Als Klagenfurt das erste Mal Kopf stand – Teil 2

Wie ging es mit der Karriere von Klemen Lavric und Co. nach dem Cupsieg 2010 weiter?

Wir schreiben den 16. Mai 2010. Der SK Sturm stand zum achten Mal in seiner Vereinsgeschichte in einem Pokalfinale. Die Erwartungen waren hoch – immerhin lautete der Finalgegner „nur“ Wiener Neustadt. Tausende schwarz-weiße Anhänger pilgerten an diesem Tag voller Vorfreude in die Kärntner Landeshauptstadt und sorgten so für einen Fanaufmarsch, der Fußball Österreich staunen ließ. An jeder Ecke tummelten sich die Fans der Schwarz-Weißen. Die örtlichen Lokalitäten wurden okkupiert und dort, wo früher Klagenfurter Ortstafeln standen, ragten Grazer Ortschilder aus dem Boden. Im Stadion angekommen, erwartete die Mannschaft eine einzigartige Stimmung gepaart mit einem schwarz-weißen Fahnenmeer. Als Klemen Lavric nach Vorlage von Muratovic in der 81. Minute den Siegtreffer erzielte, brachen schließlich alle Dämme. Klagenfurt stand Kopf – Sturm gewann zum vierten Mal ein österreichisches Cupfinale. Zehn Jahre nach diesem Cupsieg blicken wir in unserer Rubrik „Was wurde aus …?“ in vier Teilen auf die Akteure, die diesen grandiosen Erfolg möglich machten. In der zweiten Ausgabe beschäftigen wir uns mit den Sturm-Zwillingen und zwei Spielern, die in Graz lange Zeit die zentrale Mittelfeldaxe bildeten.

Foto: CC SA by Wikimedia Commons; Steindy

Mario Kienzl

Der gebürtige Grazer war für viele Fans die Identifikationsfigur schlechthin. Als vielversprechendes Talent wurde er 2002 von den Amateuren in die erste Mannschaft hinaufgezogen. In den schwierigsten Jahren und schwärzesten Kapiteln der Vereinsgeschichte hielt der junge Mittelfeldspieler dem Verein die Treue. Nach einem im Herbst 2009 erlittenen Kreuzbandriss arbeitete sich der Fanliebling vorbildhaft zurück und konnte die Mannschaft im Cupfinale 2010 sogar als Kapitän auf den Platz führen. Auch eine Saison später, als die Blackys Meister wurden, trug Kienzl die Kapitänsbinde um den Arm. So schön hätte seine Karriere bei Sturm weiter verlaufen können – jedoch machte das liebe Geld der Schwärmerei der Fans ein schnelles Ende. Der Verein konnte sich mit dem Grazer aufgrund finanzieller Ungereimtheiten auf keinen neuen Vertag einigen und so zog es Kienzl nach Liechtenstein – um genauer zu sein zum FC Vaduz. Von einem Team, bei dem er innerhalb eines Jahres als Kapitän zwei Titel feiern durfte, zu einem Verein, der in der zweiten Schweizer Liga herumgurkte. Viele sprachen von einem Wechsel ins fußballerische Niemandsland. Für Fans ist dieser Wechsel bis heute nicht nachvollziehbar. Obwohl es für Kienzl beim neuen Klub anfänglich nicht schlecht lief, sollte der Mittelfeldspieler nie über eine Reservistenrolle hinauskommen. Sang- und klanglos verließ der Steirer im folgenden Sommer den Klub aus Liechtenstein wieder. Nach einer kurzen vereinslosen Zeit wechselte er 2013 zum steirischen Unterligisten SV Lannach. Ein knappes halbes Jahr kickte er für die Weststeirer, ehe er seine Trainerkarriere beim FC Kalsdorf startete, wo er bis 2017 Co-Trainer blieb. Im Sommer des selben Jahres kehrte er wieder in die steirische Landeshauptstadt zurück und betreute dort als „Co“ die Sturm-Amateure. Im Sommer 2019 trennten sich wieder die Wege – seitdem ist er ohne Klub.

Mario Kienzl fungierte zwei Jahre lang als Co-Trainer der Sturm Amateure. © Martin Hirtenfellner Fotografie

Manuel Weber

Der Kärntner Dauerbrenner kam in den Saisonen 2009/10 und 2010/11 auf insgesamt 88 Pflichtspieleinsätze für die Blackys. Zusammen mit Kienzl bildete er sowohl in der Cupsieg- als auch in der Meistersaison die zentrale Axe des schwarz-weißen Mittelfelds. Nach fünf Jahren im Grazer Trikot, in denen er vor allem durch seine Zweikampfstärke auffiel, wechselte der zentrale Mittelfeldspieler wieder in seine Heimat Kärnten zum Wolfsberger AC. Dort entwickelte sich Weber noch einmal zum absoluten Leistungsträger und half den Kärntnern mit seiner Erfahrung sich in der ersten Spielklasse zu etablieren. Im Sommer 2016 beendete der gebürtige Villacher im Alter von 30 Jahren schließlich seine Profikarriere und wechselte zum Ausklang seiner Karriere zum SV Rosegg (Kärntner Unterliga).

