franco Foda: Wenn man international eine Runde weiterkommen will, darf man nicht solche Fehler in der Defensive begehen, wie wir es getan haben. Wir haben im Defensivverhalten in der Verteidigung nicht gut miteinander harmoniert und funktioniert. Wir wussten, dass Kazan vor allem im Mittelfeld versucht, Überzahlsituationen herzustellen, die äußeren Spieler immer wieder in die Zwischenräume gehen. Das haben wir nicht gut verteidigt. Das 0:1 haben wir selbst aufgelegt, das 1:2 durch einen Elfmeter ebenso, auch das 2:3 war ein Tor, das absolut vermeidbar gewesen wäre. Mit dem Spiel nach vorne war ich sehr zufrieden. Die Mannschaft hat alles versucht, mit viel Tempo gespielt, wir hatten Möglichkeiten.
Zu Ehrenreich: Ich bereue nie eine Entscheidung – auch bei meiner Hochzeit nicht, ich bin immer noch extrem glücklich mit meiner Frau. Wir wussten, dass wir in dieser Woche drei sehr intensive Spiele haben und ich wollte frisches Blut bringen. Das war die erste Überlegung. Die zweite war, dass Gökdeniz Karadeniz über diese Seite kommt, der immer wieder nach innen zieht und Martin im Defensivverhalten eigentlich gut ist. Leider sind ihm Fehler unterlaufen, das passiert im Fußball. Das wird er verkraften und abhaken. Aber die Entscheidung bereue ich nicht. Ich würde wieder genauso entscheiden. Man macht sich Gedanken, und es hätte auch so sein können, dass er ein gutes Spiel macht und dann hätten alle von einer super Entscheidung gesprochen.
Zu Avdijaj: „Das war unnötig, das darf nicht passieren. Das muss er einfach lernen, dass die Gelb-Rote Karte im Prinzip nur eine Folgeerscheinung dessen war, dass er sich da nicht gut verhalten hat. Er ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen hätte können. Er konnte sich im Eins-gegen-Eins gut durchsetzen, hatte Lösungen parat und hat ein schönes Tor erzielt. Aber das darf einfach nicht passieren und darüber werde ich mit ihm reden.
Zum Rückspiel: „Die Ausgangssituation vor dem Spiel war besser. Nichtsdestotrotz gab es im Fußball schon Wunder und Überraschungen. Wir werden im Rückspiel alles versuchen, dieses Spiel noch zu drehen, aber man muss auch Realist sein. Es wird sehr schwierig, weil Kazan gerade im Angriff extrem schnelle Spieler hat. Sie haben jetzt alle Trümpfe in der Hand.

Michael Madl:Solche Fehler wie bei den Gegentoren tun natürlich immer weh, aber das kann passieren. Was mich viel mehr ärgert, sind die Abstimmungsprobleme, die wir teilweise hatten. Das sollte und darf nicht passieren und schon gar nicht auf diesem Niveau. Ich habe Martin sofort gesagt, dass so etwas immer wieder passieren kann. Solche Fehler kommen im Fußball vor, das passiert den Allerbesten. Da gibt es überhaupt keine Kritik.
Zum Rückspiel: „Das ist natürlich ein scheiß Ergebnis zu Hause, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber ich glaube felsenfest daran, dass wir das noch drehen können, denn wir sind rein an uns gescheitert, nicht an der Klasse von Rubin Kazan. Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass es zwei sehr gute Tage braucht, um gegen Kazan zu bestehen – den hatten wir im Heimspiel nicht, deswegen benötigen wir nächste Woche einen umso besseren Tag. Wir brauchen ein kleines Wunder.

Michael Esser: Man läuft halt immer wieder an und denkt sich, jetzt hat man sie – und dann bekommt man noch das dritte Tor. Martin ist erfahren genug, um den Kopf wieder hochzunehmen, das kann jeden treffen. Deswegen sind wir eine Mannschaft und stehen zusammen. Das ist kein Problem.
Zum Rückspiel: „Wir haben nichts zu verlieren. Wenn wir 1:0 in Führung gehen oder eventuell sogar 2:0, werden die Kollegen schon anfangen zu schwimmen.
Spieldaten

