111 Gründe, den SK Sturm Graz zu lieben

Die Geschichte des SK Sturm Graz ist eine voller Unzulänglichkeiten, Pleiten, Pech und Pannen. Es ist aber auch eine Geschichte der Überwindung dieser Hindernisse. Eine Geschichte der Tradition, der Leidenschaft und der Begeisterung.

Der SK Sturm ist Graz, und Graz ist der SK Sturm. Die Verwurzelung in der Murstadt und der Steiermark ist groß. Der Personenkreis, der im und zum Verein mitredet, hat fast ebensolche Ausmaße. Man begegnet den „Schwoazn“ eben an jeder Ecke.

Diesen Klub zu lieben ist nicht immer einfach, es führt aber kein Weg daran vorbei. Sturm ist nicht der erfolgreichste, nicht der reichste und nicht der größte, aber durchaus der lässigste Verein der Welt. Einmal vom Virus »Sturmgeist« befallen, kann sich keiner mehr davon befreien.

Zugang

„111 Gründe, … zu lieben“ ist ein im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienenes Werk, aus einer Reihe, die sich bereits mit den unterschiedlichsten Fußballvereinen weltweit auseinandergesetzt hat. Was lag näher, als ein liebloses, in Massenproduktion schnell und wenig akribisch verfasstes Buch zu erwarten. Auch die schlanken 9,99 Euro, um die das Werk zu haben ist, verstärkten dieses Vorurteil. Es sollte sich allerdings rasch als völlig unangebracht herausstellen. „111 Gründe, den SK Sturm Graz zu lieben“, ist ein umfassendes, unterhaltendes Buch, das tief eindringt in die Geschichte des Sportklubs Sturm. Ohne viel Schnick-Schnack, frei von Grafiken und Abbildungen, wird darin Sturm pur präsentiert. Gut recherchiert, tiefgründig und lebendig. Dass diese Sturm-Lektüre die erste ihrer Art ist, die nicht vom Klub direkt in Auftrag gegeben wurde, verleiht ihr eine wohltuende Komponente. Inhaltlich ist es keine bloße Aufzählung von „Glory Days“, sondern auch eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen, die den Verein so manches Mal umso sympathischer erscheinen lässt. Man glaubt dem Autor – einst trieben seine Kolumnen einem General und dessen Fußvolk mitunter die Zornesröte ins Gesicht – dass genau 111 Gründe zu finden gar nicht so einfach gewesen ist. Nicht der Umstand, diese Zahl zu erreichen, bereitete wohl Kopfzerbrechen, sondern aus wahrscheinlich mehreren hundert von Gründen gewissenhaft zu selektieren, erscheint die Mammutaufgabe gewesen zu sein. Wem der Sportklub Sturm ohnehin schwer am Herzen liegt, den wird dieses Buch in seiner Meinung bestärken. All jene, die mit dem „lässigsten Klub überhaupt“ so gar nichts anfangen können, werden sich nach Studium dieses Buches der Faszination nicht mehr vollends entziehen können. 

Autor

Jürgen Pucher, Jahrgang 1978, ist Politikwissenschaftler und freier Fußballjournalist. Vor, während und nach dem Studium ging es für den praktizierenden Steirer in Wien immer auch um Fußball im Allgemeinen und den SK Sturm im Speziellen. Da waren unter anderem das Magazin »Null Acht« und die Plattform „Sturm12.at“ von Sturmfans für Sturmfans, da sind der Podcast BlackFM.at und die periodische Kolumne „12 Meter“.

Buchpräsentation in der Nordkurve

Am 18. September wird um 18:00 Uhr in Liebenau, direkt in der Nordkurve, das Buch allen Interessierten präsentiert. Die Sturm-Legenden Günther Neukirchner und Gilbert Prilasnig werden mit dem Autor gemeinsam über Geschichten aus dem Buch diskutieren.

Einige Gründe

Weil Fritz Longin einen Ball in den Augarten mitbrachte. Weil das Improvisieren in der DNA des Vereins verankert ist. Weil Ivica Osim beim Fußball die Manieren wichtig waren. Weil man in Graz immer spürt, wenn Match-Tag ist. Weil Roman Mählich im Infight gegen David Beckham einen verirrten jungen Mann zurück auf den rechten Weg gebracht hat. Weil der SK Sturm in der »Hölle« des Ali Sami Yen-Stadions den Gruppensieg in der Champions League fixierte. Weil Platzsprecher Günther Schrey einen Weltrekord aufstellte. Weil Ivica Vastić eine Ära für immer war. Weil für den Arsenal FC in Liebenau nichts zu holen war. Weil Giuseppe Giannini die Gruabn für den Trainingsplatz hielt. Weil Uroš Matić zumindest eine halbe Saison lang die große Fußballkunst nach Graz zurückkehren ließ.

Leseprobe

​Irgendwann landen alle auf dem Stadionvorplatz. Dort ist der Verdichtungspunkt, wo aus Individuen der Sturmanhang, das Kollektiv, wird. Jede neu ankommende Straßenbahn spuckt ein neues Häufchen Sturmfans aus. Die Studenten aus der Stadt stehen neben der Landbevölkerung aus Eibiswald oder Wildon. Der stadtbekannte Literat neben dem Lokalpolitiker. Vor dem Fanshop tummeln sich Ex-Kicker mit ihren Kindern und aktuelle Funktionäre des Vereins zum letzten Plausch über die Erwartungen. Graz ist eine Kleinstadt, anonym ist hier niemand, schon gar nicht an einem Spieltag der Blackies.

Man hört erstmals den Stadionsprecher, und die schon postierten Fanklubs auf der Nordtribüne unmittelbar hinter dem Stadionvorplatz begrüßen die zum Aufwärmen einlaufende Heimmannschaft. Trommeln und rhythmisches Klatschen, »Sturm Graz« hallt es nach draußen. Es ist der Lockruf für die noch vor den Toren stehenden Fans. Es geht zum Eingang, in den Sektor und zum für immer und ewig erhebend bleibenden Moment, wenn sich vor einem das Stadion auftut und es gleich wieder nur ein Motto geben wird: »Hier regiert der SK Sturm.« Jürgen Pucher

Jürgen Pucher, 111 Gründe, den SK Sturm Graz zu lieben, Eine Liebeserklärung an den großartigsten Fußballverein der Welt, 320 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978-3-86265-687-5, 9,99 Euro.

1 Kommentar

  1. graz4ever sagt:

    Cool, Bombe, Hamma…einfach „SturmGraz-mäßig“ halt 😉

    Freu mi irrsinnigst drauf 🙂 🙂 🙂

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