Manuel Weber im Europa League Qualifikationsspiel gegen Metalist Kharkov. Foto: CC SA by Wikimedia Commons; Da belkin

Jakob Jantscher

Bevor sich der Steirer der Jugendabteilung des SK Sturms anschloss, ging er für die Jugend von Unterpremstätten und LUV auf Torjagd. Ab der U15 trug er das schwarz-weiße Trikot und im Jahr 2007 gab er sein Debüt in der Profimannschaft. Bei der 4:1-Niederlage gegen Salzburg wechselte Franco Foda den Flügelflitzer in der 82. Spielminute für Thomas Krammer ein. Der erste große Durchbruch Jantschers sollte dann in der Saison 2008/2009 folgen: In dieser kam er auf 28 Ligaeinsätze, in denen er fünf Tore erzielte und unzählige Vorlagen lieferte. In der darauffolgenden Spielzeit sollte es für das Grazer Eigengewächs sogar noch eine Spur besser laufen: 32 Startelfeinsätze und der Cupsieg standen bei ihm nach dem Ende der Saison zu Buche. Wenig verwunderlich hatte der damals 21-Jährige nach dieser Saison zahlreiche Angebote aus dem In- und Ausland vorliegen. Er entschied sich nach Salzburg zu wechseln und unterschrieb bei den Bullen einen Vierjahresvertrag. „Jay Jay“, wie der Spitzname des gebürtigen Grazers lautet, hatte in Salzburg unter Huub Stevens auf Anhieb einen Stammplatz. Vor Beginn der Spielzeit 2010/11 dachten viele, dass Jantschers Schritt zu Salzburg zu wechseln der richtige war – als am Ende dieser Saison jedoch die Schwarz-Weißen es waren, die den Meisterteller in die Höhe hievten, blickte der Flügelflitzer wohl mit viel Wehmut in die Heimat. Die nächste Saison jedoch, sollte für Jantscher wohl die erfolgreichste seiner bisherigen Karriere werden: Er holte mit Salzburg das Double, wurde mit 14 Toren ex aequo mit Teamkollege Stefan Meierhofer Torschützenkönig und wurde dazu noch zum Spieler der Saison gekürt. Bekannterweise folgt nach jeder Höhe eine Tiefe – so auch in der Karriere Jantschers. In der nächsten Spielzeit sollte er unter dem damaligen Bullentrainer Roger Schmidt keine wichtige Rolle mehr spielen. Im September 2010 wechselte er daher auf Leihbasis zu Dynamo Moskau, wo er zwanzigmal für die Russen auflief. Nach einem erneuten Engagement bei Salzburg spielte er eine Saison beim NEC Nijmegen und drei erfolgreiche Jahre beim FC Luzern. In seiner Zeit beim schweizer Erstligisten erzielte er in 71 Spielen zwölf Tore und legte 18 auf. Er avancierte in der Schweiz zum absoluten Fanliebling und wurde dort vor kurzem ins Team des Jahrzehnts gewählt. Als bisher letzte Auslandsstation wagte Jantscher am 31. August 2016 den Schritt in die Türkei zu Caykur Rizespor. Trotz eines Vertrags bis Juni 2020 verließ er den türkischen Klub im Dezember 2017 schon wieder. Im Jänner dachte sich Jantscher schließlich „daham is daham“ und schloss sich wieder den Grazern an. In der bisherigen Saison kam der 31-Jährige insgesamt auf 22 Einsätze.