SK Sturm Graz – FC Rubin Kazan

UPC-Arena, 30. Juli 2015, 19 Uhr Uhr, 9.765 Zuseher

Tore: Avdijaj (21. Minute), Piesinger (56. Minute) bzw. Kannunikov (14. Minute), Karadeniz (25. Minute/FE), Portnyagin (68. Minute)

SK Sturm (4-2-3-1): Esser; Ehrenreich, Madl, Kamavuaka, Klem; Piesinger, Hadzic (75. Horvath); Schick (68. Gruber), Avdijaj, Dobras; Tadic (63. Kienast)

Rubin Kazan (Startaufstellung): Ryzhikov, Kuzmin, Kverkvelia, Cotugno, Kambolov (Georgiev), Nabiullin, Ozdoev, Carlos Eduardo, Bilyaletdinov (Kislyak), Karadeniz, Kanunnikov (46. Portnyagin)

Den SturmNetz.at Live-Ticker gibt es HIER zur Nachlese.

Die einzelnen Akteure des Spiels könnt ihr HIER benoten.

 

7 Kommentare

  1. IMan IMan sagt:

    Hihi… bin am Foto oben! Was soll man sagen, schwach und aus! So gut wie jeder Pass ging zum Gegner, jeder Zweikampf ging verloren! Immer die leeren Versprechungen bei den Pk’s :“ Wir sehen eine andere Mannschaft ,ein Sieg wäre keine Überraschung…“ So wirds nix werden! Die Zuschauer vertreibt mit der Leistung!

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  2. Nimrod sagt:

    Keine Ahnung, was Foda mit Ehrenreich immer hat. Sogar bei Milanic war er schon weg vom Fenster. Gerade Potzmann war gegen die Admira noch einer der besseren…
    Egal, jetzt Vollgas gegen Grödig, um nicht wieder so einen Start wie in der unsäglichen 13/14er Saison hinzulegen

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  3. Denginho sagt:

    Was war das gestern für eine komische gruppe auf der North? Haben alle Hemden an gehabt auf der North. War das eine Polter partie?

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  4. sks1909 sagt:

    Foda’sche Realitätsverweigerung sag ich nur, Zitat : „mit dem Spiel nach vorne bin ich sehr zufrieden“..ich glaube, an der Linie stand gestern ein anderer..Diese Mannschaft ist statisch, strahlt nichts aus, keine Leidenschaft, massiv viele Fehlpässe..geh bitte, das bisserl laufen soll kämpfen gewesen sein? Der WAC war ein Vorbild..so treibt man an,wie die gestern in der 2.HZ…

    Es ist einfacher, die Akteure aufzuzählen, die gestern sehr ok waren..nämlich nur ESSER und einwenig Gruber, sowie Horvath (bemühten sich wenigstens sehr), der Rest ohne Worte..vor allem Klem, Hadzic und gestern zu meiner Verwunderung auch Schick eine Vorgabe..Wilson und Madl auch äußerst schwach, vom Ehrenreich red ich gar net…Pisi ohne Form und Donis nur am maulen mit dem Schiri..

    Jetzt haben wir einen ansprechenden rechten V geholt u der muss raus bzgl. Rotation..*kopfschüttel Hr. Foda*..dazu einen talentierten griechischen Verteidiger, der sicher, so wie der Urkainer solange auf der Bank versauert, bis er im Winter wieder weg ist..FODA schafft es tatsächlich, viel Gutes wieder zu verhauen..stur und typisch Deutsch…

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  5. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Naja Madl war oft damit beschäftigt, die Fehler der Aussenverteidiger aushubügeln…
    Kamavuaka wirkte unsicher so wie das ganze Team
    Donis hat seine Leistung durch sein Benehmen ausgeglichen.
    Das Mittelfeld zeichnete sich auch nicht sonderlich aus und der Sturm war wie üblich ein Totalausfall. Man kann an Tadic mögen oder nicht aber der geht bei jedem Zweikampf zu Boden.
    Wenn Sturm am Donnerstag so kämpferisch auftritt wie da WAC sehe ich noch Hoffnung für den Aufstieg, jedoch muss Man auswärts defensiv mehr als aufmerksam stehen.
    Auch Wenn der Kader nicht schlecht ist muss Man sich noch dringend verstärken. Im Mittelfeld jemand der die Bälle verteilen kann und einen gstandenen Stürmer. Hoffe Foda sieht in Ehrenreich nicht mehr als ein Backup…

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