Jakob Jantscher trägt seit 2018 wieder schwarz-Weiß. Einziger Unterschied zu früher: der Schnauzer. © Martin Hirtenfellner Fotografie

Daniel Beichler

Spricht man über Jakob Jantscher, kommt bei vielen fast schon zwangsläufig die Frage auf, was aus seinem kongenialen Offensivpartner Daniel Beichler wurde. Die beiden bildeten in der Saison 2009/10 ein immens gefährliches Offensivduo, welches für unzählige Tore und Vorlagen sorgte. Und nicht nur das: Mit ihrer erfrischenden Art Fußball zu spielen schossen sich die damaligen Shootingstars der Blackys auch direkt in die Herzen der Fans. Die Spielzeit 2009/10 endete für die beiden mit dem Cupsieg. Im darauffolgenden Sommer blieb in Graz jedoch kein Stein auf dem anderen – beide der Sturm-Zwillinge verließen die Murmetropole. Jantscher heuerte wie bereits erwähnt bei Salzburg an und Beichler verließ Sturm in Richtung Hertha BSC. Zweiterer wollte in der deutschen Hauptstadt groß durchzustarten – mit dem Kapitel Hertha begann für den Steirer jedoch eine schier endlose Odyssee. Aufgrund unzähliger Verletzungen, privater Probleme und Missverständnisse mit Vereinsverantwortlichen wurde Beichler im Laufe seiner Karriere immer wieder an verschiedene Klubs ausgeliehen. So ging es für den Offensivspieler bereits im Frühjahr nach seinem Wechsel in die Raiffeisen Super League zu St. Gallen. Zurück aus der Schweiz wurde er gleich weiter an den MSV Duisburg verliehen. Aufgrund privater Umstände wollte er nach nur einem Monat wieder zurück nach Österreich. So kam es, dass ihn mit Ende der Transferfrist die SV Ried verpflichtete . Bei den Innviertlern kam Beichler langsam wieder in die Spur – Er absolvierte für die Rieder 26 von 29 möglichen Bundesligapartien und erzielt dabei vier Treffer. Aber der damals 24-Jährige gehörte noch immer der Hertha und wurde so nach einer Saison wieder zurück an die Spree geholt. Unter dem Holländer Jos Luhukay, der mittlerweile bei den Berlinern auf der Trainerbank saß, sollte Beichler in der Vorbereitung nach Belieben treffen und so auch in der ersten Bundesliga-Runde in der Startelf stehen. Es sollte der erste, aber gleichzeitig auch der letzte Auftritt des Steirers in der ersten Mannschaft von Hertha BSC sein. Denn kurz danach erfährt Beichler von der Erkrankung seiner Mutter, beantragt Sonderurlaub und fährt in Steiermark. In der Winterpause der gleichen Saison wird er abermals verliehen. Diesmal nach Sandhausen, einer Gemeinde mit knapp über 14.000 Einwohnern in Baden-Württemberg. Beichler beendete diese Saison mit null Toren und null Torvorlagen. Da sowohl der Spieler als auch der Verein kein Interesse an einer Weiterführung des Leihvertrages hatten, war auch dieses Kapitel für Daniel Beichler schnell beendet. Nach insgesamt drei Jahren im Ausland kehrte Beichler 2013 wieder nach Graz zurück, wo zu dieser Zeit gerade Darko Milanic Trainer war. Aber auch in der Heimat sollte es für den „Beichiboy“ nicht wieder von Anfang an rund laufen. Meist wurde er als Wechselspieler eingesetzt – erst nach dem ersten Saisonviertel etablierte er sich unter dem slowenischen Übungsleiter zum Stammspieler. Er kam in dieser Spielzeit auf 33 Bundesligaspiele und erzielte dabei zehn Treffer. Trotz einer enttäuschenden ersten Saison unter Darko Milanic behielt Sturm den Slowenen als Trainer. Daniel Beichler passte sich in der neuen Saison immer öfter der mauen Gesamtleistung der Mannschaft an und war einige Male einer der schwächsten Spieler am Platz. Als unter Franco Foda wieder der sportliche Erfolg zurückkehrte und der Mainzer augenscheinlich fast alle Spieler leistungstechnisch verbesserte, schlitterte der Offensivspieler in eine erneute Formkrise. Nach seiner zweiten Zeit bei den Grazern, wechselte Beichler 2015 an die Bimbo-Binder-Promenade zum SKN St. Pölten. Dort sollte er als letztes Karrierehighlight den Aufstieg in die erste Liga mit den „Wölfen“ feiern dürfen. Mit gerade einmal 28 Jahren beendete der Steirer schließlich seine Karriere. Seine immer fortwährenden Verletzungen machten zu diesem Zeitpunkt keinen Profifußball mehr für ihn möglich. Er kehrte in die Heimat zurück, wo er aktuell die U15 vom JAZ GU Süd, dem steirischen Kooperationspartner von Red Bull Salzburg, trainiert. Die lange Liste seiner Verletzungen, der oft negative Einfluss seines Beraters und auch einige persönliche Schicksalsschläge, verhinderten wohl eine größere Karriere eines jungen und talentierten Fußballers.

2017 mussten sich die Fans endgültig von Daniel Beichler verabschieden. © Martin Hirtenfellner Fotografie

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